200 km Rennrad: Optimale Verpflegung und Ernährungsplan

Eine optimale Ernährung ist entscheidend für die Leistung und Ausdauer bei langen Rennradstrecken. Um eine 200 km lange Fahrt erfolgreich zu meistern, bedarf es eines durchdachten Ernährungsplans, der sowohl die Energiezufuhr als auch die Flüssigkeits- und Elektrolytbalance berücksichtigt.

Grundlagen der Sporternährung für Radfahrer

Wer auf dem Rad leistungsfähiger werden möchte, sollte sich auch „sportlich“ ernähren. Also wissen, wann es was und in welcher Menge zu essen gilt - abhängig von der eigenen Zielsetzung. Optimales Timing sowie die richtige Menge an Nährstoffen vor, während und nach Touren, Training und Rennen entscheiden oft darüber, ob man sein gesetztes Ziel auch erreicht.

Alpecin Cycling gibt Tipps, damit sich jeder seine eigene, ausgeklügelte Ernährungsstrategie zurechtlegen kann. Wer sich mit seiner Ernährung beschäftigt, sollte zuerst einmal wissen, was er eigentlich isst und trinkt. Wichtig ist deshalb, gerade bei verarbeiteten Lebensmitteln: Inhaltsangaben studieren und lesen, woraus die Lebensmittel und Getränke überhaupt bestehen. Die Nährwertangaben und die Makronährstoffe sind fast immer aufgeführt; meistens ist auch der Zuckergehalt angegeben.

Makronährstoffe

  • Kohlenhydrate: Wer keine Gewichtsprobleme hat, darf als Hobbyradsportler täglich fünf bis sieben Gramm Kohlenhydrate pro Kilogramm Körpergewicht zu sich nehmen. Idealerweise in Form von komplexen Kohlenhydraten, da diese den Blutzuckerspiegel nicht so stark ansteigen lassen. 30 Gramm Kohlenhydrate pro Stunde sollten Radsportler mindestens aufnehmen, wenn sie Touren fahren, die länger als eine, aber nicht länger als vier Stunden dauern. So wird das Leistungsvermögen aufrechterhalten und, bei moderater Belastung, das Risiko eines Hungerastes verringert.
  • Proteine: 1,2 bis 1,7 Gramm Protein pro Kilogramm Körpergewicht - abhängig von der Körpergröße des Athleten - sollte man täglich aufnehmen, um den Muskelerhalt zu unterstützen. Eiweiß ist für den menschlichen Organismus lebensnotwendig, denn es stabilisiert das Immunsystem und unterstützt den Muskelaufbau und deren Regeneration. Anders als Kohlenhydrate und Fette kann der Organismus Protein aber nicht speichern, da es ständig verstoffwechselt wird. Daher sollte es bei jeder Mahlzeit aufgenommen werden. Als Grundregel gilt: 20 bis 25 Gramm Protein bzw.
  • Fette: Auch wenn Fett mit neun Kilokalorien pro Gramm den höchsten Brennwert aller Makronährstoffe aufweist, darf man darauf nicht verzichten. Fette sind lebensnotwendig - schon als Trägersubstanz bestimmter Vitamine. Doch auch hier macht - wie bei allem in der Ernährung - die Dosis das Gift. Als Faustregel kann gelten: 0,6 bis 0,8 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht täglich.

Mikronährstoffe und Flüssigkeit

Neben den Makronährstoffen sind auch Mikronährstoffe (Vitamine, Mineralien, Spurenelemente) und eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr von großer Bedeutung. Als Faustregel bei der Ernährung im Radsport gilt deshalb: Pro Fahrstunde sollte man einen halben bis ganzen Liter Flüssigkeit trinken - in Form von Wasser, verdünntem Apfelschorle oder isotonischen Drinks.

Ernährungsplan für die 200 km Rennradstrecke

Vor dem Rennen

Die letzte größere Mahlzeit sollte der Sportler drei bis vier Stunden vorher in Kombination mit genug Flüssigkeit zu sich nehmen.

