Achillessehnenschmerzen beim Radfahren: Ursachen, Behandlung und Prävention

Achillessehnenschmerzen sind eine häufige Beschwerde, die viele Sportler betrifft, einschließlich Radfahrer. Die Achillessehne ist die dickste und stärkste Sehne im menschlichen Körper und verbindet die Wadenmuskulatur mit dem Fersenbein. Sie spielt eine entscheidende Rolle bei der Kraftübertragung und ermöglicht uns das Abstoßen, Abrollen und Springen. Ohne die Achillessehne wäre selbst einfaches Gehen eine Herausforderung.

Ursachen von Achillessehnenschmerzen beim Radfahren

Die Reizung der Achillessehne kann auf mannigfache Ursachen zurückzuführen sein. Oft ist eine simple Überlastung des Körpers der Auslöser. Die Überlastungsschäden der Sehne zeigen sich nicht sofort, sondern manifestieren sich erst nach und nach. Als wichtigster Faktor für die Schmerzen werden Überlastungen oder Fehlbelastungen angegeben. Besonders Ausdauer- oder Ballsportarten seien schädlich für die Sehne im Fuß - auch in der Laufpause machten sich die Fersenschmerzen bemerkbar. Dabei komme es auch immer auf die Trainingsintensität und -frequenz an. Oft litten allerdings auch Freizeitsportler, die nur einmal pro Woche trainieren, an Achillessehnenschmerzen nach einer Laufphase. Hier seien besonders männliche Freizeitsportler von 30 Jahren und älter betroffen.

Eine andere weitverbreitete Ursache der Achillessehnenreizung ist eine unflexible und steife Muskulatur. Wenn die Muskulatur der Wade einseitig belastet wird, zum Beispiel durch viel Radfahren mit Klick-Pedalen, kann sich die Achillessehne bei fehlender Gymnastik verkürzen. So steht die Sehne auch im Ruhezustand auf Spannung, was sehr belastend ist. Kommen jetzt noch andere Belastungen hinzu, ist die Achillessehne sofort überbeansprucht und entzündet sich.

Weitere mögliche Ursachen sind:

  • Falsche Pedalstellung: Je weiter vorne die Pedale unter dem Radschuh liegen, vor allem die Click-Pedale der Rennräder oder Mountainbikes, desto größer die Hebelkräfte auf die Achillessehne, desto größer die Gefahr von Achillessehnenschmerzen.
  • Ein zu hoch eingestellter Sattel: Streckst du den Fuß zu stark, wenn du den tiefsten Punkt der Kurbelumdrehung erreichst, sind die Waden ständig kontrahiert und die Sehne überdehnt sich.
  • Verkürzte Wadenmuskeln: Verkürzte Wadenmuskeln können zusätzliche Zugkräfte auf die Achillessehnen bringen und damit zu Mikroverletzungen beitragen.
  • Mechanische Probleme: Ungeeignete Schuhe mit wenig Dämpfung oder unzureichender Stabilität vermögen dich ebenso beim Abrollen des Fußes zu stören. Insbesondere minimalistische Schuhe oder solche mit extrem hohen Absätzen setzen die Achillessehne unnötigem Stress aus. Ähnliches gilt häufig für knöcherne Veränderungen wie eine Haglund-Exostose oder Fersensporn, die deine Sehne mechanisch reizen.
  • Degenerative Prozesse: Mit zunehmendem Alter kann die Achillessehne an Elastizität verlieren und anfälliger für Verletzungen werden. Degenerative Prozesse wie Tendinopathien entstehen durch wiederholte Mikroverletzungen, die nicht vollständig heilen.
  • Verfilzte Faszien: Wir haben die Erfahrung gemacht, dass verfilzte Faszien in deiner Wadenmuskulatur die Sehne permanent unter Zug setzen und so eventuelle Schmerzen fördern.

Symptome einer Achillessehnenreizung

Die Symptome einer ausgewachsenen Achillessehnenreizung sind meist ein diffuser, stumpfer und stechender Schmerz im unteren Wadenbereich sowie am Fersenansatz. Besonders schmerzhaft ist morgens das erste Aufstehen oder die ersten Schritte nach einer längeren Ruhephase. Der Bereich um die Achillessehne ist dann extrem druckempfindlich und kann anschwellen oder erröten. Bei einer stark ausgeprägten Achillessehnenreizung kann die Beweglichkeit im Sprunggelenk extrem eingeschränkt sein.

