Zahnriemenantrieb beim Motorrad: Vorteile und Nachteile

Der Motorblock eines Motorrades sollte das Hinterrad antreiben. Dafür ist eine Verbindung zwischen der Antriebswelle des Motorblocks und dem Hinterrad notwendig. Dies kann auf verschiedene Arten erfolgen. Am gebräuchlichsten sind Motorräder mit Zahnrädern und einer Kette. Einige Motorräder haben einen Kardan-Antrieb. Anstelle einer Kette ist dies eine sich drehende Welle mit Zahnrädern. Manchmal sieht man auch einen Zahnriemen-Antrieb. Warum werden Motorräder mit einem bestimmten Antrieb hergestellt?

Die verschiedenen Antriebsarten im Überblick

Die am häufigsten zu findende Lösung zur Übertragung der Motorkraft vom Getriebe zum Hinterrad ist der Kettenantrieb. Zusätzlich gibt es auch noch Exoten, wie zum Beispiel den Suzuki Burgman 650 Roller, der fünf Zahnräder zur Kraftübertragung, in der Schwinge integriert, mit sich führt. Die meisten Hinterräder werden mit Kette, Zahnriemen oder Kardanwelle angetrieben.

Kettenantrieb

Die meisten Motorräder sind mit einer Kette ausgestattet. Eigentlich kann man schlichtweg sagen, dass das so ist, weil eine Kette viel günstiger und einfacher ist, dann ein Kardan-Antrieb. Eine Kette und Zahnräder sind einfacher und preiswerter herzustellen. Darüber hinaus ist es einfacher, dies auf verschiedene Motorräder zu implementieren. Ein Motorrad mit einer Kette läuft ruhiger als eine Kardanwelle, verliert aber mehr Energie. Ein großer Vorteil einer Kette ist, dass diese viel leichter ist als eine Kardanwelle. Ein Nachteil ist, dass eine Kette mehr Wartung erfordert. Es wird empfohlen, die Kette alle 400 km zu schmieren oder wenn man häufig bei Regen fährt nach 250km. Außerdem verschleißt eine Kette schneller, so dass sie gelegentlich ersetzt werden muss. Eine Kette von Zeit zu Zeit zu reinigen ist ein Muss für eine lange Lebensdauer.

Der im Motorradbau am häufigsten verwendete Sekundärantrieb ist die Kette. Ein Kettenantrieb ist nicht nur einfach aufgebaut, sondern vor allem kostengünstig zu produzieren. Sofern die Kette richtig gespannt und geschmiert ist, hat er nur einen geringen Leistungsverlust. Niedriges Gewicht, ein relativ einfacher Wechsel des Kettensatzes sowie die Möglichkeit, die Übersetzung mithilfe von größeren/kleineren Kettenrädern zu ändern, sind weitere Vorteile der Kette. Der größte Nachteil ist ihre aufwendigere Pflege (Schmieren, Reinigen und Spannen) sowie die begrenzte Lebensdauer.

Er ist relativ preisgünstig herzustellen, verträgt auch hohe Motorleistungen, bringt wenig Gewicht mit sich und hat eine gewisse Dämpfung im Lastwechselverhalten.

So belästigt der Kettenantrieb nicht nur durch rasselnde und schnurrende Geräusche, sondern er verlangt zusätzlich nach stetiger Pflege, oder straft seinen Besitzer mit hohem Verschleiß, wenn dieser seiner Kette nicht genügend Aufmerksamkeit widmet. Das rechte Maß an Öl, Fett oder Silikonschmiere zu finden ist eine Gratwanderung. Ist es zu wenig Schmiere entwickeln sich Abrasion (Materialabtrag) und thermische Schädigung. Ist es dagegen zu viel Schmiere, schmoddert einem die Kette das gesamte Hinterteil des Motorrades voll. Früher hatten Mopeds sogar Kettenschutzkästen gegen diese Sauerei. Der Dreck lässt sich übrigens sehr gut mit dem Universalsprayöl WD 40 oder Sprühwachs entfernen.

Besondere O-Ringe sollen Reibungsverluste minimieren. Schmierautomaten wie der „Scott-Oiler“ erleichtern die lästige Wartung, vorausgesetzt dass er richtig justiert ist, sonst läuft die Kette entweder zu trocken, oder es gibt wiederum die beschriebene Sauerei. Die Lebensdauer der heutigen Ketten ist demnach stark vom Einsatz und der Pflege abhängig. Wer sein Kettenfahrzeug im Gelände bewegt, darf oft nur mit 10.000 km Lebensdauer rechnen, andere schaffen manchmal 40.000 und mehr. Je nach Grad der Beanspruchung reckt sich die Kette im Laufe der Kilometer. Das bedeutet immer schön auf die Kettenspannung zu achten und ggf. nachzuspannen.