  1. Nie nüchtern an den Start gehen.
  2. Nehmen Sie 2,5 bis 3 Stunden vor dem Rennen die letzte Mahlzeit zu sich. Greifen Sie auf stärkehaltige Lebensmittel zurück, zum Beispiel: Amaranth-, Dinkel oder Haferflocken, Brot oder Teigwaren, Reis, Obst und Gemüse. Kauen Sie diese gründlich, damit sich die Verweildauer der Speisen im Magen verkürzt. Die Gerichte sollten nicht kalt sein, ideal wäre körperwarm.
  3. Essen Sie in den zwei Stunden vor dem Start keine Gels oder Riegel; deren Kohlehydrate erhöhen den Insulinspiegel übermäßig, der nachfolgende Abfall des Blutzuckerspiegels macht Sie müder und weniger frisch.
  4. Essen Sie so, dass Sie gerade satt sind. Wenn Sie übersatt sind, verlängert das die Verdauungsphase, was Ihren Körper Energie kostet.
  5. Trinken Sie nicht übermäßig vor dem Rennen. Emfehlenswert ist ein halber Liter, verteilt auf zwei Portionen, zum Beispiel ein Glas Wasser, ein Glas Saft.
  6. 30 Minuten vor dem Rennen kann ein starker Kaffee die Leistungsbereitschaft und den Fettstoffwechsel steigern.

Während des Rennens

Während des Rennens ist es wichtig, regelmäßig Energie und Flüssigkeit zuzuführen, um die Leistung aufrechtzuerhalten und Leistungstiefs zu vermeiden.

  1. Trinken Sie alle 15 bis 20 Minuten einen Schluck. Ihr Durstgefühl reguliert die Trinkmenge je nach Außentemperatur automatisch.
  2. Das Getränk sollte ein kohlenhydrat- und mineralstoffhaltiges Gemisch sein. Hierzu bieten sich spezielleMischungen verschiedener Hersteller an, die Sie aber im Training (auch unter intensiver Belastung ) vorher aufVerträglichkeit ausprobiert haben sollten.
  3. Je nach Kohlenhydratanteil des Getränks können zusätzlich Gels konsumiert werden. Das erste nach der ersten Rennstunde, dann alle 20 bis 30 Minuten. Je länger der Wettkampf dauert, desto höher sollte dieKohlenhydrataufnahme liegen - ab drei Stunden bis zu 90 Gramm pro Stunde.
  4. Bei Wettkämpfen, die länger als zweieinhalb bis drei Stunden dauern, bieten sich Riegel an.

Nach dem Rennen

Nach dem Rennen ist es wichtig, die Glykogenspeicher wieder aufzufüllen und die Regeneration zu unterstützen.

  1. Direkt nach dem Zieleinlauf Trinken Sie einen Recovery-Shake (500 bis 750 Milliliter); der sollte etwa 20 Gramm Eiweiß, 1 Gramm Kohlenhydrate pro Kilo Körpergewicht und 0,1 bis 0,2 Gramm Natrium enthalten.
  2. Nach 30 bis 60 Minuten Etwa 200 bis 300 Milliliter Mineralwasser trinken und etwas leicht Verdauliches essen, um Beispiel Quark mit Früchten, Reiskuchen, Griespudding oder Kuchen.
  3. Nach 2 bis 3 Stunden Jetzt ist es Zeit für die erste große Mahlzeit nach dem Rennen, die ausgewogen und leicht zu verdauen sein sollte. Ideal: ein Reisgericht mit Gemüse und etwas magerem Putenfleisch, zum Nachtisch ein Früchtequark. Trinken Sie dazu ein Glas Mineralwasser (200 bis 300 Milliliter).
  4. Nach 4 bis 5 Stunden Guter Zeitpunkt für einen Snack, der Proteine liefert - etwa einen Proteinriegel, Früchtequark, Salat mit Thunfisch und etwas Reis. Dazu wieder ein Glas Mineralwasser.
  5. Nach 8 bis 10 Stunden Vor der Nachtruhe bieten sich Fleisch, Gemüse und Nüsse an. Das darin enthaltene Tryptophan wandelt der Körper in Serotonin um, das den Sportler perfekt einschlummern lässt. Wer möchte, kann noch etwas Kohlenhydrate zu sich nehmen. Anstatt Kaffee empfiehlt sich ein Glas warme Milch: Die damit verbundene Ausschüttung von Melatonin lässt Sie besser einschlafen.

