Die EU beschließt das Aus für Verbrennungsmotoren ab 2035. Bis dahin sollen die jährlichen CO2-Emissionen neuer Fahrzeuge auf Null reduziert sein.
In ihrem Klima-Plan "Fit for 55" hat sich die EU-Kommission auf dieses Jahr geeinigt.
Bedeutet im Umkehrschluss: Zu diesem Zeitpunkt ist der Verbrenner raus; es können dann nur noch reine Elektroautos oder Fahrzeuge, die mit Wasserstoff, Biokraftstoff oder E-Fuels betankt werden, neu zugelassen werden.
Uneinigkeit in der EU
Nicht alle EU-Staaten waren von vornherein für die Abschaffung des Verbrennungsmotors in Automobilen.
Deutschland und andere Industrieländer mit starker Autolobby zögerten lang.
Polen kündigte jüngst sogar eine Klage gegen das Verbrenner-Verbot an.
Es gibt aber auch Staaten, welche die EU-Pläne begrüßten. Etwa die Niederlande: Das Land hatte die EU-Kommission schon im März 2021 in einem Schreiben dazu aufgefordert, ein Ausstiegsdatum für den Verkauf von Benzin- und Dieselautos zu nennen.
Vorreiter und Nachzügler weltweit
Immer mehr Nationen weltweit planen Verbrenner-Verbote. Während sich die EU auf einen Ausstieg bis 2035 geeinigt hat, haben andere Länder und Regionen der Welt straffere oder lockerere Zeitpläne.
Noch rigoroser plant Nicht-EU-Land Norwegen ein Verbrenner-Verbot (schon ab 2025).
Auch das ausgetretene Großbritannien machte sich unter der Johnson-Regierung strenge Vorgaben.
Unter dem neuen britischen Premierminister Keir Starmer ändert die britische Regierung im Juli 2024 erneut den Fahrplan. Das Verbrennerverbot soll nun wieder um fünf Jahre auf 2030 vorgezogen werden.
In Schottland gilt das Verbot reiner Verbrenner ab 2032 bereits als gesetzt.
Weitere EU-Staaten mit eigenen Plänen
Bereits 2018 kündigte die Regierung in Kopenhagen an, Diesel und Benziner ab 2030 verbieten zu wollen.
Doch sie musste ihre Pläne zurückziehen, da sie gegen EU-Recht verstoßen.
Einige weitere EU-Staaten (Irland, Niederlande, Slowenien und Schweden) verfolgten bisher dasselbe Ziel wie Dänemark.
Frankreich wollte sich bisherigen Plänen zufolge bis 2040 Zeit lassen.
Das spanische Parlament hat kürzlich ein Energiewende-Gesetz verabschiedet, nach dem bereits bis 2023 in allen spanischen Städten mit mehr als 50.000 Einwohnern Zonen eingerichtet werden sollen, in denen der Verkehr mit besonders klimaschädlichen Fahrzeugen beschränkt ist.
Auch Griechenland will ab 2030 den Verkauf neuer Autos mit Verbrennermotoren verbieten.
Verbote in Städten und Regionen
Doch nicht nur in Ländern, auch in den europäischen Metropolen werden Fakten geschaffen.
Beispielsweise in Paris: Ein komplettes Dieselfahrverbot gilt in Frankreichs Hauptstadt ab 2024, Fahrverbote für Benziner folgen 2030.
Oder Amsterdam: Laut dem "Clean Air Action Plan" will die niederländische Hauptstadt nach Möglichkeit ab 2030 jegliche Benzin- und Dieselfahrzeuge aussperren. Das gilt wohlgemerkt auch für Motorräder und Roller.
Schon ab 2025 soll die Ringautobahn A10 von einem Fahrverbot für Taxis, Busse, Transporter und Roller mit Verbrenner-Motoren betroffen sein, fünf Jahre später dann auch für private Pkw und Motorräder.
Nordamerika: Kanada und die USA
Kanada hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2035 zu 100 Prozent emissionsfreie Fahrzeuge zu verkaufen.
Steven Guilbeault, Minister für Umwelt und Klimawandel, kündigt richtungsweisende Maßnahmen an.
Wie so oft in Umwelt- und Klimafragen setzt sich Kalifornien an die Spitze der Bewegung: Im Westküsten-Bundesstaat ist die Entscheidung für ein Verkaufsverbot für Verbrenner-Fahrzeuge ab 2035 inzwischen gefallen.
Die Regierung des im Nordwesten der USA gelegenen Staates Washington hat ein Verbrenner-Verkaufs-Aus sogar schon für 2030 beschlossen.
Der Bundesstaat New York, der zu den 14 Staaten (plus District of Columbia) gehört, die sich bereits grundsätzlich für einen Verbrenner-Ausstieg entscheiden haben, verfolgt eigene Pläne.
Gouverneurin Kathy Hochul unterzeichnete im September 2021 ein Gesetz, nach dem dort von 2035 an nur noch emissionsfreie Pkw und leichte Pickups verkauft werden dürfen.
Asien: Thailand und China
In Thailand sollen ab 2035 keine neuen Pkw mit Verbrennungsmotor auf den Markt kommen.
