Wo werden Shimano Fahrradteile produziert? Einblick in die globale Fertigung

Shimano, der weltweit führende Hersteller von Fahrradkomponenten, betreibt ein globales Netzwerk von Produktionsstätten. Dieser Artikel gibt Einblicke in einige dieser Fabriken, die Fertigungsprozesse und die Philosophie des Unternehmens.

Die Fabrik in Shimonoseki, Japan

Die Factory-Tour im Shimonoseki-Werk im Südwesten Japans beginnt mit strengen Regeln: "Keine Fotos. Smartphones hierlassen. Und Helme auf!" In den Hallen bearbeiten Schmiedehämmer Aluminium. Der Guide führt die Besucher durch die Hallen, vorbei an stampfenden Maschinen und glühenden Öfen. Erkenntnis: Hier wird Metall zu Komponenten geformt, aber wie genau, das bleibt geheim.

Das Werk in Sakai City: Eine "Intelligent Plant"

Der Hauptsitz in Sakai City bei Osaka präsentiert sich freundlicher. Laufstege aus Edelholzparkett führen durch die "Intelligent Plant". Säuselmusik, lichte Weite, Pflanzen und dezente Maschinengeräusche erzeugen eine Wellness-Atmosphäre. In dieser Maschinenkathedrale prägen und stanzen große Pressen Ritzel aus Stahlband. Roboter heben die vollen Schütten auf Paletten, und selbstfahrende Transporter bringen die Zahnräder zur nächsten Bearbeitungsstation. Arbeiter bedienen oder bewegen keine Teile; Hunderte von Robotern und automatisierten Maschinen arbeiten autonom. Im Leitstand überwachen zwei Mitarbeiter den Maschinenpark.

In Sakai werden vorwiegend Highend-Komponenten der Baureihen XT, XTR, Ultegra und Dura Ace gefertigt. Die Taktrate beim Schmieden der Top-Kurbeln beträgt vier Stück pro Minute. Der Fokus liegt auf Qualität und schnellen Umrüstzeiten. Das Werk in Sakai dient als Blaupause für die weitere Entwicklung in den anderen Fertigungsstätten weltweit, so auch für die einzige europäische Fertigung in Tschechien.

Die Geschichte von Shimano in Sakai

Die Vorzeigeproduktion in Sakai ist der vorläufige Höhepunkt einer 95-jährigen Firmengeschichte. 1921 begann Shozaburo Shimano hier, Freilaufritzel zu fertigen. Qualität zum erschwinglichen Preis war bereits des Gründers Motto. Einen kräftigen Impuls erhielt das Geschäft durch die Errichtung einer ersten US-Dependance 1965.

Das Werk in Singapur

Bereits 1975 errichtete Shimano sein erstes Auslandswerk in Singapur. Heute ist Singapur eine wichtige Drehscheibe für den Handel in Südostasien. Bei der Werksführung offenbaren sich Mentalitätsunterschiede zu Japan. Hier ist es Herzensangelegenheit der Chefs, sicherzustellen, dass die Besucher die Prozesse im Detail verstehen. Zum Beispiel das Schmieden, die Schlüsseltechnologie der Firma.

Material wird dabei schrittweise umgeformt. So wird aus Rund-Aluminium von der Rolle durch Stauchen und Plätten schrittweise ein Kurbelrohling geformt. Bremskörper entstehen so, Schaltungsteile oder Nabenkörper. Shimano beherrscht sogar das Kunststück, das Material so zu walken, dass dabei ein Hohlkörper entsteht, wie bei den Kurbeln der Deore, SLX-, Deore-XT- und XTR-Reihen (Stichwort "Hollowtech").

Schmieden hat aber auch handfeste technische Vorteile: Geschmiedete Bauteile sind belastbarer als gefräste, weil sie eine belastungsgerechtere innere Struktur aufweisen.

Shimano schmiedet aber nicht nur Metall, sondern offenbar auch besonders feste Bande zwischen seinen Mitarbeitern. "Shimano ist wie eine Familie, wir stehen einander sehr nah", betont Koh. Entscheidungen werden nie alleine gefällt, immer müsse ein Team überzeugt werden.

