Die größten englischen Motorradmarken waren einst "bekannter als Jesus" und die Beatles, und das weltweit. Ihre Motorräder beherrschten den Weltmarkt, sie gab es überall, natürlich in Europa.
Der Aufstieg und Fall der britischen Motorradindustrie
Mitte der Sechziger begann der Aufstieg der englischen Motorradmarken in der Motorradszene. Sie verkörperten Abenteuer und Unabhängigkeit, auch als ein Ausbruch aus dem bürgerlichen Spießertum. Die echten Traummaschinen kamen dagegen aus England und sorgten für Ehrfurcht. Sie wurden für schnelles Fahren gebaut.
Allerdings verschliefen die englischen Hersteller die Entwicklungen und konnten sich nicht über Wasser halten. Die Nachfrage ging von Jahr zu Jahr rapide zurück, viele Fabriken mussten die Tore für immer schließen. Von einem zweiten "Boom" war allerdings noch keine Rede.
Die Biker wollten sich abheben. Die Beatles machten Revolution und das völlig gewaltfrei!
Rennsport als Teststrecke
Um die Käuferschaft von der Qualität zu überzeugen, setzte man auf Sporterfolge. Bis auf eine Ausnahme, die Isle of Man, gab es das noch nicht. Die Isle of Man mit ihrem Sondergesetz ist bis heute die schwerste, aber auch gefährlichste Rennstrecke der Welt. Dort rast man zwischen Häusern und Felswänden, durch Alleen und über Berge. Das Wetter spielt auch eine Rolle, Regen und Nebel sind das Schlimmste. Der unvergleichbare Weltruf wurde auf der TT gelegt.
Die goldenen Zeiten: Innovation und Ingenieurskunst
Schnell erkannten die englischen Hersteller, dass sich Erfolge im Rennsport sich im Serienmaschinenbau fortsetzen. So versuchten sie, die schnellsten Maschinen zu bauen. Motorklang, Fahrgefühl und Fahrerlebnis waren einzigartig, englische Bikes waren das Maß der Dinge. Und dann gab es noch Vincent.
Vincent war der Rolls Royce unter den britischen Bikes. Philip C. Vincent produzierte mit einem ausgeklügelten Baukastensystem sauschnelle 500er Einzylindermaschinen und 1000er Sportmotorräder. Wie schnell die Maschinen tatsächlich waren, bewies Vincent am 13. September 1948 auf dem Bonneville-Salzsee. Vincent setzte im Serienbau einen enormen Qualitätsstandard. Die 1000er V-Motoren waren gut 170 km/h schnell. Nirgendwo auf der Welt gab es schnellere Motorräder.
Die japanische Herausforderung und das Ende einer Ära
Doch plötzlich standen die Japaner da. Triumph ließ sich jede Harley nass machen und brachte neue 750er Dreizylindermaschinen auf den Markt. Das brachte immerhin eine Spitze von 190 Sachen. Ein Spaß, der allerdings einen hohen Wegzoll forderte. Von hohen Laufleistungen konnte bald keine Rede mehr sein. Wer mit einem englischen Bike zurechtkommen wollte, musste was vom Schrauben verstehen. Doch das störte vorerst keinen.
Der Markt war bald fest in japanischer Hand. Die britische Motorradindustrie war am Ende, Kawasaki hießen die neuen Favoriten.
Comeback klassischer englischer Motorrad-Marken
Die großen Namen der Vergangenheit sind wieder da. Seit dem 23. Juni 2016 ist auch klar: Auf die Sterne der Europa-Fahne kann die Mehrheit von ihnen gut verzichten. Sie macht lieber ihr eigenes Ding.
Norton
Wer heute „Norton“ sagt, muss im gleichen Atemzug „Stuart Garner“ sagen, denn ohne den Selfmade-Millionär und Rennsport-Freak wäre die legendäre Marke wahrscheinlich längst Geschichte. 2014 kam mit der Dominator ein zweiter Commando-Ableger dazu, bevor Norton im Herbst 2016 auf der britischen Motorradmesse NEC den nächsten Paukenschlag präsentierte: das erste „all British hypersports model ever“, die Norton V4.
Sie wird 2017 auf den Markt kommen, und wenn sie hält, was die technischen Daten versprechen, ist das eine kleine Sensation. Vor allem, weil Norton nicht, wie bei der diesjährigen TT-Teilnahme auf einen Aprilia-RSV4-Motor setzt, sondern auf einen komplett neu entwickelten V4 mit 72 Grad Zylinderwinkel und 1200 Kubikzentimeter Hubraum. Der soll exakt 200 PS bei 12 500/min drücken und steckt in einem Aluminium-Brückenrahmen mit Rundrohr-Optik nach Triumph-Vorbild. Als Fahrwerkskomponenten kommt feinste Öhlins- und Brembo-Ware zum Einsatz.
Hesketh
2010 war es, als Norton-Commando-Fahrer und Motorrad-Enthusiast Sleeman mit dem Geld aus seiner Londoner Firma Tullman Design bei Lord Alexander Hesketh vorstellig wurde, um über die Rechte an des Lords Marke zu verhandeln. Man wurde sich schnell einig, und seitdem arbeitete Sleeman mit Nachdruck am Revival des klingenden Namens, der zunächst durch einen schillernden Formel 1-Auftritt mit dem ebenso schillernden James Hunt und später durch die Hesketh V 1000 berühmt wurde. Deren 86 PS starker V2 kam schon 1980 mit Alu-Zylinderköpfen und vier Ventilen pro Zylinder daher.
