Wer beim Fahrradfahren keinen Helm tragen möchte und trotzdem auf Kopfschutz Wert legt, der kennt den Airbag-Helm von Hövding. Das schwedische Unternehmen brachte den Kragen, der sich beim Sturz innerhalb eines Sekundenbruchteils zu einem Airbag für den Kopf entfaltet, im Jahr 2011 auf den Markt. Airbag statt Helm: Das Konzept des schwedischen Unternehmens Hövding ist europaweit auch als "Airbag-Helm" bekannt.
Funktionsweise des Airbag-Kragens
Die Funktionsweise: Integrierte Beschleunigungssensoren überwachen laufend die Bewegungen des Radlers. Diese vergleicht nach der Aktivierung des Systems 200-mal pro Sekunde über mehrere Sensoren die Bewegungen des Radfahrers mit einem vorher programmierten Bewegungsmuster. Um die Software mit Bewegungsdaten zu füttern, wurden laut Hersteller tausende Stürze und Unfälle mit Stuntfahrten und Crashtest-Dummies nachgestellt. Sensoren registrieren 200 Mal pro Sekunde die Positionsänderung. Erkennt das System einen Sturz, wird der Airbag in weniger als 0,1 Sekunden ausgelöst.
Bei einem Unfall löst dieser innerhalb von 0,1 s aus. Die Gasdruck-Kartusche schießt hinten aus der keilförmigen Einheit und baut schlagartig eine neun Zentimeter dicke Polsterung auf, die sich über den Kopf stülpt. Das geht so schnell, dass man es kaum bewusst wahrnimmt: Ein lautes „Peng“, der Airbag ist da. Wie eine riesige Kapuze zieht sich der Airbag weit über den Kopf. Der riesige, prall gefüllte Airbag-Helm schützt Kopf und Nacken umfassend. Und das Ganze hat auch seinen Sinn: Der Nacken wird stabilisiert und die empfindliche Wirbelsäule geschützt.
Hat sich der Airbag einmal aufgeblasen hält er diesen Zustand mehrere Sekunden an, somit ist man selbst nach dem Sturz immer noch optimal geschützt. Danach muss er aber aus Sicherheitsgründen wie ein herkömmlicher Helm ersetzt werden.
Der Hersteller betont: Das System ist nur während der Fahrt zu aktivieren, denn der Algorithmus in der Steuereinheit auf dem Rücken ist mit den typischen Bewegungsmustern von Fahrradunfällen program- miert. Die Stufen zum Bäcker hochstolpern, könnte sonst mit einem teuren Knalleffekt vor der Theke enden.
Vorteile des Hövding Airbag-Systems
- Überlegener Schutz: In über 10.000 dokumentierten Unfällen hat der Hövding-Airbag Radfahrer effektiv geschützt.
- Umfassender Schutz: Der Hövding beschützt bei einem Sturz den gesamten Kopf und auch den Halsbereich.
- Freies Sichtfeld: Außerdem bleibt dein Sichtfeld stets frei und ist nicht eingeschränkt.
- Komfort: Du behältst deine Frisur und kannst unter Kunststoff und Hartschaum nicht schwitzen. Lediglich der Hals wird von dem Airbag System umschlossen.
- Einfache Aktivierung: Aktiviert wird der Helm über einen kleinen Druckknopf kurz vor dem Losfahren. Du legst den Airbag um deinen Hals und schließt den Reißverschluss.
Nachteile und Einschränkungen
- Nicht wiederverwendbar: Der Hövding kann nicht wiederverwendet werden und kostet 349 Euro.
- Eingeschränkter Tragekomfort: Der Kragen ist nicht wirklich angenehm zu tragen, er kratzt zwar nicht, aber es ist schon ein großes Gerät, das da um den Hals hängt.
- Nicht für alle Unfallszenarien geeignet: Allerdings schützt er nicht in allen Unfallszenarien so gut wie ein Helm, zum Beispiel beim Crash mit einer Lkw-Tür oder einem Lkw-Spiegel.
- Aktivierung erforderlich: Wichtig ist, dass du das System immer erst unmittelbar vor dem Fahren aktivierst und stets den Akkustand prüfst.
- Eingeschränkter Einsatzbereich: Ein Wort zum Einsatzbereich - dieser Airbag ist nur für Cityradfahrer geeignet. Dabei ist nur das Fahren in der Stadt und auf Straßen zu verstehen. Für Off-Road-Strecken oder mit dem BMX-Bike sind die Helme nicht ausgelegt.
Alternativen zum Hövding
Neben dem Hövding gibt es auch andere Alternativen auf dem Markt, die ähnliche Schutzfunktionen bieten:
- Minerva-AS GmbH: Das Unternehmen entwickelt Airbag-Systeme, die in einem Rucksack verstaut werden. Das Prinzip ist vergleichbar mit anderen Airbag-Systemen. Ein Beschleunigungssensor aktiviert eine Druckpatrone, die in Bruchteilen von Sekunden einen Luftsack aufbläst.
- nFrontier Pylo: Eine andere Alternative zum Hövding hat das Berliner Innovationsbüro nFrontier entwickelt: den Helm Pylo. Seine Besonderheit: Er beherbergt einen Airbag für das Gesicht.
