Gute Planung hilft, böse Überraschungen zu vermeiden. Denn nicht nur die reine Anzahl der Kilometer zählt für die Intensität einer Radtour. Wenn man noch nicht allzu trainiert ist, startet man am besten eher in der Ebene.
Methoden zur Höhenmessung
Es gibt verschiedene Methoden, um die beim Radfahren zurückgelegten Höhenmeter zu bestimmen. Jedes Verfahren zur Bestimmung der Höhenmeter verwendet eine sogenannte "Dämpfung", die kleinere Änderungen in der Höhe ignoriert. Hier ein Überblick:
Gedruckte Landkarte
Die klassische Methode: Sie kann bei der Ermittlung der Höhenmeter eines einzelnen Anstiegs sehr genau sein. Voraussetzung ist eine topografische Landkarte mit Höhenlinien: Man zieht die am Beginn der Steigung anliegende Höhe von der Passhöhe ab. Übrig bleiben die zu erklimmenden Höhenmeter. Verfälschen können das Ergebnis Zwischenabfahrten, bei denen Höhenmeter verloren gehen, die zur Gesamtsteigung wieder addiert werden müssen.
Auch ungenaue Angaben der Passhöhe kommen öfter vor, als man denkt, es handelt sich jedoch meist nur um wenige Meter. Bei hügeligen Strecken ist die Höhenlinien-Methode zu aufwendig. Dabei können sich viele Höhenmeter ansammeln, die sich nicht präzise im Voraus ermitteln lassen - also lieber großzügig schätzen, um keine bösen Überraschungen zu erleben. Weiterer Nachteil: Gute Topo-Karten sind teuer, und man benötigt, je nach Region, viele Blätter.
Online-Landkarte, Routenplaner
Im Netz findet man zahlreiche Portale mit Online-Landkarten und Routenplanern. Gewünschte Strecken lassen sich mit wenigen Mausklicks erstellen. Der Track folgt automatisch und präzise der Straße. Ein Höhenprofil wird im Hintergrund berechnet.
Diese Höhendaten basieren jedoch auf mehr oder weniger fein aufgelösten digitalen Geländemodellen, beispielsweise mit einer Rastergröße von 100 m2. Für jede dieser "Kacheln" existiert nur ein Höhenwert. Klar, dass es da zu Sprüngen im errechneten Profil kommt - die vom Programm geplanten Höhenmeter weichen von der Realität ab. Hinzu kommt, dass jedes Portal andere Algorithmen zur Berechnung nutzt. Online-Routenplaner sind somit geeignet, um einen groben Überblick über die erwartbaren Höhenmeter zu bekommen.
Tourenplaner-Software, Digitale Karten
Hersteller wie MagicMaps oder Kompass bieten topografische Landkarten im digitalen Format an. Damit lassen sich Touren am Computer und vor allem offline planen. Präzise Geländemodelle erlauben bereits bei der Planung realistische Höhenprofile. Meist lassen sich die Karten auch aufs Smartphone übertragen. Man benötigt jedoch für jede Region separate Karten, die sehr teuer sein können.
Geräte zur Höhenmessung
Welches Gerät misst die Höhenmeter auf Tour am genauesten? Hier ein Vergleich verschiedener Geräte:
Rad-Computer
Der Klassiker am Lenker, leicht und kompakt, verhältnismäßig preiswert und - was die Höhenmessung betrifft - sogar sehr präzise! Modelle mit barometrischer Höhenmessung gibt’s für weniger als 100 Euro. Die barometrische Höhenmessung hat zwar ihre Schwächen (z. B. Beeinflussung bei Wetteränderung), ist aber grundsätzlich der reinen GPS-Messung überlegen. Wichtig ist die gewissenhafte Kalibrierung der Höhe - und zwar beim Start sowie sporadisch auch während der Tour anhand von Höhenangaben auf Schildern an Hütten oder Passhöhen. Der Computer informiert über die aktuelle Höhe und die erarbeiteten Gesamthöhenmeter.
