Winterreifen für das Fahrrad: Test, Vergleich, Tipps

Radfahren ist umweltfreundlich, günstig und man hält sich fit. Im Winter ist es aber auch ausgesprochen kalt - und rutschig. Während manche Menschen bei Glätte und Matschschnee nur vor die Tür gehen, um von der Haustür bis zum Auto oder zu den Öffis zu kommen, fahren andere auch bei diesem fiesen, nassen, grauen Wetter noch mit dem Rad.

Neben Helm, gut sichtbarer Kleidung, Reflektoren und verkehrssicherer Beleuchtung können auch die Reifen gerade bei glatten Untergründen für mehr Sicherheit sorgen.

Braucht überhaupt jeder Radler spezielle Reifen für die kalte Jahreszeit?

Für Fahrradfahrer gibt es eine solche situative Pflicht nicht. Wer Auto fährt, hat keine große Wahl: Bei winterlichen Straßenverhältnissen, also Glatteis, Schneeglätte oder Schneematsch, müssen Winterreifen aufgezogen werden. Das ist im Straßenbild auch gut zu sehen: Jedes Jahr nach dem Wintereinbruch schlittern Radler durch die Gegend. Das kann mitunter ziemlich gefährlich sein, die Verletzungsgefahr ist groß. Doch auch für Fahrräder gibt es seit einigen Jahren Winterreifen.

Die Zeiten, als Fahrräder nur dafür genutzt wurden, um mal bei schönem Wetter in den Biergarten zu radeln, sind längst vorbei. Inzwischen sind Fahrräder mit und ohne Motor echte Alltagsgeräte, die von vielen Bikern und Bikerinnen z.B. weibliche Form. Sprache ist nicht neutral, nicht universal und nicht objektiv. Aber welche sind die richtigen? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Wie unterscheiden sich Sommer- und Winterreifen für Fahrräder?

Die Winterreifen für Bikes orientieren sich an Autoreifen. Die Gummimischung ist weicher, das Profil besteht aus Lamellen. Das verbessert die Haftung und die Auflagefläche auf der Straße und sorgt im Vergleich zu einem Sommerreifen für ein besseres Fahrverhalten.

"Sie funktionieren bei Schnee, egal ob festgefahren oder locker, sehr gut", erklärt René Filipek vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC). "Auch auf vereisten Oberflächen sind sie besser als normale Fahrradreifen."

Winterreifen im Test

Der ADAC hat zuletzt 2021 gemeinsam mit dem Touring Club Schweiz (TCS) verschiedene Winterreifen für Fahrräder getestet. Im Test wurden insgesamt acht spezielle Winterreifen für Fahrräder untersucht, teilweise auch mit Spikes. Auf dem Prüfstand waren die vier Winterreifen ohne Spikes: Schwalbe Marathon GT 365, Continental Top Contact Winter, Michelin Star Grip und Nokian Rollspeed W. Alle haben eine weichere Gummimischung und angepasste Profile und haften deutlich besser als der zum Vergleich herangezogene Sommerreifen Schwalbe Marathon.

Auf Schnee ist der Bremsweg 16 Prozent kürzer, bei Eis hilft allerdings nur ein Reifen mit Spikes. Doch ohne Schnee und Eis sind die wiederum sehr unangenehm zu fahren und deswegen nicht für alle Fahrer:innen zu empfehlen.

Wann kommen Spikes zum Einsatz?

Auf Eis kommen Winterreifen aber an ihre Grenzen. Hier sind Spikes ideal. Im Mantel des Reifens sind Metallstifte in Zweier- oder Viererreihen versenkt, die bis zu 1,5 Millimeter aus dem Reifen hervorragen.

"Auf vereistem Untergrund kann man so immer noch sicher bremsen und lenken", erklärt Filipek vom ADFC. Laut einem Test des ADAC verringert sich der Bremsweg sogar um die Hälfte im Vergleich zu herkömmlichen Winterreifen.

Für den Dauereinsatz in der kalten Jahreszeit sind die Reifen mit Spikes allerdings in den meisten Regionen nichts. Abseits von Schnee und Eis ist der Fahrkomfort alles andere als angenehm. Der Rollwiderstand ist hoch, das Treten fällt schwerer als mit einem herkömmlichen Reifen und die Spikes sind auf dem Asphalt laut.

