Ab wann gilt Euro 6 für Motorräder? Ein umfassender Überblick

Beim Kauf oder Verkauf eines Motorrads spielt nicht nur die Technik oder der Preis eine Rolle - auch die Euro-Abgasnorm kann entscheidend sein. Anders als noch vor wenigen Jahren informieren sich Käufer heute zunehmend über die Schadstoffklasse eines Fahrzeugs.

In diesem Artikel erfährst du, was die Euro-Normen genau sind, welche Norm dein Motorrad erfüllt, und warum sie beim Kauf oder Verkauf so wichtig sind. Die Euro-Normen sind EU-weite Vorschriften, die festlegen, wie viele Schadstoffe ein Fahrzeug - darunter auch Motorräder - ausstoßen darf. Je höher die Zahl, desto strenger die Grenzwerte.

Aktuelle Euro-Normen für Motorräder

Motorräder, die in der EU neu zugelassen werden, müssen die aktuell gültige Euro-Norm erfüllen. Seit Januar 2021 ist das Euro 5, ab Januar 2025 gilt Euro 5+. Ältere Motorräder dürfen weiterhin gefahren werden, unterliegen aber je nach Land oder Stadt möglichen Einschränkungen.

Die Euro-Abgasnorm deines Motorrads findest du in der Zulassungsbescheinigung Teil I (Feld 14) oder im COC-Dokument (Certificate of Conformity). Alternativ kannst du die Norm auch über das Modelljahr und die Angaben des Herstellers herausfinden.

Euro 5+ ab 1. Januar 2025

Die Euro 5+ Norm ist eine erweiterte Abgasnorm, die ab dem 1. Januar 2025 für alle neuen Motorradzulassungen in der EU gilt. Ab diesem Stichtag dürfen in der EU nur noch neue Motorräder zugelassen werden, die der Euro 5+ Norm entsprechen. Das bedeutet, dass Motorräder mit Euro 5 (oder älter), die bis dahin nicht zugelassen wurden, können nicht mehr als Neufahrzeug zugelassen werden.

Nein, eine Erstzulassung ab 2025 ist nur mit Euro 5+ Typgenehmigung möglich. Euro 5 Bikes ohne Zulassung müssen vorher angemeldet oder anders verwertet werden. Euro 5+ gilt ab 1. Januar 2025 :Ab wann gilt Euro 5+ für Motorräder? Und was hat das für Konsequenzen? Gibt es für Verbraucher etwas Spezielles zu beachten?

Gefühlt ist’s alle paar Jahre dasselbe: Weil zum Jahresende eine neue Euro-Homologationsnorm in Kraft tritt, müssen all jene Motorradmodelle, die sie nicht erfüllen, abverkauft oder zumindest als Vorführmodelle erstmals zugelassen werden.

2017 wurde Euro 4 verbindlich, 2021 kam Euro 5. Und ab 1. Januar 2025 kann kein Motorrad unterhalb von Euro 5+ mehr erstmals neu zugelassen werden. Ausnahmen für "auslaufende Serien" gibt es; sie müssen aber vom Hersteller, vom Händler oder einer Privatperson beim Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) beantragt werden und umfassen nur sehr begrenzte Stückzahlen, die dann noch bis Ende 2026 neu zugelassen werden können.

Was beinhaltet die Euro 5+ eigentlich?

Per Onboard-Diagnose-System (OBD) II müssen alle abgasrelevanten Faktoren neuer Motorräder elektronisch überwacht und hinterlegt werden. Sie können dann im Falle einer Fehlfunktion, angezeigt durch Aufleuchten der Motorkontrolle, über eine normierte Schnittstelle ausgelesen werden - wichtig für die Werkstatt.

Modelle, die die Euro 5+-Norm bereits erfüllen, sind unter anderem äußerlich an den 2 Lambdasonden erkennbar - eine vor und eine nach dem Katalysator, da ein defekter Kat vom Diagnosesystem erkannt werden muss.

Auswirkungen der Euro 5+ Norm

Die Euro 5+ Norm bringt zwar keine schärferen Emissionsgrenzwerte als Euro 5, wohl aber neue technische Anforderungen - und die wirken sich auf das Fahrerlebnis deutlicher aus, als viele denken. Besonders langjährige Motorradfahrer oder Fans charakterstarker Maschinen spüren den Unterschied.

  1. Sound: Viele neue Modelle wirken im Klangbild dadurch flacher oder synthetisch, besonders im unteren Drehzahlbereich.
  2. Abgasnachbehandlung: Euro 5+ zwingt Hersteller zu aufwendigen Abgasnachbehandlungen (z. B. größerer Katalysator, Aktivkohlefilter, OBD-II-System).
  3. Tuningmaßnahmen: Tuningmaßnahmen werden erschwert.

Die Euro 5+ Norm ist ein logischer Schritt in der Entwicklung hin zu saubereren, leiseren und technisch durchdachteren Motorrädern. Für Händler und Verkäufer bedeutet das: Der Gebrauchtmarkt wird differenzierter. Nicht jedes Euro-5+-Bike verkauft sich besser als ein gut gepflegter Euro-3-Klassiker mit Charakter. Deshalb gilt: Die Euro-Norm ist wichtig, ja. Aber sie ist nicht alles.

Worauf Sie beim Kauf und Verkauf achten sollten

Je klarer du die Umwelt- und Emissionsdaten deines Motorrads kennst und kommunizierst, desto besser die Chancen auf einen reibungslosen und fairen Verkauf - insbesondere bei neueren Modellen und beim Export.

