Ahr-Radweg: Wiederherstellung nach der Flut

Vier Jahre nach der verheerenden Flutkatastrophe im Juli 2021 zeigt sich das Ahrtal wieder von seiner schönsten Seite - gerade auch vom Fahrradsattel aus. Trotz der tiefgreifenden Zerstörungen entlang der Ahr, haben sich viele Streckenabschnitte erholt oder wurden neu erschlossen, sodass Radfahrer die schöne Region entlang des Flusses nun wieder intensiv erleben können - sei es gemütlich oder sportlich.

Das Ahrtal liegt unweit der Städte Köln, Bonn und Koblenz in einem Seitental des Mittelrheins und ist bekannt für seine Vielfalt: Ob entlang des Flusses, durch schattige Wälder oder durch die sonnenverwöhnten Weinhänge - die Landschaft lädt zu abwechslungsreichen Radtouren ein.

Der Ahr-Radweg: Ein Flickenteppich mit Potenzial

Besonders beliebt ist der flussnahe Radweg, der sich ursprünglich von Sinzig aus über fast 80 Kilometer durch das gesamte Tal schlängelte.

Heute sind bereits wieder größere Abschnitte zwischen Blankenheim und Ahrbrück sowie zwischen Bad Neuenahr-Ahrweiler und Sinzig befahrbar - mit kleineren Umleitungen. Die vollständige Wiederherstellung der durchgehenden Route wird allerdings noch Zeit in Anspruch nehmen.

Ein Blick auf den Ahr-Radweg, dessen erste Brücken nun erneuert sind, zeigt, dass im Ahrtal an vielen Stellen gebaggert, gegraben und wiederaufgebaut wird. Neue Brücken, Tunnelarbeiten und Gleissanierungen - an vielen Orten im Ahrtal wird nach der Flutkatastrophe 2021 wiederaufgebaut.

Laut Landesregierung haben rund 85 Prozent der Tourismusbetriebe im Ahrtal inzwischen wieder geöffnet. Die Zahl der Übernachtungen ist im vergangenen Jahr wieder auf 760.000 gestiegen.

Bislang sind nach der Flutkatastrophe im Ahrtal des Jahres 2021 noch nicht alle Passagen des Ahrtalradweges wiederhergestellt. Doch die freigegebenen Strecken sind in jedem Fall lohnenswert.

Ahrsteig: Den beliebten Radweg neu entdecken

Der Ahrsteig verläuft in seiner Gesamtheit über eine Strecke von 100 Kilometern von Blankenheim nach Sinzig. Dabei handelt es sich um einen Wanderweg, bei dem eine Strecke von etwa 80 Kilometern auch für Radfahrer geeignet ist. Diese Strecke wurde in der Vergangenheit als Ahrradweg bezeichnet. Beide Strecken folgen dem Verlauf des Flusses Ahr.

Den Radweg zeichnet aus, dass er sehr einfach zu fahren ist, da er kaum Steigungen enthält.

Zerstörung und Wiederaufbau

Während der Flut im Ahrtal wurde der Radweg zu etwa 60 Prozent zerstört, und mit ihm auch viele der anliegenden Gebäude. Der Wiederaufbau ist gestartet, wird aber noch etwas Zeit in Anspruch nehmen. Einen Teil des Radweges ist wieder ohne Einschränkungen befahrbar. Sie können den Blick in die herrliche Landschaft genießen.

Im Zuge des Flutereignis wurde der entlang der Ahr verlaufende Radweg zerstört. Im Bereich Bad Bodendorf kam es zu einer solchen Zerstörung, dass der Bestandsradweg so nicht mehr auffindbar ist.

Aktuell fanden Abstimmungen mit dem LBM in Bezug auf eine provisorische Radwegeführung statt. Darüber hinaus ist das Büro Porz & Partner bereits an der Planung zur Realisierung der Strecken, welche zwar in Mitleidenschaft gezogen wurden, aber kurzfristig wiederhergestellt werden sollen.

Das Bauen im Ahrtal finde unter schwierigsten Bedingungen statt, sagte Wirtschaftsministerin Daniela Schmitt (FDP), die auch für den Tourismus in Rheinland-Pfalz verantwortlich ist.

Nach Auskunft von Ministerin Schmitt sind die "Wiederaufbau-Touristen" gern gesehene Gäste im Ahrtal, solange sie sich achtsam über die Ereignisse in der Flutnacht und die Aufbauarbeiten informieren.

