Der Winter 2022 verspricht ungemütlich zu werden. Schließlich sind Strom, Gas und Treibstoffe so teuer wie nie. Allerdings ist die Energieversorgung laut dem Bundeswirtschaftsministerium gesichert (Quelle: bmwk.de, bundesnetzagentur.de), für den Notfall laufen drei Atomkraftwerke bis April 2023 weiter. Ob ihr bei einem zumindest kurzen, lokalen Stromausfall oder einem Brownout den Akku eures E-Bikes als Powerbank nutzen könnt, verraten wir euch in diesem Ratgeber.
Kann man den E-Bike-Akku als Powerbank nutzen?
Diese Frage lässt sich leider nicht klar beantworten; es kommt auf den Bordcomputer an. Denn leider können nur wenige E-Bike-Akkus euer Handy oder andere Gadgets aufladen. Meist kann die Batterie nur über die Anschlüsse am Display des Systems angezapft werden - üblicherweise wird dafür eine Micro-USB-Buchse zur Verfügung gestellt.
Allerdings bietet euch diese üblicherweise weniger als 1 Ampere. Haushaltsgeräte könnt ihr so also nicht betreiben. Damit könnt ihr höchstens das Entladen eures Handyakkus verlangsamen, wenn ihr energieintensive Anwendungen wie Google Maps nutzt. E-Bike-Displays von Bosch sind verglichen mit denen anderer Hersteller wie Shimano, Yamaha und Flyer etwas schwach auf der Brust. Erstere schaffen nur 0,5 Ampere, was viele Handys nicht mal als Ladung erkennen.
Eine komplette Zweckentfremdung des E-Bike-Akkus zur Energieversorgung in der Wohnung ist nicht möglich beziehungsweise nicht im Sinne des Herstellers. Unmöglich ist es allerdings nicht. Für die Neugierigen hat der YouTube-Kanal Autarkie einen E-Bike-Akku mit einem Steckersystem ausgestattet, um einen Wechselrichter anzuschließen. Damit lassen sich auch Alltagsgeräte im Notfall versorgen.
Hinweis: Wer nicht vom Fach ist, sollte von dem folgenden Experiment unbedingt die Finger lassen. Die Wechselspannung von 230 Volt kann tödlich sein.
Moderne E-Bike-Akkus bieten eine Kapazität von mindestens 500 Wattstunden. Ihr fahrt also stets ein kleines Kraftwerk, eine Powerstation oder zumindest eine Powerbank durch die Gegend. So nahe der Gedanke auch liegt, oft scheitert die Umsetzung. Es gibt im Netz ein paar Bastellösungen, die den Umbau eines E-Bike-Akkus samt Wechselrichter erklären. Von derartigen Experimenten raten wir aber strikt ab. Die meisten E-Bike-Akkus sind schlicht und ergreifend nicht auf die Nutzung als Powerbank ausgelegt und laden bestenfalls kleinere Gadgets über den am Lenker eingebauten Bordcomputer. Oft fließt hier nur so wenig Strom, dass es gerade einmal für das Aufladen des Handys reicht - wenn überhaupt! An ein Aufladen des Notebook-Akkus ist gar nicht erst zu denken.
Lemmo hat sein so genanntes Smartpac von Anfang an auch als Powerbank konzipiert, weil ihr das Pedelec dank "Dual Mode Hub" als ganz normales Fahrrad nutzen könnt. Das Smartpac kann nun als externe Powerstation genutzt werden. Smartphones, Kamera oder GPS-Gerät können ganz einfach per USB-C- oder USB-A-Anschluss verbunden und mit maximal 65 Watt geladen werden. Das Laden eines leeren iPhones gelingt so binnen weniger Stunden. Wir mögen den Ansatz des Berliner Startups, denn der Lemmo-Akku ist nicht nur ein extern nutzbarer Stromspeicher.
Im Smartpac steckt neben den Akkus die gesamte Motorsteuerung, GPS und zusätzliche IoT-Komponenten, die auch das Firmwareupdate aus der Ferne ermöglichen. Unseres Wissens nach ist Lemmo bislang der einzige Hersteller, der dieses Akku-Prinzip anbietet. Es dürften aber sicher bald mehr Hersteller folgen, denn die Vorteile liegen auf der Hand.
Der Antriebsentwickler Mahle stellt seinen neuen Energy Hub vor. Damit verwandelt sich ein zusätzlicher E-Bike-Akku, in eine praktische Energiequelle für andere Geräte, wie beispielsweise Smartphone, Notebook oder Tablet. Wer ein E-Bike mit einem Mahle X20 Antrieb, zum Beispiel ein Titici Dynamica, oder auch mit dem Nachfolgesystem X30 fährt, kann mit dem externen Akku eX1 (früher Range Extender e185) seine Reichweite steigern.
