Die Funktion der Hinterradbremse am Motorrad

Die Diskussion über die Rolle der Hinterradbremse am Motorrad ist ein vielschichtiges Thema, das sowohl in älterer Literatur als auch unter erfahrenen Motorradfahrern kontrovers diskutiert wird. Viele sind der Ansicht, dass ein dosierter Einsatz der Hinterradbremse das Motorrad in Kurven stabilisieren kann.

Moderne Motorräder und die Hinterradbremse

Die gefühlvolle Dosierung der Vorderradbremse ist üblicherweise trainiert und in Fleisch und Blut übergegangen. Dies kann - falls notwendig und oder gewünscht - ebenfalls in der Kurve eingesetzt werden. Und die Hinterradbremse wirkt ja bei den modernen Motorrädern mit, evtl zum Teil sogar ausschliesslich. Wenn ich auf meinen Navigator V schaue und die ganze Zeit nur die Vorderradbremse betätigt habe, zeigt er deutlich mehr Hinterradbremsvorgänge an, obwohl ich den Fussbremshebel nicht berührt habe. Vom Kurven-ABS möchte ich hier noch gar nicht sprechen, da geht es eher um Notbremsungen.

Die Schattenseite: Dosierung und Überbremsung

Die gefühlvolle Dosierung der Hinterradbremse ist über den Stiefel kaum möglich und vor allem auch nicht in Fleisch und Blut übergegangen. Daher ist die Gefahr der Überbremsung gegeben und kann durch Schlaglöcher oder Bodenwellen noch verstärkt werden.

Hersteller und Hinterradbremse

Der nicht unbekannte Motorradhersteller Honda ermöglicht die ausschliessliche Nutzung der Hinterradbremse bei vielen Modellen gar nicht. Über den Fussbremshebel wird bei diesen Modellen eine der beiden vorderen Scheibenbremsen mit betätigt.

Bei vielen GS Modellen wird der Hinterradbremshebel nach einigen 100 bzw 1000 km teigig bis wirkungslos. Meine letzte GS war auch so eine. Dann muss immer wieder entlüftet werden. Hierzu gibt es seitenlange Zuschriften im GS Forum. Bei einem solchen Motorrad geht der ausschliessliche Einsatz der Hinterradbremse auch nicht. Allerdings wundert mich hier natürlich auch, dass das zulässig sein soll.

Persönliche Erfahrungen und Fahrpraxis

Optimal ist natürlich, wenn man in der Kurve nicht bremsen muss. Mir geht es hier um die oft vertretene Ansicht, über den gezielten Einsatz der Hinterradbremse das Kehrenfahren zu erleichtern.

Ich fahre seit über 40 Jahren eher flott, habe früher (vor der Kombibremse) natürlich die Hinterradbremse mit benutzt. Seit es Kombibremssysteme gibt, nutze ich die Hinterradbremse nur gelegentlich im Gelände oder bei langsamer Fahrt z.B. auf Schotter oder manchmal beim Heranfahren an eine Kreuzung in den Bergen. Enge Kehren fahre ich wo immer möglich auf Zug, wenn's ganz eng wird mit Kupplungseinsatz.

Kehrenfahren: Bergauf vs. Bergab

Eben oder bergauf muss ich auf Zug fahren, sprich mit Gas. Jetzt gibt es Motorräder, mit denen kann ich kaum kleine Geschwindigkeit "rund" fahren, weil eben "kein Gas" zu wenig und "etwas Gas" schon wieder zu viel ist, manchmal noch verstärkt durch viel Spiel im Antriebsstrang. Hier gibt man/frau etwas mehr Gas als nötig und reguliert die Geschwindigkeit mit der Fußbremse, am Ende der Kehre einfach Bremse los und sauber beschleunigen, geht natürlich auch bergab.

Beim Anfahren der Kehre bremst der Motor und beim Herausfahren beschleunigt der Motor. Und zwar mit ordentlich Drehmoment. Ich nutze die Fußbremse um spätestens dann, wenn ich wieder leicht beschleunige um das Motorrad "zu strecken" wie man so schön sagt.

Weitere Tipps und Überlegungen

Vorderradbremse in engen Kehren ist mir zu gefährlich, da die Gefahr droht, dass der Lenker zur Seite kippt.

Auf der Kaiserjägerstraße in den Dolomiten ist mir mal eine Maschine weggegangen, weil ich mit sehr niedriger Geschwindigkeit und leichtem Lenkeinschlag nur die Vorderadbremse zog.