Das Werk in Malaysia

Im Nachbarland Malaysia steht in der Kleinstadt Pekan Nanas, Shimanos größte Fabrik. Hier arbeiten gut 3000 Menschen. Zwischen 400000 und 700000 Kurbeln verlassen die Fabrik im Monat. Die Automatisierung wolle man bald von 30 auf 50 Prozent steigern, erklärt Betriebsleiter Ng Nam Seong und schwärmt vom Vorbild Sakai: "Dort wird schneller verbessert, als wir aufholen können."

Mit seiner Automatisierungsstrategie und dem ausgeprägten Qualitätsdenken ist Shimano sehr erfolgreich. Im Bereich Schaltungen sind die Japaner mit Abstand Weltmarktführer.

Shimanos Unternehmenskultur

Auch Investoren sind von Shimanos Wachstum beeindruckt. Der Aktienkurs hat sich in den letzten fünf Jahren fast verfünffacht. Trotzdem ist es glaubhaft, wenn Shimano bekundet, dass ein Hauptanliegen der Firma darin bestehe, die Fahrradkultur zu fördern und Menschen zu motivieren, sich in die Natur zu begeben - sei es mit dem Fahrrad, dessen Teile 82 Prozent des Umsatzes ausmachen, oder mit der Angel, dem zweiten Unternehmensstandbein.

Firmenchef Yozo Shimano sprach davon, dass Gewicht bei der Entwicklung erst an dritter Stelle komme, nach Funktion und Preis der Komponenten. In der Welt des Fahrrades, wo Gewichtsfetischismus allgegenwärtig ist und viele Preise die Bodenhaftung verlieren, ist dies eine wahrhaft souveräne Position.

Shimano: Effizienz und Perfektion

Shimano steht für Metallverarbeitung in Perfektion. Carbon setzt man selbst bei der Top-Gruppe Dura-Ace nur sparsam ein, trotzdem liegt das Gewicht auf dem Niveau der Konkurrenz. Durch die Gruppen zieht sich ein einheitliches Design, in deren Hierarchie spielen die Japaner mit verschieden aufwendig beschichteten Oberflächen.

Herausforderungen und Ausblick

Shimano, weltgrößter Komponentenhersteller für die Fahrradindustrie, musste im vergangenen Jahr ein Minus der Nettoumsätze von 29,5 Prozent auf umgerechnet 2,2 Milliarden Euro hinnehmen. Das Betriebsergebnis brach um 55 Prozent auf rund 394 Millionen Euro ein.

Zwischen Januar und März fiel der Umsatz im Segment Bicycle Components auf 76.090 Millionen Yen (460 Millionen Euro), ein Minus von 22,6 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Ohne genauere Angaben berichtet Shimano von „schwachen Einzelhandelsumsätzen“ auf den Märkten Asiens, Ozeaniens sowie Mittel- und Südamerikas. Auch auf dem nordamerikanischen Markt seien die Einzelhandelserlöse im ersten Quartal rückläufig gewesen.

Besser beurteilt der Komponentenhersteller die Entwicklung auf dem chinesischen Markt, wo „sich das Rennrad dank des Booms im Bereich der Outdoor-Freizeitgestaltung weiterhin großer Beliebtheit“ erfreue.

Das Gros der Erlöse (923 Millionen Euro) werde Shimano laut Prognose immer noch auf dem europäischen Markt erwirtschaften, doch entspräche dies einem Minus von voraussichtlich 18 Prozent. Auf keinem Absatzmarkt der Welt erwartet Shimano größere Rückgänge.

Shimano's Globale Präsenz
Standort Fokus
Shimonoseki, Japan Metallverarbeitung
Sakai City, Japan Highend-Komponenten (XT, XTR, Ultegra, Dura Ace)
Singapur Handelsdrehscheibe, Schmiedetechnologie
Pekan Nanas, Malaysia Größte Fabrik, Kurbelproduktion

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