AJS Motorrad Modelle: Ein umfassender Überblick

AJS Motorcycles hat seinen Sitz in Hampshire. In diesem Artikel werden die verschiedenen AJS-Motorradmodelle vorgestellt, von den frühen Einzelstücken bis hin zu den späteren Twin-Modellen und Rennmaschinen. Wir liefern einen mit möglichst vielen Fakten vollgepackten Abriss über die Firma AJS, wie sie entstanden ist, was sie produziert hat und welche kleine Geschichten damit verbunden sind.

AJS Singles: Modellübersicht

Hier ist eine detaillierte Übersicht der AJS Single-Modelle von 1910 bis 1931:

ModellTypB x H (ccm)VergaserGängeZündung
1910 - 11Asv70 x 76 (292)Brown & Barlow1U.H. Mag.
1912Asv70 x 82 (315)AMAC1U.H. Mag.
1913Bsv70 x 91 (349)AMAC2 od. 3U.H. Mag.
1914Bsv70 x 91 (349)AMAC2 od. 3U.H. Mag.
1915Bsv70 x 91 (349)AMAC2 od. 3Thompson Bennet
1916Bsv74 x 81 (349)AMAC2 od. 3Thompson Bennet
1921Bsv74 x 81 (349)AMAC3Thompson Bennet
1922B, B1, B2sv74 x 81 (349)AMAC3Lucas Mag.
1923B, B1sv74 x 81 (349)AMAC3Lucas Mag.
1924B, B1, B5sv74 x 81 (349)AMAC3Lucas Mag.
1925E3, E4, E5sv74 x 81 (349)Binks3Lucas Mag.
1926G3, G4, G5sv74 x 81 (349)Binks3Lucas Mag.
1927H3, H4, H5sv74 x 81 (349)Binks3Lucas Mag.
1928K3, K4, K5sv74 x 81 (349)Binks3Lucas Mag.
1929M3, M4, M5sv74 x 81 (349)Amal3Lucas Mag.
1930R4, R5sv74 x 81 (349)Amal3Lucas Mag.
1931S3sv65 x 75 (498)Amal3Lucas Coil

Hier ist eine detaillierte Übersicht der AJS Single-Modelle ab 1932:

ModellZyl.TypB x H (ccm)VergaserGängeZündung
1932T22sv85,5x85,5 (982)Amal4Magneto
193333-22sv85,5x85,5 (982)Amal4Magneto
193434-22sv85,5x85,5 (982)Amal4Magneto
193535/22sv85,5x85,5 (982)Amal4Magneto

AJS Twins: Modellübersicht

Alle AJS Twins haben einen sv-Motor. Hier ist eine detaillierte Übersicht der AJS Twin-Modelle bis 1931:

ModellB x H (ccm)VergaserGängeZündung
1912D (70 x 82, 631)AMAC2U.H. Mag.
1913D (74 x 81, 696)AMAC2 od. 3U.H. Mag.
1914D (74 x 87, 748)AMAC2 od. 3U.H. Mag.
1915D (74 x 87, 748)AMAC3Splitdorf
1916D (74 x 87, 748)AMAC3Dixie Mag.
1921D (74 x 93, 799)AMAC3Thompson Bennet
1922D (74 x 93, 799)AMAC3Thompson Bennet
1923D (74 x 93, 799)AMAC3Thompson Bennet
1924D, D1 (74 x 93, 799)AMAC3Lucas Magdyno
1925E1 (74 x 93, 799)Binks3Lucas Magdyno
1926G1 (74 x 93, 799)Binks3Lucas Magdyno
1927H1 (74 x 93, 799)Binks3Lucas Magdyno
1928K1 (74 x 93, 799)Binks3Lucas Magdyno
1929M1 (84 x 90, 996)Binks3Lucas Magdyno
1930R2 (84 x 90, 996)Amal3Lucas Mag.
1931S2 (84 x 90, 998)Amal3Lucas Mag.

Hier ist eine detaillierte Übersicht der AJS Twin-Modelle ab 1932:

ModellB x H (ccm)VergaserGängeZündung
1932T2 (85,5 x 85,5, 982)Amal4Magneto
193333-2 (85,5 x 85,5, 982)Amal4Magneto
193434-2 (85,5 x 85,5, 982)Amal4Magneto
193535/2 (85,5 x 85,5, 982)Amal4Magneto
193636/2 (85,5 x 85,5, 982)Amal4Magneto
193737/2, 37/2A (85,5 x 85,5, 982)Amal4Magneto
193838/2, 38/2A (85,5 x 85,5, 982)Amal4Magneto
193939/2, 39/2A (85,5 x 85,5, 982)Amal4Magneto
194040/2 (85,5 x 85,5, 982)Amal4Magneto

AJS Racing-Modelle

Alle Racing-Modelle von AJS bis 1932 haben einen Single Motor mit Lukas Magnet-Zündung und ein 3-Gang Getriebe. Die Werksrenner waren teilweise auch mit 4-Gang Getrieben ausgestattet.