Die Rolle der Hinterradbremse im Sicherheitstraining

Die Vorderradbremse macht was Sie soll auch bei modernen Motorräder. Deine Hauptbremswirkung ist vorne, die Hinterradbremse wird nur soweit nötig mit eingesetzt. Bremse ich, verteile ich idealerweise progressiv gebremst, die Last des Motorrades nach vorne. Die Vorderradbremse in einer Spitzkehre nach unten geneigt hast Du > 80% der Masse auf dem Vorderrad. Das ABS arbeitet nur bei einer gewissen mindest Geschwindigkeit.

Ich kann das Hinterrad zu jeder Zeit voll bremsen, sogar ins ABS, ohne irgendeine Sturzgefahr. Das einzige zu Bremsende Rad, das der geübt Motorradfahrer beherrschen kann ist das Hinterrad. Auch das dosieren der Hinterradbremse ist vom Motorradfahrer regelmäßig zu üben. Das ist die Gefahr mit den elektronisch optimierten Intregralsystemen. Man braucht die hintere Bremse so selten, das Gefühl dafür geht verloren.

Hinterradbremse im Alltag

Ich habe mich schon öfters gefragt, wann man die Hinterradbremse benutzt.Beim normalen Bremsen spüre ich sie nicht all zu sehr, ein bischen halt. Aber würde ich sie beim normalen Bremsen nicht verwenden, wäre das schlimm? Je stärker du bremst, desto weniger Bremskraft kann über die Hinterradbremse übertragen werden. In der Fahrschule heißt es sinngemäß, die Hinterradbremse solle zur "Feindosierung" der Geschwindigkeit im Stadtverkehr und zur Unterstützung bei Vollbremsungen eingesetzt werden.

Bremsen in Kurven: Eine Frage der Perspektive

Es gibt unterschiedliche Meinungen darüber, ob man in Kurven bremsen sollte. Die Straßenfahrer und Tourer raten, beide Bremsen zu benutzen. Die Rennfahren sagen: "Es gibt keine Hinterradbremse. Das ist nur so ein Pedal aus Zeiten, wo es noch keine vernünftige Vorderradbremse gab".

Die Hinterradbremse: Unterschätzt, aber wichtig

Riesige Doppelscheibe, raffinierte Bremssättel - vorn wird maximal gebremst. Wir erklären, wozu wir hinten trotzdem eine Bremse brauchen.

Gesetzliche Grundlagen

In Paragraph 41 der Straßenverkehrszulassungsordnung (StVZo) ist klar aufgeführt: Kraftfahrzeuge müssen zwei voneinander unabhängig wirkende Bremsanlage haben. Verbundbremsen sind erlaubt, wenn sie auf unterschiedliche Weise betätigt werden können.

Physikalische Aspekte

Beim Bremsen wandert durch die Trägheit der Masse das Gewicht nach vorn. Diese dynamische Radlastverteilung erlaubt die Übertragung höherer Bremskräfte über das Vorder- als über das Hinterrad, weshalb es sinnvoll ist, vorn eine leistungsstärkere Bremsanlage zu installieren.

Hondas Sport-ABS

Zum Modelljahr 2009 hat Honda die Supersport-Modelle CBR 600 RR (PC 40) und die Fireblade (SC 59) mit dem sogenannten Combined-ABS angeboten, einem integralen System, das je nach Fahrsituation beide Bremsen unterschiedlich stark aktiviert hat. Selbst wenn der Fahrer nur per Handhebel die Vorderradbremse betätigte, baute die Steuerelektronik des Combined-ABS zuerst an der Hinterradbremse Druck auf. Der Effekt: Das Heck sackte leicht ein, verzögerte um Sekundenbruchteile die Lastverteilung nach vorn und stabilisierte so das Motorrad beim Bremsen. Selbst die hochmodernen Schräglagen-Systeme arbeiten so.

Cruiser bremsen anders: Aktuelle Indian und Harley-Modelle haben meist gleichgroße Bremsscheiben und gleiche Bremszangen vorn und hinten, vorn aber meist in doppelter Ausführung. Das liegt entgegen aller Klischees nicht an fehlender Fahrdynamik, sondern an der speziellen Bauart. Cruiser sind von Haus aus schwer, tragen viel Gewicht im Heck und haben einen niedrigen Schwerpunkt. Der Hinterreifen kann daher viel mehr Bremskraft übertragen als bei einem Naked Bike oder Sportler.