Weitere typische Symptome sind:

  • Anlaufschmerz: Du kennst es vielleicht - nach dem Aufstehen oder einer längeren Ruhepause bereitet die Achillessehne beim ersten Gehen Schmerzen.
  • Belastungsschmerz: Wenn du sportlich aktiv bist, spürst du den Schmerz meist verstärkt während des Trainings oder danach. Vor allem wiederholte Bewegungen, wie beim Laufen oder Springen, lassen die Sehne schmerzhaft reagieren.
  • Schwellungen: Nach intensiver Beanspruchung kann der Bereich um die Achillessehne anschwellen und sich warm anfühlen.
  • Knirschen oder Reibegeräusche: Ein Reiben oder Knirschen könnte entstehen, wenn das umliegende Gewebe entzündet ist oder Vernarbungen den Gleitvorgang behindern.

Behandlung von Achillessehnenschmerzen

Bleibt die Achillessehnenreizung über einen längeren Zeitraum unbehandelt, kann die Sehne vernarben, was weitere Reizungen und Entzündungen mit sich bringt. Daher sollte mit dieser Laufverletzung keinesfalls leichtfertig umgegangen werden. Eine unbehandelte Achillessehnenreizung kann zu bleibenden Schäden führen. Probleme mit der Achillessehne lassen sich auf unterschiedliche Weise behandeln. In vielen Fällen kann ein konservativer Ansatz helfen, sodass nur in vergleichsweise seltenen Ausnahmefällen operative Eingriffe nötig sind.

Konservative Behandlungsmethoden:

  • Sportpause: Eine kurze Pause von belastenden Aktivitäten kann dazu beitragen, die Reizung zu reduzieren. Verzichte in diesem Fall so weit wie möglich auf Aktivitäten wie Laufen, Springen oder andere Sportarten, die die Sehne stark beanspruchen.
  • Physiotherapie: Ein wichtiger Bestandteil der Rehabilitation sind physiotherapeutische Übungen, insbesondere das sogenannte exzentrische Training.
  • Dehnübungen: Dehnübungen helfen, die Wadenmuskulatur wieder frei zu bekommen. Hierzu stellt man sich mit dem Vorfuß auf eine Treppenstufe und lässt die Ferse vorsichtig nach unten durchsacken. Anschließend langsam nach oben drücken, bis man nur noch auf den Zehenspitzen steht.
  • Kühlen und Wärmen: Zudem hilft es die Achillessehne zu kühlen, da so die entzündeten Bereiche abschwellen können. Auch wenn es verrückt klingt, hilft zusätzlich das Wärmen. Stoffwechselabbauprodukte können so besser abtransportiert werden und die körpereigene Regeneration beschleunigt sich.
  • Faszienbehandlung: Was oft völlig vernachlässigt wird, ist die Plantarfaszie, die eine bedeutende Rolle bei der Achillessehnenreizung spielt. Ebenso wie die Wadenmuskulatur "zieht" die Plantarfaszie an der Achillessehne. Um die Verklebung der Plantarfaszie zu lösen, hilft es, eine Blackroll-Kugel auf den Boden zu legen und mit dem Mittelfußbereich diese hin und her zu rollen. Hierbei darf einiges an Druck auf die Kugel ausgeübt werden. So wird der gesamte Bereich zwischen Vorfuß und Ferse bearbeitet. Bei einer schmerzenden Druckstelle macht es Sinn, länger zu verharren und sanft den Druck zu erhöhen, bis der Schmerz zurückgeht. Diese Übung sollte täglich drei bis fünf Minuten lang wiederholt werden.
  • Laufschuhe: Da die Achillessehnenreizung oft durch extreme Stoßbewegungen, Muskelvibration und Druck verstärkt wird, können spezielle Laufschuhe helfen. Diese sollten idealerweise genau diese Fehlerquellen abfangen und kompensieren. Wir haben mit der Marke HOKA ONE ONE an dieser Stelle sehr gute Erfahrungen gemacht.
  • Kompressionssocken: Kompressionssocken verstärken die Integrität der Muskelstruktur und unterdrücken eine zu starke Muskelvibration. Auch spezielle Kompressionssocken zur Stützung der Achillessehne können hilfreich sein. Die CEP Achilles Support Short Socks verfügen über sogenannte SILICONE-Pads, die die Achillessehne unterstützen und gleichzeitig wohltuend massieren.
  • Bandagen und Einlagen: Mit speziellen Bandagen kannst du dazu beitragen, die Sehne zu entlasten und Stabilität zu unterstützen. Orthopädische Einlagen können hilfreich sein, um mögliche Fehlbelastungen auszugleichen, insbesondere bei Fußformen wie einem Hohlfuß oder Plattfuß.
  • Stoßwellentherapie: Diese Methode nutzt hochenergetische Schallwellen, um die Durchblutung zu fördern und die Heilung zu beschleunigen.
  • Medikamente: Je nach Bedarf und ärztlicher Entscheidung können Betroffene für ein bis zwei Wochen schmerzstillende oder entzündungshemmende Medikamente wie Ibuprofen oder Diclofenac einnehmen.
  • Salben: Die betroffene Stelle kann mehrmals täglich mit entzündungshemmenden Cremes oder Salben massiert werden.
  • ACP-Therapie: ACP (autologes konditioniertes Plasma) ist ein Eigenblutprodukt, das die Heilung von Muskelverletzungen, aber auch von Sehnen- und Knorpelproblemen signifikant beschleunigen und verbessern kann.