GPS-Gerät
Sie sind die Alleskönner, aber auch entsprechend teuer. Die Geräte können zwar neben der Position auch die Höhe über die Satelliten ermitteln, aber die Werte sind ungenau und schwankend. Hochwertige Modelle besitzen zusätzlich einen barometrischen Höhenmesser, der wesentlich präziser und gleichmäßiger arbeitet. Diese Kombination liefert sehr gute Ergebnisse.
Smartphone
In Verbindung mit einer der zahlreichen Sport-Apps entwickelt sich das Smartphone zur seriösen Alternative zu Computer und den reinen GPS-Spezialisten. Die Analysemöglichkeiten sind fantastisch. Nicht zuletzt kann man auch Landkarten in den Speicher laden. Aber da liegt in Sachen Höhenmessung das Problem: Die reine Höhenmessung über die GPS-Signale ist ungenau. Weitere Nachteile von Smartphones: die begrenzte Akku-Laufzeit bei Aktivierung aller Funktionen; außerdem sind die wenigsten Geräte robust genug für den dauerhaften Outdoor-Einsatz.
Daten Auswerten
Für Geräte mit einer Schnittstelle zum Computer stellen die Hersteller meist Software zur Verfügung, mit deren Hilfe sich die Daten auslesen lassen - zum Beispiel, um ein Höhenprofil der absolvierten Tour darzustellen. Mit Smartphone und App lassen sich die Daten auf dem User-Account im zugehörigen Webportal ablegen. Die Möglichkeiten der Online-Bearbeitung - zum Beispiel einen GPS-Track verändern - hängen vom Funktionsumfang des jeweiligen Portals ab. Für allzu gezackte Höhenprofile gibt es eine Glättungsfunktion. Wer Software und Computer effektiv nutzen will, muss sich aber gründlich einarbeiten.
Google Maps
Im Grunde sind die Schritte einfach: Google Maps aufrufen, Start und Ziel eingeben, das Profil auf Fahrrad einstellen und dann kann man sich auch schon die Höhenmeter anzeigen lassen. Beim probieren habe ich auch festgestellt, dass die Google-Routen schnell mal an den großen Straßen entlang gehen. Zwar kann man sich auch Radwege einblenden lassen - aber im bayrischen Voralpengebiet sind das aktuell nur Fragmente. Selbst wenn man kein GPS System am Rad hat - wie ich das immer habe - kann es hilfreich sein auf Plattformen wie GPSies oder ähnliche zu gehen. Denn dort kann man sich Routen auf Karten anzeigen lassen und auch Höhenprofile sehen.
Formeln und Faustregeln
Es gibt verschiedene Ansätze, um die beim Radfahren erbrachte Leistung in Relation zu den Höhenmetern zu setzen. Hier sind einige Beispiele:
- Leistungswert (LW): Eine Formel, die Kilometer, Höhenmeter, Durchschnittsgeschwindigkeit und Anzahl der Packtaschen berücksichtigt: LW = 1/4 x [(gefahrene Tages-km) : (190 km) + (gefahrene Tages-Hm) : (2100 Hm) + (gefahrene Durchschnittsgeschwindigkeit) : (25 km/h) + (Anzahl der Packtaschen) : 4]
- Faustformel zur Zeitabschätzung: Ein Richtwert von ca. 400 Höhenmetern je Stunde bzw. ca. 23km/h in der Ebene ohne bösen Wind.
- Bewertung von Höhenmetern: Ein Höhenmeter (bergauf) wird wie 50 horizontale Meter bewertet.
Weitere Aspekte
Neben den reinen Höhenmetern spielen auch andere Faktoren eine Rolle bei der Planung einer Radtour:
- Wind
- Untergrund
- Steigung
- Verkehr
- Verpflegung
Objektiv gesehen ist jeder Höhenmeter ein Widerstand auf dem Weg zum Ziel, den es zu überwinden gilt.
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