30 Ampere Sicherung im Motorrad: Verwendung und Fehlersuche

Dieser Artikel behandelt die Verwendung von 30-Ampere-Sicherungen in Motorrädern, wobei der Schwerpunkt auf der Fehlersuche bei Problemen und der Auswahl der richtigen Sicherungsgröße liegt. Die Auswahl der richtigen Sicherungsgröße ist von entscheidender Bedeutung, um die Sicherheit im Fahrzeug zu gewährleisten. Eine falsche Dimensionierung kann im schlimmsten Fall zu schweren Bränden führen.

Grundlagen zu Sicherungen im Stromkreis

Bevor wir uns mit der Auswahl der Sicherungsgröße beschäftigen, ist es wichtig, die Grundlagen zu verstehen. Die Sicherung schützt die Verkabelung vor Überlastung und Kurzschlüssen. Sie „löst aus“, indem ein Draht oder ein anderes leitfähiges Element den Stromfluss im Stromkreis unterbricht, indem es schmilzt, wenn die Stromstärke einen definierten Wert überschreitet.

Die Größe der Sicherung (= ihr Nennwert / Höhe des Stroms, bei dem sie auslöst) sollte so dimensioniert sein, dass dieses Schmelzen stattfindet, bevor Schäden an elektrischen Geräten oder gar Brände entstehen.

Wichtig: Die Sicherung ist der Schutz der Verkabelung vor Überlastung - aber auch die beste Sicherung bringt nichts, wenn die Verkabelung selbst nicht den Anforderungen entspricht.

Sicherungsgröße bestimmen

Mit diesem Wissen ist es bereits ziemlich einfach, sich vorzustellen, wie hoch der Nennwert einer Sicherung sein sollte. Er sollte hoch genug sein, um genug Strom zum störungsfreien Betrieb des Gerätes durchzulassen, aber auf keinen Fall viel mehr, da die Verkabelung darauf nicht ausgelegt ist. Wie viel ist aber nun „viel mehr“?

Wie viel Strom braucht ein bestimmter Verbraucher maximal

Wir müssen wissen, wie viel Strom ein Verbraucher maximal tatsächlich benötigt. Hält die Sicherung nicht stand, fliegt sie dauernd raus, ohne dass wirklich eine Gefahr bestehen würde.

Um die richtige Sicherungsgröße zu bestimmen, müssen wir also den maximalen Stromverbrauch der in diesem Stromkreis angeschlossenen Verbraucher kennen. Viele technischen Geräte im Wohnmobil sollten mit einer eigens für sie bestimmten Sicherung abgesichert werden, andere können zu mehreren in einem Stromkreis mit einer Sicherung zusammengeschlossen werden. Beispiele wären auf der einen Seite z.B. die Druckwasserpumpe, die immer eine eigene Sicherung bekommen sollte und auf der anderen Seite mehrere LED-Beleuchtungen, die ohne Probleme gemeinsam abgesichert werden können.

Der Wert Stromstärke (hier unsere maximal benötigte) wird in Ampere (A) angegeben. Du findest diesen Wert in den technischen Daten der jeweiligen Geräte. Beachte dabei die gerade angesprochenen möglichen Anlauf- oder auch Einschaltströme, wenn extra angegeben.

Aggregation der Ströme

Notiere dir alle maximalen Ströme der an einer Sicherung angeschlossenen Verbraucher. Addiere sie, um den Gesamtstromverbrauch zu erhalten. Der ermittelte Wert gibt an, wie viel Strom der gesamte Stromkreis unter normalen Umständen maximal ziehen wird.

Sicherheitsfaktor berücksichtigen

Der Sicherheitsfaktor ist eine zusätzliche Sicherheitsmaßnahme, die bei der Auswahl einer Sicherung berücksichtigt werden sollte. Schau dafür wenn möglich unbedingt mal in das Datenblatt der Sicherung.

Die Tabelle zeigt die Zeit-Strom-Charakteristik der Sicherungen. Sie gibt an, wie lange es dauert, bis eine Sicherung bei einem bestimmten Stromfluss auslöst.

Die Tabelle ist in zwei Bereiche unterteilt:

  • 30A-125A - Sicherungen mit einem Nennstrom (die auf der Sicherung aufgedruckte Zahl) von 30 bis 125 Ampere.
  • 150A-200A - also Sicherungen mit einem Nennstrom von 150 bis 200 Ampere.

