Die Via Claudia Augusta ist ein unbestrittener Klassiker unter den Alpenüberquerungen und dies aus gutem Grund. Von extrem unterschiedlichen Landschaftseindrücken über die Kulturen vierer Staaten bis zu großartigen körperlichen Herausforderungen ist hier einfach alles dabei. Die Strecke vom kitschig-oberbayerischen Mittenwald bis zum legendären Gardasee gilt dabei als besonderes Highlight. Nicht sportliche Höchstleistungen stehen im Vordergrund, sondern die Nähe zur Natur und Leuten. Landschaftlich wunderschöne, fahrtechnisch leichte Transalp. Speziell ausgewählte Hotels sorgen für angenehmen Komfort unterwegs.
Die historische Römerstraße "Via Claudia Augusta" führt in sechs abwechslungsreichen Etappen relativ moderat über die Alpen. Es erwarten Sie keine fahrtechnischen Schwierigkeiten (Streckenanteil Asphalt: ca. 80%, fast keine Autostraßen) und keine Schiebepassagen. Sie legen rund 400 Kilometer zurück, schaffen 3900 Höhenmeter, überqueren den Fernpass, 1219 m, den Alpenhauptkamm am Reschenpass, 1507 m, und in Südtirol das Gampenjoch, 1518 m, um schließlich stolz und glücklich am Gardasee anzukommen.
Die Route ist auch mit einem E-Bike oder Trekkingrad gut fahrbar. Gerne möglich mit täglichem Beginn, auf Wunsch auch überwiegend Vier-Stern-Hotels.
Die Via Claudia Augusta kann als leichtester Alpenübergang für Radfahrende bezeichnet werden. Ihren Namen verdankt sie Kaiser Claudius, der ließ die Via Claudia Augusta zur ersten richtigen Straße über die Alpen ausbauen, die den Adriahafen Altinum mit der Donau verknüpfte. Die Route startet in Donauwörth und nach den ersten Kilometern gibt es bereits Zeugnisse der römischen Geschichte zu bestaunen, die Römerkastell Burghöfe bei Mertingen. Die Tour führt weiter entlang der Schmutter und dem Lech immer leicht bergauf bis Augsburg. In der Wasserstadt am Lech mit mehr Brücken als in Venedig bietet sich der erste Altstadt-Bummel an.
Routenverlauf und Etappen
Die Etappenziele sind nur Vorschläge, Sie können sich gerne andere Etappenziele auswählen.
Etappe 1: Individuelle Anreise nach Füssen
Füssen liegt an der alten Handelsroute unmittelbar am Fuß der Alpen.
Etappe 2: Füssen - Landeck (ca. 75 km)
Schlösser und Burgen säumen heute den Weg - die Schlösser Neuschwanstein und Hohenschwangau schicken Sie auf den Weg, um kurz nach Reutte eine gut bewältigbare Steigung hinauf zur Ehrenberger Klause/Burgruine Ehrenberg in Angriff zu nehmen. Von dort aus führt die Route weiter durch das Tiroler Außerfern bis Biberwier, von wo aus wir Sie per gemütlichem Transfer über den Fernpass bringen. Vom Schloss Fernstein aus radeln Sie dann via Nassereith durch das malerische Gurgltal bis Imst.
Dem Lech folgend erreichen Sie schnell Reutte in Tirol, von wo aus der erste Anstieg nach Ehrwald auf Sie wartet.
