Fahrraddiebstahl ist ein weit verbreitetes Problem, und die Wahl des richtigen Fahrradschlosses ist entscheidend, um Ihr Fahrrad zu schützen. In diesem Artikel finden Sie alle Testsieger und Empfehlungen aus den einzelnen Artikeln.
Testmethoden und Sicherheitsstandards
Für unseren Test haben wir über 150 Fahrradschlösser mit Seitenschneider, Stahlsäge, Bolzenschneider und Winkelschneider malträtiert. Fahrradschlösser, die innerhalb dieser Zeit nicht zu knacken sind, gelten als sicher.
Als Gütekriterium gilt, dass ein Fahrradschloss unter Laborbedingungen drei Minuten lang Angriffe überstehen können muss. Das hat der ADFC (Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club e. V.) in seinen Normen festgelegt.
Unsere bevorzugte Bauweise sind leichte Panzerkabelschlösser, die nur mit einer Kombination aus Seiten- und Bolzenschneider zu öffnen sind. Bügel- und Faltschlösser sind zwar noch aufbruchssicherer, im Alltag aber nicht immer praktisch.
Um ein Schloss zu öffnen, gibt es für Diebe prinzipiell zwei Möglichkeiten: rohe Gewalt oder Köpfchen und Fingerspitzengefühl. Fahrradschlösser werden in aller Regel entweder durch Pins oder Scheibenzylinder verriegelt.
Je nach Material und Dicke des Fahrradschlosses kann man ihm mithilfe von Bohrern, Brecheisen, Sägen, Hämmern, Schweißbrennern, Seiten- oder Bolzenschneidern auf den Leib rücken. Spätestens bei einem Winkelschleifer, umgangssprachlich »Flex« genannt, kapituliert am Ende fast jedes Schloss - es dauert nur unterschiedlich lange.
Selbst das beste Schloss kann keine hundertprozentige Sicherheit garantieren.
Empfehlungen und Testsieger
Panzerkabelschlösser
Das Panzerkabelschloss ist ein ernstzunehmender Widersacher, nur mit viel Mühe zu öffnen und trotz seiner Länge relativ leicht.
Das Panzerkabelschloss Abus Ivera Steel-O-Flex 7200 ist für uns für die meisten Fahrradfahrer ganz klar die beste Wahl. Wir konnten es zwar knacken, der dazu nötige Aufwand war aber beachtlich. Das Abus Ivera Steel-O-Flex 7200 stellt eine echte Herausforderung für Gelegenheitsdiebe dar - ohne eine umfangreiche Werkzeugausstattung ist es kaum zu knacken. Mit einem einzigen Werkzeug kommt man hier nicht weit.
Um das Innenleben freizulegen, mussten wir zunächst einmal durch das Textil kommen. Unter dem Textil kam eine Art Gummischlauch zum Vorschein. Mit dem Bolzenschneider konnten wir die Stahlhülsen zerquetschen, darunter kam schlussendlich das Stahlkabel zum Vorschein, das man mit viel Gefummel dann wiederum mit dem Seitenschneider durchtrennen konnte.
Die Ausstattung des schwarz-blau gestreiften Panzerkabelschlosses ist leider etwas mager; es liegen nur zwei Schlüssel bei und keiner der beiden hat eine LED. Unschön finden wir auch, dass das Ivera Steel-O-Flex 7200 keinen Staubschutz hat - selbst die billigsten Schlösser von No-Name-Herstellern verfügen meist mindestens über einen manuellen Schieber.
Den Testsieg bekommt das Ivera Steel-O-Flex 7200, weil es im Gegensatz zu allen anderen aufbruchssicheren Schlössern im Test sehr leicht und gut zu handhaben ist. Es ist zwar nicht ganz so flexibel wie ein Ketten- oder Kabelschloss, kommt dem aber sehr nah. Außerdem ist es lang genug, dass man sein Fahrrad überall ansperren kann.