Was man vermeiden sollte:

  • Kortison: Oft wird Kortison zur Behandlung einer Achillessehnenreizung eingesetzt. Kortison ist höchst effektiv, da es stark entzündungshemmend wirkt. Bei übermäßiger Anwendung kann aber das Sehnengewebe spröde werden und sogar einen Achillessehnenabriss hervorrufen.
  • Erhöhung im Fersenbereich des Laufschuhs: Die Erhöhung im Fersenbereich des Laufschuhs, durch eine Einlage der einen Laufschuh mit größerer Sprengung, wird zunächst der Schmerz bei einer Achillessehnenreizung vermindert, da die Zuglast auf der Sehne abnimmt. Was sich anfangs gut anfühlt, verstärkt allerdings langfristig das Problem. Die Achillessehne wird weiter verkürzt, steifer sowie unflexibler als zuvor. Daher sollte man lieber, wenn es der Schmerz zulässt, flachere Schuhe Laufen und die Achillessehe langfristig nicht weiter zu verkürzen.

Operative Behandlung:

Sollten konservative Maßnahmen und Training über einen längeren Zeitraum nicht ausreichend greifen, könnte ein operativer Eingriff in Erwägung gezogen werden. Dabei werden geschädigtes Gewebe entfernt oder eventuell bestehende Risse in der Sehne genäht. Operationen sind jedoch nur in Ausnahmefällen notwendig, wenn alle anderen Behandlungsansätze ausgeschöpft wurden.

Radfahren als Alternative bei Achillessehnenreizung

Wenn deine Achillessehne beim Laufen schmerzt, musst du dein Lauftraining erst einmal pausieren. Stellt sich die Frage, welcher und wie viel Sport jetzt in Frage kommt. Eine weitere Option ist das Umsteigen auf’s Rad. Und das Radfahren kann tatsächlich ein guter Ausgangspunkt sein, um die Achillessehne durch eine moderate Steigerung der Belastung nach und nach wieder an eine zunehmende Beanspruchung zu gewöhnen. Zunächst solltest du mit 10 Minuten Radfahren starten. Wenn 45 Minuten Radfahren mit vollem Tretwiderstand beschwerdefrei klappen, kann die Rückkehr zum Lauftraining beginnen. Am Anfang startest du allerdings am besten mit Walking. Zunächst testest du wieder 10 Minuten. Wenn deine Achillessehne auch nach 45 Minuten Walking beschwerdefrei bleibt, kannst du wieder mit dem Joggen beginnen.

Prävention von Achillessehnenschmerzen

Um Achillessehnenschmerzen vorzubeugen, gibt es verschiedene Maßnahmen, die du ergreifen kannst:

  • Aufwärmen: Planen Sie vor körperlicher Aktivität eine Aufwärmphase ein, um die Durchblutung zu steigern und die Muskeln sowie Sehnen auf die Belastung vorzubereiten.
  • Dehnen: Außerdem empfiehlt es sich, die Wadenmuskulatur regelmäßig zu dehnen, um die Beweglichkeit zu verbessern und die Belastung der Achillessehne zu verringern.
  • Trainingsumfang: Vermeiden Sie beim Sport eine übermäßige Steigerung des Trainingsumfangs oder der Intensität. Die Trainingsbelastung sollte allmählich gesteigert werden, um die Achillessehne langsam daran zu gewöhnen.
  • Regeneration: Geben Sie der Achillessehne auch genügend Zeit zur Regeneration.
  • Gewicht: Übergewicht kann die Achillessehne zusätzlich belasten. Eine gesunde Ernährung und regelmäßige Bewegung können das Risiko einer Achillodynie verringern.
  • Bike-Fitting: Lass dein Fahrrad von einem Profi auf dich und deinen Fahrstil anpassen.

Verwandte Beiträge:

Kommentar schreiben

Kommentare: 0