ABS Nachrüsten am Motorrad: Machbarkeit, Kosten und Überlegungen

Das Thema ABS-Nachrüstung bei Motorrädern ist komplex und wirft viele Fragen auf. Grundsätzlich ist eine Nachrüstung möglich, jedoch mit erheblichem Aufwand und Kosten verbunden. Es gibt verschiedene Aspekte zu berücksichtigen, von der technischen Machbarkeit bis hin zu den rechtlichen Konsequenzen.

Technische Aspekte der ABS-Nachrüstung

Im Prinzip ist es nicht schwer, ein ABS nachzurüsten. Alles bis auf die Elektronikgeschichte ist machbar. Bei der Nachrüstung eines ABS-Systems sind folgende Komponenten erforderlich:

  • ABS-Steuergerät
  • ABS-Druckmodulator (HECU)
  • ABS-Sensoren vorne und hinten
  • ABS-Sensorringe vorne und hinten
  • Neue Bremsleitungen
  • Kabelbaum
  • Kontrollleuchte
  • Eventuell ein Ausschalter

Die größte Herausforderung besteht darin, die Komponenten zu beschaffen, den passenden Platz dafür zu finden und die Elektronik korrekt anzuschließen. Auch die Impulsringe müssen an den Felgen befestigt werden, wobei die Einstellung der Sensoren mittels Ausgleichsscheiben erfolgen kann. Es sind ja nicht nur die Teile, danach muss das beim TÜV abgenommen und eingetragen werden.

Einige spezifische technische Herausforderungen umfassen:

  • Kompatibilität: Die Teile von verschiedenen Motorradmodellen sind möglicherweise nicht kompatibel.
  • Platzierung: Der ABS-Modulator und das Steuergerät benötigen ausreichend Platz am Motorrad.
  • Elektronik: Der Kabelbaum muss angepasst und die ABS-Kontrollleuchte integriert werden.
  • Räder und Bremsen: Eventuell sind andere Felgen und Bremsscheiben erforderlich, um die ABS-Sensorringe aufzunehmen.

Für so ein Projekt muss aber auch der Markt vorhanden sein, da man sonst die Kosten für den TÜV usw. nicht wieder einfährt.

Kosten einer ABS-Nachrüstung

Die Kosten für eine ABS-Nachrüstung können stark variieren, abhängig vom Motorradmodell, den verwendeten Teilen und dem Arbeitsaufwand. Allerdings kann das auch schnell mal ins 4-stellige gehen. Hier ist eine Aufschlüsselung der potenziellen Kosten:

  • Teile: Die Kosten für die einzelnen ABS-Komponenten können mehrere hundert bis über tausend Euro betragen.
  • Arbeitsaufwand: Der Einbau des ABS-Systems kann mehrere Stunden dauern, was sich in den Arbeitskosten bemerkbar macht.
  • TÜV-Abnahme: Die Abnahme und Eintragung des ABS-Systems durch den TÜV verursacht zusätzliche Kosten.

Einige Beispiele für Einzelkosten (diese können jedoch variieren):

  • ABS mit Schläuchen und Leitungen, Sensoren, Bremsträger hinten, Sensorringen, Schrauben: ca. 96€
  • Kühlwasserausgleichbehälter: ca. 15€
  • Innenkotflügel hinten: ca. 50€
  • Batteriehalter: ca. 10€
  • Bremsschlauch und Sensorhalter vorne: ca. 40€
  • Reglerhalter + Schaltereinheit rechts (Warnblinker): ca. 30€
  • Halter für Sensor vorne (Neuteil): ca. 25€
  • Hauptkabelbaum inkl. aller Relais und Sicherungsdosen: ca. 102€
  • Felgen abdrehen lassen für Sensorringe: ca. 30€
  • Kleinmaterial: ca. 10€

Zusätzlich zu den Materialkosten können noch Kosten für die Bearbeitung der Felgen oder andere Anpassungsarbeiten anfallen. Bedenke, dass dies keine fixen Preise sind, die Materialien muss man sich erstmal unabhängig beschaffen. Über Bucht, mobilede usw. Ausgeschlachtete ABS-Maschinen gibt es nicht wie Sand am Meer.