In jeder Zeile der Tabelle ist der Nennstrom der Sicherung in Prozent angegeben. Die Opening Time (Auslösezeit) ist die Zeit, die es dauert, bis die Sicherung auslöst.

Datenblatt interpretieren

Die Tabelle zeigt, dass Sicherungen bis 125A im Bereich unterhalb der 100% des Nennstroms gar nicht auslösen und in diesem Bereich dauerhaft betrieben werden können. Erst wenn für 360 Sekunden der Strom gezogen wird, auf den die Sicherung maximal ausgelegt ist, fliegt die Sicherung raus.

Die zeitlichen Abstände bis zum Auslösen werden mit zunehmender Überschreitung des Nennstroms weiter kleiner - also je höher der fließende Strom über dem Nennstrom liegt, desto schneller fliegt die Sicherung, um Schäden an Geräten und im Stromkreis zu vermeiden.

Bei Sicherungen ab 150A (zweite Spalte) sieht die Sache schon von vorneherein anders aus. Hier löst die Sicherung bereits bei einem Strom von 75% des Nennstroms nach 360 Sekunden aus.

Will man also einen Verbraucher betreiben, der standardmäßig den maximalen Strom ziehen wird, muss man eine Sicherung verwenden, die einen um mindestens 25% höheren Nennwert aufweist, damit sie beim Betrieb dieses Verbrauchers nicht ständig rausfliegt.

Was machst du ohne Datenblatt

Liegt kein Sicherungs-Datenblatt vor, ist es in der Praxis durchaus üblich, einen Sicherheitsfaktor von 20-30% des Maximalstroms aus dem betreffenden Stromkreis hinzuzurechnen.

Sicherungsgröße auswählen

Angenommen, der Gesamtstromverbrauch in einem Stromkreis deines Campers beträgt 50 Ampere. Du bedenkst den Sicherheitsfaktor und rechnest 20% hinzu. Der Gesamtwert beträgt dann 60 Ampere. Richtig wäre in diesem Fall eine 60-Ampere-Sicherung.

Gibt es den von dir ermittelten Wert nicht als Sicherungs-Standardgröße, wähle die nächst höhere Größe aus.

Berücksichtigung der Umgebungstemperatur

Ein oft übersehener, aber äußerst wichtiger Faktor bei der Auswahl der richtigen Sicherungsgröße ist die Umgebungstemperatur. Dies ist besonders relevant für den Einsatz in Fahrzeugen, da diese sich in der Sonne stark aufheizen können.

Hohe Temperaturen beeinflussen die Leistungsfähigkeit von Sicherungen erheblich und die Strombelastbarkeit wird reduziert. Um diesen Effekten Rechnung zu tragen, ist es ratsam, die Sicherungen entsprechend zu dimensionieren.

Verminderte Strombelastbarkeit

Temperaturen über der Normtemperatur (in der Regel 23° C) sind auch für ein schnelleres Auslösen (also einem Auslösen bei geringeren Stromstärken) verantwortlich.

Für Wohnmobile und Camper empfiehlt es sich, von einer möglichen Maximaltemperatur von 65°C im Sicherungskasten auszugehen.

Auswahl des Sicherungstypen

Neben der Nenngröße der Sicherung ist es wichtig, den richtigen Sicherungstypen auszuwählen. Standardmäßig werden in 12V-Systemen Flachsicherungen (ATO oder ATC) verwendet, für stärkere Ströme auch MEGA oder MIDI-Sicherungen. Im Kfz sind auch MAXI Sicherungen üblich. Diese finden im Camper aber eher selten Verwendung.

Flachsicherungen (ATO, ATC)

Flachsicherungen werden typischerweise in Anwendungen mit niedrigeren Strömen eingesetzt, normalerweise bis zu 40 Ampere. Sie sind geeignet für kleinere Verbraucher im Wohnmobil, wie Beleuchtung, kleine Lüfter, Radio und andere elektronische Geräte mit geringem Energiebedarf.

MIDI-Sicherungen

MIDI-Sicherungen befinden sich in einem mittleren Bereich und sind für Ströme im Bereich von etwa 20 Ampere bis 200 Ampere ausgelegt. Sie werden häufig in Anwendungen eingesetzt, die einen mittleren Stromverbrauch aufweisen, wie Kühlschränke, Wasserpumpen oder Ladegeräte im Wohnmobil.

