E-MTB-Tour Achensee: Umrundung der Guffertspitze

Die Gegend rund um den Achensee schreit förmlich nach dem E-Bike. Die Touren-Klassiker beinhalten die Runde um den Guffert. Seine 2194 Meter hohe Spitze ist sogar von München aus zu sehen.

Das Feine an den Blaubergen: Sie sind deutlich verkehrsberuhigter als der bekannt-überlaufene Nachbar auf der anderen Seite des Achensees, das Karwendel. Gerade jetzt im Herbst. Die Blauberge bilden einen natürlichen Sperrriegel zwischen Bayern und Tirol. Sie sind aber zugegebenermaßen weit weniger spektakulär als die Felswände im Karwendel. Macht aber nichts! Im Gegenteil. Zum Saisonfinale wollen wir drei ein tiefenentspanntes E-Bike-Wochenende verbringen. Ohne Wanderer-Slalom und Wartezeiten an den Ladestationen, sondern mit Alm-Cruisen, Ratschen, Schlemmen und Ruhegenießen.

Los geht’s in Achenkirch. Mein Kumpel Appi fackelt nicht lange, spielt kurzerhand den Einheimischentrumpf aus und fragt die Dame an der Kasse von Spar im tiefsten Tiroler Aborigines-Slang, ob wir unser Auto über Nacht auf dem Parkplatz stehen lassen können. Wir können. Also schnell Übernachtungskram packen, Hüttenschlafsack und Ladegerät für den Akku nicht vergessen - und schon rollen wir Richtung Achenwald.

An diesem Freitagnachmittag Anfang Oktober bläst der warme Föhnwind allen Alltagsstress über die Achenseewellen hinab ins Inntal. Wir nehmen die andere Richtung. Blauberge, wir kommen! Das Beste am E-MTB ist ja, dass man auch bergauf noch ratschen kann. So merke ich gar nicht, wie schnell wir die gut 600 Höhenmeter durch den goldfarbenen Herbstwald hinauf zur Blaubergalm hochfliegen. Die Hüttenwirtin begrüßt uns herzlich - und mit einem interessanten Slang. „Niederländerin, nicht Holländerin“, verbessert sie mich und lacht. Die Hütte platzt schier vor lauter Nippes und Krimskrams. Ich erstehe ein Paar Kaminwurzen, die über dem Kachelofen hängen. Man weiß ja nie, was so ein Touren-Tag noch bringt.

Nach diesem Einkehrschwung heißt es: Endspurt zur Gufferthütte. Die Gufferthütte hat ihren Namen von der Guffertspitze geerbt, die uns mit ihren 2195 Metern Höhe die Sicht aufs Rofangebirge versperrt. Die Sonne hängt derweil bereits tief über dem zackigen Karwendel-Horizont. Zeit fürs Abend­essen! Was sofort auffällt: Durch die Gufferthütte weht der pragmatische Wind der Sechziger-Jahre. 1957 abgebrannt, musste sie anschließend komplett neu aufgebaut werden. Doch Hüttenwirtin Kathleen Beutmann und ihr Team schaffen mit viel Liebe und Herzblut eine Bergheimat für eine Nacht, in der man sich sofort wohlfühlt. Der Gastraum ist übersichtlich, das Abendessen ausgesprochen fein. Kein 08/15-Hütten-Einerlei. Man schmeckt, dass hier mit Herz und hochwertigen Zutaten gekocht wird. Und wenn die Hütte fernab vom Schuss liegt, ist es umso ehrenwerter, auf regionale Lieferanten zu setzen. So wie Kathi. Als Betthupferl gönnen wir uns noch ein Stamperl Zirbenschnaps von einer Edelbrennerei in Maurach am Achensee. Und um Punkt zehn: Licht aus! Wie es sich in einer AV-Hütte gehört. Schließlich wird die Etappe morgen bedeutend länger und anstrengender als heute.

E-MTB-Tour Achensee: Etappe 2 - über Kaiserhaus und Kögljoch zum Achensee

Neuer Tag, neues Touren-Glück! Anders als gestern Abend ist es um neun Uhr morgens ziemlich frisch. Also lang-lang angelegt, denn es geht erst flott bergab, bevor wir im Nordwald hoch zum Gipfel des Abendsteins hochschnurren werden. Ich muss an dem bewirtschafteten Forsthaus meinen Akku laden. Das kommt davon, wenn man den Schlüssel fürs Akku-Fach nicht dabei hat. Und die Bikes an der Gufferthütte leider draußen bleiben müssen. Eine Stunde und ein paar Kaffees später bin ich wieder im Spiel. Und es kann weitergehen. Wer in dem winzigen Weiler Pinegg geradeaus bergab schießt, findet sich flugs im Inntal wieder. Wir aber wollen Richtung Rofangebirge, ins Bergsteigerdorf Steinberg. Hierher führt ein breiter, aber ausgesprochen lohnender Fahrweg - schwindelerregend senkrecht über dem Grand Canyon der Steinberger Ache.

