200 km Radfahren am Tag: Tipps und Tricks

Viele Radfahrer träumen davon, eine Strecke von 200 km an einem Tag zu bewältigen. Ob als persönliche Herausforderung, zur Vorbereitung auf ein Bikepacking-Event oder einfach nur, um die eigene Leistungsfähigkeit zu testen - mit der richtigen Vorbereitung und einigen cleveren Tipps ist dieses Ziel erreichbar.

Ist es realistisch, 200 km an einem Tag zurückzulegen?

Ob es realistisch ist, ca. 200 km an einem Tag zurückzulegen, hängt von verschiedenen Faktoren ab, darunter die eigene Fitness, das Fahrrad und die Streckenbedingungen. Wenn die Strecke relativ flach ist, sollte es kein Problem sein.

"200 Kilometer an einem Tag? Das ist nur was für ganz verrückte Radfahrer." So steht es in einem Internet-Kommentar zu unserer Tour vom 18. Mai 2023. Gemäß dem Motto „der Weg ist das Ziel“, hatte Ansgar Hegerfeld wieder eine 200-km-Runde organisiert.

Vorbereitung ist alles: Trainingstipps

Das Training für ein Ultracycling Event kann unterschiedlich ausfallen, je nachdem, wie ambitioniert Du an die Sache herangehen möchtest. Trainingspläne für Langstrecken Events gibt es auf Trainingsplattformen im Internet. Wenn Dein Budget es zulässt, kannst Du Dir auch einen eigenen Coach nehmen. Oder Du fährst einfach viel, ohne strikten Plan - um erste Erfahrungen zu sammeln, kann das auch schon reichen.

Wichtig ist, ein feines Körpergefühl zu entwickeln und nicht ausschließlich auf Leistungsdaten wie Geschwindigkeit, Watt, Trittfrequenz und Herzfrequenz zu achten. Lerne, auf Deinen Körper und als Frau auf Deinen Zyklus zu hören. Um einseitige Belastung auszugleichen, empfiehlt es sich, Stabilitätsübungen für Rücken, Bauch und Oberkörper sowie Dehnübungen zu integrieren.

Bei der Vorbereitung auf ein Ultracycling Event gehören Radfahrten, die Rennsituationen nachstellen, ebenfalls ins Programm: Nachtfahrten, Schlauch im Dunkeln und bei Regen zu wechseln und zu reparieren, 100 km solo ohne Abzusteigen zu absolvieren, in der Hitze und am Berg zu trainieren, gehören auch dazu. Brevets sind ideal als Training und Testfahrt für Dein erstes Bikepacking-Event.

Diese Langstreckenfahrten simulieren die Bedingungen, die Du bei Bikepacking-Events vorfinden wirst, und sind ideal,um Deine Ausrüstung zu testen. Du gewinnst wertvolle Einblicke in die Langstrecken-Radfahrszene und sammelst Erfahrungen, die Dir bei Deinem Bikepacking-Abenteuer zugutekommen werden, sei es auf asphaltierten Straßen oder abenteuerlichen Gravel-Pfaden. Der ideale Einstieg ins Langstrecken Fahren.

Die richtige Ausrüstung: Dein Fahrrad und mehr

Dein Fahrrad sollte auf Langstrecken optimiert sein und das bedeutet, Deinen Komfort auf dem Rad zu erhöhen. Dein Fahrrad ist während des Rennens Dein wichtigstes Assets. Es muss technisch einwandfrei laufen und Du solltest in der Lage sein, die wichtigsten Reparaturen selbst bewerkstelligen zu können.

Bei der Kleidung gilt es vor allen Dingen darum, auf Komfort zu achten - Das Trikot sollte nicht zu eng sein und die Trikottasche genug Platz lassen, um Gegenstände zu verstauen. Deine Bib muss wie angegossen sitzen. Ich selber fahre niemals ohne Sitzcreme und ohne Unterhemd, um Schweiss nach außen abzuleiten - auch das wirkt Scheuerstellen vor. Zinkcreme am Abend wirkt beruhigend.

Das Thema Sicherheit spielt beim Bikepacking Rennen eine wichtige Rolle: Vorder- und Rücklichter, eine Helmlampe, Sicherheitsweste, Reflektoren an Händen und Beinen sowie am Rad sind extrem wichtig, um in der Dämmerung oder bei Nacht gut gesehen zu werden.

Powerbank und Schnellladekabel, Feuchttücher, ein kleiner Plastiklöffel und ein Erste Hilfe Set sowie eine ganze Reihe an Werkzeugen gehören ebenfalls ins Programm.

Ernährung und Trinken: Energie für die lange Strecke

Bei Bikepacking-Events verbrennst du enorm viele Kalorien, oft mehr, als du aufnehmen kannst. Es ist daher essentiell, regelmäßig zu essen und Dein Energielevel stabil zu halten. Während eines Bikepacking-Rennens bemühe ich mich, eine möglichst alltägliche Ernährung beizubehalten, da ich nicht genug Gels und Riegel mitführen kann, um meinen Bedarf zu decken.

