Jeder, der sich mit dem Mountainbike zu einem Alpencross aufmacht, sollte sich vorher genaue Gedanken machen, was er alles mitnehmen möchte. Eins ist klar: Eine Alpenüberquerung ist eine Tour voller Entbehrungen, denn jedes Gramm wird irgendwann zur Last. Mit dieser Packliste hast du alles dabei und dein Rucksack wird unter der magischen 7 kg Grenze liegen.
Nur das Nötigste, aber alles Notwendige - diese Devise gilt für die Bekleidung und Ausrüstung, die Biker auf einen Alpencross oder eine Mehrtagestour mitnehmen müssen. Gewichtsparen hat deshalb oberste Priorität, aber nur da, wo es sinnvoll ist. Denn was bringt es, wenn du den Fleece-Pulli zu Hause lässt und dir dann eine Erkältung auf der Abfahrt vom Pass holst.
Inhaltsverzeichnis
Grundsätzlich ist es von Vorteil so viel Gewicht wie möglich vom Rücken auf das Fahrrad zu verlagern. Eine Satteltasche und mindestens ein Flaschenhalter sollten deshalb am Bike sein. Trinkblasen sind zwar sehr praktisch, bei einer Mehrtagestour wie einer Transalp aber eher störend. Sie machen den Rucksack nicht nur um mehrere Kilos schwerer, sondern verringern auch das kostbare Volumen deutlich.
Eine Rolle spielt auch, wie die Route eurer Transalp verläuft. Kommt man täglich an Ortschaften vorbei, in denen man sich Lebensmitteln eindecken kann, so muss der Essens- und Trinkvorrat nicht ganz so üppig ausfallen. Auch die Wahl der Übernachtungslocation spielt eine Rolle bei der Zusammenstellung der Packliste. Schläft man nur auf Hütten, ist es ratsam mehr Wechselbekleidung mitzunehmen als bei einer Übernachtung in einer Pension mit Wäscheservice.
Im Folgenden findet ihr Vorschläge für alles, was ihr bei einer Alpenüberquerung dabei haben solltet.
Das solltest du am Körper tragen
Alles, was am Körper getragen wird, sollte vorher ausreichend getestet werden. Auch eine neue Radhose braucht ihre Eingewöhnungszeit. Zwei Stunden nach dem Start festzustellen, dass das neue Trikot scheuert und der Rucksack drückt, kann einem die komplette Tour vermiesen. Immer am Körper trägt man Folgendes:
- Helm: Der Helm schützt dich nicht nur vor Stürzen, sondern auch vor der Sonne. Um bei Regen trocken zu bleiben, solltest du auch einen Regenüberzug dabei haben.
- Sonnenbrille (mit UV-Schutz): Damit du nicht mehrere Brillen dabei haben musst, sind Brillen mit Wechsel- oder Vario Gläsern, die sich der Umgebung anpassen sinnvoll. Spezielle Fahrradbrillen sind so konzipiert, dass sie ein großes Sichtfeld haben und nicht gleich beschlagen, wenn es mal bergauf geht.
- Fahrradhandschuhe: Da es auch im Sommer in alpinem Gelände sehr kalt werden kann, sollten lange Fahrradhandschuhe stets dabei sein. Für höhere Temperaturen und als Reserve bietet sich ein zusätzliches Paar kurzer Handschuhe an.
- Fahrradhose: Die Wahl der Hose ist Geschmackssache. Pflicht ist eine gute Polsterung, ob enge Radhose oder Bikeshort ist dann zweitrangig.
- Fahrradtrikot: Wer sich beim Fahrradtrikot für eine kurze Variante entscheidet, kann dieses bei Bedarf mit Armlingen kombinieren und ist so auch für kühlere Temperaturen gerüstet.
- Funktionsunterhemd: Absolut empfehlenswert: Ein eng anliegendes Unterhemd aus Funktionsmaterial. Es transportiert den Schweiß nach außen, trocknet schnell und lässt einen bei Pausen nicht so schnell auskühlen.
