Zipp Laufräder im Test: Rennrad-Performance auf höchstem Niveau

Zipp, einer der großen Namen für alle Fans von auf Performance getrimmten Laufrädern, ist eine feste Größe im internationalen Radsport und stattet zahlreiche Teams und Fahrer aus. Seit 1988 fertigen die Leichtgewichtsspezialisten von Zipp hochwertige Carbon-Komponenten. Am Anfang stand bei Zipp das Carbon-Laufrad, mittlerweile fertigen sie auch weitere Komponenten aus dem Lieblingsstoff der schnellen Fahrer.

Kein Wunder bei den innovationsbeladenen Laufrädern, Hookless-Felgen und hauseigenen Naben. Gepaart mit klassisch-amerikanisch progressivem Marketing sind die 454 NSW mit dem größten Performance-Anspruch am Start. Der unverkennbare Look rundet das Paket ab und macht die Laufräder zu einem beliebten Upgrade. Zipps Ursprünge liegen also in der Geschwindigkeit - und die Firma ist bis heute dort verortet. Und einen passenden Firmen-Slogan hat man auch: Zipp Speed Weaponry!

Zipp 454 NSW: Einzigartiges Design und hohe Sprintperformance

Die Zipp 454 NSW sind die speziellsten Laufräder im Test. Mit Sawtooth-Profil und Dimples in der Felge hat Zipp nicht nur richtig tief in die Feature-Kiste gegriffen, sondern auch technisch einiges gewagt. Durch den Fokus auf hakenlose Felgen rückt Zipp immer mehr in das Zentrum der Hookless-Diskussion. Als einer der treibenden Innovatoren hinter der Technologie hält Zipp weiter daran fest. Die 454 NSW sind einzigartig und das lässt sich Zipp auch bezahlen. Mit 3.797 € für das Set liegt der Preis in unserem teuren Testfeld knapp über dem Durchschnitt. Doch was bekommt man hier für sein Geld?

Hierfür verfolgt Zipp ein ganz eigenes Konzept der Felgengeometrie. Mit 23,5 mm Maulweite und 27,8 mm Felgenbreite ist das Verhältnis der Felge nicht ganz ausgeglichen, vor allem wenn man bedenkt, dass das Laufrad extra für breite Reifen optimiert wurde. Und so sieht das Laufrad bereits mit den 28 mm breiten Continental GP 5000 S TR-Testreifen etwas komisch aus, denn dieserwirkt im Vergleich zur Felge schon fast zu breit. Mit dem Sawtooth genannten variierenden Profil zwischen 53 und 58 mm Felgentiefe soll zudem der beste Kompromiss aus Aerodynamik und minimaler Anfälligkeit für Seitenwind gewährt werden. Ganz im Gegenteil zu den featurebeladenen Felgen kommen die Naben recht unspektakulär daher. Auffällig ist aber, dass Zipp als einziger Hersteller im Test noch auf J-Bend-Speichen setzt.

Das 454 NSW ist ein äußerst steifes und schnelles Laufrad. Vor allem in Sprints und schnellen Antritten gehen die Räder extrem gut nach vorn und halten die Geschwindigkeit. Und davon profitiert auch das Handling in Kurven, denn durch die steife Bauweise sind die Räder sehr präzise und lassen sich auf den Millimeter genau steuern. Das bewirkt allerdings auch eine holprige und wenig smoothe Fahrweise. Vibrationen werden nicht herausgefiltert und Schläge werden praktisch ungefiltert weitergegeben. Überrascht hat uns dagegen die sehr gute Performance bei Seitenwind. Ob das vor allem durch Zipps spezielle Features bedingt wird, können wir nicht genau sagen.

Betrachtet man die Laufräder und die gehypte Technik, erwartet man viel - wie sonst lassen sich der hohe Preis und die spezielle Optik rechtfertigen? Doch schon im Fahrtest fällt auf, da geht nicht viel. Denn dort zeigen sich durch alle Messwinkel hinweg unterdurchschnittliche Werte und so landen die Zipp 454 NSW mit einem durchschnittlichen Watt-Wert von 96,2 auf dem neunten Platz. Lediglich die Räder von Mavic und Lightweight performen schlechter.

Zwar liefern die 454 NSW einen einzigartigen Look und eine erstklassige Sprintperformance, doch schon die Aerodynamik kann mit der Konkurrenz nicht mithalten.

