Wann kann man nach einer Schulteroperation wieder Radfahren?

Die Frage, wann man nach einer Schulteroperation wieder mit dem Radfahren beginnen kann, ist für viele Patienten von großer Bedeutung. Die Antwort hängt von verschiedenen Faktoren ab, einschließlich der Art der Operation, des Heilungsprozesses und der individuellen Fortschritte bei der Rehabilitation. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über verschiedene Schultererkrankungen, operative Eingriffe und die entsprechenden Rehabilitationszeiten, um Ihnen eine fundierte Entscheidungsgrundlage zu geben.

Rotatorenmanschettenriss

Die Fachärzte für Orthopädie und Unfallchirurgie im Deutschen Schulterzentrum haben viel Erfahrung mit Rotatorenmanschettenrissen. Die Häufigkeit dieser Risse steigt mit zunehmendem Alter, aber auch junge, aktive Sportler können betroffen sein. Ziel der operativen Behandlung ist die Wiedererlangung von Kraft und Beweglichkeit sowie die Schmerzausschaltung.

Das operative Vorgehen richtet sich nach der individuellen Situation. Je nach Lokalisation, Ausmaß und Alter des Risses wird eine Naht bzw. Refixation der Sehne am Oberarmknochen durchgeführt. Bei großen, irreperablen Rotatorenmanschettenrupturen kann ein Latissimus dorsi Transfer oder ein Teres Major Transfer erforderlich sein. Zusätzlich wird oft der Raum unter dem Schulterdach erweitert (Akromioplastik).

Nach einer Rotatorenmanschettenrekonstruktion ist eine kurzfristige Ruhigstellung in einem Schlauchverband (Gilchrist) für etwa 2 Tage erforderlich. Danach wird der Arm weitere 3 Wochen in einem Abspreizkissen ruhiggestellt. Bei großen, ausgedehnten Rissen, die eine Muskelverpflanzung erfordern, wird die Schulter ebenfalls für 3 Wochen in einem Abspreizkissen ruhiggestellt.

Um die Heilung und Regeneration optimal zu gewährleisten, ist eine intensive, phasenangepasste Physiotherapie notwendig. Die Sehnenheilung nimmt mindestens 12 bis etwa 24 Wochen in Anspruch; bis die Funktion wieder voll hergestellt ist, dauert es zwischen 5 und 6 Monate.

Wann kann man wieder Radfahren? In Abhängigkeit von der Sportart ist das sportartspezifische Training nach ca. 3 Monaten, bei Muskellappenplastiken nach ca. 6 Monaten wieder aufzunehmen.

Bizepssehnenprobleme

Die lange Bizepssehne kann durch ihren Verlauf innerhalb des Schultergelenkes schmerzhaften Erkrankungen und Verletzungen unterliegen. Im Zusammenhang mit anderen Schultergelenkserkrankungen findet man Schädigungen und Teilrisse der langen Bizepssehne. In diesem Fall kann eine Durchtrennung der Sehne am Ansatz notwendig werden.

Auf arthroskopischem Weg kann man Bizepssehnenablösungen vom Ursprung wieder nähen (sog. SLAP - Repair). Bei irreversiblen Schäden wird die Sehne am Ansatz durchtrennt und am Oberarmkopf arthroskopisch neu eingenäht (sog. Bizepssehnen - Tenodese). Beim älteren Patienten ohne Kraftanspruch reicht die alleinige Durchtrennung der kranken Bizepssehne (sog. Bizepssehnen - Tenotomie).

Nach kurzfristiger Ruhigstellung der Schulter (in der Regel 24 Stunden) wird das Schultergelenk frühzeitig physiotherapeutisch behandelt. Bei der Bizepssehnen-Tenodese und dem SLAP-Repair darf für 6 Wochen keine größere Anspannung des Bizepsmuskels erfolgen. Nach dem SLAP-Repair wird der Arm für 3 Wochen in einem Abspreizkissen ruhiggestellt. Die Therapiezeit liegt hier zwischen 10-12 Wochen.

Impingement-Syndrom

Unter dem Begriff Impingement-Syndrom versteht man die Zusammenfassung unterschiedlicher Ursachen, welche das Gleiten der Supraspinatussehne unter dem Schulterdach behindern. Ursache der Gleitbehinderung ist z.B. eine Formveränderung des Schulterdaches, die angeboren oder erworben sein kann.

Therapie der Wahl ist die arthroskopische subacromiale Dekompression. Bei diesem arthroskopischen (geschlossenen) Eingriff erfolgt eine Vergrößerung des subacromialen Gleitraumes durch die Entfernung der entzündeten Weichteile unter dem Schulterdach und die Entfernung der knöchernen Veränderungen des Schulterdaches mit Hilfe einer motorgetriebenen Präzisionsfräse.

Ab dem ersten Tag nach der Operation darf der Arm im schmerzfreien Bereich unter physiotherapeutischer Anleitung bewegt werden. Mit Eintritt der Arbeitsfähigkeit ist in der Regel auch eine Wiederaufnahme der Freizeitaktivitäten möglich.