Steinberg selbst bietet an diesem Samstagmittag nichts, was unseren Aufenthalt künstlich verlängern könnte. Keine Kneipe. Kein Bäcker. Und das Tourismusbüro hat zu. Aber ein Bub verrät uns, wo sich die Steckdosen für einen letzten Boost verstecken. Und dann: Schnell weiter! Der Achensee ruft. Aber zwischen ihm und uns baut sich das letzte Hindernis auf: das Kögljoch.

Noch ein Déjà-vu: Es muss Anfang der Neunziger gewesen sein, als ich am Achensee die Ausbildung zum Bikeguide gemacht habe. Bei Sport Wöll in Pertisau. Die Erinnerung ist wie ausradiert, nur das Kögl­joch kommt mir irgendwie bekannt vor, als wir über die flache Kuppe rauschen. Da muss ich wohl vor 30 Jahren schon mal gewesen sein. Mit meinem Marin Team Issue. Egal! Tief unter uns glitzert der Achensee verführerisch in der Nachmittagssonne. Und irgendwo hinter dem Berg mit dem eindrücklichen Namen „Vorderunnütz“ sonnt sich die Gufferthütte in der Oktobersonne. Eines ist sonnenklar: Am schönsten sind die Blauberge, wenn sie golden glänzen!

Daten der E-MTB-Hütten-Tour am Achensee:

Etappe Distanz Bergauf Bergab
Etappe 1 - vom Achensee zur Gufferthütte 22,2 Kilometer 889 Höhenmeter 341 Tiefenmeter
Etappe 2 - übers Kaiserhaus und Kögljoch zum Achensee 50,7 Kilometer 1504 Höhenmeter 2052 Tiefenmeter

Info Hütten-Tour Guffert

Anreise mit den Öffis

Weder der Ort Achensee noch Steinberg am Rofan sind per Zug erreichbar. Zielbahnhof ist Jenbach im Inntal. Von München nach Jenbach fährt man nonstop in 1:25 Stunden ab 19,90 Euro einfach. Die Fahrradkarte kostet 9 Euro. Die letzten zwölf Kilometer hoch zum Achensee geht’s dann mit Muskelkraft. Wer mit dem Auto anreist, braucht für die knapp 100 Kilometer von München nach Achenkirch etwa eineinhalb Stunden. Man fährt auf der A8 nach Holzkirchen und via Bad Tölz, Lenggries und Achenpass nach Achenkirch.

Die Unterkunft

Die Gufferthütte ist eine Hütte der DAV Sektion Kaufering. Sie thront auf 1475 Metern Höhe auf der Südseite der Blauberge in Tirol. Hier können 68 Gäste übernachten, in Zwei-, Vier-, Sieben- und Neunbettzimmern oder Schlaflagern. AV-Mitglieder zahlen zwischen 10 und 18 Euro pro Nacht, Nichtmitglieder zwischen 20 und 28 Euro. Die Halbpension mit Frühstück und dreigängigem Abendessen kostet 29,50 Euro. Die Hütte öffnet im Mai und schließt Mitte Oktober. Von Achenwald, Pinegg und Valepp ist sie perfekt per E-MTB erreichbar.

E-Biken in der Region

Wer am Ufer des Achensees steht, hat die Qual der Wahl: nach Westen ins weithin bekannte Karwendel - oder nach Osten Richtung Rofan, Brandenberger Alpen und Blauberge. Die drei kleineren Gebirgszüge werden von Bikern längst nicht so stark frequentiert wie der Nachbar Karwendel. Die Blauberge bilden als südlicher Sperrriegel des Mangfallgebirges die natürliche Grenze zwischen Bayern und Tirol. Die Brandenberger Alpen erreichen an der Guffertspitze (2195 m) ihren Höhepunkt. Südlich des Hochtals von Steinberg strebt das Rofangebirge zackig in den Tiroler Himmel. Das Revier wird von breiten und perfekt geneigten Forststraßen erschlossen, die sich optimal fürs E-MTB eignen. Achtung, in Tirol gilt das Gesetz: Alle Wege und Pfade, die nicht speziell für Mountainbiker ausgeschildert sind, sind offiziell verboten. Das gilt auch für Forststraßen, die von Autos befahren werden dürfen.

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