Die Diskussionen um den Sinn von Nierengurten sind fast so alt wie das Motorrad selbst. Ein Nierengurt ist ein wahrer Verkaufsschlager und neben Handschuhen und Motorradhelm vermutlich der meistverkaufte Motorradartikel auf dem Markt. Es handelt sich um einen 15 bis 30 cm breiten und elastischen Leibgurt, der von Motorradfahrern um die Taille getragen wird.
Hauptaufgabe eines Nierengurts ist es, den Nierenbereich vor Unterkühlung durch Fahrtwind zu schützen. Preisgünstige Nierengurte aus elastischem Neopren oder Polyester mit Textilfutterinnenseite und Stretchteil, die unterm Anzug getragen werden, haben die alten Leder-/Fellversionen längst abgelöst. Es gibt mittlerweile auch Nierengurte aus Hightech-Material aus der Raumfahrt, das mit Millionen von Mikrokapseln das thermische Gleichgewicht besser halten soll. Die allerdings sind recht teuer.
Die Funktionen eines Nierengurts
Dem Nierengurt werden verschiedene Funktionen und Aufgaben zugesprochen.
- Schutz vor Auskühlung: Ein Nierengurt kann vor Unterkühlung schützen, die zum Beispiel aus ständigem Fahrtwind resultieren kann. Der Nierengurt schützt einen sehr empfindlichen Körperbereich. Auskühlen kann zu Muskelverspannungen führen und im schlimmsten Fall auch zu Organproblemen. Medizinisch gesehen ist diese Funktion des Nierengurtes unumstritten. Allerdings muss man auch einräumen, dass die heutige Motorradkleidung und Schutzausrüstung separate Nierengurte gar nicht immer mehr nötig macht. Insbesondere die Motorradkombis (also Einteiler) bieten hier bereits guten Schutz. Der Nierengurt ist also dazu da, den unteren Rücken des Motorradfahrers warm zu halten.
- Schutz vor Vibrationen: Im Gegensatz zum Auto spürt der Motorradfahrer das Bike und die Kraft des Motors sehr direkt und sehr deutlich. Bei mittleren und höheren Geschwindigkeiten gibt es eine Menge Vibrationen, die über Sattel und Gesäß direkt in die Körpermitte gelenkt werden. Daher ist oft die Meinung vertreten, dass deswegen die Nieren eine besondere Stabilisierung benötigen. Hier ist es aber so, dass Mediziner dafür keine Indikation sehen, da die Nieren im Körper ausreichend gut gelagert und geschätzt sind. Einen zusätzlichen „Stoßdämpfer“ braucht es daher also nicht. In diesem Zusammenhang liest man auch immer wieder mal etwas über die so genannte „Wanderniere“. Die gibt es tatsächlich, ist aber eher ein Krankheitsbild, das mit dem Motorradfahren nichts zu tun hat und auch nicht durch Vibrationen herbeigeführt wird. Der Nierengurt kompensiert Vibrationen und schützt dadurch innere Organe.
- Stabilisierung: Durch den Nierengurt wird der untere Rumpfbereich kompakt gehalten und gestützt. Da der Unterkörper (Beine, Gesäß und Hüfte) durch die Sitzposition eng am Tank eine gute Stabilität bekommt, wird hier quasi der Rumpfbereich mit stabilisiert und nach oben verlängert. Das Tragen des Nierengurts gibt also nicht nur ein „sicheres“ Gefühl, weil man kompakt gehalten und gestützt wird, sondern entlastet auch deutlich bei langen Fahrten. Es muss etwas weniger Kraft aufgewendet werden, um die Körpermitte zu halten und auch die Erschütterungen werden etwas kompensiert. Verspannungen können verhindert werden und der Fahrkomfort steigt dadurch sozusagen. Der Nierengurt stabilisiert den Fahrer und entlastet die Körpermitte.
Alexander Spoerl hat mal geschrieben, "die Jacke hört etwas weiter nach oben auf, als die Hose nach unten anfängt. Wer schonmal ne Niere erkältet hatte, wird das nicht nochmal erleben wollen. Heutzutage sind die Klamotten besser, und die Jacke ggf lang genug, aber der Nierengurt hat noch eine zweite Funktion: er komprimiert in gewisser Weise die Organe im Bauchraum, und das ist gut, wenn man stürzt, es vermeidet Milzrisse oder andere innere Verletzungen.
Materialien und Arten von Nierengurten
Es gibt verschiedene Modelle von Nierengurten (einfache Einsteiger-Nierengurte, gefütterte Modelle, mit Protektoren versehene) und dementsprechend auch verschiedene Materialien (PU-Schaum, wärmendes Neopren, elastische Synthetik-Materialien, Leder). Und es werden häufig Sommer- und Wintergurte unterschieden - für die Jahreszeiten.
Man kann Nierengurte aus verschiedenen Perspektiven betrachten: nach ihrem Material, nach ihrer jahreszeitlichen Nutzung und nach dem Verschluss.
Material
Es gibt Nierengurte aus Polyester und aus Neopren. Das sind die Hauptgruppen. Es mag auch Mischformen und Sonderfälle geben, aber grundsätzlich sind das die beiden Materialgruppen. Womit wir dann auch schon bei der zweiten Perspektive wären.
Jahreszeit
Es macht einen großen Unterschied, ob du einen Nierengurt für Touren im warmen Sommer benötigst oder für Fahrten im Winter bzw. in kalten Monaten.
