Ann-Kathrin Bendixen, besser bekannt als "Affe auf Bike", wagte das, wovon so viele nur träumen: Sie begann 2019 ihre Weltreise auf ihrem eigenen Motorrad und mit nur 400 Euro in der Tasche. Ihr einziger Begleiter: ein kleiner Plüschaffe, der ihr bis heute in einsamen Momenten mitten im Nirgendwo zur Seite steht.
Ein Schicksalsschlag als Auslöser
Doch woher nahm die Bikerin damals den Mut, ganz alleine von Kontinent zu Kontinent zu reisen? Der Auslöser: ein Schicksalsschlag. Mit 18 Jahren erkrankte die Schleswig-Holsteinerin ernsthaft, und um ein Haar wäre sie auf einem Auge blind geworden. Nur eine Not-Operation hat sie davor bewahrt. Eine "gewöhnliche" Nebenhöhlenentzündung, die damals operiert wurde, endete für die Schülerin in einer lebensbedrohlichen Situation. Ein Gewächs aus Narbengewebe brach in ihr Auge ein, machte sie für einige Tage blind. "Ich hatte die Schmerzen meines Lebens. Ich dachte, ich sterbe hier", erzählt die 23-Jährige bei deep und deutlich. Diese Lebensphase machte ihr unmissverständlich klar, dass der Sensenmann immer und überall lauern kann. Eine Situation, die sie zum Umdenken gebracht hat.
"Ich habe gemerkt: Nur weil du jung bist, heißt das nicht unbedingt, dass du alt wirst. Wie sehr das Reisen einen Menschen verändern kann, durfte die 23-Jährige selbst erleben. Ich war so leer, mir hat richtig was gefehlt. Dann bin ich reisen gegangen und war erfüllt und glücklich." Doch auch die Herausforderungen und Schattenseiten einer Weltreise hat die Motorradliebhaberin am eigenen Leib erfahren.
Der Beginn einer ungewöhnlichen Reise
So packte sie mit 19 Jahren das Nötigste zusammen, steckte ihre 400 gesparten Euro, Zelt, Isomatte und ihren Plüschaffen ein und schwang sich auf ihre alte Suzuki. Einfach raus, einfach weg, einfach Richtung Süden! Das Geld war rasch aufgebraucht. Sie fasste sich ein Herz, sprach einfach Menschen an und jobbte auf italienischen Bauernhöfen für eine Mahlzeit und eine Tankfüllung. Mit lediglich 400 Euro in der Tasche schwang sie sich aufs Motorrad und begann ihr Abenteuer.
Anfangs fuhr die junge Frau Bauernhöfe oder Hofschaften an, um dort zwischen ihren Fahrten zu übernachten. Mittlerweile übernachtet sie oft fernab der Zivilisation in einem Zelt oder in der Hängematte. Anfangs war die junge Bikerin auf einer Yamaha XT unterwegs.
Von Europa in die Welt
Auf Südeuropa folgten die Westsahara und Südamerika - klar, auf dem Motorrad! Ihr erster Roadtrip durch Europa führte Ann-Kathrin über 40.000 Kilometer Asphalt. Anschließend ging es weiter nach Südamerika: Ganze 10.000 Kilometer durch Chile, anschließend nach Argentinien. Außerdem war sie in Afrika, Thailand und Island unterwegs. Anschließend ging es einmal durch die USA von Miami nach Alaska.
Ann-Kathrin sammelt Erinnerungen, traumhaft schöne, aber auch brenzlige, die sie beinahe Kopf und Kragen gekostet hätten. Aber wenn mal was nicht klappt und die Dinge komplett aus dem Ruder zu laufen scheinen, dann ist genau das der Stoff für die Geschichten, die sie in die Welt hinauspostet.
Mittlerweile reitet sie auf Eisen aus Milwaukee, gesponsort von Harley-Davidson Germany, nachdem ihr altes Bike abgefackelt ist. Ihre Nightster ist natürlich umgebaut: Ein kurzer Auspuff für den passenden Sound, ein Breakout-Scheinwerfer und Pan-America-Zusatzleuchten für die Nacht, Sturzbügel und Crashguards für alle Fälle, ein Pan-Am-Lenker mit Heizgriffen, ein modifizierter Sitz und feine Öhlins-Fahrwerkskomponenten. Dazu ein Custom-Gepäckträger für die Reisetasche. Auch als Harley-Fahrerin bleibt Ann-Kathrin ziemlich anspruchslos: Ein festes Dach überm Kopf und ein warmes Bett sind halt weniger wichtig als das große Abenteuer. Ein mit Super Plus gefüllter Tank genügt.
