ABS beim Motorrad: Ja oder Nein? Eine umfassende Betrachtung

Immer mehr Biker interessieren sich für Motorräder mit ABS. Experten begrüßen diesen Trend und betonen die Bedeutung eines Antiblockiersystems bei Zweirädern.

Was ist ABS und wie funktioniert es?

ABS steht für Antiblockiersystem. Es verhindert das Blockieren der Räder bei einer Notbremsung. Dies geschieht durch einen automatischen Bremsdruckabbau, bis sich die Räder wieder drehen können. Anschließend wird der Druck wieder aufgebaut.

An einer Zahnscheibe in Bremsscheibennähe wird mittels Induktionsgeber an jedem Rad die Raddrehzahl gemessen. Im Falle einer drohenden Radblockade wird mittels Sensoren ein steiler Abfall der Radumfangsgeschwindigkeit erkannt. Die umfangreiche Signalverarbeitung erfolgt in einer zentralen Steuereinheit mit bis zu 3000 Impulsen pro Sekunde. Im Regelbereich des ABS spürt man die Aktivität des ABS durch ein Pulsieren im Hand- bzw. Fußbremshebel.

Unterschiede zum PKW

Der entscheidende Unterschied zum PKW liegt im Zweck: Beim PKW geht es primär um Bremsweg, beim Motorrad um die Reduktion der Sturzgefahr, besonders wenn das Vorderrad blockiert.

Gesetzliche Bestimmungen

Seit dem 1. Januar 2016 schreibt die EU-Verordnung 168/2013/EU für neu zugelassene Krafträder über 125 cm³ Hubraum und über 11 kW Leistung serienmäßig ABS vor. Ausnahmen gelten für Wettbewerbs-Enduros und Trialmaschinen. Für die Erstzulassung traten die neuen Vorschriften am 1. Januar 2017 in Kraft.

Vorteile von ABS

  • Erhöhte Sicherheit: Laut ADAC Unfallforschung könnten 21 Prozent aller Motorradunfälle verhindert werden, wenn die Bikes mit ABS ausgestattet wären.
  • Verhinderung von Alleinunfällen: Laut ADAC wären 45 Prozent aller Unfälle, in die nur ein Motorrad involviert war, mit ABS gar nicht erst passiert.
  • Fahrzeugstabilität: ABS garantiert die Fahrzeugstabilität, die der Fahrer ohne ABS am Motorrad selbst wiederherstellen muss, indem er die Bremse löst und neu anlegt.
  • Fehlerverzeihung: ABS verzeiht Fehler, bei denen sich Nicht-ABS-Fahrer eventuell hingelegt hätten.

Nachteile und Kritik

  • Kostenfrage: ABS ist (noch) eine Kostenfrage. Gerade unter den etwas betagteren Liebhabermodellen ist mit ABS nicht zu rechnen.
  • Eingriffe in Kurven: Problematisch kann ein ABS in der Kurve dann werden, wenn es dort eingreift, wo es der Fahrstabilität halber nicht eingreifen sollte.
  • Überkompensation: Es wird vermutet, dass Fahrer mit ABS den potenziellen Sicherheitsgewinn durch sorglosere Fahrweise überkompensieren.

Die Meinung der Biker

Viele alteingesessene Biker halten die Forderung nach ABS für zu übertrieben. Sie behaupten, sie hätten ihre Maschine gut im Griff und genügend Erfahrung, um auch in heiklen Situationen die Kontrolle zu behalten. Andere Biker, die für gewöhnlich am Wochenende ihren Cruiser aus dem Schuppen holen, um gemächlich über die Landstraße zu tuckern, behaupten, bei ihrer relaxten Fahrweise würden sie ohnehin nie ABS benötigen.

Harley-Sprecher Rudi Herzig sagt: "Viele haben ABS nie erfahren und vermissen es daher nicht. Wer aber einmal die Vorzüge beim Fahren erlebt hat, nimmt sie gerne an."

Weiterentwicklung: Kurven-ABS

Durch neue kurventaugliche Antiblockiersysteme soll das Bremsen in Kurven sicherer werden. Der ADAC hat kürzlich drei Motorräder, die mit der aktuellen Technik ausgerüstet sind (BMW S 1000 XR, Ducati Multistrada 1200 S und KTM 1290 Super Adventure) auf Herz und Nieren geprüft und den Ernstfall in Schräglage getestet. "Die Systeme haben extrem gut reagiert", sagt Helmut Klein.

ABS für Fahranfänger

Für Anfänger sollte ABS Pflicht sein, denn in einer Notsituation führt der erste Instinkt meist dazu, mit ganzer Kraft in die Bremse zu greifen. Mit ABS bleibt das Fahrzeug kontrollierbar, wobei auch ein Ausweichmanöver noch möglich ist.

Alternativen und Empfehlungen

Wenn man sich kein Motorrad mit ABS leisten kann, sollte man regelmäßig das Bremsen trainieren und Abstand halten. Dazu habe ich den Vorteil, daß ich mich mittlerweile sehr stark der Marke von 200.000 Kilometern an Verkehrserfahrung annähere und es mir daher leichter fällt, das Entwicklungspotential einer Situation einzuschätzen.

Wichtig ist auch eine anständige Technik beim Bremsen! Wer sich nicht traut zuzuziehen ist mit Abs genauso verloren.

Zusammenfassung der wichtigsten Punkte

Die folgende Tabelle fasst die wichtigsten Argumente für und gegen ABS zusammen:

Argumente für ABS Argumente gegen ABS
Erhöhte Sicherheit und Unfallvermeidung Höhere Kosten
Fahrzeugstabilität und Kontrollierbarkeit Mögliche Eingriffe in Kurven
Fehlerverzeihung und Unterstützung in Notsituationen Vermutete Überkompensation durch Fahrer
Gesetzliche Vorschrift für Neuzulassungen Weniger Auswahl bei älteren Modellen

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