Bügelschlösser
Bügelschlösser gelten allgemein als die stabilste Bauform.
Wer auf höchste Sicherheit setzt, aber nicht tief in die Tasche greifen will, ist mit dem Bügelschloss Abus Granit XPlus 540 bestens beraten. Der massive Stahlbügel widersteht selbst den stärksten Bolzenschneidern, während die XPlus-Schließtechnik unter Profis als nahezu unmöglich zu knacken gilt.
Hier beißt man auf Granit: Das Schloss ist mit gängigen Mitteln nicht zu überwinden.
Mit XPlus bezeichnet Abus eine Verriegelung, die praktisch unüberwindbar ist. Sogar gegen Winkelschleifer ist das Granit XPlus 540 relativ gut aufgestellt.
Seinem Eliteschloss hat Abus eine Halterung und einen Staubschutz spendiert, der das Schlüsselloch nach dem Herausziehen des Schlüssels automatisch verschließt.
Faltschlösser
Das Abus Bordo ist ein Klassiker und ein Musterbeispiel eines Faltschlosses.
Faltschlösser gelten oft als weniger sicher, doch Abus beweist mit dem Bordo 6000K das Gegenteil. Dieses Modell, das die Nachfolge des bewährten Bordo 6000 antritt, überzeugt mit erstklassiger Verarbeitung und außergewöhnlich hartem Stahl.
Trotz der vergleichsweise dünnen Faltglieder konnte es unseren Angriffen lange standhalten.
Faltschlösser haben im Gegensatz zu Bügelschlössern eine scheinbar offensichtliche Schwachstelle: die Verbindungen ihrer Gelenke. Dieser Schwachpunkt ist aber nicht bei allen Kandidaten gleichermaßen gegeben.
Kettenschlösser
Für Radfahrer, die Kettenschlösser unhandlich finden, bietet das Hiplok Gold eine geniale Lösung. Wie der Name vermuten lässt, kann man es während der Fahrt bequem um die Hüfte tragen.
Die robuste Stahlkette im Inneren stellt sich als extrem widerstandsfähig heraus und widersteht selbst hartnäckigen Angriffen.
Smarte Schlösser
Smarte Fahrradschlösser klingen verlockend, aber der Teufel steckt im Detail: Sie benötigen als Stromversorgung einen Akku, der geladen werden will, und die Verbindung zum Handy klappt nicht immer zuverlässig, da ist ein klassischer Verschlussmechanismus mit Schlüssel oder Zahlenkombination oft praktischer.
Lärm als Diebstahlschutz
Neben physischer Barrierewirkung kann Lärm ein effektives Mittel gegen Fahrraddiebstahl sein. Das Olympia S 200 setzt genau hier an: Mit einer Sirene, die satte 90 Dezibel erreicht, dürfte es die meisten Diebe in die Flucht schlagen.
Weitere Aspekte
Gewicht vs. Sicherheit
Dass besonders enthusiastische Pedalisten zum Teil mehrere Kilogramm schwere Stahlbügel durch die Gegend bugsieren, geschieht nicht ohne guten Grund, denn als Faustregel lässt sich festhalten: Je schwerer ein Schloss ist, desto mehr hält es aus. Abgesehen davon geht es aber auch um die Sicherheit des Schließmechanismus.
Schließmechanismen: Schlüssel vs. Zahlenkombination
Ob Sie Ihr Fahrrad lieber per Zahlenkombination oder einem herkömmlichen Schlüssel öffnen möchten, ist in erster Linie Geschmacksache. Schlüssel können anders als Zahlen nicht erraten werden und es kann Ihnen auch niemand heimlich über die Schulter gucken.
Solange Sie Ihren Schlüssel bei sich haben, können Sie sich relativ sicher sein, dass kein Mensch in Ihrer Abwesenheit das Schloss öffnen kann. Auf der anderen Seite kann man Schlüssel verlieren.