Die Hinterradbremse im Profi-Bereich

Jüngst hat die MotoGP ein interessantes Video gezeigt, in dem Jorge Martin von Pramac erklärt, wie und wie oft der die vermeintlich sinnlose Hinterradbremse nutzt. Spoiler: Sehr oft. Ob als Daumenbremse oder Fußbremse ausgeführt. Für das Anbremsen einer Kurve und das Korrigieren der Linie ist die Bremse dauerhaft im Einsatz.

CBS (Combined Braking System)

Bei leichten Verzögerungen kann man gerne auch mal nur die Handbremse nutzen (z.B. Nur bei der Hinterradbremse werden beide Räder gebremst (Verteilung ca. Und das ist auch gut so. Denn so kann man z.B. bei Nässe gezielt nur vorne bremsen, um ein Blockieren und Wegrutschen des Hinterrades zu vermeiden.

Bremsen in der Notfallsituation

Ich lange also, bei nasser Fahrbahn, herzhaft in beide Bremsen. Effekt: Hinterrad blockiert, Vorderrad nicht. Ich komme laut pöbelnd, quer hinter ihr zum Stehen und Püppi versteht überhaupt nicht, dass (und was) sie jetzt falsch gemacht haben könnte.

Tipps aus dem ADAC

  • Bremsen in zwei Schritten: Den Bremshebel sollten Sie auch in Paniksituationen nicht schlagartig ziehen, sondern anfangs gefühlvoll, aber dennoch zügig betätigen.
  • Sichere Gefahrenbremsung: Bei einer Voll- beziehungsweise Gefahrenbremsung wird zeitgleich mit beiden Bremsen die Kupplung voll gezogen.
  • Überschlag vermeiden: Achten Sie während der gesamten Bremsung auf eine straffe, leicht gespannte Körperhaltung.
  • Bremsen in Kurven: Die Hinterradbremse können Sie bei Kurvenfahrt hervorragend nutzen, um die Schräglage des Motorrads zu steuern und den Kurvenradius zu korrigieren.

Weitere Tipps zum Bremsen

  • Beginnen Sie die Bremsung selbst möglichst mit der Fußbremse. Dadurch überträgt sich der Drehimpuls des Hinterrads auf die gesamte Maschine, das Vorderrad wird schneller belastet, die Bremse vorn kann schneller voll eingesetzt werden.
  • Passen Sie bei Gruppenfahrten abhängig von den Geschwindigkeiten die Abstände an. Fahren Sie versetzt, um Situationen möglichst schnell erfassen zu können.

Komponenten der Bremsanlage

Bremsflüssigkeit

Flüssigkeit auf Glykolbasis, die den über die Bremshebel ausgelösten Druck auf die Bremskolben weiterleitet. Bremsflüssigkeiten werden nach DOT-Klassen spezifiziert, die zum Beispiel den Siedepunkt definieren. Am gebräuchlichsten ist DOT 4, zuweilen auch DOT 3 oder DOT 5.1. Diese können miteinander vermischt werden.

Bremsleitungen

Teilen sich auf in Gummi- und Stahlflexleitungen. Gummileitungen sind kostengünstig herzustellen, brauchen jedoch regelmäßige Pflege, dehnen sich im Lauf der Zeit aus und altern, so dass sie nach etwa fünf Jahren ausgetauscht werden müssen. Stahlflexleitungen sind alterungsbeständig und besitzen zumeist einen gegenüber Gummileitungen klarer definierten Druckpunkt, der sich nicht verändern kann.

Bremszangen

Bestehen zumeist aus einer Aluminiumlegierung und unterscheiden sich in Festsattel- und Schwimmsattelzange. Die Festsattelzange ist starr an der Gabel befestigt und verfügt über Bremskolben auf beiden Seiten der Bremsscheibe. Diese Bremskolben drücken bei Betätigung des Bremshebels auf die Scheibe. Der Schwimmsattel ist beweglich an der Gabel montiert und lässt sich auf meistens zwei Bolzen parallel zur Radachse verschieben, er schwimmt.

Bremsscheiben

Radseitiger Teil einer Scheibenbremse, auf die die Bremsbeläge wirken, um die Bewegungsenergie in Wärme umzuwandeln und damit ein Fahrzeug zu verzögern. Sie besteht aus der eigentlichen Bremsfläche und einem Träger, der die Scheibe mit der Nabe verbindet. Bremsscheiben und -beläge können bei intensiver Beanspruchung 500° C und mehr erreichen.

Integrales Bremssystem (ABS)

Elektronisch oder mechanisch-hydraulisch geregelte Bremskraftverteilung auf Vorder- und Hinterrad, unabhängig davon, ob der Fahrer nur den Hand-, nur den Fußbremshebel oder beide einsetzt.

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