Christian Lindner, Vorsitzender des Vereins "Ahrtal-Tourismus", sagte: "Ich habe immer wieder Gäste, die ins Ahrtal gekommen sind, um zu schauen, was nach der Katastrophe in Sache Wiederaufbau bereits passiert ist - aber auch, was noch nicht passiert ist." Die vielen Baustellen seien Gesprächsthema bei den Touristen.

Verlauf des Ahrsteiges in den für Radfahrer geeigneten Abschnitten

Der Ahrsteig (für Radfahrer geeignete Abschnitte) und der etwas längere Bereich für Wanderer sind in sieben Etappen eingeteilt. Von diesen können Sie einen größeren Teil bereits wieder befahren. Wir geben Ihnen einen Überblick:

  • Etappe 1: Die erste Etappe führt von Blankenheim nach Fuchshofen. Diesen Abschnitt können Sie passieren. Die einzige kleine Einschränkung haben Sie in Antweiler: Dort fahren Sie auf einem kleinen Abschnitt durch den Ort, weil das Teilstück noch nicht vollständig wiederhergestellt ist.
  • Etappe 2: Die zweite Etappe beginnt in Fuchshofen und führt nach Schuld. Hier gibt es bislang noch keinen Radweg. Sie fahren auf der Landstraße 73. Der Teilabschnitt ist als Radweg aber in Planung.
  • Etappe 3: Die dritte Etappe führt von Schuld weiter bis nach Ahrbrück. Hier ist der Radweg ohne Einschränkungen befahrbar. Der Abschnitt ist für Familien mit Kindern und für Senioren sehr gut geeignet.
  • Etappe 4: Die vierte Etappe führt von Ahrbrück bis Pützfeld. Hier erfolgt der Ausbau der Strecke bis 2025. Sie können die Etappe mit dem Radbus der Linie 844 befahren. Diese führt ursprünglich von Altenahr nach Rheinbach. Es erfolgte aber eine Verlängerung bis Ahrbrück. Ihr Fahrrad wird in einem Fahrradanhänger sicher transportiert. Das Angebot können Sie von April bis November in Anspruch nehmen.
  • Etappe 5: Von Altenahr fahren Sie weiter nach Pützfeld. Hier können Sie ohne Einschränkungen auf dem Radweg fahren.
  • Etappe 6: Die sechste Etappe zwischen Altenahr und Walporzheim wurde während der Flut stark zerstört. Da es im Umfeld viele Bauarbeiten gibt, ist die Wiederherstellung des Radweges momentan hinten angestellt. Die Bundesstraße 267 ist befahrbar, doch für Radfahrer sehr gefährlich. Somit können Sie diesen Abschnitt derzeit nicht in Ihre Route einplanen.
  • Etappe 7: Die siebte und letzte Etappe führt von Walporzheim nach Sinzig. Hier gibt es eine Umleitung, die als Uhr-Radweg-Ersatzroute ausgeschildert ist. Die Route ist gut befahrbar.

Aktuelle Maßnahmen zur Wiederherstellung

Kurz- und mittelfristige Maßnahmen

Die "alte" Radwegtrasse soll vorerst wieder aktiviert werden, von B9 /Eisenbahnbrücke bis hin nach Bad Bodendorf wird die "alte" Trasse wieder so hergestellt, dass diese wieder sicher befahren werden kann.

Im Bereich des Spessartsteg wird es bis zur Herstellung der Brücke eine Sackgasse geben, es wird auf die bestehende Umleitungsbeschilderung des LBM verwiesen.

1. Abschnitt Sinzig

Die Wiederherstellung des Ahrradweg im Bereich Sinzig (1. Bauabschnitt) sind im Bereich des Christinensteg bis zur Kölner Brücke fertiggestellt. Die Arbeiten im Abschnitt ab der Kölner Brücke bis zum Spessarsteg befinden sich in der Ausarbeitung.

Aufgrund von etwaigen Aufweitungen der Ahr erfolgt in den Bereichen wo der Asphalt stark unterspült wurde ein Rückbau und die Herstellung als wassergebundene Wegedecke. Dabei erfolgt der Ausbau in einer Breite von 3,0 m Fahrbahn und 0,5 m Bankett auf beiden Seiten.

Die Arbeiten werden noch in diesem Jahr fertiggestellt.

2. Abschnitt Bad Bodendorf

Auch hier hat die Wiederherstellung der alten Trasse begonnen im Bereich Freiherr-vom-Stein Brücke bis Ehlinger Ley.

Aufgrund von etwaigen Aufweitungen der Ahr erfolgt in den Bereichen wo der Asphalt stark unterspült wurde ein Rückbau und die Herstellung als wassergebundene Wegedecke. Dabei erfolgt der Ausbau in einer Breite von 3,0 m Fahrbahn und 0,5 m Bankett auf beiden Seiten.