Modellgeschichte der AJS Model 16 350MS (1947-1966)

Die AJS Model 16 350MS wird ab 1947 von Associated Motor Cycles (AMC) in Plumstead, London, als zivile Weiterentwicklung der militärischen Matchless G3L produziert. Die Modellbezeichnung „16“ steht für die 350er-Klasse bei AJS, während das Suffix „MS“ ab 1949 für die Einführung der neuen Hinterradfederung mit Schwinge („Spring Frame“) steht. Die AJS Model 16 350MS bleibt bis 1966 im Programm und ist technisch eng mit der Matchless G3LS verwandt.

Baujahr 1947-1948 - Rückkehr zur Zivilproduktion

Nach dem Zweiten Weltkrieg nimmt AMC 1947 die zivile Produktion der AJS Model 16 wieder auf. Die ersten Modelle basieren weitgehend auf der militärischen G3L, mit einem starren Hinterbau und Telegabel vorn. Der 348-cm³-Einzylindermotor mit hängenden Ventilen (OHV) wird übernommen. Die Bezeichnung „MS“ wird in diesen Jahren noch nicht verwendet.

Baujahr 1949-1955 - Einführung der Schwingenfederung

1949 führt AMC die neue Hinterradfederung mit Schwinge und zwei Federbeinen ein. Ab diesem Zeitpunkt trägt das Modell die Bezeichnung AJS Model 16MS. Die Vorderradgabel bleibt eine AMC-Telegabel. Die elektrische Anlage stammt von Lucas, mit 6-Volt-Batterie, Zündmagnet und Lichtmaschine. Die Sitzposition ist aufrecht, mit Einzelsattel und optionalem Soziussitz. Die Soziustauglichkeit ist gegeben, jedoch eingeschränkt im Komfort.

Baujahr 1956-1960 - technische Verfeinerungen

In der zweiten Hälfte der 1950er-Jahre erfährt die AJS Model 16MS mehrere technische Verbesserungen. Die Kurbelwelle wird überarbeitet, die Schmierung optimiert und die Kupplung verstärkt. Die Auspuffanlage wird modifiziert, um den Geräuschpegel zu senken. Die Lackierung bleibt klassisch britisch: schwarzer Tank mit goldenen Linierungen. Die Bereifung erfolgt serienmäßig auf 19-Zoll-Felgen, meist mit Dunlop-Reifen, wie aus AMC-Teilekatalogen hervorgeht.

Baujahr 1961-1966 - letzte Modelljahre

Ab 1961 wird die AJS Model 16MS mit einem Amal Monobloc-Vergaser ausgestattet, was die Gasannahme verbessert. Die Leistung bleibt nahezu unverändert. Die Instrumentierung besteht aus einem zentralen Smiths-Tachometer im verchromten Rundscheinwerfer. Ein LC-Display ist nicht vorhanden. Die Produktion endet 1966, als AMC in wirtschaftliche Schwierigkeiten gerät und die Produktion klassischer Einzylinder-Modelle einstellt.

Ist die AJS Model 16 350MS für Anfänger geeignet?

Die AJS Model 16MS bietet mit ihrer linearen Leistungsentfaltung, der aufrechten Sitzposition und dem gutmütigen Fahrverhalten eine grundsätzlich anfängerfreundliche Charakteristik. Allerdings erfordert sie technisches Verständnis, da sie über Vergaser, Zündmagnet und Trommelbremsen verfügt.

Hat die AJS Model 16 350MS ABS?

Nein, die AJS Model 16MS ist nicht mit einem Antiblockiersystem ausgestattet. Sie besitzt Trommelbremsen an Vorder- und Hinterrad.

AJS Model 16 350MS vs. Matchless G3LS - Unterschiede?

Die AJS Model 16MS und die Matchless G3LS sind technisch nahezu identisch. Unterschiede bestehen hauptsächlich in der Markenemblematik, Tankform und Lackierung. Beide Modelle stammen von AMC und teilen sich Rahmen, Motor und Fahrwerk.

AJS Model 16 350MS - Tankinhalt und Reichweite?

Der Tankinhalt beträgt laut AMC-Teilekatalog 3 Imperial Gallons (ca. 13,6 Liter). Bei einem dokumentierten Verbrauch von rund 80 mpg (ca. 3,5 l/100 km) ergibt sich eine Reichweite von etwa 380 Kilometern.