Mit Zahlenschlössern hat man diese Probleme nicht. Zwar kann sich auch zwischen den Zahlenwalzen Schmutz ansammeln, ein vollständiges Blockieren ist aber unwahrscheinlicher. Blöd ist nur, wenn man das Schloss eine Weile lang nicht benutzt und die Nummer vergisst - wo man die Ersatzschlüssel wiederfinden könnte, stellt einen eine verlorene Kombination vor Probleme.
Tatsächlich kann man bei günstigen Modellen mit viel Fingerspitzengefühl die Kombination herausfinden. In der Praxis spielt das aber keine Rolle.
Bei den meisten Zahlenschlössern kann - und sollte - man die Kombination übrigens ändern. Das klappt aber nur, wenn das Fahrradschloss schon geöffnet ist.
Tipps zur Diebstahlprävention
Trotzdem können Sie noch mehr tun, als ein teures Schloss zu kaufen und zu hoffen, dass niemand schafft, es zu knacken.
- Immer anschließen: Das beste Schloss nutzt nichts, wenn man es mitsamt dem Fahrrad einfach wegtragen und in einen Transporter werfen kann. Schließen Sie es deshalb immer an einem feststehenden, unbeweglichen Gegenstand fest, der so hoch ist, dass man es nicht einfach darüberheben kann.
- Immer umschauen: Nach Möglichkeit sollte Ihr Fahrrad so sichtbar wie nur irgendwie möglich sein. Belebte Plätze und Einkaufsstraßen eignen sich besser als halbdunkle Seitengassen, in denen ein Dieb viel Zeit hat, um unbeobachtet sein Werkzeug auszupacken.
- Durch und durch: Achten Sie darauf, dass das Schloss immer durch den Rahmen und nach Möglichkeit noch eins der Räder geht. Besonders die Vorderräder lassen sich nämlich leicht abmontieren und der Rest des Fahrrads mitnehmen.
- Doppelt hält besser: Wenn Sie Ihr Fahrrad über Nacht draußen stehen lassen, sichern Sie es am besten mit zwei verschiedenen Schlosstypen. Diebe spezialisieren sich oft nur auf einen davon und schleppen für den anderen kein geeignetes Werkzeug mit sich herum.
Testergebnisse der Stiftung Warentest
Die Stiftung Warentest hat 19 aktuelle Fahrradschlösser unter die Lupe genommen - mit ernüchterndem Ergebnis. Einige fielen durch deutliche Schwächen auf.
Das Abus Granit Super Extreme 2500 ist das einzige Schloss im Test, das die Note „sehr gut“ (1,2) erhalten hat. Es kostet rund 270 Euro und überzeugt vor allem durch hohe Aufbruchsicherheit (Bestnote: 0,5) und sehr gute Haltbarkeit (1,0).
Ebenfalls einen Blick wert, aber deutlich günstiger ist das Decathlon Kettenschloss 920 Art3. Es erhielt die Note gut (1,6) und kostet rund 60 Euro.
Am anderen Ende der Skala landet das Burg-Wächter 1580 HB 165/200 mit der Note mangelhaft (5,5). Es kostet rund 30 Euro und hat massive Schwächen. Besonders problematisch: Es enthält den Weichmacher DIBP in einer Menge, die über dem EU-Grenzwert liegt.
Fahrradschloss-Typen
Fahrradschlösser gibt es in verschiedenen Bauarten, die sich in Sicherheit und Handhabung unterscheiden.
- Bügelschlösser: sind besonders widerstandsfähig, da ihr massiver Metallbügel nur schwer zu durchtrennen ist. Sie lassen sich kompakt transportieren, sind aber wenig flexibel in der Verbindung.
- Kettenschlösser: bieten mehr Spielraum, da sie um größere Gegenstände gelegt werden können.
- Faltschlösser: sind handlich und platzsparend, da sie sich kompakt zusammenklappen lassen.
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