Sind Allwetterreifen eine Alternative?

Alternativ zu Winter- und Spike-Bereifung bieten einige Hersteller Gummimischungen an, mit denen das ganze Jahr gefahren werden kann. Diese Allwetterreifen liegen irgendwo zwischen Sommer- und Winterreifen. Der Vorteil: Der lästige Reifenwechsel entfällt.

"Allwetterreifen sind bei winterlichen Bedingungen nicht ganz so gut wie ein Winterreifen, aber besser als ein Sommerreifen", so René Filipek vom ADFC. Bei wärmeren Temperaturen ist dafür der Verschleiß höher. Der Allwetterreifen eignet sich für Regionen, in denen es eher selten schneit.

"Bei wirklich winterlichen Bedingungen ist es besser, einen Winterreifen zu fahren", rät Filipek. "Wenn ich in Norddeutschland wohne, wo es dreimal im Jahr schneit, kann man auch einen Allwetterreifen fahren und ist dann besonders vorsichtig. Damit ist man immer noch besser unterwegs als mit einem normalen Fahrradreifen."

Benötigen Bikes mit Offroad-Bereifung überhaupt Winterreifen?

Es stellt sich auch die Frage, ob eigentlich jedes Fahrrad Winterreifen braucht - vor allem bei Mountainbikes. Denn diese haben bereits sehr breite Pneus mit grobem Profil und geben mehr Halt bei Schnee. Das ist zumindest besser als die schmale und glatte Bereifung eines City-Bikes. Ein wirklicher Ersatz für eine passende Winterbereifung in Gegenden, wo es häufiger schneit, sind sie aber nicht. Wer sich trotzdem dafür entscheidet: Luftdruck verringern, um eine noch breitere Auflagefläche zu schaffen und den Grip zu erhöhen.

Wie gut sind Kombi-Lösungen?

Viele Radler hält vor allem die lästige Montage davon ab, Winterreifen aufzuziehen. Für all jene haben einige Hersteller eine einfache Lösung entwickelt: Der Spike-Reifen wird einfach wie ein Mantel über den Sommerreifen gezogen und mit einem Reißverschluss befestigt. Das Ergebnis ist erstaunlich gut.

2021 testete der ADAC Winterreifen mit und ohne Spikes, darunter auch die Kombi-Lösung des Herstellers Retyre, der die Gesamtwertung gewann. Der Sommerreifen lässt sich durch vier sogenannte Skins ergänzen - zwei Spike-Profile und zwei Gravel-Bereifungen. Der Nachteil ist der Preis. Basisreifen inklusive einer Skin kosten zwischen 49 und 89 Euro. Allerdings bekommt man dafür nicht einen, sondern eigentlich zwei Reifen und die Möglichkeit, spontan auf die Wetterlage zu reagieren. Wie langlebig diese Lösung ist, testete der ADAC allerdings nicht.

Brauchen E-Bikes spezielle Reifen?

Die Antwort ist einfach: nein. Die meisten Winterreifen für normale Fahrräder sind auch für Pedelecs geeignet. René Filipek vom ADFC rät aber, darauf zu achten, dass die Räder noch unter die Schutzbleche passen. Da Winterreifen, insbesondere mit Spikes oder gar als Kombi-Lösung mit zweitem Mantel, breiter und höher sind als die Sommerbereifung, kann es hier schnell eng werden. Dann nützt dem Radler auch der beste Winterreifen nichts.

Empfehlungen für Winterreifen

Es lohnt sich in der kalten Jahreszeit einen Winter- oder einen Ganzjahresreifen aufzuziehen. Die kommen nicht nur mit den tieferen Temperaturen gut zurecht und haben ein griffiges Profil, sondern meistens weisen sie einen erhöhten Pannenschutz auf.

