Zündkerzen für Harley Davidson: Ein umfassender Leitfaden

Zündkerzen sind ein wesentlicher Bestandteil jedes Verbrennungsmotors. Sie sorgen für den Funken, der das Benzin-Luft-Gemisch entzündet. Bei Harley Davidson Motorrädern spielen sie eine entscheidende Rolle für die Leistung und den zuverlässigen Betrieb des Motors.

Die Bedeutung der richtigen Zündkerzen

Es ist wichtig, die richtigen Zündkerzen für Ihren Harley Davidson Motor zu verwenden. Der Wärmewert einer Zündkerze muss immer auf den jeweiligen Motor abgestimmt sein. Der Idealbereich liegt zwischen 450 und 850 °C.

Der Wärmewert wird in Zahlen angegeben und ist im Zündkerzen-Code zu finden. Die verwendeten Wärmewertzahlen sind je nach Zündkerzenhersteller unterschiedlich, bei Weltmarktführer NGK werden Wärmewerte mit 2 bis 11 angegeben. Je höher die Zahl, desto mehr Hitze verträgt die Zündkerze, heißt sie kann mehr Wärme aus dem Brennraum abführen.

Ist die Hitze zu viel für die Zündkerze, kann sie zu glühen beginnen und damit frühzeitig das Kraftstoff-Luft-Gemisch entzünden. Dann beginnt der Motor zu "klopfen", also unregelmäßig zu zünden. Im Extremfall schmilzt die Zündkerze, dann ist sogar ein schwerer Motorschaden möglich.

Aber auch zu "kalt" ist schlecht. Es braucht ein gewisses Maß an Hitze, damit der bei der Verbrennung entstehende Ruß sofort wieder weggebrannt wird. Leitet die Zündkerze zu viel Hitze ab, lagert sich der Ruß ab. Da Ruß leitend ist, springt der Funken nicht mehr sauber zwischen den Elektroden über, sondern wird umgeleitet und es kommt zu Zündaussetzern. Beide Fehler sind optisch leicht zu erkennen.

Schraubt man die Zündkerze raus und begutachtet die Spitze, ist rund um die Elektrode im Idealfall ein leicht brauner Belag zu sehen.

Auswahl der richtigen Zündkerze

Es gibt verschiedene Arten von Zündkerzen, die für Harley Davidson Motoren geeignet sind. Dazu gehören:

  • Standard-Zündkerzen: Diese bestehen meist aus Kupfer und sind eine kostengünstige Option für den täglichen Gebrauch.
  • Platin-Zündkerzen: Diese bieten eine längere Lebensdauer und bessere Leistung als Standard-Zündkerzen.
  • Iridium-Zündkerzen: Iridium ist mit einem Schmelzpunkt von 2466 °C schon grundsätzlich robuster und hitzebeständiger als Nickel (Schmelzpunkt: 1455 °C). Das verringert die Elektroden Erosion und verbessert die Haltbarkeit der Zündkerze.
  • Screamin' Eagle Zündkerzen: Screamin' Eagle Zündkerzen zeichnen sich durch eine doppelte Platinbeschichtung aus, die eine exzellente Verschleißfestigkeit und lange Lebensdauer garantiert.

Iridium Zündkerzen

Zündkerzen mit Elektroden aus dem seltenen Edelmetall bieten einige Vorteile gegenüber herkömmlichen Zündkerzen, die häufig aus Nickel bestehen. Die Iridium IX Zündkerze von NGK soll zum Beispiel doppelt so lange halten, wie eine Standard-Zündkerze.

Laut NGK lässt sich ein Zuwachs an Motorleistung prüfstandstechnisch aber nicht nachweisen. Der Vorteil dieser Kerzen ist eine gleichmäßigere und immer gleiche Ausbreitung der Flammfront bedingt durch den geringen Elektrodendurchmesser der Mittelelektrode.

Wartung und Austausch von Zündkerzen

Es ist wichtig, die Zündkerzen regelmäßig zu überprüfen und bei Bedarf auszutauschen. Anzeichen für verschlissene oder defekte Zündkerzen sind:

  • Schlechter Motorlauf
  • Schwierigkeiten beim Starten
  • Erhöhter Kraftstoffverbrauch
  • Zündaussetzer

Beim Einbau neuer Zündkerzen ist darauf zu achten, dass das richtige Drehmoment verwendet wird. Die erforderlichen Drehmomente für Zündkerzen variieren je nach Zündkerzentype. Um sicherzugehen, dass auch das richtige Drehmoment angewendet wird, nutzt man am besten einen Drehmomentschlüssel. Wie viel Nm genau notwendig sind, steht im Betriebshandbuch des Motorrads oder auf der Herstellerseite von NGK.

Es darf auf keinen Fall Kupferpaste auf die Zündkerzen geschmiert werden. Kupfer und Aluminium vertragen sich nicht. An dieser Unsitte sind schon viele Alu-Zylinderköpfe gestorben. Wenn überhaupt, dann kann man heutzutage Aluminium oder Keramikpaste (ganz dünn auftragen) verwenden.

