Dieser Reisebericht dokumentiert eine Motorradtour durch Albanien, die vom 28. Mai bis zum 17. Juni stattfand. Die Reise führte durch verschiedene Regionen Albaniens und beinhaltete sowohl landschaftliche als auch kulturelle Höhepunkte.
Der Beginn der Reise
Nach einer 22-stündigen Überfahrt erreichten wir Griechenland. Wir verließen das griechische Igoumenitsa am späten Nachmittag in Richtung Norden. Nach 30 Kilometern erreichten wir die albanische Grenze. Dort trafen wir Walter und Jenny, die wir auf der Fähre kennengelernt hatten. Sie waren auf einer KTM unterwegs. Gemeinsam beschlossen wir, bis Ksamil zu fahren.
Der griechische Grenzer fertigte uns schnell ab und zeigte sich erstaunt: „Ihr wollt echt nach Albanien?“ Nahe der Tankstelle bemerkten wir riesige, tiefe Löcher anstelle von Gullydeckeln. Wir fuhren Richtung Saranda, wo sich unsere Wege trennten. Walter und Jenny fuhren weiter entlang der Küste, während wir ins Landesinnere Richtung Gjirokastër abbogen. Saranda ist ein langgezogener Urlaubsort, aber Anfang Juni war dort wenig los.
Komansee und Valbonatal
Da die Fähre über den Komansee ausgebucht war, unternahmen wir eine Touristenfahrt auf dem See. Es war die richtige Entscheidung, um den Komansee kennenzulernen, ohne unser Wohnmobil den schlechten Straßenverhältnissen auszusetzen. Unser geplanter Besuch des Valbonatals erschien uns unlogisch, da der Landweg weit ist und ein großer Teil des Rückweges über die gleiche Strecke führen würde. Wir beschlossen, in den Osten Richtung Kukës zu fahren, um dann über Nordmazedonien zum Ohridsee zu gelangen.
Nach einem ausgiebigen Frühstück fuhren wir los. Wir sahen Störche, ein Denkmal für die Mutter Teresa und fuhren fast alleine über einsame Straßen und Dörfer. Bis kurz vor Kukës ging es bergauf, bergab und durch viele Kurven in schöner Landschaft. Danach konnten wir uns auf einem Stück neu gebauter Autobahn ausruhen.
In den letzten Tagen sind wir so viele Bergstrecken gefahren, wie noch nie. Die Straßen waren teilweise sehr fordernd und viele Erinnerungssteine mahnen zur Vorsicht. In Albanien werden diese Gedenksteine, die an den verschiedenen Straßen auf verstorbene Menschen hinweisen, als „Vdekjeprurëse“ bezeichnet.
Begegnungen mit Einheimischen
Als wir im Niemandsland eine Mittagspause machten, fragte uns ein Albaner, ob wir Hilfe benötigten. Am War Memorial parkten wir unser Wohnmobil neben einem Feldweg auf einer Wiese. Ein Wagen hielt - eine Mutter fuhr mit ihren drei Kindern nach Hause. Auf meine Frage, ob man hier mit dem Wohnmobil stehen bleiben darf, sagte sie auf Englisch „Ja, natürlich!“
Während ich eine Runde mit der Drohne flog, kamen plötzlich zwei junge Burschen über die Wiese und baten mich, ein Foto von ihren Schafen von oben zu machen. Als Dank schenkten sie uns selbst gepflückte Wiesenblumensträuße. Wir luden sie auf eine kleine Jause mit Süßigkeiten ein und plauderten einige Zeit. Später bekamen wir Besuch von drei Burschen, die aufdringlich wurden und Geld verlangten. Wir beschlossen, weiterzufahren.
Nach diesem kleinen Abenteuer fuhren wir zu einer Tankstelle, wo ich Zamir M. kennenlernte. Er erklärte mir, dass solche Vorfälle vorkommen können und bot uns an, neben seiner Tankstelle kostenlos zu übernachten. Am nächsten Morgen bedankte ich mich bei Zamir für seine Gastfreundschaft mit einem kleinen Geschenk.
Ohridsee und Umgebung
In der Nähe von Lin suchten wir uns am Ohridsee einen Stellplatz. Er zählt zu den ältesten Seen der Welt und weist eine eigene Fauna und Flora auf. Wir sahen Schmetterlinge und fürchteten uns vor Schlangen im Wasser. Unsere „Nachbarn“ erklärten uns, dass die Wasserschlangen hier sehr verbreitet, aber harmlos sind.