Kalkschulter

Die sog. Kalkschulter wird definiert als Kalkeinlagerung (Carbonatappatit) in die Sehnen der Rotatorenmanschette, die durch unterschiedliche Faktoren ausgelöst sein kann. Am häufigsten ist davon die Supraspinatussehne betroffen. Die operative Entfernung des Kalkdepots erfolgt transarthroskopisch (geschlossen).

Ab dem ersten Tag nach der Operation darf der Arm im schmerzfreien Bereich unter physiotherapeutischer Anleitung bewegt werden. Mit Eintritt der Arbeitsfähigkeit ist in der Regel auch eine Wiederaufnahme der Freizeitaktivitäten möglich.

Schultersteife (Frozen Shoulder)

Man unterscheidet zwei Formen der Schultersteife (Frozen Shoulder). Die primäre Schultersteife beginnt mit einer unspezifischen Entzündung der Gelenkschleimhaut. Die sekundäre Schultersteife kann als Folge einer längeren Gelenkruhigstellung, einer Operation, einer Entzündung oder einer Verletzung auftreten.

Ziel der Behandlung ist die Wiederherstellung der schmerzfreien vollständigen Beweglichkeit des Schultergelenkes. Zunächst erfolgt die medikamentöse Behandlung mittels „Kortison-Stufenschema“ über ca. 3 Wochen. Erst nach Abschluss dieses Stufenschemas empfehlen wir die Aufnahme der passiven Physiotherapie im schmerzfreien Bereich.

Gelenkkapsel arthroskopisch (geschlossen) gezielt durchtrennt werden. Bereits am Tag der Operation muss der Arm in lokaler Betäubung nach der Operation unter physiotherapeutischer Anleitung bewegt werden. Mit Eintritt der Arbeitsfähigkeit ist in der Regel auch die Wiederaufnahme der Freizeitaktivitäten möglich.

Schulterinstabilität

Es gibt die angeborene, so genannte habituelle Instabilität und die chronisch-traumatische Instabilität. Bei einer eingetretenen Luxation steht der Oberarmkopf unterhalb der Gelenkpfanne und muss wieder eingerenkt (reponiert) werden. Im Anschluss wird ein physiotherapeutisches Übungsprogramm absolviert mit dem Ziel der muskulären Stabilisierung des Gelenkes.

Zeigt sich bei den Voruntersuchungen ein abgelöstes Labrum (Gelenklippe) ohne wesentliche Kapselverletzung, so ist eine Refixierung des Labrums an den Pfannenrand mittels Knochenankern möglich. Hierbei wird die abgelöste Gelenklippe (Labrum) mit dem Kapselbandapparat in ihrer ursprünglichen Position fixiert.

AC-Gelenksverletzungen

Im Schultereckgelenk artikuliert das Schlüsselbein mit dem Schulterdach. Im Rahmen von Verletzungen des Schultereckgelenkes (AC-Gelenk) kann es zur Beschädigung der stabilisierenden Strukturen kommen. Bei kompletten Rupturen des stabilisierenden Bandapparats empfiehlt sich die operative Versorgung. Hierbei wird das Schlüsselbein arthroskopisch-assisiert am Rabenschnabel fixiert.

In den ersten 6 Wochen postoperativ wird der Arm in einem Abspreizkissen ruhig gestellt. Anschließend wird unter physiotherapeutischer Aufsicht graduell der Bewegungsumfang gesteigert.

Medikamentöse Unterstützung und Physiotherapie

Für einen schmerzfreien bzw. schmerzarmen postoperativen Verlauf ist es sehr wichtig, regelmäßig für den gesamten empfohlenen Zeitraum die im Entlassungsbrief verordneten Medikamente einzunehmen. Grundsätzlich ist in der Schulterrehabilitation der manuelle Einsatz erfahrener Therapeuten unverzichtbar.

Es ist ebenso ausgesprochen wichtig, täglich selbst (zwei bis drei mal ca. 10 - 15 Minuten) die Ihnen gezeigten Übungen mit dem Seilzug bzw. der Übungsstange durchzuführen. Beachten Sie die Schmerzgrenze. Üben Sie unterhalb der Schmerzgrenze. Trainieren Sie nicht zu lange, denn dies überreizt die Schulter und wirft Sie ggf. zurück.

Allgemeine Hinweise nach Schulteroperationen

Eine Schulterimmobilisationsbandage wird immer nach einer Schulter-Operation angelegt. Wenn Sehnen nicht genäht wurden kann die Schulterbandage, nach ein paar Tagen (ca. drei bis sechs Tage nach OP), tagsüber weglassen und den Arm und die Schulter bis zur Schmerzgrenze bewegt werden. Sie sollten die Schulterbandage auf jeden Fall zur Nacht oder beim Schlaf tragen.

Es ist sehr wichtig, die Abduktionsschiene konsequent und ständig bis zum individuell festgelegten Zeitpunkt zu Tragen (ca. sechs bis acht Wochen nach OP). Sofern nicht anders besprochen erfolgt die Entfernung der Hautfäden 14 Tage nach OP.

