Sind verschiedene Reifenmarken auf dem Motorrad zulässig?

Wenn ein Reifen kaputt geht oder verschleißt, muss Ersatz her. Am günstigsten wäre es, nur einen einzelnen neuen Reifen zu kaufen. Doch darf man verschiedene Fabrikate bzw. unterschiedliche Reifentypen einsetzen?

Mischbereifung: Was ist erlaubt?

Die sogenannte "Mischbereifung" ist laut geltender Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung (StVZO) verboten. Allerdings: Mit "Mischbereifung" ist amtlich nur die Kombination von Radial- und Diagonalreifen auf einem Fahrzeug gemeint. Da moderne Reifen aber fast ausschließlich in radialer Bauart existieren, ist dieses Verbot im Alltag praktisch bedeutungslos.

Unterschiedliche Reifengrößen

Unterschiedliche Reifengrößen (vorn und hinten) dürfen nur dann zum Einsatz kommen, wenn die entsprechende Kombination laut Fahrzeugpapieren (Zulassungsbescheinigung Teil 1, Ziffer 15) für das jeweilige Fahrzeug zulässig ist. Aber nicht alle zugelassenen Reifendimensionen sind auch im Kfz-Schein vermerkt. Deshalb lohnt auch eine Nachfrage beim Fahrzeughersteller oder ein Blick in das sogenannte CoC-Papier (Certificate of Conformity).

Reifen-Mix: Schlechteres Fahrverhalten

Die Kombination von Reifen verschiedener Hersteller mit unterschiedlichen Profilarten oder Gummimischungen auf einem Auto ist gemäß der StVZO erlaubt. Trotzdem sind nach Ansicht des ADAC aber viele der erlaubten Kombinationen nicht empfehlenswert. Reifen verschiedener Hersteller, Profilarten oder Gummimischungen können die Fahrstabilität des Wagens negativ beeinflussen. Deutlich wird dies insbesondere bei Aquaplaning, Brems- oder Kurvenfahrten.

Sommer- und Winterreifen mischen?

Besonders spürbar sind die Unterschiede beim Mix aus Sommer- und Winterreifen. Winterreifen verhalten sich durch die spezielle Gummimischung und Profilgestaltung deutlich anders. Stark unterschiedliche Profiltiefen sollte man ebenso vermeiden wie das Kombinieren von Runflat- und normalen Reifen.

Die Gesetzeslage

In Sachen Reifen ist relativ viel erlaubt: Das Gesetz schreibt lediglich die Mindestprofiltiefe von 1,6 Millimetern und eine gleiche Reifengröße vor (außer es ist im Fahrzeugschein ausdrücklich erlaubt). Verboten ist die Kombination von Diagonal- mit Radialreifen, auch Mischbereifung genannt. Allerdings spielen Diagonalreifen allenfalls bei Oldtimern noch eine Rolle. Nicht erlaubt ist auch, wenn bei der situativen Winterreifenpflicht einzelne Sommerreifen montiert sind.

Unterschiedliche Reifen auf einer Achse?

Wer einen Reifen nachkaufen muss, sollte daher versuchen, den gleichen Reifentyp zu bekommen. Da dies in der Praxis aber nicht immer möglich ist, sollte zumindest eine Achse einheitlich bestückt sein.

Wohin kommt das bessere Profil?

Im Übrigen gehören die Reifen mit dem besseren Profil auf die Hinterachse (sowohl bei Front- als auch bei Hecktrieblern). Nähere Auskünfte gibt hier auch immer die Bedienungsanleitung Ihres Fahrzeuges oder der ADAC Ratgeber zum Reifenwechsel.

Übrigens: Wenn ein noch junger, wenig abgenutzter Reifen beschädigt wurde, sollte die Möglichkeit einer professionellen Reparatur geprüft werden. Damit können vielfach Kosten reduziert werden. Zudem erübrigt sich die Frage nach dem Neureifen.

Großes Risiko: Allrad und Assistenzsysteme

Die Abrollumfänge der vier identischen Reifen auf einem Auto sollten grundsätzlich möglichst gleich sein. Die zulässigen Abweichungen zwischen den Reifen sind in Normen festgelegt. Bei besonderen Fahrzeugen können diese Toleranzen enger begrenzt sein, sodass in diesen Fällen unbedingt die Vorgaben in der Bedienungsanleitung befolgt werden müssen. Vorrangig gilt dies für Allradfahrzeuge einzelner Hersteller. Stark unterschiedliche Profiltiefe vorne/hinten könnte hier beispielsweise zu Schäden am Mitteldifferenzial, das die Drehzahlen zwischen Vorder- und Hinterachse ausgleicht, führen. Grundsätzlich kann es zudem bei Fahrzeugen einzelner Hersteller, die ihre Fahrerassistenzsysteme für nur geringe Toleranzen bei den Reifenumfängen auslegen, zu unbeabsichtigten Eingriffen dieser Systeme kommen.

Mischbereifung am Motorrad: Ist das zulässig?

Auch beim Motorrad ist eine Mischbereifung grundsätzlich erlaubt. Dabei dürfen unterschiedliche Reifenmodelle und Hersteller kombiniert werden. Jedoch lohnt sich hier ein Blick in die Zulassungsbescheinigung. Unter Umständen kann eine sogenannte Reifenfabrikatsbindung eingetragen sein. Das bedeutet: Es dürfen nur die angegebenen Reifen montiert werden. Motorradfahrer können die Bindung aber ändern lassen.

