Wenn die Tage wieder länger werden und die Sonne scheint, werden Motorräder wieder fit gemacht. Doch welche Ursachen können zu einem Motorradunfall führen? Und wie können Sie als Motorradfahrer schweren Verletzungen bei einem möglichen Unfall vorbeugen?
Der Anteil von Motorradfahrern am gesamten Unfallgeschehen ist relativ hoch, besonders bei den Schwerverletzten und Getöteten im Straßenverkehr. Im Jahr 2014 lag die Quote zwischen 14,7 und 17,1 Prozent. Das bedeutet, fast jeder sechste tödlich verunglückte Mensch war ein Motorradfahrer.
Hauptursachen für Motorradunfälle
Es existieren diverse Ursachen für einen Motorradunfall. Zu den hauptsächlichen Gründen zählen Fehler beim Abbiegen und Wenden sowie das Fahren unter Alkoholeinfluss. Des Weiteren werden oft Vorfahrtsregeln nicht beachtet, was zu Unfällen mit Personenschaden führt. Die Hauptunfallursache ist jedoch mit Abstand die nicht angepasste Geschwindigkeit.
Dabei muss jedoch festgehalten werden, dass gerade schwere Motorradunfälle nicht immer vom Fahrer selbst verursacht wurden.
Häufige Szenarien
- Sichtunfälle: 42 Prozent der von Autofahrern verursachten Motorradunfälle sind sogenannte "Sichtunfälle". Das bedeutet: Der Autofahrer hat das Motorrad zu spät oder gar nicht wahrgenommen.
- Kreuzungen und Einmündungen: Viele Motorradcrashs ereignen sich an Kreuzungen und Einmündungen - also an Stellen, an denen sich oft die Vorfahrt ändert.
- Überhöhte Geschwindigkeit: Zu den meisten Motorradcrashs kommt es wegen überhöhter Geschwindigkeit.
- Gruppendynamik: Auch bei Fahrten in der Gruppe passiert häufig ein Motorradunfall. Die Gruppendynamik führt dazu, dass sich Motorradfahrer hier eher überschätzen.
Statistiken und Fakten
Eine Analyse der Verkehrsunfälle im Jahr 2021 durch ADAC Experten ergab: 16.435 Mal krachte es in der Bundesrepublik Deutschland zwischen Pkw und Motorrädern. Dabei verletzten sich fast 10.000 Motorradfahrende schwer und 529 verunglückten infolge von Verkehrsunfällen tödlich. 93 % der Unfallopfer waren Kraftradfahrende oder -mitfahrende, aber 66,4 % dieser Unfälle wurden von Pkw-Fahrenden verursacht.
Basierend auf der Fahrleistung ist das Risiko eines Motorradfahrenden, an einem Unfall beteiligt zu sein, vier Mal höher als bei anderen Verkehrsbeteiligten. Auch das Verletzungsrisiko ist bei Motorradfahrenden erhöht. Ein möglicher Grund liegt darin, dass Krad-Fahrende so gut wie keine passiven Schutzvorrichtungen wie Airbags, Gurte oder Knautschzonen der Karosserie haben.
Die Bilanz der Polizei Baden-Württemberg zur Motorradsaison 2024 zeigt, dass die Unfall- und Opferzahlen auf Vorjahresniveau liegen. In der von März bis Oktober 2024 laufenden Motorradsaison ereigneten sich insgesamt 4.115 Motorradunfälle (2023: 4.192), davon 3.351 mit Personenschaden (2023: 3.394). Hierbei wurden 2.458 Bikerinnen und Biker leicht (2023: 2.520), 982 schwer verletzt (2023: 959). 63 Motorradfahrerinnen und Motorradfahrer verunglückten in der Saison 2024 tödlich (2023: 66), in der Motorradsaison 2017 waren es noch über 100.
Geschwindigkeit war erneut die Hauptunfallursache Nummer eins bei schweren Verkehrsunfällen: 41,9 Prozent (896) der Motorradunfälle mit Personenschaden waren auf überhöhte oder nicht angepasste Geschwindigkeit zurückzuführen, bei tödlichen Motorradunfällen war der Anteil mit 48,6 Prozent (18) noch höher. In Summe wurden mehr als die Hälfte der tödlichen Motorradunfälle (54,4 Prozent, 37) durch die Bikerinnen und Biker selbst verursacht. Ein zu geringer Abstand und Fehler beim Überholen waren bei 21,8 Prozent (465) der Motorradunfälle mit Personenschaden unfallursächlich.