Insolvenz von Hövding und Zukunftsaussichten
Im Dezember 2023 überschlugen sich plötzlich die Ereignisse und führten zum Crash von Hövding, des europaweit bekannten schwedischen Herstellers für den alternativen Kopfschutz beim Radfahren. Nun ist der Hersteller insolvent. Hövding macht dafür die schwedische Verbraucherschutzbehörde verantwortlich. Diese habe nach negativ verlaufenen Testes des aktuellen Modells Hövding 3 am 1. November 2023 ein zunächst vorläufiges Verkaufsverbot gegen das Unternehmen erlassen und am 15. Dezember 2023 ein dauerhaftes Verkaufsverbot sowie einen Rückruf für Hövding 3 angekündigt.
Seit 2024 war Hövding Teil von iSi Automotive - einem international tätigen Technologieunternehmen mit Hauptsitz in Österreich und langjähriger Erfahrung in der Entwicklung und Herstellung von Airbags für die Automobilindustrie. Nach der Übernahme der Marke Hövding durch die iSi Group wird die Technologie des Produktes vollständig neu entwickelt - auf Basis höchster Sicherheitsstandards aus der Automobilindustrie. iSi hat diese Kritikpunkte eingehend geprüft und adressiert sie gezielt in der Entwicklung des Hövding 4.
iSi Wearable Safety, gemeinsam mit der iSi Automotive Group, bringt das Produkt auf ein neues Level: Durch die Integration fortschrittlicher KI-Technologie wird die Leistung weiter optimiert. Hövding 4 wird voraussichtlich Mitte 2026 auf den Markt kommen. Die iSi Wearable Safety ist Eigentümerin der Marke Hövding sowie aller damit verbundenen Rechte und Patente.
ADAC Test des Hövding 3
In der Crashanlage des ADAC Technik Zentrums Landsberg wurde 2021 dieses Szenario nachgestellt, um den Airbag-Helm Hövding 3 zu testen. Mit 18 km/h fährt Stuntman Paul Wilk auf die geöffnete Autotür zu, prallt mit seinem Fahrrad gegen die Tür, hechtet drüber und landet nach einer Rolle vorwärts auf dicken blauen Gymnastikmatten. Im Flug hat mit einem lauten Knall der Hövding ausgelöst, umschließt und schützt seinen Kopf - optisch erinnert der entfaltete Airbag an eine Trockenhaube für den privaten Gebrauch.
Auf den Aufnahmen der Spezialkamera erkennt man im Zeitraffer, dass sich der Airbag komplett geöffnet hat, als Stuntman Wilk etwa drei Viertel seines Saltos hinter sich hat. "Der Airbag hat sich innerhalb kürzester Zeit, nach 80 Millisekunden, voll entfaltet", sagt Michael Peuckert, ADAC Projektleiter für Produkttests.
Eine Untersuchung der Universität Straßburg bescheinigt dem Hövding einen sehr guten Schutz vor Kopfverletzungen. Das kann ADAC Experte Peuckert bestätigen: "Wenn ich nach vorn oder zur Seite falle, ist die Wahrscheinlichkeit, dass er auslöst und schützt, sehr hoch." Gut sei auch, dass der Hövding sich sehr schnell entfaltet.
Vergleich: Hövding vs. traditioneller Fahrradhelm
Im Gegensatz zu anderen Fahrradhelmen wird der Helmairbag nur von einem Unternehmen entwickelt, Hövding. Die Idee kam in Schweden auf, als die Helmpflicht für Kinder bis 15 Jahren eingeführt wurde. Viele Erwachsene traten die Diskussion los, ob es auch bei ihnen eine Helmpflicht geben könnte und welchen Helm man wirklich gerne tragen würde.
Die Testergebnisse sind überraschend: der Airbag Helm ist deutlich sicherer als ein einfacher Fahrradhelm. Bei einem Aufprall mit 25 km/h kann es schon passieren, dass du zu 90% Verletzungen trotz Helm davonträgst. Mit dem Airbag Modell liegt die Wahrscheinlichkeit einer Verletzung bei 25 km/h bei 3%. Die Zahlen sprechen also für sich. Auf der G-Kraft-Skala erreichen herkömmliche Fahrradhelme etwa 196 bis 294 g. Je niedriger dieser Wert ausfällt, desto besser.
Hier eine Zusammenfassung der wichtigsten Unterschiede:
| Merkmal | Hövding Airbag-Helm | Traditioneller Fahrradhelm |
|---|---|---|
| Schutzwirkung | Umfassender Schutz von Kopf und Nacken | Schutz des Kopfes |
| Auslösemechanismus | Sensoren erkennen Sturz und lösen Airbag aus | Kein Auslösemechanismus |
| Sichtfeld | Freies Sichtfeld | Kann Sichtfeld einschränken |
| Komfort | Frisur bleibt erhalten, kein Schwitzen unter Kunststoff | Kann zu Schwitzen führen |
| Einsatzbereich | Hauptsächlich für Cityradfahrer | Für verschiedene Fahrradtypen geeignet |
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