Winterreifenpflicht für Motorräder in Deutschland: Was gilt?

Nicht wenige Halter von Pkw sind der Meinung, in Deutschland gebe es eine allgemeine Winterreifenpflicht. Dem ist nicht so. Laut Straßenverkehrsordnung gilt nur eine situative Pflicht. Das bedeutet, dass man bei winterlichen Straßenverhältnissen (Schneeglätte, Schneematsch, Eis- oder Reifglätte, Glatteis) nur mit Winterreifen fahren darf.

Doch gelten Winterreifen als absolute Pflicht in Deutschland? Ab wann müssen bzw. sollten diese verwendet werden? Welche Winterreifen sind überhaupt akzeptabel und sicher? Erfüllen M+S-Reifen heute noch die Winterreifenpflicht?

Fakt ist, obige situative Winterreifenpflicht gilt schon seit einigen Jahren nicht mehr für einspurige Kraftfahrzeuge. Genauer gesagt macht der Gesetzgeber keine Vorgaben, wie ein Motorrad oder Roller bei winterlichen Bedingungen bereift sein muss. Für diese Ausnahmeregelung gibt es mehrere Gründe.

Michelin Experte Achim Penisch: Nein, es gibt keine Winterreifenpflicht für motorisierte Zweiräder. Anders als etwa bei Pkw macht der Gesetzgeber keine Vorgaben, wie ein Motorrad bei winterlichen Bedingungen bereift sein muss.

Warum gibt es keine Winterreifenpflicht für Motorräder?

Das liegt auch daran, dass es keine Winterreifen für Motorräder gibt, die den aktuellen gesetzlichen Anforderungen (Kennzeichnung mit dem Alpine-Symbol) genügen. Zum einen gibt es keine Winterreifen für Motorräder, die den aktuellen gesetzlichen Anforderungen - die Kennzeichnung mit dem Alpine-Symbol - genügen und dementsprechend Sicherheit auf Schnee und Eis bieten.

Reifen mit M+S-Kennung gibt es zwar vereinzelt, sind aber im Sinne des Gesetzgebers keine Winterreifen. Es ist nur sehr schwer 100% zugelassene Winterreifen mit dem Alpine Symbol für das Motorrad zu finden.

Motorräder, Roller und Mopeds sind bis auf weiteres von dieser Winterreifenpflicht entbunden. Der Grund liegt vor allem darin, dass es kaum wintertaugliche Motorradreifen mit dem benötigten Profil und speziellen Gummimischungen gibt.

Gesetzliche Regelungen und Empfehlungen

Schon seit einiger Zeit gilt in Deutschland eine sogenannte situative Winterreifenpflicht. Das heißt bei winterlichen Straßenverhältnissen muss auch mit Winterreifen gefahren werden. Seit 01.06.2017 ist jedoch eine Änderung in Kraft. Motorisierte Krankenfahrstühle und Einspurfahrzeuge wurden von der situativen Winterreifenpflicht befreit. Das heißt Roller, Mofas, und Motorräder dürfen ab sofort auch bei Schnee, Schneematsch oder vereisten Straßen mit ihrer normalen Bereifung fahren ohne den Verlust des Versicherungsschutzes oder eine Strafe zu riskieren.

Ungeachtet der Wetterlage mit dem Einspurfahrzeug einfach losfahren, das ist zumindest bei Schnee und Eis dennoch eine schlechte Idee. Zum einen, weil laut Gesetz nur unvermeidliche Fahrten (und nur bei Fehlen einer Verkehrsmittelalternative) erlaubt sind, und die auch nur mit höchsten 50 km/h (§2 Abs. 3a StVO).

Ab sofort werden wir regelmäßig den WochenendCheck vom IfZ (Institut für Zweiradsicherheit) hier bei uns veröffentlichen. Es wird zu oft sehr interessanten Themen aus dem Motorradbereich berichtet.

Verhaltensregeln bei winterlichen Bedingungen

Wer jedoch bei Eis und Schnee mit dem motorisierten Zweirad unterwegs sein möchte, muss vor Fahrantritt prüfen, ob die Fahrt erforderlich ist oder ob man das Ziel nicht mit anderen Verkehrsmitteln erreichen kann. Es muss ein Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug von mindestens der Hälfte der gefahrenen Geschwindigkeit in Meter eingehalten.

Schwingt sich der Motorradfahrer auf sein Bike, muss er während der Fahrt einen Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug von mindestens der Hälfte der gefahrenen Geschwindigkeit in Meter eingehalten.

Eine Motorradtour an kalten, trockenen Wintertagen ohne Eis und Schnee ist dagegen durchaus möglich, wenn man die Fahrweise auf die Witterungsbedingungen einstellt. Die kältebedingt geringere Reifenhaftung erfordert eine defensive, vorausschauende Fahrweise mit größeren Sicherheitsabständen und reduziertem Kurvenspeed.

Vorsicht auch bei Nässe. Vor allem in schattigen Passagen, auf Brücken oder in Senken kann Reif- und Eisglätte auftreten.

Bußgelder bei Verstößen

Der Fahrer wird im Regelfall mit einem Bußgeld von 60 bzw. 80 € bestraft. Je nachdem ob auch eine Behinderung des Straßenverkehrs stattgefunden hat. Zusätzlich gibt es einen Punkt in Flensburg. Sollte in den Fahrzeugpapieren ein anderer Halter eingetragen sein, bekommt auch dieser eine Strafe von 75 €.

Winterreifen für Motorräder: Modelle und Empfehlungen

Auch wenn es viele nicht wissen, aber es gibt Motorradreifen für den Winter. Je nach Land und Wetterlage können Winterreifen auch beim Motorrad gesetzlich vorgeschrieben sein.

