Im Marken- und Namenswirrwarr der Bike-Industrie stellt sich häufig die Frage, was die vielen Bezeichnungen überhaupt bedeuten und was die einzelnen Klassen der Komponenten an den Bikes wirklich voneinander unterscheidet. Dieser Artikel erklärt die Unterschiede zwischen den vier gängigsten Schaltgruppen des größten Herstellers für Fahrradkomponenten, Shimano.
Überblick über Shimano Schaltgruppen
Mittlerweile sind die bekanntesten vier Schaltgruppen von Shimano alle in der 1 x 12 Gang Variante angekommen. Selten werden noch Antriebe mit Umwerfer an Neurädern verbaut. Gerade für E-Bikes, bei denen es in den meisten Fällen keinen Umwerfer mehr gibt und damit nur die Möglichkeit eines Einfach Antriebs besteht, sind die 12 Gänge der aktuellen Sram und Shimano Schaltungen die beste Lösung.
Wenn die Anzahl der verfügbaren Gangstufen an allen vier Varianten, Deore, SLX, XT und XTR gleich ist, wodurch unterscheiden sich die Antriebe dann noch?
- Hierarchie der Gruppen
- Verwendete Materialien und Gewicht
- Verarbeitungsqualität und Funktion
- Übersetzungen
- Haltbarkeit
Hierarchie der Shimano Gruppen
Deore
Den Einstieg in die 1 x 12 Gruppen von Shimano bietet die Deore Gruppe. Hier werden günstigere Materialien verwendet und die Gruppe ist insgesamt etwas schwerer, dafür jedoch deutlich günstiger in der Anschaffung.
SLX
Die SLX Gruppe nähert sich funktionell schon der XT Gruppe an, ist jedoch noch ein bisschen schwerer und wird häufig bei Trail und Enduro Bikes verbaut, die gute Performance benötigen, jedoch nicht den Preisrahmen sprengen sollen.
XT
Der Klassiker unter den Schaltgruppen und den meisten Leuten ein Begriff, bietet sehr gute Schaltperformance und relativ niedriges Gewicht. Hochwertige Materialien und genaue Fertigungsstandards kommen hier zum Einsatz.
XTR
Bei der XTR (XT-RACE) Gruppe wird ausschließlich das Gewicht und Finish optimiert. Die Schaltperformance ist kaum besser als die der XT Gruppe, jedoch werden bei XTR die besten und leichtesten Materialien wie Titan und Carbon verwendet, um das Gewicht auf ein Minimum zu senken.
Verwendete Materialien und Gewicht
Welches Material beim Komponentenbau verwendet wird, hat großen Einfluss auf das Gewicht und wie die letztendliche Fertigungsqualität ausfällt. Wichtig für präzise Schaltvorgänge sind auch die Toleranzen, die beim Komponentenbau eingehalten werden müssen.
Die Gewichtsunterschiede der Komponenten sind teilweise recht dramatisch. Beispielsweise unterscheidet sich die Deore Kassette, die komplett aus Stahl besteht, zur XTR Kassette, welche aus drei Alu Ritzeln, vier Stahl und fünf Titan Ritzeln besteht, um knapp 200 Gramm.
Von den hochwertigeren Materialien profitiert auch die Haptik. An den Schalthebeln werden bei den hochwertigen XT und XTR Gruppen anti rutsch Gummis verwendet, damit auch im ruppigen Mountainbike Einsatz jeder Schaltvorgang ausgelöst werden kann.
Verarbeitungsqualität und Funktion
Shimano bietet grundsätzlich eine relativ hohe Verarbeitungsqualität, auch in den einfacheren Gruppen. Der Preisunterschied zwischen den Klassen ist natürlich spürbar, allerdings ist eine Deore Gruppe deshalb kein schwergängiger billig-Plastik Bomber, sondern auch hier lässt sich die Schaltung gut bedienen und die Schaltvorgänge sind präzise. Der höhere Preis der XT und XTR Schaltgruppen ist aber auch in der Verarbeitungsqualität und der Bedienung zu spüren. Die hochwertigen Gruppen besitzen ein wertigeres Finish (im besonderen XTR) und wirken durchweg robuster.
