Der Kardanantrieb hat eine lange Tradition, findet aber in der Motorradwelt seltener Verwendung als der günstigere Kettenantrieb. Manche Hersteller schwören in ihren Reiseenduros jedoch auf den Antrieb ohne Kette, die Modelle gelten als die Besten am Markt. Mit den ersten Modellen vor dem ersten Weltkrieg geht die Geschichte des Kardanantriebs weit zurück.
Die Geschichte und Beliebtheit des Kardanantriebs
Auch die Ingenieure von BMW verwenden seit ihrem ersten Motorrad namens R32 Kardanwellen und sind heute der beliebteste Hersteller, wenn es um solch einen Antrieb geht. Denn die Vorteile liegen klar auf der Hand: Der Kardanantrieb ist ein geschlossenes System, wird also nicht durch Dreck verunreinigt. Folglich ist er langlebiger, eine Kilometerzahl an die 100.000 Km ist nicht unüblich. Auch die Wartungsintervalle fallen seltener aus, außer einem gelegentlichen Ölwechsel muss der Antrieb nicht wie eine Kette regelmäßig gepflegt werden.
Verbindet man diese Eigenschaften mit der Langstreckentauglichkeit einer Reiseenduro, hat man das perfekte Fahrzeug für lange Touren und den alltäglichen Weg zur Arbeit.
Vor- und Nachteile des Kardanantriebs
Sieht man sich die Kehrseite der Medaille an, wird man aber auch Nachteile am Kardanantrieb finden. Der Größte davon ist die aufwendige Technik. Diese hat mehr Gewicht als der Kettenantrieb, beim Bewegen im Stand fällt das am meisten auf. Ebenfalls sind Reparaturkosten höher als bei anderen Motorrädern. In der Regel sind zwar Reparaturen nicht allzu häufig, wenn aber eine Dichtung oder ein Bauteil getauscht werden muss, geht das schnell ins Geld.
Trotzdem bleiben Modelle mit Kardanantrieb wie die BMW R 1200 GS bei den Käufern durch ihre Vielseitigkeit beliebt. Von der Tour über Alpenpässe, bis zum Rennstreckeneinsatz ist alles mit ihnen möglich.
Funktionsweise des Kardanantriebs
Der Kardanantrieb ist ein Antriebssystem, das die Kraft vom Motor auf das Hinterrad überträgt, ohne dabei die Vorteile des Federungskomforts zu hemmen. Dies geschieht durch eine Kombination aus einer Kardanwelle mit einem Winkelgetriebe.
Die Kardanwelle, oft auch als Kardantriebswelle bezeichnet, ist das Herzstück des Kardanantriebs. Sie besteht aus mehreren miteinander verbundenen Rohren und Gelenken, die die Drehbewegung vom Getriebe zum Hinterradantrieb übertragen. Das Kardangelenk ermöglicht die notwendige Winkeländerung, um Unebenheiten in der Straße auszugleichen, während die Kraft gleichmäßig übertragen wird.
Vorteile im Detail
- Der Kardanantrieb zeichnet sich durch eine direkte Kraftübertragung aus, die ein stabiles und kontrolliertes Fahrverhalten unterstützt.
- Unmittelbare Beschleunigung und ein präzises Handling werden dadurch ermöglichen. Dies trägt zur Sicherheit und Fahrpräzision bei.
- Die ausgeklügelte Konstruktion des Kardanantriebs minimiert den Verschleiß und erfordert nur geringfügige Wartung. Dies erhöht die Zuverlässigkeit und senkt die Unterhaltskosten.
Nachteile im Detail
- Der Kardanantrieb ist zwar robuster, aber auch komplexer und schwerer als andere Antriebsarten. Dieses zusätzliche Gewicht kann das Handling und die Agilität des Motorrads beeinflussen. Die Wartung kann aufgrund der komplizierten Bauweise zudem anspruchsvoller sein.
- Der Kardanantrieb kann zu einer Trägheit in den Bewegungen des Motorrads führen, insbesondere beim Einlenken und Herausbeschleunigen aus Kurven. Der sogenannte „Antriebseinfluss“ kann zu subtilen Veränderungen im Fahrverhalten führen.
Wartung und Pflege des Kardanantriebs
Planen Sie eine regelmäßige Wartung des Kardanantriebs alle 12.000 bis 15.000 Kilometer oder einmal im Jahr ein. Bei aggressiver Fahrweise oder häufigen Langstreckenfahrten kann eine häufigere Inspektion erforderlich sein. Überprüfen Sie bei der Wartung die Ausrichtung der Kardanwelle, den Zustand der Gelenke und die Schmierung.
Tipp zur Verlängerung der Lebensdauer: Verwenden Sie hochwertige Schmiermittel wie vollsynthetische Getriebeöle mit geeigneter Viskosität (z. B. SAE 85W-140). Solche Schmiermittel bieten eine verbesserte Temperaturbeständigkeit und Schutz vor Verschleiß. Beachten Sie die empfohlenen Schmierintervalle und halten Sie die Antriebskomponenten sauber und gut geschmiert.