Etappe 3: Landeck - Ferienregion Reschensee & Obervinschgau (ca. 85 km)
Neben dem Inn führt der Radweg ab Landeck entlang des sogenannten Oberen Gerichts zunächst bis Pfunds. Hinter Pfunds liegt die Strecke ca. 10 Kilometer auf Schweizer Staatsgebiet. Von Martina im Unterengadin aus gilt es ca. 400 Höhenmeter entlang von ein paar Serpentinen bei stets gut bewältigbarer Steigung hinauf bis zur Norbertshöhe zu radeln. Nach einer kurzen Bergabpassage hinunter nach Nauders führt ein sanfter Anstieg weiter hinauf zum Reschenpass, wo Sie die Grenze nach Italien und damit den Alpenhauptkamm überqueren. Vorbei am Reschenstausee mit einem der bekanntesten Fotomotive Südtirols - dem versunkenen Kirchturm von Altgraun - radeln Sie rasant weiter hinunter Richtung Mals.
Auf dem Innradweg rollen Sie zunächst flussaufwärts bis zum Kreuzungsort Landeck an der Kreuzung vierer bedeutender Täler im Tiroler Oberland. Der Inn beschreibt hier einen Knick, dem Sie südwärts folgen. Nach einem kurzen Schluchtabschnitt geht es bequem weiter durch zahlreiche verträumte Tiroler Dörfchen, den Alpenhauptkamm stets im Blick. Einige Abschnitte abseits des Hauptradweges lohnen kurze Abstecher, so beispielsweise die steinerne Römerbrücke von Tösens. Kurz hinter Pfunds erreichen Sie die Grenze zur Schweiz und fahren durch die enge Innschlucht zum ersten Schweizer Dorf Martina. Von dort steht der Hauptanstieg zum Alpenhauptkamm bevor: die sehr aussichtsreiche, kaum befahrene Straße führt Sie in 11 Kehren hinauf zur Norbertshöhe (1405 m). Über das Skidörfchen Nauders erreichen Sie dann mit nur noch wenigen Kurbelumdrehungen den Reschenpass (1504 m), den höchsten Punkt der Tour.
Etappe 4: Ferienregion Reschensee & Obervinschgau - Meran (ca. 65 km)
Nun gilt es, den gesamten Vinschgau zu durchqueren. Dabei führt der Weg von rund 1.200 m Seehöhe in Burgeis hinunter auf 350 m Seehöhe in Meran. Oft folgen Sie dabei direkt dem Lauf der Etsch. Vom Startort aus führt diese Genusstour zunächst hinunter in die kleinste Stadt des Alpenraumes nach Glurns. Über den Marmorort Laas erreichen Sie dann Naturns und schließlich - vorbei an der markanten Burg Kastelbell - die Kurstadt Meran.
Der mediterran wirkende Vinschgau ist erreicht, Sie sind in Italien! Der vierte Tag ist ein Tag des Genusses: Die ganze Strecke bis Meran bleiben Sie auf dem schönen Vinschgauer Radweg, der die alten Dorfkerne der Weinorte passiert. Erst in der „kleinen Großstadt“ Meran wird das Ambiente dann richtig italienisch, hier ist eine Innenstadtbesichtigung natürlich Pflicht.
Etappe 5: Meran - Bozen via Region Kalterer See (ca. 70 km)
Viel Staunenswertes liegt an dieser Strecke: der berühmte Schnatterpeckaltar in der Kirche zu Niederlana, der höchste Kirchturm Südtirols in Terlan sowie zahlreiche Burgen und Ruinen auf beiden Talseiten. Auch die gereiften und edel verarbeiteten Früchte der Weinberge entlang der Südtiroler Weinstraße sind eine wahre Gaumenfreude. Genießen Sie ein gutes Glas Wein am Kalterer See oder an einem der beiden wild romantisch gelegenen Montiggler Seen bzw.
Weiter geht es auf dem abwechslungsreichen Via Claudia-Radweg das Etschtal hinab. Vorbei an Bozen gelangen Sie nachmittags auf einem schönen Bahntrassen-Radweg durch die Weinberge auf die die Südtiroler Weinstraße und zum Kalterer See (Bademöglichkeit). Danach ist die italienische Sprachgrenze erreicht. Im ersten Ort dahinter, dem charmanten Mezzolombardo mit seinem schönen Dorfplatz, übernachten Sie.