Spezifische Ernährungsprodukte und Strategien

Flüssignahrung

Flüssignahrung wie Ensure oder Peeroton Hi-End Endurance kann eine gute Option für lange Distanzen sein, da sie leicht verdaulich ist und eine kontinuierliche Energiezufuhr ermöglicht.

Mit Flüssignahrung ist das anders, die Verträglichkeit ist über Tage hinweg unproblematisch, und der Körper braucht für die Verdauung nur minimale Energie. Mit 1 Ensure/Stunde hast du schon einmal 300kcal zu dir genommen, mit 0,7 bis max. Zusätzlich ist es gut, 3 Tage vor dem Rennen schon auf Flüssignahrung umzustellen. Festes Essen Schritt für Schritt weglassen, damit sich der Körper darauf einstellen kann.

Salz und Elektrolyte

Bei langen Fahrten und hoher Hitze ist es wichtig, auf den Salzhaushalt zu achten, um Natriummangel und Krämpfe zu vermeiden. Zu viel Salz ist nicht wirklich schlimm (mehr Durstgefühl), zu wenig ist kritisch (Wassereinlagerungen, Leistungsabfall, Krämpfe).

In den Caps ist ja nichts spezielles drinnen, sondern reines Kochsalz. Das hilft dir einfach unterwegs, weil Salz ins Getränk nicht gut schmeckt und mit dem Salzstreuer im Trikot durch die Gegend fahren ist auch nicht wirklich praktisch.

Gels und Riegel

Gels und Riegel sind eine gute Verpflegungsstrategie, aber in meiner persönlichen Erfahrung hat sich gezeigt, dass das nicht "ewig" gut geht. Für Radmarathons ideal, auch bei langen Trainingsfahrten ist die Magenverträglichkeit sehr gut. Doch bei mir fängt es ab 12 Stunden dann im Magen an, sich ungut anzufühlen, es entsteht leichte Übelkeit und der Magen beginnt irgendwann zu übersäuern.

Koffein

Koffein kann im Rennen tatsächlich die Leistung legal steigern. Denn es aktiviert - vereinfacht gesagt - einfach mehr Muskelfasern. Allerdings sollte mit dem „Konsum“ von Koffein, sei es in Riegel, Gels oder Getränken, nicht erst im Rennen beginnen werden.

Wichtige Tipps und Hinweise

  • Testen im Training: Neue Riegel, Gels und Getränke sind im Wettkampf tabu. Davon kann Ihnen übel werden oder Sie können Durchfall bekommen. Greifen Sie zu bewährten Produkten, die Ihnen schmecken und von denen Sie wissen, dass Sie sie vertragen.
  • Regelmäßige Zufuhr: Im Wettkampf herrscht Ausnahmezustand. Damit Sie nicht vergessen, genügend zu trinken und zu essen, sollten Sie feste Zeiten einhalten. Nehmen Sie etwa alle 15 Minuten 150 - 200 Milliliter Flüssigkeit und jede Stunde einen halben Riegel oder ein Energiegel zu sich.
  • Individuelle Bedürfnisse: Jeder Mensch hat von Natur aus unterschiedlich viel Salzverlust.
  • Darmtraining: Den Gastrointestinaltrakt - auf Englisch „gut“ - trainieren. Ein Grund dafür liegt in der reduzierten Durchblutung des Darms, da die Muskeln bei intensiven Einheiten bevorzugt mit Blut versorgt werden. Doch kein Grund zur Sorge, auch der Magen-Darm-Trakt lässt sich trainieren.

Zusammenfassung

Eine erfolgreiche 200 km Rennradfahrt erfordert eine sorgfältige Planung der Ernährung. Durch die Beachtung der hier genannten Empfehlungen und Tipps können Radfahrer ihre Leistung optimieren und das Rennen erfolgreich beenden.

Tabelle: Nährstoffempfehlungen für eine 200 km Rennradfahrt

Nährstoff Empfohlene Menge Beispiele
Kohlenhydrate 60-90 Gramm pro Stunde Gels, Riegel, isotonische Getränke, Bananen
Flüssigkeit 0,5-1 Liter pro Stunde Wasser, Apfelschorle, isotonische Getränke
Elektrolyte Nach Bedarf (besonders bei Hitze) Elektrolyttabletten, isotonische Getränke

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