Außerdem möchte sich das Land zu einem südostasiatischem Zentrum für die Produktion von Elektroautos entwickeln.
Allerdings lässt sich die Volksrepublik mit dem Verbrenner-Bann noch lange Zeit.
Inzwischen hat sich die Zentralregierung zu einem Entschluss durchgerungen. Und der lautet überraschend, dass es einen Bann für Verbrennerautos erst ab dem Jahr 2060 gibt.
Kritik und Ausnahmen
Ein Leserbrief von Kristian Raue kommentiert (ironisch) korrekt: „Na klasse, genauso wie für teure Sportwagen schon vor Jahren eine Ausnahme bei den Lärmgrenzwerten festgelegt wurde, schafft die Politik nun auch bei den CO2-Emissionen einen Anreiz, weiterhin übermotorisierte Proletenschleudern anzuschaffen. Die Lobby funktioniert […].“
Stattdessen sollte die Politik beim Emissionsschutz gerade bei dieser Fahrzeugkategorie endlich gegensteuern.
Fazit: Die Lobby funktioniert und die Politik ist, ähnlich wie beim Tempolimit, offenbar nicht in der Lage, das Richtige zu tun.
Die Rolle der Motorräder
Unklar ist noch, welche Pläne die EU für Motorräder hat, also motorisierte Zweiräder ab 125 Kubikzentimeter Hubraum.
Viele Zweiradbesitzer fürchten, dass der Bannstrahl der EU Verbrenner-Bikes treffen könnte.
Zu keinem Zeitpunkt wurde der Kauf von Elektro-Motorrädern finanziell gefördert wie beim Umweltbonus für E-Autos.
So konzentriert sich die Elektromobilität auf zwei Rädern vor allem auf E-Roller für das urbane Umfeld in Städten.
Großbritanniens Regierung plant, dass ab 2035 neu zugelassene, also neue Modelle, emissionsfrei sein müssen.
Die Treibhausemissionen von Motorrädern sind derzeit nicht direkt reglementiert und wohl auch nicht Gegenstand aktueller Pläne der EU.
Trotzdem: Vor dem Hintergrund immer schärfer werdender Schadstoff - und Lärmrestriktionen für Pkw und Motorrad ist der Schritt von Herstellern in eine Antriebstechnik, die keine Schadstoffe emittiert und in Sachen Lärm unauffälliger ist, sehr nachvollziehbar.
Mit Erschrecken mussten die Initiativen gegen Motorradlärm feststellen, dass eine wichtige Fahrzeug-Kategorie bei dieser Entscheidung ausgeblendet wurde: Offensichtlich soll es kein Verbrenner-Aus für Motorräder geben.
E-Fuels als Lösung?
Nach allgemeinem Verständnis könnten Verbrenner und Hybridfahrzeuge eine längere Übergangsfrist bekommen, wenn sie mit E-Fuels betrieben werden.
Laut Plan sollen neue, CO2-emittierende Autos ab 2035 verboten werden.
Wie das "E-Fuels-only"-Auto aussehen soll, ist jedoch noch nicht klar.
Wie verhindert werden kann, dass ein solches Auto erdölbasierten Sprit tankt, ist ebenfalls unklar.
Unklar ist auch, woher die nötigen Mengen an E-Fuels kommen können.
Die EU, so haben es Deutschland und Brüssel vereinbart, soll bis Herbst 2024 eine neue Fahrzeugkategorie namens "e-fuels only" schaffen.
Autos mit diesem Siegel sollen, so sieht es der Kompromiss vom März 2023 vor, auch nach 2035 zugelassen werden dürfen.
Zu ihnen könnte eine Verpflichtung der Hersteller gehören, eine Art "Abschaltvorrichtung" in Neuwagen zu integrieren.
Widerstand in der Bevölkerung
Eine aktuelle, repräsentative Umfrage von infratest-dimap zeigt, dass 67% der Bundesbürger ein Verbrenner-Verbot für falsch halten.
Diese Ablehnung wird von allen Altersgruppen geteilt, einschließlich der sogenannten „Klimajugend“.
CO2-Flottenziele der EU
Das Gesetz zum Verbrenner-Aus verpflichtet die Autohersteller dazu, den gesamten CO₂-Ausstoß aller von ihnen innerhalb eines Jahres verkauften Pkw, also für die komplette Flotte, Schritt für Schritt zu senken.
Bis 2030 soll der CO₂-Ausstoß neu zugelassener Pkw im Vergleich zu 2021 um 55 Prozent und bis 2035 auf null sinken.
Gelingt das den Herstellern nicht, werden hohe Strafzahlungen fällig.
| Jahr | Neues Flottenziel |
|---|---|
| 2021 | Basisjahr |
| 2025 | minus 15 Prozent CO₂-Ausstoß. Bei Überschreitung 2025 kann eine Strafzahlung durch höhere Einsparungen in den beiden Folgejahren vermieden werden. |
| 2030 | minus 55 Prozent CO₂-Ausstoß |
| 2035 | minus 100 Prozent CO₂-Ausstoß |
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