Der Dreiländer-Radweg: Eine grenzenlose Radtour durch das Herz Europas

Eine Tagestour, die drei Länder miteinander verbindet, hat schon etwas Außergewöhnliches an sich! Der »Dreiländer-Radweg« verläuft 45 Kilometer seiner Wegstrecke durchgängig im großteils unbewohnten Schutzgebiet des Nationalparks Šumava - dem Grünen Dach Europas (inkl. Plöckensteinsee und Moldaustausee), was den Streckenverlauf an sich schon so attraktiv macht.

Die Route: Wo sich Deutschland, Tschechien und Österreich treffen

Ausgangspunkt des »Dreiländer-Radwegs« ist die Gemeinde Haidmühle im Landkreis Freyung-Grafenau, das idyllisch eingebettet in einer sanften Talmulde (831 m) liegt und vom Haidel (1.167 m) sowie dem Dreisesselmassiv (1.312 m) majestätisch umkranzt wird. Der staatlich anerkannte Erholungsort (1.373 Einwohner/Stand Dez. Aus der Bezeichnung »Dreiländer-Radweg« geht hervor, dass die Route im sogenannten Dreiländereck über drei Länder verläuft. Die Strecke berührt den Nationalpark-Ferienland Bayerischer Wald (D), den Böhmerwald (CZ) sowie den nordwestlichsten Zipfel des Oberösterreichischen Mühlviertels (A), das sich nördlich der Donau ausbreitet und zum dortigen Granit- und Gneishochland gehört.

Streckenlänge

  • Streckenlänge 73.5 km (inkl. Schwarzenberg am Böhmerwald (A), KM 55.5 (inkl. Oberschwarzenberg (A), KM 58 (inkl. Kanalabzweig Raškov (860 m) - Landesgrenze Plöckenstein I/10 (1.020 m) inkl.

Auf dem Streckenverlauf werden drei Grenzübergänge passiert die ganzjährig rund um die Uhr geöffnet haben (ausschließlich für Fußgänger/Radfahrer). Frei von Grenzkontrollen sind dem Radeln sprichwörtlich keine Grenzen mehr gesetzt.

Natur pur im Nationalpark Šumava

Die malerische Bergregion prunkt im Nationalpark Šumava - wo sich nicht nur die Wasserscheide zwischen Schwarzem Meer und Nordsee befindet, sondern auch die Flüsse Moldau und Otava entspringen und dort noch einen wilden Gebirgsflusscharakter besitzen - mit einer entrückten Ursprünglichkeit, wie man sie nur noch äußerst selten vorfindet. Šumava bedeutet übersetzt "rauschen" das sich sowohl auf den Wald als auch fließendes Wasser bezieht. Auffallend ist, wie düster und geheimnisumwoben die grenzenlose Waldwildnis wirkt.

Angesichts der rasant fortschreitenden Landschaftsversiegelung ist es umso mehr eine wahre Freude mit eigenen Augen zu sehen, wie unbehelligt und ungestört von Menschenhand sich die natürlichen Prozesse von Flora und Fauna im Schutzgebiet des Nationalpark Šumava entfalten können. Die hermetische Abriegelung des Grenzstreifens durch den Eisernen Vorhang im Kalten Krieg erwies sich für die Natur im Nachhinein als wahrer Glücksfall, weil das militärische Sperrgebiet die ungestörte Entwicklung der Natur im inneren Böhmerwald entscheidend begünstigte.Vor allem die Stille im entrückten Biosphärenreservat Šumava - wie auch im nahtlos angrenzenden Böhmerwald im Östereichischen Mühlviertel - wirkt beruhigend und entspannend.

Der Nationalpark Šumava ist mit 69.030 ha der flächengrößte Nationalpark Tschechiens. Umgeben vom Landschaftsschutzgebiet Šumava weist er eine Fläche von 97.970 ha auf. Seit 1990 steht das Biosphärenreservat unter Schirmherrschaft der UNESCO. Deswegen gibt es eine artenreiche Flora und Fauna. Durch den Nationalpark fließen die beiden Flüsse Moldau und Otava, außerdem liegen in dem Gebiet fünf Gletscherseen (Jezero Laka, Prášilské jezero, Plešné jezero, Cerné jezero und Certovo jezero).

Bedingt durch die abgelegene Grenzlage und einsetzende Landflucht blieb der Böhmerwald bis in die Gegenwart ein strukturschwaches, ländlich geprägtes Gebiet, was für Naturnutzer ein wahrer Segen ist, zumal der Waldanteil innerhalb des Nationalparks 81 Prozent beträgt. Die weitgehend unberührte Landschaft brachte im Böhmerwald eine erstaunlich große Artenvielfalt hervor. Deshalb finden sich auch heute noch zahlreiche seltene und bedrohte Arten, die andernorts in Mitteleuropa meist ausgestorben sind. Der Nationalpark Sumava im Böhmerwald bildet zusammen mit dem benachbarten Nationalpark Bayerischer Wald das größte zusammenhängende mitteleuropäische Waldgebiet, mitunter auch „Grünes Dach Europas" genannt.