Die Ketten der Gruppen unterscheiden sich durch ihre Beschichtungen. Das hat Einfluss auf das Schaltverhalten und auf die Langlebigkeit, auf die wir weiter unten noch näher eingehen. Bei Shimano kommt die eigene SIL-Tech Beschichtung und Chrombeschichtungen zum Einsatz.
Funktionell unterscheiden sich die Gruppen hauptsächlich durch die Schaltmöglichkeiten des Hebels. XT und XTR bieten die Möglichkeit 4 Gänge die Kassette nach oben zu schalten und 2 Gänge mittels 2-Way Release(der Hebel lässt sich ziehen und drücken) nach unten. Der SLX Hebel bietet nur noch 3 Gänge nach oben und einen Gang mittels 2-Way Release nach unten und bei Deore fällt der 2-Way Release weg.
Übersetzungen
Alle vier Gruppen bieten 12 Gänge und eine maximale Übersetzungsbandbreite von 10 - 51 Zähnen an der Kassette. Die drei obersten Gruppen, also SLX, XT und XTR gibt es jeweils mit der Option auf 2 x 12 Gängen und einer Kassette mit maximal 45 Zähnen. Die Deore Gruppe gibt es nur als 2 x 11 Version. Als Spezial gibt es die XTR Kassette in der feineren und sportlicheren 10 - 45 Zähne Abstufung mit einem kürzeren Käfig am Schaltwerk, was die Bodenfreiheit vergrößert.
Haltbarkeit der Verschleißteile
In Punkto verschleiß Resistenz kommen die oben bereits erwähnten Materialien und Beschichtungen ins Spiel, doch ist nicht zwingend die hochwertigste Gruppe auch die langlebigste. Die robusteste Kassette sollte nach Datenblatt die SLX Kassette sein, da sie den größten Anteil an plattierten Stahl Ritzeln hat und nur das Größte Ritzel, bei dem sich die Last auf viele Zähne verteilen kann, aus Aluminium besteht. Die Titanritzel der XTR Kassette machen diese etwas anfälliger im Vergleich, allerdings sind auch hier die kleinsten und verschleiß intensivsten Ritzel aus plattiertem Stahl.
Die Ketten werden mit unterschiedlichen Beschichtungen versehen (siehe Graphic oben), dank der die XTR Kette die beste Schaltperformance und Verschleißresistenz bietet.
Shimano XTR im Detail
Shimano XTR Umwerfer/Schaltwerk
Getestet: 2 x 11 Side Swing/langer Käfig Matsch und Schnee konnten Schaltwerk und Umwerfer fast nichts anhaben. Leit- und Führungsrolle sehen aus wie neu, nur am Umwerferblech sieht man deutliche Gebrauchsspuren. Der neue Side-Swing-Umwerfer sowie das Schaltwerk schalten kraftvoll und präzise, eine exakt justierte XT-Gruppe schaltet aber auch nicht schlechter. Der Shadow-Plus-Hebel ist etwas fummelig. Dafür kann man die Federspannung nun exakt einstellen: von beinhart bis leicht (geringe Bedienkräfte).
Der neue Side Swing-Umwerfer, den Shimano nun auch bei der XT einsetzt, schaltet extrem kraftvoll und schnell.
Shimano XTR Kurbel
Getestet: 2 x 11 Race, 36/26 Zähne, 175 mm Bereits nach wenigen hundert Kilometern sahen die Kurbelarme aus, als wäre jemand mit dem Schmirgelpapier drübergegangen. Hier scheint die Beschichtung nicht so widerstandsfähig zu sein wie bei den Vorgängerkurbeln. Wegen der 36/26-Abstufung fuhren wir fast ausschließlich auf dem großen Kettenblatt. Das besteht aus einem Mix aus Alu und Carbon-Faser-verstärktem Kunststoff und sieht nach 2000 Kilometern noch sehr gut aus. Der kleinste Gang mit 26-40 Zähnen entspricht etwa 24-36 bei 10fach-Schaltungen. Beim Pressfit-Innenlager läuft die rechte Seite bereits etwas rau.
Durchgescheuert wie ein altes Sitzpolster: Die Kurbelbeschichtung der neuen Shimano XTR scheint eine Schwachstelle zu sein.