Zündkerzen und Gemisch

Die Farbe und das Aussehen der Zündkerzen können wertvolle Hinweise auf den Zustand des Motors und die Gemischeinstellung geben.

  • Helle, fast weiße Zündkerze: Dies deutet auf ein zu mageres Gemisch hin.
  • Verrußte Zündkerze: Dies deutet auf ein zu fettes Gemisch hin.
  • Braune Zündkerze: Dies ist das Idealbild und deutet auf ein korrektes Gemisch hin.

Ein fett eingestelltes Gemisch kann gleichfalls die Klopfneigung deutlich verringern. Bei manchen Harleys ist die Einstellung der EFI wegen der Umweltauflagen so knapp bemessen, dass es im Sommer zu leichtem Klopfen in mittleren Drehzahlen unter Belastung kommt, welches auch der Klopfsensor nicht mehr abregeln kann. Hier hilft die Umprogrammierung der EFI auf ein fetteres Gemisch, was gleichzeitig auch mehr Drehmoment und mehr Fahrspass bringt.

EFI und Zündkerzen

Die EFI (Electronic Fuel Injection) kümmert sich neben der Gemischberechnung auch um die Entstehung und das Timing des Zündfunkens. Die Delphi EFIs, die ab (Ende) 2001 verbaut wurden, besitzen einen sogenannten CKP (Crank Position Sensor). Das ist ein Sensor, der die 30 Zähne abtastet, die an einer Scheibenseite der Kurbelwelle angebracht sind.

Gleichzeitig haben die EFIs eine sogenannte Single Fire Zündung. Die Zündkerze zündet nur, wenn sich brennfähiges Gemisch im Zylinder befindet. Im anderen Fall (zweiter Totpunkt des Kolbens), in dem sich nur Abgase im Zylinder befinden, bleibt die Kerze abgeschaltet. Diese Single Fire Zündung gibt es bei Harley seit 1999.

Woher weiss die EFI, wann sich Gemisch im Zylinder befindet? Dazu macht die EFI eine Geschwindigkeitsmessung mit dem CKP Sensor. Wenn frisches Gemisch im Zylinder ist, sind die beide Ventile zu und das bremst den Kolben beim nach oben Sausen ab (Kompressionstakt). Diesen Geschwindigkeitsverlust stellt die EFI fest und schliesst daraus, wann sie zünden muss.

Motorklingeln

Wenn man es übertreibt, also zu früh zündet, dann kommt es zu dem berüchtigten Motorklingeln. Es entstehen irgendwo im Brennraum unkontrollierte zusätzliche Zündungen, das Gemisch ballert hin- und her. Es entstehen Druckspitzen, die gegen den aufsteigenden Kolben knallen. Das gibt das klingelnde Geräusch. Es hört sich an, als würde Kleingeld im Zylinder rappeln.

Das 100% Motorklingeln (wenn die Explosionsfronten direkt auf den aufsteigenden Kolben knallen) kann einen Motor innerhalb von Sekunden zerstören. Die leichteren Klingelarten sind gleichfalls Motorschädlich. Oft ist dieses Klingeln noch gar nicht zu hören, schadet dem Motor aber trotzdem .

Die Qualität des Benzins bestimmt, wie weit man die Zündung vorverstellen kann. Bei 98 Oktan Superbenzin sind es 40°, bei 92 Oktan Normalbenzin sind es 24°. Bei unserem Eurosuper 95 Oktan sind es 35°.

Knocksensor

Um mit wechselnden Spritqualitäten fertig zu werden, hat auch die Harley EFI einen (automatischen) Mechanismus, die Zündung zurückzustellen. Dafür gibt es den sogenannten Knocksensor, der feststellt, ob und wann der Zylinder anfängt zu klopfen.

Tatsächlich nutzt die EFi nur folgenden Umstand aus: wenn die Maschine klopft, dann bildet sich zwischen den Zünkontakten der Kerze kein richtiger Zündfunke, sondern nach der Zündung entsteht ein gut leitender Ionenstrom. Diesen Anstieg des Zündstroms misst die EFI und errechnet daraus den "Knock-Event".

Tabelle: Zündkerzenempfehlungen für Harley Davidson

Modell Zündkerzentyp Hinweise
Twin Cam ab '99 Screamin' Eagle Anwendungen mit serienmäßigem Kompressionsdruck
Evolution" Sportster® 883, 1100 und 1200 Modelle ab '86 Screamin' Eagle Anwendungen mit serienmäßigem Kompressionsdruck
Modifizierte Motoren Screamin' Eagle Inklusive Performance Vergaser, High Flow Luftfilter, Nockenwellen, Auspuffanlage und Zündanlage in Verbindung mit serienmäßigen Verdichtungsverhältnissen.

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