  • Tipp: Gib die Euro-Norm aktiv in deinem Inserat an.
  • Tipp: Du willst dein Motorrad verkaufen, bevor es von Fahrverboten betroffen ist?

Doch die Euro-Norm bringt nicht nur Vorteile: Viele neuere Modelle verlieren durch Abgasnormen an Sound, Charakter und Fahrspaß. Wer das Motorradfahren liebt wie früher, schaut sich deshalb öfter bei älteren Modellen um.

Fahrverbote und regionale Einschränkungen

In Deutschland gibt es derzeit kein generelles Fahrverbot für Motorräder, weder bundesweit noch aufgrund der Euro-Norm. Allerdings existieren in bestimmten Regionen temporäre Streckensperrungen - z. B. an Sonn- und Feiertagen - häufig als Reaktion auf Lärmbeschwerden oder Unfälle. Diese gelten meist nur regional (z. B. beliebte Ausflugsstrecken) und sind durch Verkehrsschilder wie das Zeichen 255 gekennzeichnet.

In Österreich (z. B. Tirol) und in Frankreich (z. B. Paris) gelten oder galten bereits Fahrverbote für bestimmte Euro-Normen. In Frankreich (z. B. Paris) galt seit 2024 ein Fahrverbot für Motorräder mit Euro-3-Norm.

Wann kommt Euro 6 für Motorräder?

Noch ist unklar, wann die Euro 6 Norm kommt - laut Branchenquellen ist ein Start frühestens 2028 denkbar. Dann könnten unter anderem eine ABS-Pflicht für Leichtkrafträder sowie eine weitere Absenkung der Geräuschgrenzwerte folgen.

Realistischere Fahrgeräuschmessung ab Euro 5+

Euro 5+ schreibt das per UN-Verordnung bereits 2023 geänderte Prüfverfahren bei der Bestimmung des maximalen Fahrgeräusches vor. Dessen zulassungsrelavantes Limit bleibt zwar 77 dB(A). Deren tatsächliche Einhaltung wird aber durch das noch realistischer gewordene Prüfverfahren ASEP 2.0, das wir euch hier erläutern, weitaus besser überwacht.

Die Bedeutung der Schadstoffklasse

Jedes Fahrzeug hat eine bestimmte Schadstoffklasse. Kraftfahrzeuge werden anhand ihres Schadstoffausstoßes einer Schadstoffklasse zugeordnet. Die Schadstoffklassen lassen sich anhand des Typschlüssels eines PKW ermitteln und entscheiden, ob ein Kfz eine rote, gelbe, grüne oder keine Umweltplakette bekommt.

Die Schadstoffklasse ist wichtig, denn sie beeinflusst beispielsweise, welche Umweltplakette Ihr Fahrzeug erhält und wie viel Kfz-Steuer Sie zahlen müssen.

Wie kann ich die Schadstoffklasse meines Autos ermitteln?

Die Schadstoffklasse deines Fahrzeugs kannst du durch die sogenannte Emissionsschlüsselnummer ermitteln. Sie bestimmt auch, in welche Schadstoffgruppe ein Fahrzeug eingeordnet wird und damit, welche Umweltplakette dein Auto erhält.

Die Emissionsschlüsselnummer steht in deinem Fahrzeugschein: Im alten Fahrzeugschein in Feld 1 (Punkt „Schlüsselnummer - zu 1“) und bei neueren Modellen in der Zulassungsbescheinigung Teil I in der Mitte des Dokuments in Feld 14.1.

Wichtig zur Ermittlung der Schadstoffklasse sind die letzten zwei Ziffern der Emissionsschlüsselnummer. Bei Neufahrzeugen sind die letzten zwei Zahlen, gefolgt von zwei Buchstaben, relevant.

Ausblick auf Euro 7

Die Europäische Union hat die nächste Schadstoffklasse für Fahrzeuge auf den Weg gebracht. Die Schadstoffnorm Euro 7 soll künftig für einen umwelt- und gesundheitsfreundlicheren Verkehr sorgen. Die Euro-7-Verordnung könnte ab dem 01. Juli 2027 für die Neuzulassungen von schweren Nutzfahrzeugen wie Busse und Lastwagen und ab November 2026 für die Neuzulassungen von Pkw und kleinen Lieferwagen gelten.

Zu den neuen Anforderungen zählen unter anderem eine erstmalige Regulierung von Bremsstaub und Reifenabrieb. Die Euro-7-Norm macht keine Unterschiede zwischen Diesel- oder Benzinverbrauchern. Die festgelegten Werte sollen für alle Fahrzeuge gleichermaßen gelten.

Zusammenfassung der Euro-Normen und Gültigkeitsdaten

Norm Gültig für neue Typgenehmigungen ab Gültig für alle Neuzulassungen ab
Euro 5 2020 2021
Euro 5+ N/A 1. Januar 2025
Euro 6e (EA) 1. September 2023 1. September 2024
Euro 6e (EB) 1. Januar 2025 1. Januar 2026
Euro 6e (EC) 1. Januar 2027 1. Januar 2028
Euro 7 (geplant) 29. November 2026 (Pkw) / 1. Juli 2027 (Nutzfahrzeuge) 29. November 2027 (Pkw) / N/A (Nutzfahrzeuge)

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