- Fahrradschuhe: Vor allem bei langen Anstiegen spielen Fahrradschuhe in Kombination mit Klickpedalen ihre Stärken aus. Sie sollten deshalb auf keinen Fall bei einer Alpenüberquerung fehlen. Ebenso wichtig wie die Kraftübertragung ist aber die Eignung des Schuhs für längere Schiebepassagen. Ein ausreichendes Profil an der Sohle ist also unumgänglich.
- Fahrradsocken: Ein gut eingespieltes Duo aus Socken und Schuhen ist bequem und lässt auch beim Schieben keine Blasen entstehen. Sportsocken aus Kunstfaser trocknen schnell und bleiben länger geruchsneutral.
- Schlauchschal / Buff: Vielseitig einsetzbar und deshalb mit Stammplatzgarantie auf unserer Alpencross Packliste. Bei Kälte ersetzt es die Mütze und bei Sonne kann man Kopf und Nacken zusätzlich schützen. Beim Abfahren kann es vor Mund und Nase getragen werden um die kalte Luft nicht einatmen zu müssen.
- Trinkflasche(n): Ideal sind zwei Trinkflaschen am Bike. Eine mit Wasser und eine mit einem kohlenhydrathaltigem Getränk gefüllt. Bei Fullys lassen sich zwei Flaschenhalter in der Regel nicht realisieren, hier muss man auf Flaschen am Rucksack zurückgreifen.
Tipp: Sollte es doch zu Blasen kommen, kann Hirschtalg auf der betroffenen Stelle die Reibung reduzieren.
In der Satteltasche
Eine möglichst große Satteltasche bietet genug Stauraum, um alles was ihr für schnelle Reparaturen am Mountainbike braucht zu verstauen. Ausreichend Platz für alle hier aufgeführten Gegenstände bietet die VAUDE Satteltasche XL.
- Ersatzschlauch: Mindestens ein Ersatzschlauch pro Person ist Pflicht. Wird dieser gebraucht, sollte man so schnell wie möglich Ersatz besorgen.
- Flickzeug: Falls es hart auf hart kommt und euch ein Schlauch nach dem anderen abraucht, kann das gute alte Flickzeug euch zur nächsten Fahrradwerkstatt bringen.
- Kettenschloss: Falls mal die Kette reißt, ist sie mit einem Kettenschloss (und dem dazugehörigen Werkzeug/Multitool mit Kettennieter) in wenigen Minuten wieder fit. Aber nicht jedes Schloss passt zu jeder Kette. Deshalb vorher informieren.
- Schaltauge: Auch beim Schaltauge gibt es kein Ersatzteil das bei allen Bikes passt deshalb hat Spiegel Online dem Teil, das durch Bruch die Schaltung bei Schlägen schützen soll auch als “Staubsaugerbeutel des Sports” bezeichnet. Umso schlimmer, wenn es kaputtgeht und nicht getauscht werden kann. Hier sollte also vorgesorgt werden.
- Ersatz-Bremsbeläge: Die Abfahrten auf einer Alpenüberquerung können sehr lange und zahlreich sein und der Verschließ an Bremsbelag ist entsprechend hoch. Da die Teile nicht viel wiegen, sollte man 1-2 Ersatz-Beläge dabei haben und mit dem Wechsel vertraut sein.
- Kabelbinder/Klebeband/Schnur und Taschenmesser: Falls mal der MacGyver in euch gefragt ist, ist es immer gut was zum Basteln dabei zu haben. Man weiß ja nie…
Tipp: Speichert euch Bike Shops als Wegpunkte in eurem GPS. So findet ihr so schnell wie möglich Ersatzteile für eure Bikes.