MEGA-Sicherungen

MEGA-Sicherungen werden in Anwendungen mit höherem Stromverbrauch eingesetzt, normalerweise im Bereich von 40 Ampere bis mehreren hundert Ampere. Sie finden Anwendung bei stromhungrigen Geräten wie Wechselrichtern, elektrischen Heizgeräten oder anderen größeren Verbrauchern im 12V-System des Wohnmobils.

MAXI Sicherungen

MAXI Sicherungen werden ähnlich eingesetzt wie MIDI Sicherungen, der Unterschied liegt lediglich darin, dass diese gesteckt und nicht geschraubt werden. Diese haben einen Absicherungsbereich von 30A bis 80A.

Hinweis: Es ist wichtig, die Herstellerangaben und technischen Spezifikationen für jedes Gerät und jede Sicherung zu überprüfen, um sicherzustellen, dass die Auswahl den spezifischen Anforderungen entspricht.

Installation und Überprüfung

Installiere die ausgewählte Sicherung gemäß ihrem Typ durch Stecken oder Schrauben. Stelle sicher, dass alle Verbindungen gut sitzen, keine Korrosion an Kontaktflächen besteht und die angeschlossenen Kabelleitungen eine fachgerechte Befestigung und Isolierung freigelegter Kabellitze aufweisen.

Von Zeit zu Zeit sollte ein prüfender Blick auf den Zustand von Sicherungshaltern und Sicherungen geworfen werden, z.B. mit dem regelmäßigen Entstauben von Lüftungslamellen usw.

Fehlersuche bei durchgebrannter 30A-Sicherung

Wenn die 30A-Hauptsicherung immer wieder durchbrennt, deutet dies auf einen Kurzschluss hin. Hier sind einige Schritte zur Fehlersuche:

  1. Batterie prüfen: Die Batteriespannung sollte im Normalbereich liegen (z.B. 13.68 Volt).
  2. Rückrufaktionen prüfen: Überprüfen Sie, ob Rückrufaktionen für Ihr Motorradmodell vorliegen, z. B. ein Kabeltausch zur Vermeidung von Kurzschlüssen.
  3. Sichtprüfung: Untersuchen Sie den Kabelbaum auf Scheuerstellen, insbesondere im Bereich des Lenkkopfs und bei Umbauten wie Superbikelenker oder Kennzeichenhalter.
  4. Komponenten isolieren: Trennen Sie nacheinander verschiedene Komponenten (Zündschloss, Lenkerschalter, ECU, Relaisbox), um den Fehler einzugrenzen.
  5. Prüflampe verwenden: Ersetzen Sie die Sicherung durch eine starke Lampe (z.B. Blinkerleuchte oder H4-Leuchte). Die Lampe leuchtet bei Kurzschluss. Ziehen Sie nacheinander die Verbraucher ab, bis die Lampe erlischt.
  6. Lima und Regler prüfen: Überprüfen Sie Lichtmaschine und Regler auf Defekte.
  7. Steckverbindungen prüfen: Untersuchen Sie Steckverbindungen auf Korrosion und korrekten Sitz.

Beispielhafte Fehlersuche (VFR750F, RC36, Bj. 04/1992)

Ein Benutzer hatte das Problem, dass die 30A-Hauptsicherung beim Anlassen nach ca. 5 Sekunden durchbrannte. Folgende Schritte wurden unternommen:

  1. Batterie geprüft: Mehrere neue Batterien wurden getestet, hielten aber nur kurze Zeit.
  2. Messungen durchgeführt: Spannung unter Last gemessen.
  3. Steckkontakte erneuert: Neue Steckkontakte mit Silikonmantel an die Kabel gequetscht.
  4. Fehler gefunden: Ein Kabel für die Kennzeichenbeleuchtung war eingeklemmt.

Nachdem das eingeklemmte Kabel behoben wurde, lief das Motorrad wieder.

Weitere mögliche Ursachen

  • Defekter Laderegler
  • Defekte Lichtmaschine
  • Kurzschluss im Kabelbaum (z.B. durchgescheuerte Kabel)
  • Defekte Benzinpumpe

Es ist wichtig, systematisch vorzugehen und alle möglichen Ursachen zu prüfen, um den Fehler zu finden.

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