Kann man mit der AJS Model 16 350MS zu zweit fahren?

Ja, die AJS Model 16MS ist mit einem optionalen Soziussitz und Beifahrerfußrasten ausgestattet.

AJS Bilston 125 für Führerschein A1 und B196

Die AJS Bilston 125 ist ein britisches 125er-Retro-Bike made in China mit womöglich um die 1.000 Kilometer Reichweite. Wer ein schickes Retro-Bike für die A1-Klasse oder seinen Autoführerschein mit B196-Erweiterung sucht, schleckt sich bei dieser 125er wahrscheinlich die Finger.

AJS Bilston 125 kostet rund 2.800 Euro

Auf der Insel kostet die AJS Bilston 125 erschwingliche 2.349 Pfund, was rund 2.800 Euro entspricht. Für das Geld gibt es einen luft- und ölgekühlten Viertakt-Einzylindermotor mit Kraftstoffeinspritzung, dohc und nicht gerade fulminanten 11,4 PS bei 9.000/min. In der 125er-Klasse sind maximal 15 PS erlaubt. Diesen Wert treibt die AJS Bilston 125 also nicht auf die Spitze.

Ganz im Gegensatz zur Reichweite! In den Tank passen 19 Liter Treibstoff. Für den Verbrauch gibt der Hersteller 1,84 Liter pro 100 Kilometer an. Das ergäbe rein rechnerisch 1.055 Kilometer Reichweite. Beeindruckend. Wir gehen davon aus, dass der Realverbrauch im Alltag etwas höher liegt. Geschaltet wird durch 5 Gänge, beschleunigt auf maximal um 95 km/h. Auf die Waage bringt das 125er-Retro-Bike fahrfertige 132 Kilogramm.

125er-Retro-Bike mit CBS-Bremssystem

Die AJS Bilston 125 rollt auf schlauchlosen 17-Zoll-Gussrädern mit Reifen der Dimensionen 90/90 vorn und 130/80 hinten. Vorn federt eine nicht einstellbare, konventionelle Teleskopgabel, hinten sind es zwei Stoßdämpfer, vermutlich ebenfalls nicht einstellbar.

Für die Verzögerung ist vorn wie hinten jeweils eine Bremsscheibe vorhanden, im Verbund mit einem kombinierten Bremssystem (CBS), das in der Produktion günstiger kommt als ein vollwertiges ABS. Für den Preis von rund 2.800 Euro geht das in Ordnung. Zum Vergleich: Ein 125er-Retro-Bike wie beispielsweise die Brixton Cromwell 125 kostet (Stand: Oktober 2024) mit CBS 2.799 Euro, mit dem optionalen ABS wären es 2.999 Euro.

Einsteigerfreundliche Sitzhöhe von 780 mm

Die Sitzhöhe von 780 mm dürfte auch für etwas kleinere Fahrerinnen und Fahrer passen. Für die weiteren Maße gibt der Hersteller 2.050 mm in der Länge an, 785 mm Breite sowie 1.080 mm Höhe, der Radstand beträgt 1.340 mm.

Im Hinblick auf die Ausstattung hält es die AJS Bilston 125 Retro-Bike-typisch einfach: Im Cockpit informiert ein rundes LC-Display über Geschwindigkeit, Drehzahl, Gangstufe und Tankinhalt. Einfach ja, altmodisch nein, denn in Sachen Licht setzt die AJS Bilston 125 rundum auf LED-Beleuchtung.

AJS Bilston 125 mit Yamaha-Motor

Die AJS Bilston 125 ist in Großbritannien in 3 Farben erhältlich: "Foundry Black" (Schwarz), "Ember Red" (Rot) und "Steel Blue" (Blau). Sie wird in China produziert und in Großbritannien verkauft. Ihr 125er-Motor basiert übrigens auf dem der Yamaha YBR 125, der durch einige Anpassungen angeblich die Euro-5-Hürde packt. Wenn das der Fall wäre, könnten die Briten das reichweitenstarke Retro-Bike auch bei uns auf dem europäischen Festland anbieten.