Kardanantrieb

Wenn eine Kette ein offenes System ist, ist eine Kardanwelle ein geschlossenes System. Bei einem Kardan-Antrieb wird eine Welle durch Zahnräder innerhalb eines Systems angetrieben. Innerhalb dieses geschlossenen Systems befindet sich spezielles Kardan-Öl, um sicherzustellen, dass es gut geschmiert bleibt. Dieses Öl muss beispielsweise erst nach 40.000 km gewechselt werden. Hinweis: Dies ist je nach Motorrad unterschiedlich. Informationen hierzu findet man im Serviceheft Wartungsheft.

Ein Kardan-Antrieb hat eine direktere Übertragung, da sich die Welle nicht wie eine Kette dehnt. Das wird man zwar während der Fahrt bemerken, aber nach kurzem eingewöhnen, ist dies nicht als nachteiliger Effekt zu nennen. BMW-Motorräder sind häufig mit einem Kardan-Antrieb ausgestattet. Hier sehen Sie einen BMW Kardan-Antrieb von innen.

Über eine Gelenkwelle wird die Kraft zum Hinterrad übertragen. Ein Nachteil ist das hohe Gewicht. Der Kardanantrieb scheint nämlich einiges an positiven Eigenschaften zu vereinen. Er läuft fast so leise wie ein Riemen, verträgt Power wie eine Kette, wirft nicht mit Öl um sich und hält ein Motorradleben lang. Theoretisch zumindest. Aber auch hier gilt: „Kein Vorteil ohne Nachteil“.

Je nachdem, wie viel Mühe und Aufwand der Hersteller betrieben hat, kann ein Kardan mit jaulendem Singen auch ganz schön nerven. Der als wartungsarm bis sogar wartungsfrei gepriesene Kardan bedarf trotzdem etwas Pflege und Aufmerksamkeit. Er möchte ab und zu frisches Öl für das Endgetriebe. Gebrochene Kardanwellen und Kreuzgelenke sowie ausgegnabbelte Kegelräder sind nicht die Regel, kommen aber vor. Zerfetzte Simmerringe und schwitzende Dichtungen zwischen den Einzelteilen vernichten die Mähr von der Wartungsfreiheit. Störrische, harte Lastwechselreaktionen und Auf- und Absenken der Heckpartie verhalfen alten BMW Motorrädern mit Kardanantrieb zu der Bezeichnung „Gummikuh“. Dieser Unsitte wurde mit endlos langen Schwingen oder einer Drehmomentabstützung entgegengewirkt. BMW nennt das Paralever. Auch der Kardanantrieb ist deshalb für ernsthaft im Renneinsatz bewegte Supersportler wenig geeignet, wo es ja auf Handling und Kurvenagilität ankommt.

Zahnriemenantrieb

Ein Zahnriemen-Antrieb ähnelt ein bisschen dem Ketten-Antrieb. Es ist ein Zahnriemen, der über zwei Zahnräder gespannt ist. Wenn ein Zahnriemen richtig gespannt ist, sodass er genügend Spiel hat und keiner ungleichmäßigen Belastung ausgesetzt ist, hält ein Zahnriemen-Antrieb viel länger als eine Kette. Da eine Kette aus Stahl besteht, nutzen sich die Zahnräder auch schnell ab, sodass die Zahnräder immer mit ausgetauscht werden müssen. Dies ist bei einem Zahnriemen-Antrieb nicht der Fall. Ein weiterer Vorteil eines Zahnriemen-Antriebs ist, dass dieser nicht geschmiert werden muss. Heutzutage sind Zahnriemen-Antriebe so gut verarbeitet, dass sie manchmal das Motorrad überdauern. Darüber hinaus kann ein Zahnriemen-Antrieb die Flexibilität einer Kette bieten, ist jedoch leiser, leichter und sauberer.

Warum nutzt dann nicht jeder einen Zahnriemen-Antrieb? Das hat zwei Gründe. Erstens kann ein Zahnriemen-Antrieb plötzlichen Belastungen nicht gut standhalten. Daher ist es keine gute Kombination mit einem Zahnriemen-Antrieb plötzlich stark zu beschleunigen oder Wheelies zu fahren. Zweitens ist es mit einer Kette einfacher, Anpassungen am System vorzunehmen.

Die Bestandteile des Zahnriemenantriebs ähneln denen des Kettenantriebs. Die Bestandteile des Riemenatriebs ähneln jenen der Kette: Anstelle der Kettenräder werden Riemenscheiben eingesetzt, der Riemen selbst ersetzt die Kette als solches. Um die Lebensdauer zu erhöhen, sollte der Riemen in einem möglichst großen Radius laufen - dadurch wird er weniger stark geknickt. Hier zeigt sich auch einer der Nachteile des Antriebes: Die hintere Riemenscheibe fällt deutlich größer aus als ein vergleichbares Kettenrad, worunter vor allem die Optik leidet. Bei einer Umrüstung solltest Du zudem auch beachten, dass die Getriebeübersetzung auf den Kettenantrieb angepasst ist. Der im Motorradbau verwendete Antriebsriemen wird auch "Synchronriemen" genannt. Die auf der Innenseite befindlichen Zähne bestehen aus Polyurethan oder Neopren und greifen in ein spezielles Zahnrad ein, das am Hinterrad befestigt ist. Die im Vergleich zum klassischen Keilriemen mögliche Verkleinerung des Umschlingungswinkels bietet den Vorteil eines schlupflosen Antriebs und einer damit verbundenen Laufruhe.