Rechtliche Aspekte und TÜV-Abnahme

Eine ABS-Nachrüstung muss vom TÜV abgenommen und in die Fahrzeugpapiere eingetragen werden. Dafür ist es wichtig, VORHER abzuklären, ob Du jemanden findest, der Dir das auch einträgt. Der Richter im Strafverfahren nach einem Unfall mit erloschener BE bestimmt auch!

Der TÜV prüft, ob das ABS-System ordnungsgemäß funktioniert und ob alle Komponenten den Sicherheitsstandards entsprechen. Ohne die Eintragung in die Fahrzeugpapiere erlischt die Betriebserlaubnis des Motorrads.

Bei der TÜV-Abnahme sind folgende Punkte zu beachten:

  • Herstellerbescheinigung: Eine Unbedenklichkeitsbescheinigung des Herstellers kann hilfreich sein.
  • Fachgerechter Einbau: Der Einbau muss fachgerecht erfolgen, idealerweise durch eine Fachwerkstatt.
  • Funktionsprüfung: Das ABS-System muss einwandfrei funktionieren.

Es ist möglich, dass die Varianten mit und ohne ABS eine unterschiedliche ABE als Baumusterprüfung haben bzw. Eine PC38NA ist dann eben keine PC38N mit ABS.

Sicherheitsaspekte und Fahrverhalten

Ein ABS kann die Sicherheit beim Motorradfahren deutlich erhöhen. Es verhindert das Blockieren der Räder bei einer Notbremsung und ermöglicht es dem Fahrer, das Motorrad weiterhin zu lenken. Allerdings sollte man sich nicht blind auf das ABS verlassen. Ein geübter Motorradfahrer bekommt auf trockener Fahrbahn sogar den geringeren Bremsweg hin.

Es ist wichtig, das Bremsen mit ABS zu üben und sich mit dem System vertraut zu machen. Bestmögliche Bremsleistung erzielt man auch mit ABS nur, wenn man kurz vor den Regelbereich kommt. Auf Nachfrage, warum jetzt ein anderes Vorgehen besser sein soll, heiß es einfach und, wie ich finde- auch nachvollziehbar-, dass man eben nicht mehr voll "reingreift", sondern auch sich da rantastet (Übungssache). Schon beherzt mit hartem Druck gleichmäßig steigernd bremsend und erst dann voll zuziehen (sehr wichtig!) um später in den Regelbereich zu kommen.Grund? Geht das ABS zu früh in den Regelbereich, dann verschenken wir wertvolle Bremsenergie, nicht nur auf den ersten Metern sondern vorallem danach.

Einige wichtige Punkte zum Fahrverhalten mit ABS:

  • Übung: Regelmäßiges Üben des Bremsens mit ABS ist wichtig.
  • Anpassung: Das Bremsverhalten mit ABS unterscheidet sich von dem ohne ABS.
  • Grenzen: Auch mit ABS gibt es physikalische Grenzen.

Ein Serienfederbein mit knapp 30.000 km hätte ich auch noch rumliegen. Meins hat auch nach knapp 20.000 km die Grätsche gemacht.

Alternativen zur ABS-Nachrüstung

Bevor man sich für eine ABS-Nachrüstung entscheidet, sollte man auch die Alternativen in Betracht ziehen. Die einzige vernünftige Möglichkeit besteht darin, das ganze Moped zu tauschen - nicht nur Teile der Bremse. Im übrigen sollte jeder der ABS will mal überlegen, ob es nicht besser wäre eine Neuere zu erwerben. Die Preise sind doch recht günstig und bei dem was der Umbau kosten würde ist das sicher eine Überlegung wert.

Eine weitere Alternative ist der Kauf eines neueren Motorrads mit serienmäßigem ABS. Dies ist oft die wirtschaftlichere und sicherere Lösung.

Fazit

Die ABS-Nachrüstung bei Motorrädern ist ein komplexes Thema, das sowohl technische als auch finanzielle und rechtliche Aspekte umfasst. Bevor man sich für eine Nachrüstung entscheidet, sollte man alle Vor- und Nachteile sorgfältig abwägen und die Alternativen in Betracht ziehen. Es ist ratsam, sich von Fachleuten beraten zu lassen und die TÜV-Abnahme im Vorfeld zu klären.

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