Der Hub misst im Durchmesser 90 Millimeter, ist 36 Millimeter hoch, wiegt lediglich 181 Gramm und macht aus der Zusatzbatterie eine praktische Powerbank. Die Idee, mit einem E-Bike-Akku auch andere Geräte mit Strom zu versorgen, ist zwar nicht neu. Auch bei den von uns bereits getesteten E-Bikes Lemmo One MK1 und MK2 kannst du den Akku als Powerbank nutzen. In diesem Punkt schlägt Mahle mit seinem Energy Hub einen anderen und zukunftsweisenden Weg ein.
Der Energy Hub ist mit einem Standard-USB-C-Anschluss ausgestattet. Dieser ermöglicht nicht nur die Nutzung als Powerbank, sondern vereinfacht auch das Aufladen der eX1. Zukünftig soll über USB-C eine Ladeleistung von bis zu 240 Watt möglich sein. Das würde auch für das Laden von E-Bike-Akkus ausreichen. Daher dürfte der Wegfall spezieller Netzteile und die flächendeckende Nutzung von USB-C im E-Bike-Sektor nur eine Frage der Zeit sein.
Alternativen zum E-Bike-Akku: Powerbanks und Solargeneratoren
Wer sich nicht in potentielle Lebensgefahr bringen möchte, der sollte einen Blick auf echte Alternativen werfen und nicht seinen E-Bike-Akku zerlegen. Falls ihr echte Bedenken bezüglich eurer Stromversorgung habt, geben wir euch gerne ein paar Optionen auf den Weg.
Eine Alternative zum Heimexperiment mit dem E-Bike-Akku sind Powerbanks wie die Anker 521 Powerhouse. Noch zuverlässiger ist die Verwendung einer Solar-Powerbank, die sich selbst wieder aufladen kann. Wenn euch ein mobiler Stromspeicher wie der Jackery Explorer 1000 Pro eine Nummer zu groß ist, ihr nur einen kleinen Balkon habt oder euch das System zu teuer ist, dann empfiehlt sich eine kleinere Powerbank mit integrierten Solarzellen wie die iPosible Solar Powerbank.
Ist der Akku leer und kein Strom in der Nähe, kann eine gute Powerbank den Akku von diversen Geräten wie Handys, Musikboxen und Navigationsgeräten wieder laden. Ist man mit dem Fahrrad unterwegs und versagt der Handy-Akku, hilft einem eine passende Powerbank die Zeit bis zur nächsten Steckdose zu überbrücken. Eine Powerbank kann jedoch mehr als nur das Smartphone zu laden. Als Stromquelle bietet es diversen Geräten eine Versorgung, die über einen normalen USB-Anschluss geladen und betrieben werden können.
Die Kapazität wird in mAh angegeben, dies steht für Milliampere. Je mehr Milliampere die Powerbank hat, umso öfter kann ein entsprechendes Gerät mit einer vollen Powerbank geladen werden. Hinweis: Wird die Kapazität auf 3.6 Volt Basis berechnet, so verringert sich die Kapazität bei 5 Volt Ausgang entsprechend.
Mindestens genauso wichtig wie die Fragen, wie lange hält eine Powerbank, ist auch die Frage nach dem Aufladen. Wie lange dauert es bis eine Powerbank vollständig geladen ist. Hier kommt es maßgeblich auf das Ladegerät bzw. das Netzteil an. Ein Netzteil mit 2 A Ausgangsleistung würde für eine 20000 mAh (20 A) Powerbank 10 Stunden benötigen. Eine 10000 mAh (10 A) Powerbank würde hingegen in 5 Stunden aufgeladen sein.
Oft kommt die Frage auf, ob man ein Notebook oder ein Laptop mit einer Powerbank laden kann. Hier kann man keine pauschale Aussage machen. Es kommt dabei ganz auf das Gerät an, das geladen werden soll. Normale Notebooks haben in der Regel einen höheren Leistungsbedarf, als eine Powerbank abgeben kann. Laptops benötigen meist 20/25/30/45 Watt oder mehr. Hybrid-Geräte, Tablets mit Tastatur oder kleine Laptops können unter Umständen geladen werden.
Das Gewicht ist neben den Abmessungen oftmals ein Entscheidungskriterium vor dem Kauf. Eine Powerbank mit 10000 mAh wiegt im Normalfall weniger als eine mit 30000 mAh. Gerade für das Bikepacking oder längere Radtouren ist das Gewicht durchaus ein Entscheidungsfaktor. Dennoch hat nicht jede 10000 mAh Powerbank dasselbe Gewicht. Möchte man die Powerbank bei einer Fahrradtour oder zum Bikepacking mitführen, sollte man sich für eine Variante entscheiden, die leicht ist und das zu ladende Smartphone bzw. Gerät 2,5 bis 4 mal laden kann. Damit ist die Zeit bis zur nächsten Steckdose gut überbrückt. Beim Navigieren mit GPS ist der Stromverbrauch meist höher. Die Powerbank für das Fahrrad kann dabei gut in einer Rahmentasche transportiert werden.