  • Continental Top Contact Winter II Premium: ist in 26 Zoll, 27,5 Zoll und 28 Zoll erhältlich.
  • Michelin Stargrip: ist ein robuster Allwetter-Reifen mit einer Pannenschutzeinlage. Er wird von Michelin für die Montage am Vorderrad empfohlen und ist in 700x35C sowie 700x40C erhältlich.
  • Pirelli Angel WT Urban: wird aktuell nur in einer Dimension produziert und von Stromer an dessen E-Bikes montiert. Weitere Größen folgen laut Pirelli zeitnah.
  • Schwalbe Marathon GT 365: ist ein Ganzjahres-Reifen, der dank Lamellenprofil auch bei Nässe und Schnee guten Grip bietet. Er ist mit einem Pannenschutz ausgestattet und für E-Bikes bis 50 km/h zugelassen.
  • Vittoria Revolution Tech: bietet mit dem Revolution Tech einen Ganzjahresreifen an, dessen Gummimischung auch bei niedrigen Temperaturen elastisch bleibt. Das Profil mit schräggestellten Lamellen bietet auch auf Schnee guten Grip. Der Reifen ist in 26 Zoll, 27,5 Zoll und 29 Zoll, jeweils in 2 Zoll Breite erhältlich. Außerdem gibt es ihn in den Dimensionen 700x28c, 32c, 35c und 38c.

Sicher Radfahren im Winter

Wie sollte man im Winter fahren?

Es versteht sich von selbst, dass in dieser Jahreszeit besondere Vorsicht geboten ist. Auf einer glatten Fahrbahn verlängert sich der Bremsweg deutlich. Nicht nur Schneematsch und Eis, auch Laub und Nässe können gefährlich werden. Das heißt: Langsamer fahren, immer bremsbereit sein und mit einem größeren Abstand zu anderen Verkehrsteilnehmern unterwegs sein.

In Kurven sollte man möglichst nicht bremsen oder treten - sonst kann es sein, dass das Rad ins Schlingern gerät. Auf Glatteis ebenfalls nicht bremsen oder hektisch lenken, lieber Spur halten und ausrollen. Außerdem sollte man darauf achten, dass die Bremsen intakt sind. Bei Felgenbremsen sind die Bremsbeläge mit Einkerbungen versehen; diese sollten noch gut erkennbar sein. Bei Scheibenbremsen gilt als Richtwert eine Dicke von etwa 1,5 Millimetern.

Was ist im Winter noch wichtig?

Vor allem die Beleuchtung. Nebel, Dunkelheit oder Schneefall beeinträchtigen in der dunklen Jahreszeit die Sicht. Die Beleuchtung am Rad sollte daher funktionieren - und frei von Schmutz sein. Idealerweise schaltet man die Lichter noch vor dem Einsetzen der Dämmerung ein.

Wer zusätzliche Beleuchtung kaufen möchte, sollte aufpassen: So gibt die Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung (StVZO) klare Regeln vor für die Lichtanlage an Fahrrädern und E-Bikes. Blinkende Scheinwerfer oder Rücklichter sind zumindest am Rad selbst untersagt. Am Körper oder dem Rucksack hat der Gesetzgeber blinkende Leuchten hingegen erlaubt, erklärt der Herstellerverband ZIV. Die Nutzung eines Fernlichts bei Fahrrädern ist ebenfalls zulässig. Doch wie beim Auto darf auch auf dem Rad der Gegenverkehr mit dem Fernlicht nicht geblendet werden. Ist man bei Nebel unterwegs, sollte das Fernlicht besser deaktiviert bleiben - die feinen Wassertropfen reflektieren in der Regel das Licht der Scheinwerfer stärker und verschlechtern damit die Sicht.

Tipps & Tricks | Kaufberatung

Wer im Winter nicht auf das Fahrradfahren verzichten möchte, trifft besonders bei Schnee und Eis auf ungünstige Witterungsverhältnisse. Winterliche Fahrten mit dem Fahrrad unter widrigen Bedingungen können nicht nur für Ärger sorgen. Je nach Route, Witterungsverhältnissen und Reifen kann eine Fahrt auch gefährlich werden. Besonders, wenn der Schnee warm und nass ist, wird fast jede Fahrt unkontrollierbar.

Um die Haftung der Reifen auf dem Untergrund zu verbessern, kann man den Luftdruck absenken. Damit wir alle gut durch den Fahrradwinter kommen, empfiehlt Filippek: "Mehr Zeit für Wege einplanen, vorsichtig und vorausschauend fahren, abrupte Bremsvorgänge vermeiden und vorsichtig durch Kurven fahren. Das gilt auch, wenn man mit Winterreifen unterwegs ist.

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