Alpencross mit Hardtail: Erfahrungen und Überlegungen

Die Alpen mit dem Mountainbike zu überqueren ist für viele ein Traum und eine Herausforderung. Eine wichtige Frage dabei ist, ob man ein Hardtail oder ein Fully bevorzugen sollte. Dieser Artikel beleuchtet die Erfahrungen mit einem Hardtail beim Alpencross und gibt wertvolle Tipps zur Routenwahl, Ausrüstung und Vorbereitung.

Fully oder Hardtail: Eine Grundsatzfrage

Viele Mountainbiker stehen vor der Entscheidung, ob sie ihren Alpencross mit einem Hardtail (ungefedertem Hinterbau) oder einem Fully (vollgefedertem Bike) bestreiten sollen. Grundsätzlich ist ein Fully die bessere Wahl, sobald das Gelände anspruchsvoller wird. Allerdings kann ein Hardtail unter bestimmten Voraussetzungen mithalten, besonders wenn die Route nur wenige schwierige Passagen aufweist.

Ich bin vor 2 Wochen von einer schönen Transalp (Leutasch - Levico Terme TN) zurückgekommen. Rund 370Km mit knapp 15.000HM. Das alles zu roundabout 80% auf Schotter/Waldwegen/Trails. In der 9er-Gruppe waren meine Frau und ich die einzigen mit Hardtails (Cross-Geometrie). Würde ich mit einem Hardtail nicht noch einmal machen.

Vorteile und Nachteile von Fullys und Hardtails

Hier eine Übersicht über die Vor- und Nachteile beider Typen, speziell im Hinblick auf einen Alpencross:

Fully (Vollfederung) Hardtail (nur Federgabel)
Vorteile:
  • Schonender für den Körper, längeres Sitzen im Sattel möglich
  • Stets beste Traktion und Grip
  • Grobere/Schwierigere Wege/Trails sind möglich
Nachteile:
  • Im Schnitt schwerer als ein Hardtail (Nachteil auf steilen Anstiegen)
  • Weitere mögliche Defektquelle am Hinterbau
  • Spezielles Werkzeug kann das Gepäck belasten (z. B. Dämpferpumpe)
  • Gepäckmontage am Rahmen u. U. problematisch
Vorteile:
  • Kann je nach Modell deutlich leichter sein als ein Fully
  • Weniger Last beim Tragen und Schieben
  • Einfachere Reparaturen
  • Gepäckmontage am Rahmen einfacher als beim Fully
Nachteile:
  • Rucksackgewicht drückt bei holprigem Untergrund mehr aufs Sitzfleisch
  • Körper ermüdet schneller
  • Verminderte Traktion am Hinterrad

Wie man das Bike auch in anspruchsvollerem Gelände sicher trägt, sollte man vor der Alpenüberquerung geübt haben.

Komfort und Fahrtechnik

Gerade auf langen Strecken spielt der Fahr- und Sitzkomfort eine entscheidende Rolle. Medizinische Untersuchungen beweisen, dass sich selbst kleinste Dauer-Vibrationen ermüdend auf den Organismus auswirken. Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Fahrtechnik. Deswegen vorher Techniktraining. Solide Fahrtechnik auf allen Untergründen ist das A & O.

Ich schätze mein Hardtail sehr. Kilometer fressen auch auf Waldwegen und auf leichtem Schotter ist kein Thema, easy. Aber: Downhill auf steilen Single Trails und im Mix-Gelände( tiefer Schotter, Wurzelwerk, lose und feste Steine) ist eben nicht das passende Terrain dafür. Schon gar nicht mit den schmalen Pellen und wenn's nass ist.

Ein wichtiger Aspekt ist auch die Reifenwahl. Voluminöse Reifen mit moderatem Luftdruck können den Komfort erheblich steigern, da sie sich optimal an den Untergrund anschmiegen und besser rollen.

Die richtige Route wählen

Die Wahl der Route hängt stark von der eigenen Fitness und dem Können ab. Für Neulinge eignen sich einfachere Routen durch Flusstäler mit breiten Fahrwegen. Generell empfehlen sich die Routen durch die Westalpen sowohl konditionell als auch technisch eher für Fortgeschrittene.

Es gibt viele Wege durch die Alpen u.a. kann man von links nach Rechts hunderte km und tausende Höhenmetern fahren. Das wäre aber eher die sehr fortgeschrittene Variante. Von oben nach unten ist die am meisten befahrene Route Garmisch > Gardasee.

Bekannte Transalp-Routen:

  • Ostalpen: Joe- und Heckmair-Route, Via Claudia Augusta
  • Westalpen: Vom Genfersee nach Ventimiglia

Die richtige Ausrüstung

Eine gute Vorbereitung ist das A und O für einen erfolgreichen Alpencross. Dazu gehört auch die richtige Ausrüstung. Der Rucksack sollte maximal acht Kilo wiegen und folgende Dinge enthalten:

  • Hose, Oberteil, Unterwäsche für die Abende
  • Regenjacke
  • Isolierende Schicht
  • Erste-Hilfe-Set
  • Biwaksack
  • Smartphone, Lademöglichkeit
  • Karte (digital und Papier)
  • EC-Karte, Bargeld, Personalausweis
  • Energieriegel, Snacks
  • Funktionshandtuch
  • Duschgel/Shampoo
  • Zahnbürste und -pasta
  • Deo
  • Sonnencreme
  • Ohropax

Neben dem persönlichen Equipment ist auch das richtige Werkzeug für eventuelle Reparaturen wichtig.

Vorbereitung und Training

Eine gute Grundlagenausdauer ist erforderlich, ein halbes Jahr Training schadet nichts. Regelmäßiges Radfahren im Alltag und Mehrtagestouren in der Umgebung sind ideal, um sich vorzubereiten. Wichtig ist auch, das Training mit gefülltem Rucksack zu absolvieren, um den Körper an die zusätzliche Belastung zu gewöhnen.

Zum Training: ich hab aktuell ein ganz brauchbares Sportpensum mit 5x/Woche entweder laufen, schwimmen oder Studio. Im April kommt ne Woche biken auf Malle dazu, ebenso hab ich Kurse für Radbeherrschung gebucht. Ab April wollte ich dann einmal die Woche den Donnersberg hoch oder hier durch den Pfälzer Wald.

Organisation und Planung

Es gibt zwei Möglichkeiten, einen Alpencross zu organisieren: selbstständig oder mit einem Veranstalter. Eine organisierte Tour bietet den Vorteil, dass sich der Veranstalter um die Streckenplanung, die Buchung der Unterkünfte und den Gepäcktransport kümmert. Wer die Tour selbst planen möchte, findet viele Tourenvorschläge auf einschlägigen Webseiten und in Büchern.

Geführte Touren sind halt um Einiges angenehmer. In der Regel wird Dein Gepäck transportiert, Du mussst Dir keinen Kopf um die Strecke machen und die Guides sind meist auch technisch versiert, falls es mal zu Defekten kommt.

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