Es gibt Modelle, die haben auf einer Seite ein kleines Solarmodul. Hiermit kann der integrierte Akku durch Sonnenenergie aufgeladen werden. Ist man auf längeren Radtouren unterwegs, kann das Modul in einer Oberrohrtasche zur Sonne ausgerichtet werden und lädt die Powerbank wieder auf.
Je höher die Kapazität, umso länger dauert das Aufladen. Die Powerbank sollte in jedem Fall einen normalen USB Anschluss verfügen, in dem man ein beliebiges USB kabel einstecken kann. Darüber hinaus sind Buchsen für ein Mikro-USB und USB-C Anschluss empfehlenswert. Um den Ladestatus der Powerbank zu erfahren, haben die meisten Modelle kleine LEDs, die einem die Restkapazität anzeigen. Powerbanks mit hoher Kapazität bieten teilweise auch die Option zum Schnellladen an.
Die Powerbank sollte vor dauerhafter Sonneneinstrahlung geschützt werden. Wird mit dem externen Akku ein Gerät geladen, entsteht bereits Wärme.
Wer sich eine Powerbank für das Fahrrad kauft, sollte auf das Gewicht und die Kapazität achten.
Das richtige Ladegerät für das E-Bike finden
E-Bike Ladegerät ist nicht gleich E-Bike Ladegerät. Um den passenden Charger für das eigene Fahrrad zu finden, gibt es einiges zu beachten. Wir empfehlen Ihnen, sich folgende Fragen zu stellen, bevor Sie den Kauf eines Ladegeräts für Ihr E-Bike abschließen:
- Ist das neue E-Bike Ladegerät mit dem Hersteller Ihres E-Bikes kompatibel?
- Wie hoch ist die Eingangsspannung am E-Bike? Es gibt beispielsweise 36-Volt- und 48-Volt-Antriebe.
- Wie lang ist die Ladezeit des E-Bike Akkus mit dem jeweiligen neuen Ladegerät beziehungsweise wie viel Zeit müssen Sie für den Ladevorgang einrechnen?
- Welche Art von Akku soll das E-Bike Ladegerät laden und was ist beim Ladevorgang zu beachten?
Wenn Sie die Antworten auf diese Fragen parat haben, wird es viel einfacher sein, das perfekte Ladegerät für Ihr E-Bike zu finden.
Die verschiedenen Akkuarten und wie sie zu laden sind
Es ist nicht nur wichtig, das korrekte E-Bike Ladegerät zu finden, sondern auch genau zu wissen, welche Art von Akku im eigenen Fahrrad verbaut ist. Die richtige Akkupflege unterscheidet sich bei den verschiedenen Typen - um so lange wie möglich Freude am neuen E-Bike zu haben, gilt es folgende Dinge beim Laden zu beachten:
- Akkus, die auf Lithium-Ionen basieren: Heutzutage sind Lithium-Ionen-Akkus häufig vertreten und lassen sich beispielsweise auch in Smartphones finden. Bei diesen Akkus ist das E-Bike Ladegerät immer anzuschließen, bevor der Akku vollständig leer ist. Ansonsten kann es zu einer Tiefenentladung kommen, die den Akku des Geräts irreversibel schädigt. Der Akku ist regelmäßig zu kontrollieren, da auch während der Lagerung Energie verloren geht.
- Akkus, die aufNickel-Cadmium basieren: In diesem Fall ist das Ladegerät des E-Bikes anzuschließen, wenn der Akku fast vollständig leer ist. Wird der Akku häufig nur teilentladen, kann es zu einem Kapazitätsverlust kommen, eine Tiefenentladung ist jedoch zu vermeiden. Nickel-Cadmium-Akkus haben einen Memory-Effekt und sind meist nicht schnellladefähig, weswegen es genug Zeit zum Laden einzuplanen gilt.
- Akkus, die aufNickel-Metallhydrid basieren: Wie beim Nickel-Cadmium-Akku ist das E-Bike Ladegerät erst anzuschließen, wenn der Akku fast vollkommen entladen ist. Auch hier kann es bei häufiger Teilentladung zu Kapazitätsverlusten kommen - eine Tiefenentladung ist jedoch zu vermeiden.
Allgemein lässt sich sagen, dass die Akkus der E-Bikes mit allen gewöhnlichen 230-Volt-Steckdosen kompatibel sind - somit ist es ohne Probleme möglich, den E-Bike Akku an einer regulären Haushaltssteckdose zu laden.
E-Bike Schnellladegerät: Ja oder nein?
Es ist immer gut, die Bedienungsanleitung des E-Bike Herstellers sorgfältig durchzulesen. Hier finden Sie beispielsweise Fakten zum Ladegerät des E-Bikes oder ob Schnellladegeräte für Ihr E-Bike genehmigt sind. Gut zu wissen: Bei herkömmlichen Lithium-Ionen-Akkus steht einem Schnellladekabel nichts im Weg.
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