Etappe 6: Von Trient zum Gardasee
Am letzten Tag rollen Sie das Etschtal weiter hinab, vorbei an der Bezirkshauptstadt Trento und der kleinen, aber sehr sehenswerten Stadt Rovereto. Letztere ist der Punkt, an dem Sie die ursprüngliche Römerroute verlassen, die dem Tal noch bis Verona weiter folgte (auf Anfrage aber auch möglich!). Stattdessen führt Ihr Radweg Sie auf einer ehemaligen Bahntrasse über den niedrigen Passo San Giovanni zum Gardasee hinüber.
Streckenvarianten
- Trail-Variante Etappe 2: In der Trail-Variante liegen neben dem Panoramaweg 832 einige zusätzliche Höhenwege an Ihrer Strecke.
- Trail-Variante Etappe 3: Gleich von Imst weg geht es steil bergauf über die Pillerhöhe (1559 m), die den Innradweg abkürzt, eine tolle Aussichtsplattform am höchsten Punkt und eine Trailabfahrt bietet.
- Trail-Variante Etappe 3: Der Plamortboden (2050 m) kann radelnd oder mit der Gondelbahn erreicht werden. Mit Mussolinis berühmter Panzersperre und den Aussichtsfelsen ist die Strecke jeden Tropfen Schweiß wert, bergab geht es nach zünftiger Einkehr dann auf einem anspruchsvollen Enduro-Trail an den Reschensee (50 bzw.
- Trail-Variante Etappe 4: Der Vinschgau ist unter Mountainbikern für seine Trails sehr bekannt. So rollen Sie gleich vom Start weg auf einigen der bekannten Waalweg-Trails entlang künstlicher Wasserkanäle talauswärts. Auch der berühmte „Zugtrail“ im mittleren Teil des Tals ist Teil der Trail-Variante (bis 600 hm zusätzlich). Doch damit noch nicht genug: ab Naturns radeln Sie stramme 1500 hm hinauf zur Naturnser Alm und zum Vigiljoch (1743 m), was auch teilweise per Seilbahn überbrückt werden kann.
- Trail-Variante Etappe 5: Die Südtiroler Weinstraße ist Ausgangspunkt für gleich zwei Trail-Varianten. Der Mendelpass (1363 m) überquert an anderer Stelle die Sprachgrenze und erlaubt Aussichten bis zu den Dolomiten. Er kann radelnd oder per Standseilbahn erreicht werden. Bergab geht es auf Trails ins Nonstal und zum Zielort (200 bzw. 900 hm zusätzlich). Alternativ können die Montiggler Seen besucht werden.
- Trail-Variante Etappe 6: Durchaus einsteigergeeignet weicht die Variante gleich zu Etappenbeginn wieder von der Via Claudia-Route ab, um durch die Brenta-Dolomiten ans Ziel zu gelangen. Die beeindruckende Landschaft fällt hier steil zum Tal der Sarca ab, dessen Boden Sie nach langer Abfahrt erst beim Ort Sarche erreichen. Nun sind es nur noch 20 km Talstrecke, bevor Sie den Gardasee erreichen (900 hm zusätzlich). Alternativ kann mit Hilfe der Sardagna-Seilbahn von Trento aus etwas höhenmetersparsamer ins Sarcatal gelangt werden.
Zusätzliche Informationen
Es ist möglich, die Tour in 5 anstatt 6 Etappen zu fahren. Diese Einteilung ist dann etwas „straffer“. Sie fahren deutlich längere Etappen; Tag 2 ist auch in der Basisvariante mit 1400 hm eine anstrengende Etappe (ÖPNV-Überbrückungsmöglichkeiten bestehen aber natürlich dennoch). Auf dem Papier fallen bei der fünftägigen Einteilung lediglich die Möglichkeit der Zusatzstrecken Waalwege und Naturnser Alm weg, doch werden Sie in der Praxis aufgrund der Etappenlängen auch schlicht weniger Zeit (und evtl. weniger Kraft) haben, an allen Tagen Zusatzstrecken zu fahren.