Nierengurte für Frühling und Sommer verfügen in der Regel über Belüftungssysteme und sind aus atmungsaktiven Materialien (Polyester, Polyamid) hergestellt. Oft sind auch Netzmaterialien eingearbeitet, die für eine bessere Durchlüftung sorgen. Diese Netze werden auch Mesh genannt.
Im Herbst und Winter hingegen eignet sich Neopren besonders gut, da Nierengurte aus diesem Material hervorragend wärmen. Außerdem ist Neopren, dass einige sicher in Form von Spezialanzügen vom Tauchen, Wellenreiten oder Kitesurfen kennen, wasser- und winddicht, aber eben auch besonders dehnbar. Der Nachteil ist leider, dass Neopren nicht besonders atmungsaktiv ist. Daher findet man oft eingenähte Materialien wie Vlies oder Gel-Wärmekissen.
Wintergurte sind mitunter auch mehrlagig. Sie bestehen dann beispielsweise außen aus einer wärmenden und schützenden Neoprenschicht und innen aus geschmeidigem Fleece oder Thermostoff.
Übrigens, Neopren ist recht anfällig und verschließt recht schnell. Reine Neoprengurte müssen daher sehr sorgsam gehandhabt werden. Robuster sind da natürlich Nierengurte, die einen feinen Materialmix aufweisen.
Verschluss
Im Grunde haben sich nur zwei Verschlussarten durchgesetzt: der Klettverschluss und der Haken bzw. Schnallenverschluss. Mit Handschuhen mag der Klettverschluss etwas besser zu schließen und zu öffnen sein, aber das ist wohl eher Geschmacksache.
Was kostet ein Nierengurt?
Nierengurte gibt es in den verschiedensten Ausführungen und bewegen sich preislich im Mittel zwischen 40 und 60 Euro. Aber es gibt auch preiswertere Modelle und durchaus hochpreisige Ausführungen.
Sind beiden Nierengurte andere Funktionen mit eingebaut - beispielsweise Protektoren wie sie beim Offroadfahren mitunter eingesetzt werden - dann werden sie schnell teurer. Einsteiger-Nierengurte aus Synthetik-Materialien starten bei rund 15 Euro, qualitativ hochwertigere Ledergurte hingegen bei 40 Euro.
| Ausführung | Preisspanne |
|---|---|
| Einsteiger | ab 15 Euro |
| Leder | ab 40 Euro |
| Protektoren integriert | 60 Euro |
Die richtige Passform finden
Die richtige Passform zu finden, ist eigentlich recht einfach. Grundsätzlich sind die meisten oder fast alle Nierengurte sehr flexibel in der Weitenverstellung und können gut und genau dem Körper angepasst werden.
Die Nierengurtgröße bezieht sich immer auf den Bauchumfang. Viele Nierengurte werden in den Größe S,M,L angeboten. Natürlich gibt es auch die komplette Bandbreite, beginnend bei XXS bis hinauf zu XXL. Viele Hersteller geben außerdem noch eine Zentimeterangabe hinzu. Wenn es Nierengurte mit Einheitsgröße sind, dann haben sie einen sehr langen, überlappenden Klettverschluss und können somit angepasst werden.
Tipps zur Passform
- Beachte, dass du den Nierengurt im Stehen etwas lockerer anziehen musst, da er beim Sitzen auf deinem Bike nochmal enger wird.
- Denke auch daran, dass du den Nierengurt unter der Motorradjacke und über der Unterbekleidung (z.B. T-Shirt) trägst. Der Sinn des Gurtes entfaltet sich erst, wenn er eng und so nah wie möglich am Körper getragen wird.
Wie trägt man einen Nierengurt richtig?
Der Körpermitte-Gurt wird am besten unter der Motorradkleidung - Motorradjacke, Protektorenhemd, Protektorenweste oder Motorradkombi - getragen. Aber über der Unterbekleidung, also nicht auf der nackten Haut. Und ein separater Nierengurt ist auch nur nötig, wenn solch ein Gurt nicht bereits Teil eines der eben genannten Kleidungsstücke ist. Oft haben Motorradkombis oder Schutzkleidung integrierter Nierengurte.
Der Gurt wird also eng am Körper getragen, sodass er fest sitzt ohne einzuengen und unangenehm zu sein. Wenn du das Gefühl hast, dass der Gurt dich stützt und angenehm wärmt, dann sitzt er genau richtig. Wenn du den Nierengurt anlegst, dann lasse ihn gerne eine Spur lockerer, denn beim Setzen auf dein Mopped wird er eh noch etwas enger. Hier hilft einfaches ausprobieren!
Pflege des Nierengurts
Nierengurte aus synthetischen Materialien können in der Waschmaschine gewaschen werden. Allerdings nur bei niedrigen Temperaturen (30 Grad) und dann auch nur im Schonwaschgang. Und auch nicht im Wäschetrockner trocknen, sondern auf der Leine!
Nierengurte aus Leder gehören natürlich nicht in die Waschmaschine. Das versteht sich von selbst. Sie werden mit einem feuchten Tuch gereinigt und nach Bedarf anschließend mit Lederpflege behandelt, damit sie schön geschmeidig bleiben und lange halten.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass ein Nierengurt neben Helm, Handschuhen und Motorradstiefeln zur Standardausrüstung eines Motorradfahrers gehört. Er wird eng um die Körpermitte getragen, wodurch er den Rumpf stabilisiert und schützt.
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