Für die Mischbereifung am Auto im Sinne eines Pkws gelten die oben beschriebenen Vorschriften. Und auch, wenn Sie am Motorrad unterschiedliche Reifen hinsichtlich Modell und -hersteller montieren, ist dies im Regelfall zulässig. In manchen Fällen sollte jedoch ein genauer Blick in die Zulassungsbescheinigung geworfen werden. Ist hier eine Reifenfabrikatsbindung vermerkt, ist bei diesem Motorrad von einer Mischbereifung abzusehen.

Sollten Sie trotzdem verschiedene Reifen vorne und hinten anbauen wollen, könnten Sie eine Reifenfreigabe beantragen. Dies können Sie sowohl beim Reifen- als auch beim Motorradhersteller vornehmen.

Neuregelung ab 2025

Im Wesentlichen gibt es künftig zwei unterschiedliche Möglichkeiten, neue Reifen legal auf ein Motorrad zu bringen. Um neue Motorradreifen mit abweichenden Spezifikationen ab 2025 in die Fahrzeugpapiere einzutragen, ist ein Termin bei einer Prüforganisation erforderlich. Weitere Informationsdokumente zum Fahrzeug oder Reifen können hilfreich sein, sind aber nicht zwingend erforderlich. Entsprechende Prüfstellen können die benötigten Daten bei Bedarf auch über ihre Systeme abrufen. Die Prüfstelle kontrolliert die Maße, Spezifikationen und die Freigängigkeit bei der konkreten Kombination aus Reifen und Fahrzeug.

Wird das vorliegende Reifenfabrikat für Ihr Motorrad erfolgreich abgenommen, müssen Sie mit dem Gutachten zur Erlangung einer Betriebserlaubnis zur zuständigen Behörde, um Ihre neuen Reifendaten in die Zulassungsbescheinigung Teil 1 (Fahrzeugschein) eintragen zu lassen. Damit einhergehend wird der alte Eintrag aus der Zulassungsbescheinigung entfernt und ungültig.

Als zusätzlicher Faktor entfällt das Mitführen der UBB der Reifenhersteller seit Jahresbeginn 2025. Zwar kann das herstellerseitige Dokument bspw. übertroffen werden.

Was ist bei Mischbereifung zu beachten?

Lässt sich eine Mischbereifung nicht vermeiden, sollte zumindest auf unterschiedliche Reifen pro Achse verzichtet werden. Eine Mischbereifung liegt vor, wenn sich die an einem Fahrzeug montierten Reifen hinsichtlich der Profiltiefe, der Größe, der Breite, der Materialzusammensetzung sowie der Reifenart (Sommer- oder Winterreifen) unterscheiden.

Grundsätzlich sollten die Reifen, die ein besseres Profil aufweisen, immer auf der Hinterachse montiert werden. Achten Sie bei der Bereifung auch immer auf die Angaben in der Bedienungsanleitung.

Risiken der Mischbereifung

Laut ADAC hat eine Mischbereifung einen negativen Einfluss auf das Fahrverhalten. Eine unterschiedliche Profiltiefe, Gummimischung oder Profilgestaltung kann sich negativ auf die Fahrstabilität auswirken. Dies gilt nicht nur bei normalen Fahrbahnverhältnissen, sondern insbesondere auch auf nasser Fahrbahn. Grundsätzlich rät der ADAC davon ab, verschiedene Reifen am Auto anzubringen.

Höheres Risiko, in Kurven auszubrechen: Wenn die unterschiedlichen Pneus mit einem verschieden starken Grip (Haftung auf der Straße) daherkommen, könnte dies vor allem zu Instabilität in Kurven führen.

Längerer Bremsweg: Unterschiedliche Reifen können die Bremswirkung negativ beeinflussen und auf diese Weise den Bremsweg verlängern.

Unter- oder Übersteuerung bei Sommer- und Winterreifen: Wenn Sie Winterreifen und Sommerreifen mischen, entscheiden Sie sich damit für einen Mix aus Materialzusammensetzungen und Fahreigenschaften.

Insgesamt weniger Stabilität beim Fahren: Da ein Reifenmix für verschiedene Fahreigenschaften sorgt, bspw. bei der Materialzusammensetzung, der Profiltiefe oder eben auch bei der Profilgestaltung, könnte damit die gesamte Fahrstabilität verringert werden.

Demzufolge lässt sich ableiten: Selbst im Falle einer Mischbereifung ist es ratsam, einheitliche Reifen auf die jeweils gleiche Achse zu montieren.

Zusammenfassung

Die Frage, ob verschiedene Reifen auf einem Motorrad zulässig sind, ist komplex und hängt von verschiedenen Faktoren ab, darunter die StVZO, die Fahrzeugpapiere und die Art der Reifen. Grundsätzlich ist die Kombination von Radial- und Diagonalreifen verboten, während unterschiedliche Reifengrößen nur zulässig sind, wenn sie in den Fahrzeugpapieren eingetragen sind. Die Kombination von Reifen verschiedener Hersteller oder mit unterschiedlichen Profilarten ist erlaubt, aber nicht immer empfehlenswert, da dies das Fahrverhalten beeinträchtigen kann. Ab 2025 gibt es eine Neuregelung, die die Eintragung neuer Reifen mit abweichenden Spezifikationen in die Fahrzeugpapiere erfordert. Es ist ratsam, sich vor dem Kauf neuer Reifen gründlich zu informieren und gegebenenfalls eine Reifenfreigabe zu beantragen.

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