Der Riemenantrieb, wie er bevorzugt bei Harleys und anderen Choppern verwendet wird, arbeitet dagegen schon sauberer, abgesehen von etwas Gummiabrieb. Er verrichtet ohne Ölgeschmiere und wesentlich leiser als eine Kette seine Arbeit. Das oft über 50.000 km. Lastwechsel nimmt er ebenfalls recht elastisch. Welch Vorteil! Um dem Spruch „kein Vorteil ohne Nachteil“ jedoch gerecht zu werden, muss ich nun allerdings auch noch einmal auf die gravierenden Nachteile eingehen.

Da der Riemen aus Gummi ist, wenn auch mit Gewebeeinlagen aus Nylon oder Kevlar verstärkt, unterliegt er einer natürlichen Alterung. Deshalb stirbt er oft ohne die geleisteten Kilometer an Altersschwäche und zu allem Überfluss auch noch ohne Vorankündigung. Das ist besonders gemein, wenn man mitten in der Kalahari steckt. Der Riemen muss für die zu übertragende Leistung passend dimensioniert sein. Das alleine schränkt die Einsatzmöglichkeiten des Riemenantriebes ein, da die Breite ja auch andere Komponenten am Motorrad beeinflusst. Zu breite Riemen würden das Auge jedes Ästheten und Schöngeistes beleidigen.

Die wuchtige Riemenscheibe am Hinterrad, Pulley genannt, bringt beachtliches Gewicht auf die Waage. Für die Freunde der Sportler und Supersportler, wie Kawasaki Ninja, Honda Fireblade und Yamaha R1, wird deshalb so ein Schwergewicht von den Herstellern gar nicht erst in Erwägung gezogen, abgesehen davon, dass man die Übersetzung z.B. für die Rennstrecke nicht mal eben so durch Ritzeltausch ändern kann.

Der Riemenantrieb neigt zu allem Überfluss auch noch zu quietschenden Geräuschen, wenn das Hinterrad nicht sauber justiert ist. Silikonspray hilft da schon mal, löst aber nicht das eigentliche Problem der Fehljustierung. Ganz im Gegenteil. Das Silikon sammelt Schmutzpartikel und bewirkt so eine langsame aber sichere Zerschmirgelung von Riemen und Pulley. Sauber justiert läuft der Riemen jedoch wunderbar leise. Ketten sind in der Justierung etwas toleranter.

Vor- und Nachteile im Detail

Hier eine tabellarische Übersicht über die wichtigsten Vor- und Nachteile der drei Antriebsarten:

Antriebsart Vorteile Nachteile
Kette Preiswert, leicht, einfache Anpassung der Übersetzung Hoher Wartungsaufwand, kürzere Lebensdauer, Verschmutzung
Kardan Wartungsarm, lange Lebensdauer, sauber Hohes Gewicht, teuer, höherer Leistungsverlust
Zahnriemen Wartungsarm, lange Lebensdauer, leiser, sauberer Empfindlich gegenüber plötzlichen Belastungen, größerer Bauraum

Umrüstung auf Zahnriemen

Für Dich muss das nicht zwangsläufig einen Nachteil darstellen, weil sich viele Maschinen auf den Riemenantrieb umrüsten lassen. Vor allem für großvolumige Maschinen wie die Yamaha XJR 1200 und 1300 sowie die große Suzuki Bandit lassen sich für einen Preis von rund 1000 Euro entsprechende Umrüstsätze erstehen. Neben dem Zahnriemen und den Riemenscheiben wird auch ein entsprechender Schutz und Anbausatz mitgeliefert. Zudem gehört ein TÜV-Teile Gutachten zum Lieferumfang, denn der Zahnriemen muss eingetragen werden. Der Umbau als solches verschlingt selbst für einen erfahrenen Mechaniker etwa 3-4 Arbeitsstunden. Die dafür anfallenden Kosten sollten miteinkalkuliert werden, wenn der Umbau durch eine Fachwerkstatt durchgeführt werden sollte. Der Umbau auf einen Riemenantrieb sollte von einem Fachmann durchgeführt werden.

Fazit

Alle drei Arten die Kraft zu übertragen haben ihre Stärken und Schwächen. Wo welcher Antrieb zum Einsatz kommt ist in erster Linie vom Gesamtkonzept, dem Einsatzgebiet und dem angestrebten Preissegment abhängig, in dem die Maschine mitmischen soll.

Verwandte Beiträge:

Kommentar schreiben

Kommentare: 0