Unfallursachen im Überblick
Die folgende Tabelle fasst die häufigsten Unfallursachen zusammen:
| Ursache | Anteil an Unfällen mit Personenschaden (2024) | Anteil an tödlichen Unfällen (2024) |
|---|---|---|
| Überhöhte Geschwindigkeit | 41,9% | 48,6% |
| Zu geringer Abstand/Fehler beim Überholen | 21,8% | - |
| Selbstverschulden der Biker | - | 54,4% |
Verhaltensweise nach einem Motorradunfall
Wird ein Motorradfahrer bei einem Unfall verletzt, stellt sich für Viele die Frage, ob in jedem Falle der Helm abgenommen werden muss. An dieser Stelle ist hervorzuheben, dass die Lage vom Ersthelfer zunächst eingeschätzt werden muss. Ist der Betroffene bei Bewusstsein oder bewusstlos?
Prävention und Sicherheitstipps
Wie lassen sich schwere Unfälle verhindern? Oder zumindest deren Zahl verringern?
- Schutzkleidung: Halten Sie sich unbedingt an die vorgeschriebene Helmpflicht und greifen Sie ggf. auch auf spezielle Schutzkleidung beim Motorradfahren zurück. Ein Motorradunfall ohne Schutzkleidung endet besonders häufig mit schweren Verletzungen. Schütze dich bei jeder Fahrt mit einem ECE-Helm, Motorradhandschuhen, -stiefeln, -jacke, -hose, Rückenprotektor und Nierengurt. Achte bei deiner Jacke und Hose auf Protektoren im Bereich der Schultern, Ellenbogen, Rücken, Hüfte, Knie. Für eine bessere Sichtbarkeit im Straßenverkehr sind kontrastreiche Kleidung und Fahrzeuglackierungen hilfreich.
- Fahrzeugcheck: Checke die Bremsen, Reifen, Feder-Dämpfer-Elemente, Fahrwerklager, Beleuchtungsanlage, Antrieb (z.B. Kette), Motor vor jeder Fahrt.
- Fahrsicherheitstraining: Egal, ob Sie ein geübter Motorradfahrer sind und regelmäßig auf dem Bike sitzen oder gerade erst Ihr Zweirad bekommen haben: Ein Fahrsicherheitstraining mit Motorrad macht auf jeden Fall Sinn. Dabei lernen Sie, in Gefahrensituationen richtig zu reagieren. Und indem sie in regelmäßigen Abständen Fahrsicherheitstrainings absolvieren, um die physikalischen Grenzen ihres Motorrads und die eigenen fahrerischen Fähigkeiten kennenzulernen sowie Letztere zu erweitern.
- Defensives Fahren: Für Auto- und Motorradfahrende gilt: Fahren Sie defensiv, respektieren Sie die Verkehrsregeln. Und machen Sie sich fit für Gefahrensituationen. Da die meisten Unfälle auf ein Fehlverhalten von Fahrerinnen und Fahrern zurückzuführen sind, haben Bikerinnen und Biker, aber auch alle anderen Verkehrsteilnehmenden die Möglichkeit, Unfälle durch ein vorausschauendes, defensives Fahrverhalten zu vermeiden.
- Vorsicht an Kreuzungen: Nähern Sie sich solchen Stellen vorsichtig und verringern Sie Ihre Geschwindigkeit. Verlassen Sie sich nicht auf Ihre Vorfahrt. Vor Kreuzungen Tempo reduzieren, bremsbereit sein, Augenkontakt suchen. Vertrauen Sie grundsätzlich nicht auf die eigene Vorfahrt. Fahren Sie immer so, dass Sie an Kreuzungen für wartende Autofahrende gut sichtbar sind. Halten Sie also Abstand zu größeren Autos vor Ihnen, fahren Sie gegebenenfalls "auffällig", indem Sie durch eine kurze Lenkbewegung geringfügig Ihre Fahrspur ändern.
- Sichtbarkeit: Schauen Sie vor einem Spurwechsel, vor einem Überholmanöver oder beim Wenden lieber zweimal in den Spiegel und über die Schulter. Ein Motorrad wird leicht übersehen.
- Überholen: Überholen Sie Kolonnen nur dann, wenn Sie ein Wende- oder Überholmanöver eines vor Ihnen fahrenden Autos ausschließen können.
- Kurvenfahren: Fahren Sie in Linkskurven nicht zu weit innen. Durch die Schräglage ragt Ihr Körper sonst in die Gegenspur.
Technische Unterstützung
Technik kann Unfälle vermeiden. Bei Motorrädern hätte ein Kurven-ABS in Kombination mit einer Traktionskontrolle ein hohes unfallvermeidendes Potenzial. Aber auch ein Abstandsregeltempomat (ACC) und ein Totwinkelassistent könnten die Sicherheit der Motorradfahrerinnen und -fahrer erhöhen. Ein eCall-System würde die Hilfeleistung nach dem Crash verbessern.
Linksabbiegeassistenten und Kreuzungsassistenten bei Pkw könnten das Sicherheitsniveau deutlich erhöhen. Denn durch eine Notbremsung könnten diese einen Zusammenstoß verhüten.
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