Erholung für Körper und Seele

Kaum verwunderlich, dass die Gegend nachweislich eine der reinsten Luftqualitäten besitzt, wovon in erster Linie aktive Naturliebhaber besonders profitieren. Wenn Waldbaden der Seele und dem Organismus gut tut, dann ist Waldradeln umso mehr gesund, weil - bedingt durch höheren Sauerstoffbedarf - dementsprechend mehr Terpene von den ausgesonderten Pflanzenduftstoffen aufgenommen werden. Klar ist auch, dass der Wald ein jahrtausendealter Kraftort ist, der uns ankommen bzw. zur Ruhe kommen lässt. Die beruhigende Aura des Waldes sorgt dafür, dass der Körper deutlich weniger Stresshormone ausschüttet und der Blutdruck sinkt.

Radelt man offenen Auges durch die unberührte Natur und widmet sich der bezaubernden Landschaft bzw. pausiert an den schönsten Plätzchen (Kraftorte) um die Umgebung in Ruhe mit allen Sinnen wahrzunehmen, ja dann hinterlässt der »Dreiländer-Radweg« mit euphorischen Glücksmomenten neuronale Spuren, die sich tief ins Gedächtnis einbrennen. In einer solch wildromantischen Naturkulisse bleibt es nicht aus, dass sich dass Geist, Seele und Körper gleichermaßen zu Ruhe bzw. ins Gleichgewicht kommen.

Kulturelle Vielfalt und kulinarische Genüsse

Drei Länder, drei Kulturen - unterschiedliche Sitten - sowie landestypische Traditiosspeisen. Dies erfüllt das Radfahren mit Kontrasten & Tiefgang und schürt ein grenzenloses Gefühl der Freiheit. Sie überqueren ohne Formalitäten die Ländergrenzen und lernen eine Region mitten in Europa kennen, die verdammt viel zu erzählen hat. Aspekte, die den »Dreiländer-Radweg« so außergewöhnlich, abwechslungsreich, reizvoll - aber auch neugierig machen. Jedenfalls genügend Gründe, das extrem schwach besiedelte Terrain mit ungebändigter Vorfreude in Angriff zu nehmen.

Traditionelle Speisegerichte aus der leckeren Böhmischen Küche sind wahre Gaumenkitzler. Allen voran der traditionelle Braten mit Sauce und Böhmische Knödel. Dazu ein Pilsner Urquell, Budweiser Budvar oder eine Barnard-Halbe (Jeleni, Nova Pec). Dem steht die österreichische Küche natürlich in nichts nach, weshalb typische Süßspeisen wie Apfelstrudel oder Kaiserschmarrn in Schwarzenberg am Böhmerwald oder Oberschwarzenberg auf den Tour-Speisezettel gehören.

Herausforderungen und Tipps für die Tour

Das kupierte Streckenprofil des »Dreiländer-Radwegs« erfordert zumindest für klassische "Bio-Biker" eine gute Grundkondition. Wer indes ein e-Bike steuert ist dagegen relativ "save", zumindest solange der Akku ausreichend Schubkraft liefert. Dessen Reichweite hängt wiederum bekanntermaßen von Faktoren wie z.B. Akkukapazität, Fahrstil, Systemgewicht, Temperatur, Streckenprofil usw. ab. Wenngleich moderne Lithium-Ionen-Akkus Akku-Kapazitäten bis zu 900 Wh leisten, könnte in Anbetracht der Streckendimension u.U. zweckmäßig sind für diese Tour geländegängige Räder wie beispielsweise Tourenräder, Trekking- Cross- Gravel- e- oder Mountainbikes (Hardtail).

Der »Dreiländer-Radweg« verfügt keine durchgängige Wegweisung, weshalb sich die Mitnahme einer Radkarte samt downgeloadeten GPS-Track empfiehlt. Die Rundtour besteht aus Wald- und Schotterwegen und Nebenstraßen. So mancher Schilderwald mit einem Sammelsurium an Richtungspfeilen mag einem schon mal wie „Böhmische Dörfer“ vorkommen. Verschiedenfarbige Wegweisung (schwarze Schrift auf gelbem Hintergrund, weiße Schrift auf grünem Hintergrund, braune Holzintarsien-Inschriften), dazu kunterbunt gemischte Markierungsnummern bis hin zu missverständlichen Richtungspfeilen erschweren die Orientierung.

Wer die Abstecher Plöckensteinsee - ggf. mit Fußmarsch zum Stifterdenkmal - bzw. den Moldaustausse einplant, sich den zahlreichen Informations-Schautafeln wissbegierig widmen und etwas über die Geschichte des Schwarzenberger Schwemmkanals erfahren möchte sowie sich gerne in einem Biergarten geruhsam niederlässt hat defacto ein straffes Tagesprogramm vor sich. Um trotzdem alles stressfrei zu bewältigen ohne dass die schönen Dinge des Lebens auf der Strecke bleiben, macht einen frühen Startzeitpunkt unumgänglich.

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