Zipp 303 Firecrest: Der Allround-Laufradsatz für höchste Ansprüche

Zipp bezeichnet das Carbon-Modell als Allround-Langstrecken-Laufradsatz. Die 303 Firecrest sollen leichter sein als die Vorgänger. Auch sollen sie aerodynamischer sein. Neben einem geringeren Rollwiderstand sollen sie auch mehr Komfort bieten. Das Felgenprofil ist mit seinen geraden Seitenwänden für Tubeless-Reifen entwickelt. Mit klassischen Clincher-Reifen, welche gemeinsam mit einem Schlauch von einem Felgenhorn am Laufrad gehalten werden, können die Zipp 303 Firecrest nicht gefahren werden.

Bei den Zipp 303 Firecrest setzt der US-Hersteller seine neue Total-System-Efficiency-Technologie ein. Die TSE beschreibt die Rundum-Effizienz. Die Innenbreite der Felge beträgt 25 Millimeter. Die Aussenbreite beträgt 30 Millimeter. Diese sehr breite Felge reduziert auch die Verformung des Reifens, wodurch sich der Rollwiderstand verringern soll. Zudem optimiert er die Kompatibilität mit breiteren Reifen. Auch auf schlechten Straßen oder Gravel können die Zipp 303 Firecrest daher Vorteile bieten. Die minimale Reifenbreite beträgt 28 Millimeter, maximal sind die Reifen mit einer Breite von 55 Millimetern zu fahren.

Das Gewicht des Laufradsatzes Zipp 303 Firecrest ist laut Hersteller um 300 Gramm geringer als beim Vorgängermodell. Das Gewicht des Laufradsatzes soll nun bei nur 1355 Gramm liegen. Die Felgen bestehen aus unidirektionalen Carbonfasern, diese sollen besonders verwindungssteif sein und dadurch eine effiziente Kraftübertragung ermöglichen.

Für die Zipp 303 Firecrest gibt es vom Hersteller Zipp gibt eine lebenslange Garantie gegen Herstellungsfehler sowie eine Garantie gegen Stoßschäden bei bestimmungsgemäßem Gebrauch. Diese deckt alle Zipp-Produkte ab 2021 ab. Der Preis liegt bei 1800 Euro.

Zipp 303 SW: Vielseitiger Allrounder mit integriertem Reifendrucksensor

Das 303 SW ist mit 1440 Gramm etwas schwerer, dafür aber vielseitiger einsetzbar und mit 1900 Euro pro Satz sehr viel günstiger. Es soll sich laut Zipp für Straße, Gravel, Kopfsteinpflaster und Cyclocross eignen. Die 40 Millimeter hohe Felge ist für Reifen zwischen 30 und 35 Millimeter Breite ausgelegt, wobei Zipp die beste Performance mit 35-Millimeter-Reifen verspricht. Auch hier beträgt die Innenbreite 25 Millimeter. Der ZR1-Nabensatz ist hier mit Edelstahllagern bestückt.

Beide neuen Laufräder verfügen über ein Hookless-Felgenprofil, bei Zipp heißt das Tubeless Straight Side (TSS). Dies soll einen nahtlosen Übergang zwischen Reifen und Felge ermöglichen und die Aerodynamik verbessern. Die breiten Felgenprofile in Kombination mit größeren Reifenvolumen und niedrigerem Druck sollen außerdem die Ermüdung des Fahrers reduzieren.

Ein Highlight der jüngsten Produktoffensive der US-Amerikaner sind sicherlich die integrierten SRAM AXS-Reifendrucksensoren in den neuen 353 NSW und 303 SW Laufrädern. Diese informieren per LED vor dem Fahrtantritt, ob der Reifendruck korrekt ist, und ermöglichen eine Echtzeitüberwachung des Reifendrucks am Radcomputer. Bisher übernahmen diese Funktion externe Sensoren namens TyreWiz, die als kleines Kästchen am Ventilschaft angebracht waren. Die neuen Sensoren sind nun direkt in die Felgen integriert.

Wird das Rad bewegt, leuchtet eine LED neben dem Ventil auf. Grün heißt: Der Luftdruck liegt im vorab eingestellten Toleranzbereich. Blinkt die LED rot, muss nachgepumpt werden. Der Sensor erkennt, wenn sich das Laufrad dauerhaft dreht, so dass die LED schnell wieder erlischt und nicht die ganze Fahrt lang leuchtet. Koppeln und einstellen lässt sich das Ganze mit der AXS-App. Die Sensoren kommunizieren außerdem mit dem SRAM-eigenen Hammerhead Computer oder anderen ANT+-fähigen Geräten von Garmin oder Wahoo, der Luftdruck kann dort in Echtzeit angezeigt werden.