Shimano XTR Kette
Getestet: HG 900-11 Die laufrichtungsgebundene Elffach-Kette der XTR ist nicht dieselbe wie die der Elffach-Rennradgruppen. Bei der Haltbarkeit enttäuschte uns die speziell beschichtete Kette allerdings: Bereits nach 1500 Kilometern war das 50 Euro teure Bolzen-Laschen-Konstrukt laut Verschleiß-Lehre reif zum Wechseln. Das geringe Gewicht der schmalen 11-fach-Kette scheint auf Kosten der Haltbarkeit zu gehen. Ein günstigeres, etwas schwereres Modell bietet Shimano auch an. Die dürfte etwas langlebiger sein. Diese Vermutung bestätigte unser Verschleiß-Test der Elffach-Antriebe in BIKE 10/2015. Er zeigte, dass die 11-fach-Kette der Shimano XTR schneller verschleißt als das alte 10-fach-Modell der XTR.
Unser Verschleiß-Test von 11-fach-Antrieben zeigte, dass die Shimano XTR-Kette länger hält als die 1x11-Ketten von SRAM.
Shimano XTR Kassette
Getestet: CS-M9000, 11-40 Zähne Nachdem wir nach 1500 Kilometern eine neue Kette montiert hatten, rutschte sie unter Last übers 11er-Ritzel drüber. Alle anderen Ritzel der 300 Euro teuren Kassette funktionierten allerdings einwandfrei. Das verwundert nicht, bestehen doch sechs der Ritzel (19 bis 35 Zähne) aus Titan. Doch wir sehen ein anderes Problem: Durch die enge Kurbelabstufung (36/26) nutzt man bei Geschwindigkeiten über 25 km/h fast nur die kleinen Ritzel. Die verschleißen schneller, da sich die Kettenlast auf weniger Zähne verteilt als bei größeren Ritzeln.
Die Shimano XTR-Kassette dagegen hielt im Verschleiß-Test der 11-fach-Antriebe nicht so lang wie die SRAM-Kassetten der XX1 und X1.
Shimano XTR Schalthebel/Züge
Getestet: SL-M9000 2/3 x 11-fach mit Schelle Die Schalthebel der XTR waren bereits in der Vergangenheit schlanker und filigraner als die der günstigeren Gruppen. Das setzt die 2015er-XTR fort. Bestehende Eigenschaften wie das Schalten von mehreren Gängen mit Zeigefinger- und Daumenhebel hat Shimano übernommen. Die Schaltvorgänge sind sehr direkt. Der Hebelweg am Umwerfer unterscheidet sich nicht spürbar von einer aktuellen XT. Die abgedichteten Zughüllen samt der Polymer-beschichteten Züge funktionieren nach 2000 Kilometern einwandfrei und reibungsarm.
Schlank und filigran: Die Schalthebel der neuen Shimano XTR im Test.
Fazit zum Test der Shimano XTR
Die Elffach-XTR-Gruppe ist wie ein Ferrari-Motor: ein absolutes Highend-Produkt mit tadelloser Funktion bei geringstem Gewicht, allerdings teuer im Unterhalt.
Überblick: Die Schaltungen von Shimano und SRAM
Der Schaltungsmarkt ist groß und manchmal unübersichtlich. Das liegt daran, dass die beiden großen Schaltungshersteller Shimano und SRAM mittlerweile nicht nur Schaltungen in unterschiedlichen Qualitätsstufen anbieten, sondern ihre Gruppen auch auf verschiedene Einsatzbereiche im Mountainbikesport abgestimmt haben. Die richtige Schaltgruppe für das eigene Bike zu finden, ist meist gar nicht so einfach.
Die folgende Übersicht gibt dir einen Überblick über die verschiedenen Gruppen und ihre Position in der Schaltungshierarchie der beiden Hersteller. Die Reihenfolge orientiert sich dabei von der hochwertigsten und auch teuersten Schaltung hin zu den preiswerteren Varianten. Doch was zeichnet nun eine teure High-End-Gruppe aus, die ein Vielfaches einer günstigeren Schaltung kostet? Die Funktion des Gangwechsels wird letztlich von allen Schaltungen erfüllt. Unterschiede gibt es bei:
- Übersetzungsbereich
- Materialien
- Anpassung an Fahrer und Einsatzgebiet
- Kompatibilität bzw. Kombination mit anderen Gruppen
- Steuerung und Bedienbarkeit
- Gewicht
- Genauigkeit
- Leichtgängigkeit
- Abstufung der Gänge untereinander
Die teuren, hochwertigen Gruppen sind in jedem Fall deutlich leichter als die preiswerteren. Das liegt an der Menge und Masse der verwendeten Materialien, außerdem gibt es mehr Anpassungsmöglichkeiten an Fahrer und Einsatzzweck. Hochwertige Antriebe erreichen auch einen wesentlich größeren Über- und Untersetzungsbereich. Wo bei preiswerten Gruppen Druckguss und einfache Kunststoffe anzutreffen sind, finden sich bei den höherwertigen Gruppen verschiedenste Legierungen in aufwendigen Fertigungstechniken verarbeitet. Wo bei den preiswerten Modellen Aluminiumlegierungen zum Einsatz kommen, sind es bei den höherwertigen Schaltungen sogar Legierungen aus Titan, Magnesium und Kohlenstoff. Diese werden beispielsweise im von Shimano selbst entwickelten Hollowtech-Schmiedeverfahren hergestellt.