Überlegenswert ist zudem immer ein Start in Garmisch anstatt in Füssen. So bleibt die Hochtörlealm mit dem bekannten Eibsee als Alternativstrecke an Tag 1 offen. Der Rücktransfer nach Garmisch ist sowohl per Taxi als auch per Bahn wesentlich schneller. An Werktagen schafft unser Partnertaxi die Strecke Torbole-Garmisch in 3 Stunden, mit der Bahn brauchen Sie 4 Stunden.
Die Tour kann auch ohne Guide/Gepäcktransport/Rücktransfer, mit Verlängerungs-Übernachtungen am Ziel, in 5 oder 7 Etappen, mit Start in Garmisch anstatt Füssen oder noch ganz anders durchgeführt werden.
Die Via Claudia Augusta im Überblick
Im Jahr 15 v.u.Z. eroberten die Stiefsöhne des römischen Kaisers Augustus die nicht eroberten Gebiete der Alpen und das nördliche Voralpengebiet. Unter Kaiser Claudius wurde die Straße bis zur Donau verlängert und endgültig fertiggestellt. Zu militärischen Zwecken und für den Handel wurde die Straße im ersten Jahrhundert erweitert. Claudius verlieh ihr den Namen "Via Claudia Augusta", benannt nach seinem Vater. In den ersten beiden Jahrhunderten wurde die Via Claudia Augusta zur wichtigsten Verbindung zwischen der Poebene und dem westlichen Voralpenraum und es bildete sich eine lebhafte Infrastruktur. Die beste Jahreszeit für die Via Claudia Augusta ist von April bis November. Dabei sollest du jedoch die Schneelage auf dem Fern- und Reschenpass im Auge behalten.
Die Via Claudia Augusta zählt zu einder der leichtesten Alpenüberquerungen und macht sich damit auch für untrainierte Aktivreisende interessant. Du fährst auf asphaltierten oder geschotterten Radwegen und ruhigen Nebenstraßen. Ursprünglich wurde sie militärisch genutzt, doch bald darauf entwickelte sie sich als wichtige Handelsroute. Es gibt noch zahlreiche Spuren und Wegsteine. Den Bau begründet hat Drusus, der Sohn Kaiser Augustus, kurz vor Christi Geburt. Erst 60 Jahre später wurde die Straße mit beidseitigen Entwässerungsgräben nach römischer Tradition ausgebaut.
Über Landsberg/Lech erreicht der Radweg das sehenswerte Füssen. Durch die herrliche Bergwelt erreicht der Weg nun Imst und führt im Inntal nach Prutz und Pfunds. Am Reschensee vorbei geht es nun traumhaft bergab entlang der Etsch über Glurns nach Meran. Der Fahrradweg führt an der Sonnenseite der Alpen weiter durch das schöne Meraner Land nach Lana. Immer weiter entlang dem Etschtal erreicht der Weg schließlich Trento mit seiner äußerst sehenswerten Innenstadt und dem romanischem Dom. Eine andere Variante von Trient aus führt nach Osten über die Berge und erreicht schließlich Feltre, eine wichtige Stadt des Altertums. Ziel ist schließlich Venedig.
Die nächste historische Altstadt erwartet die Radfahrenden südwärts am Lechufer, in Landsberg. Es geht kontinuierlich bergauf, die Alpen rücken näher. Zahlreiche Infotafeln am Wegesrand informieren über die römische Geschichte. Im hügeligen Voralpenland dann wartet Altenstadt mit der Romanische Basilika St. Michael und schließlich im deutschen Finale: die majestätischen Königsschlösser in Hohenschwangau. Dann überqueren die Radreisenden nach Füssen die Grenze zu Österreich.
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