Der Kauf von „echten“ Motorradreifen für den Winter gestaltet sich leider schwierig. Kaum ein moderner Reifen verfügt aktuell über das Alpine Symbol, welches gesetzlich seit 2018 einen Winterreifen markieren muss. Zumindest M+S Kennzeichnung beachten!

M+S steht für Mud & Snow (Matsch & Schnee) und deutet darauf hin, dass der Hersteller den Reifen für den Einsatz im Gelände und rutschigem Untergrund konzipiert hat. Da sich Matsch und Schnee sehr ähneln, funktionieren die Reifen unter beiden Umständen relativ gut. Viele Enduro-, Adventure- und Touringreifen mit starker Profilierung verfügen über eine M+S Kennzeichnung.

Die M+S Kennzeichnung ermöglicht zudem einen geringeren Speed-Index zu fahren. Anbei haben wir dir noch einige Winterreifen Motorrad Empfehlungen zusammengestellt.

Empfehlungen für Winterreifen

  • Heidenau K66 Silica: Wenn du auch im Winter auf Touren unterwegs bist, dann ist der Heidenau K66 Silica der passende Reifen für dich. Hier handelt es sich um einen richtigen Winterreifen für Motorräder, welcher für Extrembedingungen entwickelt wurde. Das wiederum bedeutet aber auch, dass die Silica Version im Sommer nicht zu empfehlen ist. Bereits im Frühjahr oder Herbst kommt der Reifen bei höheren Temperaturen schnell an seine Grenzen. Auch wenn es sich bei dem Reifen laut Hersteller um einen Winterreifen handelt, so ist er für das fahren im Schnee und vor allem auf Eis nicht zu empfehlen. Generell ist der Reifen aber eine Wucht, wenn du bei kalten Temperaturen einen guten Grip auf Touren haben willst.
  • Heidenau K 73 Silica: Der Heidenau K 73 Silica überzeugt nicht nur mit einem attraktiven Preis, sondern auch in puncto Grip, jedenfalls bei kälteren Temperaturen. Die speziell entwickelten Winterreifen erreichen durch den Einsatz einer hochwertigen Silicamischung beste Bremswerte sowie optimalen Grip auf kalter und nasser Fahrbahn. Die Kombination aus Karkassenaufbau, Mischung und aufgelockerter Profilgestaltung sorgt für die nötige Traktion bei winterlichen Verhältnissen, Matsch und Schnee. Den Reifen gibt es in vielen Dimensionen für Adventure und Tourenbikes. Achtung! Der Reifen ist extrem Temperaturabhängig und eignet sich nur für kühle Tage. Im Oktober oder Frühjahr kann es ihm bereits zu warm werden, was mit Gripverlust einhergeht.
  • Heidenau K 60 Silica: Ein weiterer Motorrad Winterreifen ist der Heidenau K 60 Silica. Mit diesem Reifen haben wir persönlich leider überhaupt keine Erfahrungen sammeln können. Auch die Aussagen unserer Kunden sind sehr unterschiedlich. Empfehlen würden wir den Reifen daher nur bedingt fürs Wintertouring.
  • Michelin City Grip Winter: Der Michelin City Grip Winter bietet mehr Sicherheit für Rollerfahrer im Winter. Der Reifen zeichnet sich durch mehr Grip auf verschneiten, nassen und trockenen Fahrbahnen sowie ein effektives Bremsverhalten aus. Dank seinem vielfach lamellierten Profil, welches dazu dient den Wasserfilm zu durchtrennen, bietet der Reifen einen hervorragenden Grip auf verschneiten, nassen und trockenen Fahrbahnen und zudem ein effektives Bremsverhalten, um sicher am Ziel anzukommen. Der Michelin City Grip Winter kann die hohen Erwartungen der Tester nicht leider nicht erfüllen.

Ambitionierten Ganzjahrestourern können wir aber auch M+S Reifen empfehlen. Diese erfüllen zwar nicht die gesetzlichen Anforderungen, sind in der Regel aber sehr gut auf winterliche Bedingungen ausgelegt.

Fazit

Generell gibt es in Deutschland aktuell keine Winterreifenpflicht für das Motorrad. Von unnötigen Fahrten bei Eis und Schnee sollte aber abgesehen werden, da man sich hier rechtlich in einer Grauzone bewegt. Der Ausfahrt im goldenen Oktober, November oder Dezember bei guten Wetterbedingungen steht aber generell nichts im Wege. Hier ist es aber die Vernunft, welche jeden Motorradfahrer freiwillig angepasste Bereifung (z.B. Touringreifen für kalte Tage mit M+S) aufziehen lassen sollte.

Andere Länder, wie zum Beispiel die autonome Region Südtirol in Italien, haben schärfere Regeln in Hinblick auf Winterreifen. So müssen hier zum Beispiel im Winter spezielle Winterreifen gefahren werden. Generell sollten Tourenfahrer, Ganzjahrespendler und Rollerfahrer nicht auf wintertaugliche Bereifung verzichten. Viele M+S Motorradreifen funktionieren auch bei kälteren Bedingungen recht gut, da diese für das Ganzjahrestouring entwickelt wurden.

Fährst du im Winter spezielle Reifen auf deinem Motorrad? Welche Erfahrungen mit Winterreifen fürs Motorrad hast du gemacht?

Hinweis: Dieser Artikel ersetzt keine Rechtsberatung. Alle Gesetze wurden sorgfältig recherchiert, es besteht aber kein Gewähr auf Richtigkeit.

Verwandte Beiträge:

Kommentar schreiben

Kommentare: 0