Die Historie von AJS

Zur schnellen Übersicht der Geschichte von AJS sind hier die wichtigsten Daten und Ereignisse zusammengefasst:

  • 1897: Das erste Motorrad mit dem Namen „Stevens“ wird hergestellt.
  • 1909: Das erste Motorrad mit dem Namen „AJS“ erscheint.
  • 1911: Erstmalig am Start der TT.
  • 1914: Sieg in der Junior-TT. "A.J. Stevens & Co. Sechstagefahrt.
  • 1921: Howard Davies gewinnt Senior-TT mit der 350er. AJS Erster, Zweiter und Dritter in der Junior TT.
  • 1922: Erster und Zweiter in der Junior-TT. „Big-Port“ Modelle erscheinen.
  • 1923: Käufliche Big Ports in Produktion.
  • 1924: Erste Runde in Junior-TT mit 60mph Durchschnitt durch Jimmy Simpson, der auch 350er Europameister wird.
  • 1926: Erste Runde in Senior-TT mit 70mph Durchschnitt durch Jimmy Simpson. Rex Adams gewinnt Amateur-TT. Die neuen 500cc OHV Modelle erscheinen.
  • 1927: Auf der Isle of Man erscheinen die neuen OHC-Modelle. Die SV Tourenmodelle werden nun auch mit 500ccm angeboten.
  • 1928: Konstruktion einer Reihen-Vierzylinder Versuchsmaschine.
  • 1929: AJS Maschinen besitzen 117 Weltrekorde. Die neuen Satteltank-Modelle werden vorgestellt
  • 1930: Jimmy Guthrie gewinnt Lightweight-TT. V-Zweizylinder mit 500 cm³ wird gebaut.

Eine Marke wird geboren

Vater Joe erreichte durch sein genaues Arbeiten einen guten Ruf als Techniker für sich und sein Geschäft, das sich Stevens Schraubenfabrik nannte. Er sah die Entwicklungsmöglichkeiten von Verbrennungsmotoren voraus und stellte sie sich als Antrieb für Holzsägen und Wasserpumpen vor.

Big-Port Modelle

AJS bezeichnete offiziell erst 1934 Modelle mit dem Namen „Big-Port“. Doch schon 1922 war es eine Maschine für die Junior, die für die Fans diesen berühmten Namen trug. Sie war die Weiterentwicklung der OHV-Ajay von 1920, mit der Cyril Williams damals die TT gewann. So können wir also die Spur der „Big-Ports“ bis zu diesem Epoche machenden Modell zurückverfolgen.

Cammy-AJS (OHC) Modelle

Gegen Ende des Jahres 1926 war man bei AJS zu der Überzeugung gelangt, dass die Big-Port, so schnell sie auch zweifelsohne war, in nächster Zukunft von der Konkurrenz, wenn diese erstmals ausgereifte OHC-Konstruktionen vorweisen sollten, überholt werden würden.

Alec Bennett schlug ja in der 1926er Junior Trophy Jimmy Simpson auf der Stoßstangen-AJS und hatte zu dessen Missfallen als erster überhaupt mit einer OHC-Maschine die schnellste Runde auf der Insel geschafft. So kam es denn bei AJS, dass Ingenieur Phil Walker mit der Entwicklung einer solchen Konstruktion betraut wurde.

AJS Serienmaschinen 1911 - 1919

Nachdem die Gebrüder Stevens den Motorenbau als gewinnbringenden Firmenzweig etabliert hatten, beschäftigten sie auch mehrere Jahre lang mit dem Gedanken, eigenverantwortliche Motorradkonstrukteure zu werden. Sie hatten bereits verschiedene Komponenten für andere Hersteller, einschließlich Rahmen produziert und Jack und Joe fuhren regelmäßig bei Trials und Beschleunigungsrennen mit verschiedenen mit Stevens-Motoren bestückten Maschinen mit.

AJS Serienmaschinen 1920 - 1929

Erst zur Motorcycle Show 1923 wurde die kopfgesteuerte 350er werbewirksam angeboten. Aufgrund der von den Stevens nach langen und intensiven Testfahrten gemachten Erfahrungen sollte sie den Namen „Super Sports“ tragen. Basierend auf der Big-Port war diese Konstruktion mit gewissen Verbesserungen in Bezug auf die Standfestigkeit versehen. Das gesamte Erscheinungsbild war vorzüglich und jeder Zentimeter der kleinen AJS zeugte davon, was für ein Vollbluthengst (oder Stute, je nach Geschmack) sie war.

AJS Serienmaschinen 1930 - 1939

Durch die in der Saison 1929 erreichten 117 Weltrekorde (!!!) fühlte sich A.J. Einen großen Anteil an den Erfolgen der letztjährigen Rekordfahrten gebührte dem Brooklandsexperten Nigel Spring, der für die Vorbereitung und Bearbeitung und Bert Denly, einem der herausragenden Racer, der für das Fahren der Maschinen verantwortlich war. Mehrere der dadurch gewonnenen Erfahrungen, die zu dieser beispiellosen Flut von Rekordverbesserungen beigetragen haben, flossen in die Fertigung der Serienmaschinen ein.

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