Im Rucksack
Alles was ihr nicht am Körper oder Bike verstauen könnt kommt in den Rucksack. Wie eingangs erwähnt sollte dieser am Ende nicht mehr als 7 Kg wiegen. Je weniger, desto besser schließlich will die Verpflegung für den Tag auch noch verstaut werden. Mehr als 7 Kg sollte euer Rucksack nicht wiegen.
Aber nicht nur um das was, sondern auch um das wie solltet, ihr euch Gedanken machen. Ein falsch gepackter Rucksack kann schnell unangenehm werden. Ein guter Fahrradrucksack bietet zahlreiche Fächer und Zugangsmöglichkeiten. So gibt es keine Ausreden für einen falsch gepackten Rucksack und ihr kommt immer schnell an den benötigten Inhalt.
Nahrung
Die richtige Menge an Lebensmitteln ergibt sich aus Beschaffenheit der jeweiligen Etappe. Grundsätzlich sollte die Ernährung so normal wie möglich sein und nicht nur aus Gels und Riegeln bestehen.
Im Idealfall fahrt ihr also von einer Hütte zur nächsten und seid so immer versorgt. Das klappt aber meistens nicht, deshalb ist es gut, wenn man morgens zu Beginn der Etappe noch zum Supermarkt gehen kann und sich mit Verpflegung für den Tag eindeckt.
1-2 belegte Brötchen, ein bisschen Obst und schnelle Energie in Form von Keksen oder ähnlichem stellen sicher, dass ihr auch mal einen Tag ohne Einkehrmöglichkeit übersteht.
Ein isotonischer Drink und Energieriegel bzw. Gels gehören auch unbedingt auf die Packliste. Eine Flasche mit isotonischem Sportgetränk versorgt euch kontinuierlich mit schnell verfügbarer Energie und Mineralstoffen, die durch den Schweiß verloren gehen. So habt ihr mit jeden Gramm Pulver das ihr verbraucht mehr Platz im Rucksack.
Auch ein Riegel sollte immer griffbereit sein. Wenn ihr ausreichend gewöhnliche Nahrung zu euch nehmt solltet ihr mit 1-2 Riegeln pro Tag hinkommen.
Regenkleidung
Da 5-8 Tage auf einer Alpenüberquerung ohne Regen einfach nur ein großer Zufall wären ist gute Regenkleidung wichtig.
- Regenjacke: Eines der wichtigsten Kleidungsstücke auf euer Packliste. Eine gute Regenjacke schützt nicht nur vor Nässe, sondern auch vor kaltem Wind bei schnellen Abfahren.
- Regenhose: Ob lang oder kurz ist Geschmacksache. Eine kurze Regenhose nimmt jedoch nicht nur weniger Platz weg, sie sorgt auch für mehr Luftzirkulation an den Beinen.
- Gamaschen: Sehen zwar scheußlich aus, wer aber bei 3° auf 2.500 m im Regen fährt, macht sich über die Optik keine Gedanken mehr und freut sich sie dabeizuhaben.
- Helmüberzug: Siehe Gamaschen.
(Wechsel-) Kleidung
Wie eingangs geschrieben hängt eure Packliste für die Wechselbekleidung maßgeblich davon ab, ob ihr einen Wäscheservice zur Verfügung habt oder nicht. Steht euch ein solcher Service zur Verfügung könnt ihr bei der Kleidung ordentlich reduzieren.
- Traininghose: Eine dünne, lange Trainingshose aus Polyester nimmt wenig Platz weg und wiegt fast nichts.
- Unterhose & T-Shirt: Für den Abend, wenn die Bike-Klamotten in der Maschine sind benötigt man Wäsche und ein weiteres Shirt das man auch zu schlafen anziehen kann. Hier kann auch auf ein Ersatztrikot zurückgegriffen werden.
- Pullover/Jacke: Sowohl für Abends als auch für kalte Momente während der Tour sollte man einen Pullover oder eine leichte aber warme Daunen- oder Proimaloftjacke dabei haben.