Und falls es doch kaputt geht, eine grobe Schätzung für den Kardanwechsel könnte in einer Spanne von 300 bis 1000 Euro liegen.
Performance und Fahrerfahrung
Der Kardanantrieb sorgt für eine direkte Übertragung der Motorleistung auf das Hinterrad, was eine sofortige Beschleunigung und eine ausgewogene Fahrdynamik gewährleistet. Dies führt zu einer stabilen Performance in verschiedenen Fahrsituationen.
Im Vergleich zu Ketten- und Riemenantrieben bietet der Kardanantrieb den Vorteil einer geringeren Wartungsintensität. Dies bedeutet weniger Aufwand für die Instandhaltung und mehr Zeit, um die Fahrt zu genießen.
Technologische Entwicklung und Zukunftsaussichten
Die zukünftige Entwicklung des Kardanantriebs könnte auf verbesserten Materialien und leistungsstärkeren Dämpfungssystemen beruhen, um Vibrationen zu minimieren und das Gesamtfahrerlebnis zu optimieren. Leichtbau könnte ebenfalls eine größere Rolle spielen um Gewicht zu sparen.
Der Kardanantrieb wird wohl weiterhin in Touring- und Cruisermotorrädern eine bedeutende Rolle spielen, da er sich als zuverlässiges, wartungsarmes System etabliert hat. Gleichzeitig könnten Innovationen den Kardanantrieb auch für andere Motorradtypen attraktiver machen.
Vergleich mit anderen Antriebsarten
Vergleich der Antriebsarten: Kardanantrieb, Kettenantrieb und Riemenantrieb - finde heraus, welcher für Dich die optimale Wahl darstellt!
Kettenantrieb
Im Vergleich zum Kettenantrieb zeichnet sich der Kardanantrieb durch seine geringere Wartungsintensität aus, da er keine regelmäßige Schmierung und Anpassung erfordert. Der Kettenantrieb ermöglicht hohe Leistung, erfordert jedoch regelmäßige Schmierung und Justierung, ist jedoch pflegeintensiver.
Riemenantrieb
Der Kardanantrieb besticht durch seine Widerstandsfähigkeit und präzise Kraftübertragung, während der Riemenantrieb mit ruhiger Fahrweise und geringem Wartungsaufwand punktet. Der Riemenantrieb hingegen zeichnet sich durch eine leisere Fahrt und weniger Pflegebedarf aus.
Motorräder mit Kardangetriebe
- BMW: BMW ist bekannt dafür, Kardanantrieb in vielen seiner Motorradmodelle einzusetzen, insbesondere in den Touren- und Adventure-Bikes wie der BMW R 1250 GS und der BMW K 1600 GT.
- Ducati: Obwohl Ducati hauptsächlich für seine sportlichen Motorräder bekannt ist, verwenden sie auch in einigen Cruiser-Modellen wie der Ducati XDiavel den Kardanantrieb.
- Moto Guzzi: Der italienische Hersteller Moto Guzzi ist berühmt für seine Cruiser- und Touring-Modelle, die oft den Kardanantrieb verwenden, wie die Moto Guzzi California oder die Moto Guzzi Audace.
- Yamaha: Yamaha hat den Kardanantrieb in einigen seiner Touring- und Cruiser-Modelle wie der Yamaha Royal Star Venture und der Yamaha Star Venture eingesetzt.
- Triumph: Triumph setzt Kardanantrieb in einigen seiner klassischen Modelle ein, darunter die Triumph Bonneville T120 und die Triumph Thruxton.
- Honda: Während Honda hauptsächlich Kettenantrieb verwendet, haben sie auch in einigen ihrer Modelle wie der Honda Gold Wing den Kardanantrieb eingesetzt.
- Harley-Davidson: Harley-Davidson verwendet oft Kardanantrieb in seinen Touring-Modellen wie der Harley-Davidson Electra Glide und der Harley-Davidson Road King.
Japanische Klassiker mit Kardanwelle
Neben den Kardan-Traditionalisten BMW und Moto Guzzi entdeckten Anfang der 80er-Jahre nämlich auch die Japaner die Vorzüge der wartungsarmen Dauerwelle. Vorreiter war Honda mit der CX 500, die bereits seit 1978 auf der Erfolgswelle schwamm.
In der Folge rollte eine wahre Flut neuer Kardan-Motorräder aus Japan nach Europa. Alleine Honda führte 1983 mit CX500, CX 500/650 E, VT 500 E und der CBX 650 E fünf klassische, unverkleidete Kardan-Tourer mit 50 PS im Programm. Großer Beliebtheit erfreuten sich ebenso Yamaha XJ 650 und Kawasaki GT 550, während die einst geschmähte Suzuki GS 650 G Katana erst in den letzten Jahren ihre Rehabilitation als gesuchtes Liebhaberstück erfuhr.