Im Bereich Ehlinger Ley kam es zu einer vollumfänglichen Zerstörung des Radweg. Eine Wiederherstellung in dem Bereich ist aus wasserrechtlicher und naturschutzfachlicher Sicht nicht sinnvoll, sodass sich für eine Verschwenkung des Radweg am Ende der parallel laufenden Rosenstraße auf einem städtischen Grundstück entschieden wurde. Der Radweg stößt dann auf den Wirtschaftsweg in Richtung Heimersheim.

Die Arbeiten werden noch in diesem Jahr fertiggestellt.

Langfristige Maßnahmen

Hinter der langfristigen Maßnahme verbirgt sich die endgültige Ausbildung des Ahrradweg nach Festlegung der Aufweitung in Punkto Gewässerwiederherstellung.

Derzeit wird avisiert, dass mit den weiteren Überlegungen zur endgültigen Lage des Radweg im Herbst 2025 in die Ausschüsse gegangen werden könnte.

Der Förderantrag für die kurz- und mittelfristige Maßnahme wurde bereits eingereicht, bewilligt und Mittel wurden abgerufen. Der Förderantrag für die langfristige Maßnahme kann derzeit noch nicht gestellt werden.

Brückenbau in Marienthal

Landrätin Cornelia Weigand (parteilos) spricht von einem Meilenstein beim Wiederaufbau: Bei Marienthal sind zwei Brücken über die Ahr gehoben worden, über die künftig der Ahrtal-Radweg führt. Die zwei Brücken für den Ahrtal-Radweg führen südlich und westlich von Marienthal über den Fluss. Die Vorgängerbauwerke waren bei der Flutkatastrophe 2021 fortgerissen worden.

Die Brücken sind jeweils rund 70 Meter lang und kosten zusammen vier Millionen Euro. Die Landrätin wies darauf hin, dass die Brücken wesentlich höher sind als ihre Vorgängerinnen, nämlich rund 5,50 Meter.

Ortsbürgermeister David Fuhrmann (FBL) aus Dernau lobte das enorme Tempo, mit dem die Bahn und der Landesbetrieb Mobilität derzeit zerstörte Infrastruktur im Ahrtal wiederaufbauen.

Der gesamte Wiederaufbau des Ahrtal-Radwegs, der auf 14 Kilometer Länge zerstört worden war, wird rund 34 Millionen Euro teuer, davon sind 24 Millionen Euro für die Wiederherstellung von Brücken und Stützwänden.

Sperrungen und Umleitungen

Trotz aller Fortschritte wird die Wiederherstellung eines durchgängig befahrbaren Ahr-Radwegs mehrere Jahre in Anspruch nehmen.

Die Rad- & Eisenbahnbrücken am Engelsley, der Bahndamm mit Radwegeberme an der Ahrschleife bei Mayschoß, die Saffenburgbrücke und die Brücken um Marienthal können nur stellvertretend für die vielen zerstörten Bauwerke in diesem Streckenabschnitt stehen.

Die enge Tallage limitiert die Alternativen allerdings erheblich, sodass die ursprüngliche Trasse weitgehend wiederhergestellt wird.

Alternative Angebote für Radfahrer

Wer lieber sportlich unterwegs ist oder Höhenmeter nicht scheut, findet mit einem E-Bike oder Mountainbike sein Revier in den umliegenden Hängen und auf den weiten Hochflächen der Region.

Flexibel mobil: Das E-Bike-Verleihsystem "AW-bike"

Seit dem Frühjahr 2024 ergänzt ein flächendeckendes E-Bike-Sharing-System die Mobilität in der Region. Rund 80 moderne Leihräder stehen an rund 20 Standorten zur Verfügung, vor allem in der Nähe von Bahnhöfen oder Buslinien. Die Buchung erfolgt bequem per App - ideal für Tagesgäste, Pendler oder Einheimische, die spontan eine Radtour planen möchten.

Ab Mai 2025 wurde das Angebot noch attraktiver: Geführte E-Bike-Touren, die ambitionierten Radfahrern neue Wege durch das Tal und darüber hinaus eröffnen. Von moderaten Ausfahrten durch Weinlandschaften bis zu anspruchsvolleren Strecken in die Höhenlagen - das Angebot richtet sich sowohl an Freizeitfahrer als auch E-Mountainbiker.