Gegen Abend machten wir uns auf den Fußweg in das Örtchen Lin, um eine Ohridseeforelle (albanisch: Koran) zu verspeisen. Zwei Motorrad-Veteranen waren mit ihren BMW’s in der Türkei und kamen zufällig hier vorbei. Später gesellte sich noch ein älteres Ehepaar dazu und interessante Gespräche folgten.
Osum Canyon
Der Osum Canyon war unser nächstes Ziel. Die Ränder der Schlucht haben ein ungewöhnliches Ökosystem, das das Grün auf beiden Seiten der Schlucht das ganze Jahr über bewahrt. Mediterrane Büsche wie Heide und Dornbusch gedeihen zusammen mit einer reichen Flora und Fauna.
Wir fuhren quasi bis zum Ende der Schlucht oder besser gesagt: Bis zu einer Brücke. Am Abend standen wir Mutter Seelen alleine in dieser einsamen Gegend, nur ein einsamer Hirte mit seiner Herde zog vorbei.
Berat und das Brautloch
Vorher ging es noch in die touristisch bekannte Stadt Berat, die auf dem Rückweg lag. Auf der Rückfahrt erkundeten wir das Bride’s Hole, um das sich folgende Legende rankt: „Öffne die Felsen, um mich zu retten“, flehte das Mädchen und sie wurde erhört und vor ihr öffnete sich ein Hohlraum. Sie sprang vom Pferd und versteckte sich für immer in dem Loch im Felsen.
Berat - Die Stadt der Tausend Fenster
Die ca. 60.000 Einwohner zählende Stadt gehört zum UNESCO Weltkulturerbe. Durch enge Gassen wanderten wir den steilen Weg hoch zur Burg (Kalaja). Von hier hat man eine wunderbare Aussicht auf die Stadt und die Umgebung. Wir ließen es uns gut gehen und einen Kaffee schmecken, kauften Kirschen, beobachteten die vielen Menschen hier heroben und schlenderten anschließend wieder ins Tal.
Erfahrungen und Beobachtungen
Während unserer Reise durch Albanien machten wir verschiedene Beobachtungen:
- Straßenverhältnisse: Die Straßen sind unterschiedlich. Einige sind neu gebaut und gut befahrbar, während andere in schlechtem Zustand sind.
- Verkehr: Der Verkehr kann chaotisch sein, insbesondere in Städten.
- Gastfreundschaft: Die Menschen in Albanien sind sehr gastfreundlich und hilfsbereit.
- Armut: Albanien ist eines der ärmsten Länder in Europa.
- Bunker: Überall im Land gibt es Bunker aus der Zeit des Diktators Enver Hoxha.
Tabelle: Kostenübersicht
Hier ist eine Übersicht der durchschnittlichen Kosten in Albanien:
| Posten | Durchschnittliche Kosten |
|---|---|
| Durchschnittliches Monatseinkommen | € 430 |
| Hotelzimmer | € 35 |
| Appartement | € 20 |
Gjirokastër
Ankunft in Gjirokastër. Die historische Altstadt zählt seit 2005 zum UNESCO-Weltkulturerbe und ist ein lebendiges Beispiel alter osmanischer Kultur und Städtebaukunst auf dem Balkan. In den engen, steilen Gassen der Altstadt wollen wir versuchen ein Zimmer zu bekommen. Vor dem Kokoni B&B spricht uns eine nette Albanerin an. Ihre Zimmer sind zwar klein, aber alles ist hell und unsere Gastgeber Vita und Haxhi Kokoni sind sowas von nett, dass uns die Entscheidung quasi abgenommen wird.
Theth
Wer als Motorradfahrer nach Albanien kommt, wird früher oder später auf den Namen „Theth“ stoßen. Keine Reise nach Albanien, ohne den Besuch des unter Kennern berühmt-berüchtigten Bergdorfs. Ich hörte unterschiedliche und widersprüchliche Aussagen über die beiden Strassen (Nordroute über Koplik, Dedaj, Boba und Südroute via Prekal und Lotaj) nach Theth und war nun gespannt was mich erwartet. Die einen behaupten, die SH21 wäre ein Alptraum, die anderen meinen immerhin eine Herausforderung, wieder andere sagen sie sei asphaltiert.
Rückreise
Die Rückreise verlief reibungslos, und das Überqueren der Grenze war genauso unkompliziert wie zuvor im Kosovo und in Nordmazedonien. Der freundliche Grenzbeamte warf nur einen kurzen Blick auf den Reisepass, den Fahrzeugschein und die grüne Versicherungskarte. Die Prozedur dauerte vielleicht eine Minute und er winkte mich durch.
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