Normal fährt man ja nicht einfach auf ’ner Nightster durch Island. Harley hätte mich auch gerne öfter auf der Pan America gesehen. Aber die haben gesagt, wir wollen auch das, was du willst. Und ich wollte es ein bisschen rustikaler. Oldschool, das hat Rick’s dann möglich gemacht. Und auf der Nightster hab ich mich unfassbar wohl gefühlt. Ich wiege ja nur 50 Kilo, und der Schwerpunkt der Nightster ist eben niedriger. Die konnte ich besser aufheben, wenn sie mal umkippte. Mit der ging das. Jetzt in Thailand bin ich mit der Pan America unterwegs.
Social-Media-Star und Buchautorin
Etliche tausend Kilometer später hat Ann-Kathrin eine stattliche Fangemeinde um sich versammelt. Rund 150000 Menschen folgen ihr inzwischen auf Instagram. Sie ist kommunikativ, versteht mit einer Kamera umzugehen und kann packend schreiben. Die Kids verschlingen ihre Bilder und Stories.
Im Jahr 2021 veröffentlichte sie ein Buch über ihren Selbstfindungstrip. Ungewöhnlich genug. Während andere aus ihrer Generation noch von einer Karriere als Influencer träumen, lebt sie von ihren Fotos, Filmen und Geschichten und ist immer noch unterwegs. Mit ihrem Buch "Bikergirl: Wie ich die Freiheit suchte und das Leben fand. Durch ihre regelmäßigen Social-Media-Auftritte hat sie eine große Fanbase.
Mittlerweile kann Ann-Kathrin Bendixen von ihren Motorradreisen leben. Daneben hat sie sich bereits weitere Standbeine aufgebaut. Finanzielle Unabhängigkeit erreichte sie nach eigener Aussage mit dem Erfolg ihres Buches. Danach ging es auch auf Social Media richtig ab: Auf YouTube folgen ihr 214.000 Menschen und ihre Videos klickten sich über eine Million mal.
Ann-Kathrin Bendixen: Bikergirl. Wie ich die Freiheit suchte und das Leben fand, Riva-Verlag, München, 2021, 13,00 Euro.
Mobbing und der Name "Affe auf Bike"
In ihrer Schulzeit wurde Bendixen gemobbt und als "Dumbo" oder "Affe" tituliert. Als kleine Retourkutsche an ihre damaligen Mitschüler und Mitschülerinnen hat sie stets einen kleinen Stoffaffen dabei. Dieser diente ihr auch als Inspiration für das Pseudonym "Affe auf Bike". Der kleine Affe ist in vielen Social-Media-Beiträgen der gebürtigen Norddeutschen präsent.
Ich hatte früher Segelohren, sah damit wie ein Affe aus und wurde in der Schule gemobbt. Später meinte mein Bruder, dass ich mich für die Medien doch einfach so nennen sollte. Offiziell habe ich deshalb den Plüschaffen am Motorrad. Jetzt hängt er an einer Harley.
Teilnahme bei "7 vs. Wild" und Hasskommentare
Im Oktober 2023 nahm sie an dem Realityformat "7 vs. Wild" teil. Hier lernte sie die Schattenseiten von Social Media kennen. Nach einem Vorfall, bei dem sie von einem Mitteilnehmer unsittlich berührt wurde, musste sich Bendixen zahlreiche Hasskommentare gefallen lassen. Für ihre Reiseberichte und Fotos wird Ann-Kathrin von ihren Followern gefeiert. Über 400.000 Menschen folgen ihr allein auf Instagram. Dass man im Netz aber auch Hass ausgesetzt sein kann, musste "Affe auf Bike" erst vor wenigen Wochen erleben. Nach einem Vorfall in der Reality- Show "7 vs. Wild" wurde die Teilnehmerin der Staffel in den sozialen Medien mit heftigen Kommentaren konfrontiert. "Das war unfassbar schrecklich", so Ann-Kathrin rückblickend.
Ratschläge und Realität
Du bist viel alleine on the Road. Ich nehme immer ein Stativ mit und benutze den Selbstauslöser. Dazu hab ich jetzt eine 360 Grad-Kamera, das sieht aus, als würde man von einer Drohne gefilmt.
Grundsätzlich finde ich eher positive Anerkennung. Du siehst gut aus, ist das ein Kapital? Klar hast du einen Vorteil, wenn du dem Schönheitsideal entsprichst. Ich denke aber, dass jeder mit dieser Geschichte Erfolg haben könnte. Das Aussehen ist ja nicht alles, der Humor und die eigene Art spielen auch eine Rolle. Und die Einmaligkeit ist wichtig.
Natürlich kann das nicht jeder machen. Wasserfälle? Ja, die sind kalt, eiskalt! Das ist auch hart! Oder wenn man nachts zum Pinkeln aus dem Zelt raus muss … schon deshalb würden viele nach einer Woche die Lust verlieren.
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