Wir hatten die Zipp 303 SW-Laufräder im Test, dazu die passenden Goodyear Vector R Z30 SW-Reifen in 30 mm Breite, und direkt fällt auf: Die Räder bleiben den Allroad-Wurzeln treu. Mit hohem Komfort und äußerst ruhigen Abrollverhalten rollen sie auch auf schlechtem Asphalt und Gravel effizient. Dazu passt auch das gute Handling: Ausgeglichen, aber dennoch präzise, lassen sich die Zipp 303 SW einfach steuern und verzeihen kleine Fahrfehler. Das führt zu einem sehr intuitiven Fahrverhalten und einem hohen Sicherheitsgefühl.

Im Antritt reagieren die Zipp 303 SW schnell und willig. Doch vor allem im Anstieg merkt man das Gewicht von 1.448 Gramm. Wirklich überraschen konnte uns dagegen die hohe Stabilität bei Seitenwind, denn auch bei starken Böen bleiben die Zipp 303 SW ruhig in der Spur. Bleibt nur der Drucksensor. Dieser lässt sich dank AXS-Protokoll spielend einfach mit dem Radcomputer verbinden, wodurch sich Druckveränderungen quasi in Echtzeit beobachten lassen. Dank einstellbarer Warnung ist das mehr als nur ein nettes Feature.

Mit ihrem angenehmen Fahrverhalten und intuitivem Handling haben uns die Zipp 303 SW im Test voll überzeugt. Und auch der Freilaufsound der ZR1 SL-Naben kann begeistern. Selbst unserem Tester Jan, eigentlich empfindlich gegenüber lauten Naben, gefällt der Sound der Zipp 303 SW. Mit einem Gewicht von 1.448 g und dem Preisschild von 1.900 € sind die Zipp 303 SW eine richtig gute Option für den Allrounder - und auch für Gravel- und Reise-Enthusiasten.

Zipp 303 XPLR S: Der Spezialist für Gravel-Abenteuer

Der superbreite Gravel-Radsatz sorgt auch bei geringem Luftdruck für sicheren Reifensitz und vereint damit Grip und Komfort mit neutralem Fahrverhalten. Frisch aus dem Karton sehen diese Laufräder ungewohnt aus, fast ein bisschen überzeichnet. Auf der Waage machen die wuchtigen Zipp dann eine gute Figur - 758 Gramm fürs Vorderrad und 866 Gramm fürs Hinterrad inklusive Felgenband (also 1.624 Gramm) sind gerade angesichts der materialintensiven Bauweise ziemlich wenig.

Die ungewohnte Optik ändert sich, sobald die Reifen montiert sind. Die von SRAM mitgelieferten Goodyear XPLR sind nominell 45 mm breit, auf der Felge allerdings nur gut 43 mm. Damit entsprechen die Größenverhältnisse von Reifen und Felge ziemlich genau einem Rennrad-Radsatz mit den heute üblichen 28-mm-Reifen.

Selbst bei 1,6 bar sitzt der 45er Reifen sehr satt in der Felge und weicht in Schräglage nicht zur Seite aus. Das eher feine Profil des Zipp/Goodyear Inter rollt gefühlt leicht ab und kommt auf Asphalt einem Straßenreifen nahe; im Gelände ist der Reifen bei niedrigem Druck ziemlich griffig und dank der ausgeprägten Schulterstollen auch auf matschigem Untergrund sehr verlässlich.

Die Reifenmontage geht beim neuen Zipp 303 XPLR S ziemlich einfach: Zwar muss man kurz mal einen Reifenheber ansetzen, dann aber kann man den Reifen ohne Kompressor befüllen. Auch die Demontage ist kein Problem.

Der Fahreindruck ist sehr angenehm: Das recht geringe Gesamtgewicht von Radsatz und Bereifung führt zu einem spielerischen Handling; bei höherem Tempo auch auf Asphalt meint man den aerodynamischen Vorteil der tiefen Felgen zu spüren. An windigen Tagen wirken sie außerdem sehr fahrstabil; seitlicher Wind erzeugt keinen merklichen Druck am Vorderrad. Vor allem aber gefällt der sichere Sitz der Reifen, die sich kein bisschen schwammig anfühlen und keinerlei Kompromisse zwischen Traktion und Dämpfung auf der einen Seite und neutralem Fahrverhalten auf der anderen nötig machen.

Zipp baut den Radsatz wie das Straßen-Schwestermodell 303s auf dem 76/176-Nabensatz auf, der mit einem Drei-Klinken-Freilauf ausgestattet ist, dazu kommen jeweils 24 zweifach gekreuzte Flachspeichen.

