Künftige Besitzer eines Pedelecs oder E-Bikes müssen überlegen, für welche Zwecke sie sich das neue Gefährt zulegen wollen: Ausflüge ins Gelände, ausgedehnte Touren auf Asphalt oder Stadtradeln mit dem Kinderanhänger. Nicht alle Modelle sind für jede Nutzung gleich gut geeignet. Eine Probefahrt bringt Aufschlüsse, welche Schaltungsart einem am ehesten liegt.
Je mehr Gänge ein E-Bike besitzt, desto besser kann der Krafteinsatz an die jeweilige Fahrsituation und an das Geländeprofil angepasst werden. Aber nicht jeder E-Bike-Fahrer nutzt auch wirklich 30 Gänge. Für die meisten Elektrofahrradfahrer sind drei bis 14 Gänge, als Naben- oder Kettenschaltung, völlig ausreichend - vor allem, wenn die Fahrten eher im Flachland oder in nur leicht hügeligem Gelände stattfinden. Für Mountainbiker und sportlich ambitionierte Fahrer gelten natürlich andere Maßstäbe. Hier können mehr Gänge durchaus wichtig sein.
Faktoren, die die Wahl der Ganganzahl beeinflussen
- Fahrweise, Gepäck und Gewicht beachten: Es gibt sehr viele Komfortmodelle, die sich durch tiefen Einstieg und eine bequeme Sitzposition auszeichnen, aber natürlich auch viele Modelle, die sportlichen Fahrern entgegenkommen.
- Alltägliche Nutzung: Welche Lasten sollen transportiert werden? Sind Sie eher mit Rucksack unterwegs oder wollen Sie auch den Wochen-Einkauf mit Ihrem Pedelec befördern? Planen Sie Ihr Kind in einem Sitz mitzunehmen oder wollen Sie einen Fahrrad-Anhänger benutzen? Aber Vorsicht: Dies ist zum Beispiel bei S-Pedelecs nicht erlaubt.
- Wo wird der künftige E-Bike-Fahrer überwiegend unterwegs sein? Eher in der Stadt oder im Flachland? Werden eher gut befahrbare Untergründe wie Radwege genutzt oder geht es auch schon mal über holprige Feld- und Waldwege? Diese Überlegungen verraten viel über den in Frage kommenden Fahrradtypen, aber zum Beispiel auch über die notwendige Federung.
- Tägliche Strecken: Wie weit die Strecken sein werden, die man durchschnittlich zurücklegen möchte, und wie oft das E-Bike genutzt wird, sind weitere wichtige Kriterien für die Kaufentscheidung. Davon ausgehend lässt sich abschätzen, wie lange der Akku ohne Aufladen durchhalten muss.
Die richtige Schaltung für dein E-Bike
Die Wahl der geeigneten Gangschaltung für dein E-Bike orientiert sich vor allem daran, was für einen E-Bike-Typen du fahren möchtest. Je nach eigener Fahrweise und E-Bike-Typ unterscheidet sich die Leistungsentfaltung des Elektromotors und auch die eigene Trittfrequenz und Kraftausübung. Es wirken also verschieden große Kräfte auf das E-Bike und seine Gangschaltung.
- Möchtest du gern mit deinrm City E-Bike durch die Stadt bummeln?
- Unternimmst du gerne wilde Geländefahrten mit deinem Enduro E-Mountainbike?
- Brauchst du ein praktisches Lasten E-Bike?
- Oder soll es doch lieber ein cooles Trekking E-Bike für ausgedehnte Touren sein?
Jede Form von Gangschaltung birgt ihre eigenen Vor- und Nachteile und eignet sich darum für den einen E-Bike-Typ besser als für den anderen.
Kettenschaltung vs. Nabenschaltung
Grundsätzlich gibt es für Pedelecs - der eigentlich richtigen Bezeichnung eines E-Bikes - dieselben Schaltwerke wie für Fahrräder ohne elektrischen Antriebsmotor. In der Reihenfolge der Marktpräsenz gibt es für E-Bikes die klassische Kettenschaltung oder die wartungsarme Nabenschaltung.
- Kettenschaltung: Grundsätzlich gilt, dass die Kettenschaltung die sportlichste und die mit der direktesten Kraftübertragung darstellt. Somit liegt der Vorteil des Ketteantriebs gerade für sportlich ambitionierte Biker in der etwas höheren Geschwindigkeit beim gleichen Kraftaufwand. Allerdings hat die direkte Kraftübertragung den Nachteil, dass sehr viel mechanischer Abrieb an den Ritzeln und der obligatorischen Kette entsteht. Daher erfordert die Kettenschaltung regelmäßige Wartung und gelegentliches Nachstellen sowie einen Kettenwechsel. Da hilft es auch kaum, zum Schutz der Kette, die Kettenschaltung mit einem Kettenschutz zu versehen.
- Nabenschaltung: Wartungsfreier ist da auf jeden Fall die Nabenschaltung. Deren Schaltwerk ist in der Nabe eingekapselt und somit keinen äußeren Einflüssen ausgesetzt, das gilt auch für eine automatische Nabenschaltung am E-Bike. Das ist auch der wichtigste Unterschied zwischen Naben- und Kettenschaltung: Ein E-Fahrrad mit Nabenschaltung fährt in der Regel mehrere Tausend Kilometer ohne jeglichen Service, das Elektrobike mit Kettenschaltung sollte etwa nach 2000 bis 3000 Kilometer Laufleistung eine neue Kette bekommen, die Lebensdauer der E-Bike-Kassette ist allerdings deutlich höher.