Dies bedeutet jedoch nicht, dass immer alle Teile der Schaltgruppen benötigt werden. Vielmehr ist es sinnvoll, die Schaltgruppe dem Einsatzzweck anzupassen. Das kann zum Beispiel bedeuten, dass Du statt einer teuren SRAM XX1 Eagle mit 1x12 Gängen eine günstigere Deore mit 2x10 Gängen verwendest. Pendler und Vielfahrer können z.B. auf feine Abstufungen verzichten, wollen aber einen möglichst geringen Verschleiß. Der Cross-Country-Racer hingegen kann sich alles außer Gewicht leisten und wird sich über die Dauer eines Rennens keine Gedanken über Verschleiß machen müssen.
Shimano MTB Schaltgruppen: Ein Überblick
Durch die große Auswahl an Shimano Schaltgruppen für Mountainbikes ist es nicht immer ganz einfach diese Wahl zu treffen. Wie gut sind eigentlich alle Shimano Gruppen und wo genau liegen die Unterschiede? Ein Mountainbike Anfänger weiß wahrscheinlich noch nicht wirklich welche Komponenten zu einer Schaltgruppe gehören. Zum Glück ist das nicht ganz so kompliziert. Eine komplette Gruppe enthält nämlich alles was mit der Schaltung, den Bremsen und dem Antrieb zu tun hat. Zum einen sind das die Schalthebel für den Umwerfer und das Schaltwerk. Darüber hinaus gehören dein Kurbelsatz inklusive Kettenblätter zu einer kompletten Schaltgruppe.
Als Mountainbike Anfänger kann es schwierig sein, eine geeignete Schaltgruppe zu finden. Die Hersteller von Schaltgruppen verwenden zum Glück ziemlich konsequent dieselben Namen für die eigenen Gruppen. Als Anfänger brauchst du dir nicht direkt die allerbeste Gruppe zuzulegen. Shimano sorgt dafür, dass die Techniken aus den teureren Gruppen langsam aber sicher auch bei den günstigeren Gruppen zu finden sind.
Tabelle: Shimano MTB Schaltgruppen
| Gruppe | Empfehlung | Eigenschaften |
|---|---|---|
| Tourney | Sportliche Räder | Günstigste Gruppe, weniger geeignet für Offroad |
| Altus | Sportliche Fahrräder | Geeignet für gelegentliche Fahrten abseits befestigter Straßen |
| Acera | Freizeitfahrer | Geeignet für erste Erfahrungen im Offroad-Bereich, stabile Teile aus Edelstahl |
| Alivio | Mountainbike Anfänger | Einfacher zu warten, besser entwickelt als günstigere Versionen |
| Deore | Sportlicher Fahrer und Anfänger | Empfohlen für regelmäßige, flotte Waldtouren |
| SLX | Vielseitig | Gutes Preis-Leistungs-Verhältnis, ähnlich den besseren Gruppen, aber schwerer |
| Deore XT (XT) | Wettkampffahrer und sportliche Mountainbiker | Perfekt für Wettkämpfe, Mix aus Aluminium und Edelstahl |
| XTR | Profis und fanatische Mountainbiker | Sehr leicht, hochwertige Materialien, für höchste Leistungen |
Es stimmt also nicht, dass du mit einer günstigeren Shimano Gruppe keine Qualität hast. Der Unterschied liegt vor allem beim Material der verschiendenen Teile und dem Gewicht der Schaltgruppe.
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