- Hausschuhe: Ein leichtes Paar Zehensandalen reicht aus um auf der Hütte oder in der Pension nicht zum Putzdienst verdonnert zu werden.
- Beinlinge: Am morgen, wenn es noch frisch ist oder bei einer kalten Abfahrt ersetzen Beinlinge eine lange Hose um sich vor Kälte zu schützen.
Sonstiges:
- Zahnbürste & Zahncreme
- Duschgel/Schampoo
- Ohropax
- Notfallnummern:
- Europaweiter Notruf: 112
- Bergrettung Österreich: 140
- Bergrettung Schweiz: 144
- Bergrettung Italien: 118
- Papier und Stift
- Lippenpflege mit UV-Schutz
- Ladegerät für Handy und GPS
Persönliches
Selbstverständlich sollten auf eine Alpenüberquerung persönliche Dokumente und Bargeld mitgeführt werden.
- Ausweise: Auch Personalausweis, Gesundheitskarte und (sofern vorhanden) DAV-Ausweis solltet ihr nicht vergessen.
- Geld: Je mehr Zahlungsmittel man dabei hat, desto besser ist man gerüstet. In ländlichen Gegenden sollte man sich nicht auf die Möglichkeit einer Kartenzahlung verlassen und ausreichend Bargeld mitführen um Unterkunft oder Lebensmittel zu bezahlen. Für größere Ausgaben oder um für Bargeld-Nachschub zu sorgen sollte eine EC- und Kreditkarte nicht fehlen.
Das braucht man nur 1x pro Gruppe
Nicht jeder muss auf einer Alpenüberquerung alles dabei haben. Vieles lässt sich auch unter den Teilnehmern der Gruppe aufteilen. Je mehr Ausrüstung in der Gruppe aufgeteilt wird, desto wichtiger ist es stets in Sicht- und Rufkontaktweite zu fahren damit jeder bei Bedarf darauf zugreifen kann.
- Lappen Damit sind nicht eure Mitfahrer gemeint, sondern ein Tuch mit dem ihr das Mountainbike auch mal reinigen könnt.
- GPS & Karten Neben (mindestens) einem GPS sollten auch Karten auf einer Alpenüberquerung dabei sein. Sollte man mal von der geplanten Route abweichen ist man schnell auf sie angewiesen. Moderne Karten sind aus reiß- und wasserfestem Material. Für eine schnelle Orientierung kann die geplante Route vorher mit einem Stift markiert werden.
- Multitool Ein gutes Multitool verfügt über zahlreiche Werkzeuge für kleinere Reparaturen unterwegs. Mit Reifenheber, Inbus, Schraubendreher und Kettennieter seid ihr auf der sicheren Seite.
- Kettenöl Nach einer langen Tour sollte die Kette auch mal gereinigt und geschmiert werden damit die nächste Etappe ohne unerwünschte Nebengeräusche starten kann.
- Pumpe Kleine Pumpen gibt es oft mit Halterungen für den Rahmen, so kann Platz und Gewicht im Rucksack gespart werden. Auch das Mitführen einer Dämpferpumpe kann Sinn machen.
- Sonnencreme Eine Sonnencreme ist in der Höhensonne besonders wichtig. Eine gute ist schweiß resistent und hat lieber einen etwas höheren Lichtschutzfaktor. Auch eine kleine Tube Feuchtigkeitscreme oder After Sun kann Sinn machen, wenn einen doch mal der Sonnenbrand erwischt hat.
- Waschmittel Ein Waschmittel aus der Tube ersetzt im Notfall den Wäscheservice und gehört auf die Packliste jeder Mehrtagestour.
- Gesäßcreme Sie verhindert zwar nicht den Druck der durch Mensch und Rucksack auf dem Hintern lastet. Absolutes Must-have.
- Hygiene/Medizin Leider muss auch daran gedacht werden. Neben Verletzungen können auch Krankheiten einem das Leben auf einer Transalp schwer machen.
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