Abgesehen von der eingeschränkten Reifenauswahl kann man den Zipp 303 XPLR S jedenfalls sehr empfehlen. Gerade Gravelbiker, die geringen Druck und 45er oder 50er Reifen bevorzugen, bekommen hier einen perfekt darauf abgestimmten Radsatz; wer schnell fährt, dürfte auch von der Aerodynamik profitieren, die mit keinerlei Nachteilen wie Seitenwindanfälligkeit einhergeht.

Zipp 302 Carbon Clincher: Günstiger Einstieg in die Carbon-Laufradwelt

Mitte dieses Jahres hat Zipp seinen neuen Laufradsatz Zipp 302 vorgestellt. Es handelt sich hierbei um einen 1645 g schweren Carbonlaufradsatz für Drahtreifen. Mit einem Verkaufspreis von 1299 € stellt der 302 den Einstieg ins Zipp Sortiment dar.

Der Zipp 302 machte auf mich direkt einen soliden und hochwertigen Eindruck - eben ganz genau so, wie man es auch von höherpreisigen Zipp Laufrädern gewohnt ist. Schnellspanner, Ventilverlängerungen und zwei Felgenbänder sind im Lieferumfang enthalten. Zusätzlich werden noch zwei Reifen, zwei Schläuche, eine Kassette und Carbon-Bremsgummis benötigt.

Was mir direkt bei der Montage aufgefallen ist, ist die Innenbreite der Felge von 16,25 mm und ein Außenmaß von 26,5 mm. Immer breitere Reifen setzen sich aufgrund der guten Laufeigenschaften und des gesteigerten Komforts am Markt durch. Zipp treibt diese - aus meiner Sicht positive - Entwicklung maßgeblich voran und hat daher auch für den 302 eine breitere Felge konstruiert. Nach kurzer Zeit waren die Laufräder fahrbereit und ich konnte diese endlich zum ersten Mal in einer Trainingsausfahrt testen.

Ich spürte sofort, dass ich mit keinem 0815-Laufradsatz unterwegs bin. Das Fahrverhalten ist direkt und auch das Beschleunigen nach Kurven macht einfach Spaß. Auch die aerodynamischen Vorteile konnte ich bei schneller Fahrt feststellen. Der Zipp 302 generiert einen super Vortrieb. Bei Laufrädern mit einer Carbonbremsflanke spielt das Bremsverhalten eine wichtige Rolle. Auch hier kann ich nur Positives berichten. Im Trockenen sowie im Nassen sind die Bremsen gut dosierbar.

Als Feuertaufe diente hierzu ein Rennen vor unserer Haustüre: „Rund um Dom und Rathaus“! Auf einer 900 Meter langen Kopfsteinpflasterrunde konnte ich den Laufradsatz bei strömendem Regen zum ersten Mal so richtig auf die Probe stellen. Hier bestätigten sich voll und ganz die Fahreindrücke der ersten Ausfahrten. Steif, agil und gutes Bremsverhalten. Am Ende konnte ich als Erster über die Ziellinie fahren - sicher auch dank des 302. Nach dem Rennen konnte ich keinerlei Probleme feststellen. Kein Lagerspiel und keinen Seiten- oder Höhenschlag. Das spricht für die Stabilität dieses Laufradsatzes.

Mit dem 302 ist Zipp der Einstieg in die günstigeren Segmente des Carbonlaufradmarktes definitiv gelungen! Ich bin den Laufradsatz nun rund 2000 km gefahren und möchte ihn am liebsten gar nicht mehr hergeben. Wenn Du einen stabilen, agilen, aerodynamischen und gut aussehenden Clincher Carbonlaufradsatz zu einem annehmbaren Preis suchst, dann ist der Zipp 302 genau das Richtige. Er ist zwar nicht der leichteste Laufradsatz, aber er überzeugt voll und ganz als Top-Aero-Laufradsatz.

Technische Details und Preise im Überblick

Modell Gewicht (Satz) Felgenhöhe Innenbreite Preis (ca.) Besonderheiten
Zipp 454 NSW ca. 1400g 53-58 mm 23,5 mm 3.797 € Sawtooth-Profil, Dimples, Hookless
Zipp 303 Firecrest 1355g - 25 mm 1.800 € Total-System-Efficiency (TSE)
Zipp 303 SW 1440g 40 mm 25 mm 1.900 € Integrierter Reifendrucksensor
Zipp 303 XPLR S 1624g - - 1.200 € Für Gravel optimiert
Zipp 302 Carbon Clincher 1645g 45 mm 16,25 mm 1.299 € Einstiegsmodell

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