Vor- und Nachteile der Kettenschaltung
Die Kettenschaltung ist das flexiblere Schaltsystem, das mit bis zu 33 Gangkombinationen flüssige Gangwechsel in jeder Fahrsituation ermöglicht. Grund dafür ist das offenliegende Getriebe, bestehend aus Tretkurbel mit der variierbaren Zahl an Kettenblättern und mehreren zu einer Kette zusammen gefasten Zahnrädern am Hinterrad - unersetzlich für ein sportliches Rad. Der Nachteil ist die hohe Pflegebedürftigkeit, da hohe Flexibilität eines offenen Getriebes mit einer höheren Schmutz- und Störungsanfälligkeit einhergeht.
Vor- und Nachteile der Nabenschaltung
Die Probleme der Kettenschaltung stellen sich bei einer Nabenschaltung nicht, da das Planetengetriebe (das umlaufende Rad umkreist das Zentralrad, wie die Planeten die Sonne umkreisen) geschützt im Inneren des Nabengehäuses liegt. Dadurch ist es von Witterungseinflüssen unabhängig und optimal geeignet für den alltäglichen und ganzjährigen Gebrauch. Da die Art der Verbauung einer Nabenschaltung die Montage eines Kettenschutzes erlaubt, ist auch die Kleidung vor Schlammspritzern etc. geschützt. Am weitesten verbreitet sind Nabenschaltung mit 8 Gängen, trotzdem gibt es auch Ausführungen mit 2 bis 14 Gängen.
Automatikschaltungen
Wer sich für sein Pedelec noch mehr Komfort und kraftschonendes Biken wünscht, für den kommt eine automatische Schaltung in Betracht. Die basiert grundsätzlich auf der Technik der Nabenschaltung und wird marktführend von enviolo (zuvor NuVinci) als Komponente angeboten.
Tretlagergetriebe
Eine weitere, jedoch noch nicht gleichermaßen verbreitete Variante der Nabenschaltung ist das Tretlagergetriebe, das ebenfalls mit Planetengetriebe arbeitet. Wegen des begrenzten Raums im Tretlager, verfügt es meist über kaum mehr als 4 Gänge. Höhere Gang-Derivate sind in der Herstellung aufwendig und teuer und können nur mit der Kombination mit einer weiteren Gangschaltung erreicht werden. Daher sind Tretlagergetriebe bisher hauptsächlich in teuren High-End-Geräten verbaut. Pioniere auf diesem Gebiet sind die Hersteller Pinion und Schlumpf. Aufgrund des hohen Gewichts, das allein wegen des am Tretlager auftretenden hohen Drehmoments erforderlich ist, eignen sich Trekkingräder am besten für diese Getriebeform.
Die Rolle des Motors
Für ein E-Bike gibt es drei verschiedene Motorformen: Den Vorderradmotor, Hinterradmotor und Mittelmotor. Letzterer ist der komplizierteste und aufwendigste Variante. Gemeinsam mit diesem Motor ist so gut wie immer die Kettenschaltung verbaut. Durch ein besonders hohes Drehmoment (aufgrund der nochmaligen Übersetzung der Motorkraft über das Schaltgetriebe) ist eine enorme Bergsteigfähigkeit möglich bei einem geringen Stromverbrauch. Ebenfalls für Kettenschaltungen eignet sich der Hinterradmotor. Ausnahme bilden im Hinterrad integrierte 3-Gang-Naben. Der Vorderradantrieb ist der Allrounder unter den E-Bike- und Pedelec-Motoren und versteht sich wunderbar mit Nabenschaltungen. E-Bikes und Pedelecs mit der Kombination aus Vorderradantrieb und Nabengetriebe eignen sich perfekt für den Alltagsgebrauch und entspannte Tagestouren.
Nicht jede Gangschaltung ist problemlos mit jedem Motor kombinierbar und umgekehrt. Daher sollte man sich vor dem Kauf eines E-Bikes oder Pedelecs genau überlegen, worin der Hauptnutzen liegt. Nutzt man das Bike eher als Sportgerät oder als Autoersatz für den täglichen Gebrauch? Wie viel Zeit kann man in die Pflege investieren? Fährt man eher kürzere Strecken oder sind auch Tagesreisen für den E-Bike-Urlaub geplant? All diese Fragen sollte man sich rechtzeitig stellen und auch beantworten, da sich diese Faktoren maßgeblich auf die Fahrfreude auswirken- und natürlich auf die Lebensdauer des Elektrofahrrads.
Wichtige Hersteller von E-Bike-Schaltungen
Die wichtigsten Hersteller von E-Bike-Schaltungen haben jeweils unterschiedliche Systeme im Angebot. Shimano, SRAM, Tektro sind die bedeutendsten Hersteller von Kettenschaltungen. Bei den Nabenschaltungen sind enviolo (zuvor Nuvinci) und Rohloff bei vielen E-Bikeherstellern als Erstausrüster dominant. Shimano ist auf dem gesamten Fahrradmarkt sehr dominant. Die japanischen Tüftler sind seit 1921 am Start nicht nur mit Schaltungen ganz vorne dabei. Sie liefern auch alle anderen Komponenten, die für sicheres und sportliches Biken wichtig sind.
Hier eine Übersicht einiger wichtiger Hersteller und ihrer Produkte:
| Hersteller | Schaltungstyp | Besonderheiten |
|---|---|---|
| Shimano | Kettenschaltung | Deore und Deore XT mit Linkglide-Technologie, Shimano Cues Di2 mit elektronischer Schalttechnologie |
| SRAM | Kettenschaltung | Sram NX Eagle (12-fach), Sram XX1 Eagle AXS (speziell für E-Bikes) |
| Rohloff | Nabenschaltung | Speedhub 500/14 (14 Gänge, speziell für E-Bikes und Lasten-E-Bikes) |
| Enviolo | Stufenlose Nabenschaltung | Stufenlose Schaltung durch Planetengetriebe, komfortable Bedienung |
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