Honda CX 500 (1978 - 1983)
Ihr pummeliges Design, die glatten Zylinder mit den merkwürdig verdrehten Köpfen oder die gewöhnungsbedürftige Lampenmaske entsprachen nie dem gängigen Schönheitsideal. Dennoch wurde die Honda CX 500 ein Riesenerfolg. Speziell Tourenfahrer ließen sich vom hohen Komfort und der wartungsfreundlichen Technik überzeugen, die überdies mit einer bemerkenswerten Standfestigkeit aufwartete. Davon profitierten auch die anderen Mitglieder der CX-Familie, die mit 500 oder 650 cm³ als Chopper, GL-Tourer und den gefälliger gestylten E-Modellen bis 1987 angeboten wurden.
Honda VT 500 E (1983 - 1987)
Für Honda war die Sache klar: Mit schlanken 204 Kilogramm, sechs Gängen, harmonischer Leistungsentfaltung, dem gleichermaßen wendigen wie stabilen Fahrwerk sowie dem nahezu reaktionsarmen Kardan sollte die VT 500 E eigentlich locker an den Verkaufserfolg des CX-Pummelchens anknüpfen können. Doch daraus wurde nichts. Obwohl die VT 500 E der älteren Schwester sowohl bei den Fahrleistungen als auch beim Fahrverhalten deutlich überlegen war, hielt sich das Käuferinteresse in Grenzen: Nur rund 4500 Exemplare konnte Honda zwischen 1983 und 1987 von dem schlanken V2-Allrounder losschlagen, er wirkte wohl einfach zu unscheinbar.
Honda CBX 650 E (1983 - 1987)
Hondas Antwort auf Yamahas XJ 650 fiel sehr gewöhnungsbedürftig aus. Die Mischung aus Tourer und Cruiser - Basis war ein Soft-Chopper nach US-Geschmack - missfiel, ebenso die Pendelneigung bei flotter Gangart.
Kawasaki GT 550 (1983 - 1989)
Tatsächlich zählt Kawas kleiner Tourer, der 1983 das Kardan-Programm nach unten abrundete, zu den besonders robusten Vertretern seiner Zunft. Bieder zwar, aber ausgesprochen bequem und leicht beherrschbar. Die Kardanreaktionen fallen gering aus, ebenso der Spritverbrauch.
Suzuki GS 650 G (1981 - 1982)
Nein, am Aussehen lag es nicht, dass die Kardan-Katana nach nur zwei Jahren wieder verschwand. Eher schon am hohen Preis und den Motorschäden. Konsequenz: Der Ruf der 650er war dahin, das Käuferinteresse ebenso.
Yamaha XZ 550 (1982-1984)
Als Sportler zu touristisch, als Tourer zu sportlich - mit der XZ 550 lag Yamaha völlig daneben. Was auch am eigenwilligen Design lag. Und den Fahrwerkschwächen bei flotterem Tempo. Heute zählt die XZ 550 zu den absoluten Dumpingangeboten unter den Kardan-Tourern.
BMW R 80
Mit dem Stapellauf der überarbeiteten R 80 im Frühjahr 1985 begann bei BMW die Neuzeit der Straßen-Boxer. Erstmals wurde das Hinterrad wie bei der G/S ebenfalls von einer Einarmschwinge geführt. Neu waren zudem das Design der Räder, die Sitzbank sowie der Heckbürzel, während die Bayern den Zweiventil-Boxer nur geringfügig modifizierten.
Honda NTV 650
Es kommt nicht von ungefähr, dass vor allem Motorradkuriere auf die Honda NTV 650 schwören. Tatsächlich gilt das V2-Triebwerk des unscheinbaren Kardan-Tourers als unverwüstlich, es steckt selbst Laufleistungen von weit über 100000 Kilometern locker weg.
Technische Daten ausgewählter Modelle
| Modell | Motor | Leistung | Hubraum |
|---|---|---|---|
| Honda CX 500 (1978) | Flüssigkeitsgekühlter Zweizylinder-Viertakt-V-Motor | 37 kW (50 PS) | 497 cm³ |
| Honda VT 500 E (1983) | Flüssigkeitsgekühlter Zweizylinder-Viertakt-V-Motor | 37 kW (50 PS) | 491 cm³ |
| Honda CBX 650 E (1983) | Luftgekühlter Vierzylinder-Viertakt-Reihenmotor | 37/55 kW (50/75 PS) | 655 cm³ |
| Kawasaki GT 550 (1983) | Luftgekühlter Vierzylinder-Viertakt-Reihenmotor | 37 kW (50 PS) | 553 cm³ |
| Suzuki GS 650 G (1981) | Luftgekühlter Vierzylinder-Viertakt-Reihenmotor | 37/54 kW (50/73 PS) | 673 cm³ |
| Yamaha XZ 550 (1982) | Flüssigkeitsgekühlter Zweizylinder-Viertakt-V-Motor | 37/47 kW (50/64 PS) | 552 cm³ |
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