Ernährung ist ein höchst individuelles Thema, besonders wenn es um Ausdauersportarten wie Ultracycling geht. Finde heraus, welche Nahrungsmittel und Strategien am besten für Dich funktionieren, um Energie zu liefern und die Leistungsfähigkeit zu erhalten, ohne Deinen Magen zu belasten.

Ich richte mir eine Erinnerung auf meinem Radcomputer ein, um alle 20 Minuten etwas zu trinken und einen kleinen, leicht verdaulichen und leicht zu schluckenden Snack zu mir zu nehmen, wie zum Beispiel Marzipan, Milchreis oder Haferflocken.

Mentale Stärke: Durchhalten, wenn es hart wird

Um die mentalen Herausforderungen beim Ultracycling zu meistern, ist es entscheidend, Dein „Warum“ zu kennen. Frage Dich vor dem Rennen, was Dich antreibt und warum Du diese Strapazen auf Dich nimmst. Diese Tiefpunkte sind unvermeidlich und treten häufig in der ersten Hälfte Deines Langstreckenrennes auf.

Um sie zu überwinden, setze Dir kleine, erreichbare Ziele. Konzentriere Dich nicht auf die Gesamtdistanz, sondern denke in Etappen und navigiere von Checkpunkt zu Checkpunkt. Es gilt, mit einer gewissen Demut und Respekt an den Start zu gehen - Deinen Mitstreitern und dem Rennen gegenüber sowie der Natur, in der Du Dich bewegst.

Es gibt in einem solchen Rennen auch Faktoren, die Du nicht beeinflussen kannst, auch das gilt es zu akzeptieren. Erfolg und Spass an der Sache kommen nur, wenn Du eine echte Liebe zum Sport und zum Abenteuer entwickelst und nicht, weil Du anderen etwas beweisen oder Dich als Ultracyclist darstellen möchtest.

Streckenplanung und Navigation

Je besser Du die Strecke kennst, desto weniger wirst Du im Rennen von Steigungen oder einem langen Abschnitt ohne Versorgungsmöglichkeiten überrascht. Schaue Dir die Strecke im Vorfeld deshalb genau an.

Erstelle Dir ein Roadbook bzw. Erstelle Dir einen Pacetable, eine Exceltabelle, mit deren Hilfe Du ausrechnen kannst, zu welchen Zeiten Du an bestimmten Punkten Deiner Route sein wirst. Das hilft Dir bei der Etappenplanung und den Übernachtungsmöglichkeiten enorm weiter.

Für ein verbessertes Zeitmanagement richtest Du Dir auf Deinem Radcomputer die beiden Daten-Felder “Gefahrene Zeit” und “Pausierte Zeit” nebeneinander ein.

Ein Erfahrungsbericht: 200 km durch Mecklenburg-Vorpommern

Um 07:15 Uhr bin ich in Oranienburg gestartet. Die Anreise dort hin erfolgte mit dem Zug, sonst hätte ich morgens als erstes einmal durch Berlin fahren müssen und das macht mit dem Rennrad zu Beginn einer solchen Tour nun wirklich keinen Spaß. Es ging über Rheinsberg - Röbel/Müritz - Malchow -Güstrow. Die Tour habe ich, wie alle meine Touren, mit Komoot geplant. Hauptsächlich führte die Tour über Radwege, was mir, wenn ich allein unterwegs bin, bei so einer langen Tour, auch lieber ist. Nach ein paar Kilometern konnte ich aber wieder meiner Route folgen. Die reine Fahrzeit betrug 9 Stunden.

Nach 100 km habe ich eine etwas längere Pause an einer Tankstelle gemacht. Die letzten Kilometer vergingen nur sehr zäh, im Augenwinkel hatte ich die nun untergehende Sonne, die die Felder und kleinen Dörfer in ein traumhaft schönes Licht tauchte, aufgeben war keine Option. Als ich dann die letzte Straße auf das Haus meiner Eltern zufuhr, überkam mich ein unbeschreibliches Gefühl, eine Mischung aus Stolz, Freude, Erleichterung. Meine Mama wartete schon draußen und meine Nichte hatte für mich mit Kreide eine Zieleinfahrt gemalt.

Zusammenfassung der wichtigsten Tipps

Kategorie Tipp
Training Regelmäßiges Training, Stabilitätsübungen, Simulation von Rennsituationen
Ausrüstung Komfortables Fahrrad, passende Kleidung, Sicherheitsausrüstung, Werkzeug
Ernährung Regelmäßige Nahrungsaufnahme, leicht verdauliche Snacks, ausreichend trinken
Mentale Stärke "Warum" kennen, kleine Ziele setzen, Demut und Respekt zeigen
Streckenplanung Strecke im Vorfeld kennen, Roadbook erstellen, Zeitmanagement

Verwandte Beiträge:

Kommentar schreiben

Kommentare: 0