Rotary Ahr Trailpark für Mountainbiker

Auch Mountainbiker finden im Ahrtal ein neues Highlight: Der "Rotary Ahr Trailpark" bei Bad Neuenahr-Ahrweiler wurde speziell für Trail-Enthusiasten eingerichtet. Mit vier unterschiedlich anspruchsvollen Abfahrten - von moderat bis technisch herausfordernd - richtet sich der Park an erfahrene Fahrer mit entsprechender Ausrüstung.

Radbus Angebote

Um die eingeschränkte Befahrbarkeit des Ahr-Radwegs zu kompensieren, gibt es Radbus-Angebote:

  • Linie 844 "Ahr-Voreifel": Zwischen Rheinbach und Ahrbrück verbindet der Radbus 844 Rheinland-Pfalz mit NRW. Mit Halten in Orten wie Kalenborn und Hilberath eignet sich die Strecke auch für Wanderer im Ahrgebirge. Täglich vom 1. April bis 1. November 2025 - Platz für bis zu 22 Räder, inklusive E-Bikes.
  • Linie 899 "Oberes Ahrtal": Diese Linie fährt zwischen Ahrweiler und Blankenheim entlang des Ahr-Radwegs und schließt die Lücke der zerstörten Ahrtalbahn. Ideal als Einstieg oder Rückweg für Touren durchs obere und untere Ahrtal. Anschluss an weitere Radwege wie Vulkan-Radroute, Kalkeifel- oder Rheinradweg. Fahrräder (bis 20) reisen auf Anhänger mit - Reservierung empfohlen.

Wichtig für alle Linien: E-Bikes erlaubt. Fahrradticket erforderlich. Auch für Fahrgäste ohne Rad nutzbar.

Tourenvorschläge

Das Ahrtal bietet eine Vielzahl von Radtouren für jeden Geschmack:

  • Entdecker-Tour Blankenheim: Diese Rundtour startet an der Ahrquelle in Blankenheim und führt durch das Obere Ahrtal sowie über die Höhen der Eifel - mit weiten Ausblicken, Wäldern und Feldern. Auf dem Ahr-Radweg geht es entlang des jungen Flusses, dann über die Eifel-Höhen-Route vorbei am Freilinger See und durch das Fachwerkdorf Mülheim.
  • Entdecker-Tour Hillesheim: Erleben Sie auf dieser Rundtour die Kalkeifel und den beeindruckenden Dreimühlen-Wasserfall - ein Naturwunder aus kalkreichem Quellwasser. Start ist in Ahrdorf, die Strecke führt über den Kalkeifel-Radweg nach Niederehe, Üxheim und Ahütte, dann zurück nach Ahrdorf.
  • Etappe auf dem Ahr-Radweg: Diese Etappe des Ahr-Radwegs führt durch abwechslungsreiche Natur: Wiesen, Wälder, Täler und charmante Orte mit regionalem Genuss. Highlights wie der Aremberg, das Prümer Tor und weite Ausblicke prägen das Obere Ahrtal.

Tour de Ahrtal

Eine wunderbare Gelegenheit, im oberen Ahrtal zu radeln, bietet die Tour de Ahrtal am Sonntag, 16. Juni. An diesem Tag wird ab Blankenheim die B258 bis Müsch und im weiteren Verlauf die L73 bis Dümpelfeld gesperrt. Anschließend kann auf den Ahr-Radweg bis Ahrbrück gewechselt werden.

Schadenslage und Kosten

In der Nacht vom 14. auf den 15. Juli 2021 wurde auch der rund 65 km lange Ahr-Radweg in Rheinland-Pfalz stark in Mitleidenschaft gezogen. Knapp 60 % wurden beschädigt und 22 % komplett zerstört, sodass dem Radtourismus nur rund die Hälfte des Ahr-Radwegs zur Verfügung stand.

Nach der Schadenserhebung werden die Kosten für den Wiederaufbau des Radweges mit allen Brücken und Bauwerken auf rund 32 Mio. Euro geschätzt.

Das Team für den Bereich der Radwege an der Ahr arbeitet intensiv an Lösungen, um die durchgängige Befahrbarkeit unter den vielfältigen Anforderungen wiederherzustellen.

Fortschritte und Ausblick

Der Wiederaufbau des Ahr-Radwegs schreitet voran. Mitunter müssen sich Radler den Angaben zufolge allerdings auch noch jahrelang gedulden.

Um die Kommunen im Ahrtal zu unterstützen, hat der Landesbetrieb Mobilität (LBM) die zentrale Koordination der Planungen für die Arbeiten am Radweg übernommen.

Insgesamt muss im Bauverlauf mit kurzfristigen Sperrungen und Umleitungen gerechnet werden, über die regelmäßig informiert wird.

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