Nach erfolgreicher Schulteroperation und entsprechender Rehabilitation sollten alle Sportarten wieder möglich sein. Im Einzelfall kann es Einschränkungen geben. Durch gezielte und moderate Beanspruchung der Schulter erreichen Sie einen guten Muskelaufbau und eine Verbesserung der Beweglichkeit. Wichtig ist dabei die langsame Steigerung der Belastung. Alle Sportarten die eine kontinuierliche Bewegung der Schulter anstatt ständig wechselnder Spitzenbelastungen erfordern, sind grundsätzlich günstig.

Schulterprothese

Die Schulterprothese ersetzt geschädigte Gelenkflächen im Schultergelenk (Glenohumeralgelenk). Die Auswahl des Prothesenmodells - Totalendoprothese (TEP) oder Teilprothese (Hemiprothese) - richtet sich nach Ausmaß und Ort der Schädigung im Bereich von Schulter und Rotatorenmanschette.

Die Implantation einer Schulterprothese ist sinnvoll, wenn der Gelenkverschleiß (Schulterarthrose) oder die Schädigung des Schultergelenks so weit fortgeschritten sind, dass konservative Therapien und gelenkerhaltende Operationen der Schulter erfolglos bleiben.

Je nach Schweregrad der Schädigung des Schultergelenks steht den Patienten nach dem Klinikaufenthalt eine Anschlussheilbehandlung zur Steigerung der Beweglichkeit und Alltagstauglichkeit in einer dafür vorgesehenen Reha-Klinik oder eine ambulante wohnortnahe Reha zu. Unsere Patienten erreichen durchschnittlich drei Monaten nach der Operation eine alltagstaugliche Beweglichkeit.

Sportarten mit Sturzgefahr sollten die Patienten vermeiden. Günstige Bewegungen sind kontinuierlich und fließend. Schulterfreundliche Sportarten sind beispielsweise Schwimmen, Wandern, Tanzen, Nordic Walking und Joggen.

Fallbeispiel: Triathlon nach Schulter-/Ellenbogenfrakturen

Ein beeindruckendes Beispiel für die erfolgreiche Rehabilitation nach schweren Verletzungen ist Peter Rudolph, der nach einem Fahrradsturz mit komplexen Verletzungen im Bereich der oberen Extremitäten innerhalb von vier Monaten an der IRONMAN-WM teilnahm. Durch zeitnahe korrekt-anatomische Einrichtung und stabile Fixierung der Brüche sowie ein sehr gutes Körpergefühl und muskuläres Training konnte er die postoperative Therapie optimal nutzen.

Er begann frühzeitig mit der stationären Physiotherapie und setzte diese ambulant fort. Erste vorsichtige Radfahrversuche auf der Rolle erfolgten nach ca. 6 Wochen. Wichtig war, intensiv auf die Körpersignale zu hören und bei Überlastung sofort abzubrechen.

Zusammenfassung und Empfehlungen

Wann kann man nach einer Ruptur der Rotatorenmanschette mit dem Radfahren warten? Dr. Christian Merkl empfiehlt, dass wenn es keine Komplikationen gibt, sollten Sie drei Monate nach der Operation durchaus wieder auf dem Rennrad sitzen können.

Die Entscheidung, wann Sie nach einer Schulteroperation wieder mit dem Radfahren beginnen können, sollte in enger Absprache mit Ihrem Arzt und Physiotherapeuten getroffen werden. Achten Sie auf Ihren Körper, überlasten Sie sich nicht und steigern Sie die Belastung langsam und kontinuierlich. Eine erfolgreiche Rehabilitation ist der Schlüssel zur Wiederherstellung Ihrer vollen Funktionsfähigkeit und zur Rückkehr zu Ihren sportlichen Aktivitäten.

Operation/Zustand Ruhigstellung Physiotherapie Sportartspezifisches Training (Radfahren) Arbeitsfähigkeit (Büro) Arbeitsfähigkeit (körperlich schwer)
Rotatorenmanschettenrekonstruktion 3 Wochen (Abspreizkissen) Intensiv, phasenangepasst Ca. 3 Monate (Muskellappenplastik: 6 Monate) Ca. 6 Wochen Volle Rehabilitationszeit
Bizepssehnen-Tenodese/SLAP-Repair 3 Wochen (Abspreizkissen) Frühzeitig, keine Bizepsanspannung für 6 Wochen Individuell, nach 10-12 Wochen 3-6 Wochen Individuell
Impingement-Syndrom (Dekompression) Schmerzfreier Bereich Ab Tag 1 Mit Eintritt der Arbeitsfähigkeit 3-4 Wochen Verlängerte Rehabilitationsphase
Kalkschulter (Entfernung) Schmerzfreier Bereich Ab Tag 1 Mit Eintritt der Arbeitsfähigkeit 3-4 Wochen Verlängerte Rehabilitationsphase
Schultersteife (arthroskopische Lösung) Frühe Mobilisierung Ab Tag 1 Mit Eintritt der Arbeitsfähigkeit 3-4 Wochen Verlängerte Rehabilitationsphase
AC-Gelenksverletzungen (OP) 6 Wochen (Abspreizkissen) Graduelle Steigerung Individuell Individuell Individuell

Verwandte Beiträge:

Kommentar schreiben

Kommentare: 0