Ariel
2001 ließ er die alte Marke mit dem großen Namen wiederauferstehen, zunächst mit einem Auto, einem straßenzugelassenen Renn-Zweisitzer namens Atom. 2014 kam dann die Ace, die für sich beanspruchen kann, weit vor der Norton der erste V4 britischer Prägung gewesen zu sein. Zumindest was die Exzentrik angeht.
BSA
Im Oktober vergangenen Jahres kaufte die Classic Legends Pvt. Im Anschluss an diesen Deal machte Mahindra seine Pläne öffentlich, die Marke innerhalb der nächsten zwei Jahre in den europäischen und nordamerikanischen Märkten wiederzubeleben. Und zwar mit in England entwickelten und designten Motorrädern, die möglichst auch im Königreich produziert werden sollen.
Motorradlegenden aus England
Die Ausstellung präsentiert eine sorgfältig kuratierte Auswahl von Marken und Modellen, die den globalen Ruhm englischer Motorräder begründet haben. So war BSA zeitweise der größte Motorradhersteller der Welt, während Norton durch zahlreiche Rennerfolge zur Legende wurde. Triumph wiederum steht für eine unverwechselbar coole Identität, die Motorradfans weltweit begeistert.
Auswahl der Exponate
- Triumph: Tiger 100 (1939), T120 Bonneville (1962), Trident T160 (1975)
- BSA: Y13 (1936-1938), A10 Super Rocket (1962), A65 Firebird Scrambler (1971)
- Norton: CS1 (1929), Manx 30M (1961), Commando 750 (1969), Wankel Prototyp (1973)
- Brough Superior: Mark 1 (1922)
- Vincent: Comet (1950), Dearden Black Lightning (1949)
- Royal Enfield: JAP Desmo Special (1924)
- Matchless: Silver Hawk (1932)
- Scott: Power Plus TT Replica (1930)
- Rudge: Ulster (1938)
- Velocette: Thruxton (1969)
- AJS: 7R Boy Racer (1961)
- Wooler: Flat Four (1955)
Triumph: Eine Erfolgsgeschichte
Triumph ist stolz darauf, die zweitälteste Motorradmarke der Welt zu sein, die immer noch produziert. Der englische Hersteller feiert dieses Jahr sein 120. Jubiläum und die lange Historie ist so spannend wie seine Modelle. Ausgerechnet ein Deutscher gründete die Marke, die vielen als Inbegriff des englischen Motorrads gilt. Der in Nürnberg geborene Siegfried Bettmann siedelte 1883 als Zwanzigjähriger nach England über.
Zur Jahrhundertwende waren sich die beiden Firmenbesitzer einig, dass dem Motorrad die Zukunft gehörte und bauten 1901 einen Prototyp. Diese allererste Triumph galt lange als verschollen und wurde erst 2020 von dem renommierten Sammler Dick Shepard in Irland wiederentdeckt und aufwendig renoviert. Heute steht sie im Werksmuseum in Hinckley.
Im April 1902 startete die Serienproduktion von Triumph Motorcycles in Coventry. Das erste offizielle Triumphmodell hatte 211 cm3 Hubraum und leistete 2,5 PS. 1907 fand die erste Tourist Trophy auf der Isle of Man statt und Triumph belegte den zweiten Platz, während ihre Jahresproduktion auf über tausend Motorräder stieg.
Beim Ausbruch des Ersten Weltkriegs 1914 erhielt Triumph vom Militär den Auftrag, 30.000 Motorräder zu liefern. Nach dem Krieg wollte Bettmann unbedingt in den Automobilbau einsteigen, was jedoch bei Schulte auf wenig Gegenliebe stieß. So verließ der Ingenieur 1919 die Firma und wurde durch den späteren Diesel-Pionier Harry Ricardo ersetzt.
Anfang 1936 erklärte Bettmann, inzwischen 72 Jahre alt, Triumph Motorcycle für zahlungsunfähig. Sangster holte den begabten Ingenieur Edward Turner von Ariel zu Triumph als Geschäftsführer und Chef-Entwickler. Als erstes modernisierte er die Tiger-Modellreihe und entwickelte einen Zweizylinder, der 1938 in die 5T Speed Twin mündete. Das Modell mit dem 28 PS starken 498-cm3-Paralleltwin bildete die Basis für die nächsten drei Jahrzehnte.
Nach dem Krieg knüpfte Triumph mit den beiden bekannten 500er-Modellen und der 1947 erschienenen 3T mit einem 350er-Motor wieder an alte Erfolge an. Die Verkaufszahlen stiegen rasch, denn Motorräder wurden weltweit als günstiges Transportmittel gebraucht und Triumph genoss vor allem wegen seiner vielen Rennsiege einen exzellenten Ruf.
1950 stockte Turner den 500er-Twin auf 649 cm3 auf und taufte das neue Bike "Thunderbird". Das allererste Motorrad von Triumph entstand 1901 - ein Jahr vor dem offiziellen Serienstart im Motorradbau. Am 23. September 1951 erreicht die Belegschaft von Triumph die traurige Nachricht, dass der Firmengründer Siegfried Bettmann im Alter von 88 Jahren verstorben war.
1954 kam es durch die Suez-Krise zu einem dramatischen wirtschaftlichen Einbruch in Großbritannien. Als Folge wurden die drei Marken Triumph, BSA und Ariel zusammengelegt und Edward Turner stieg zu einem der mächtigsten Männer der Motorradindustrie auf.
1968 läutete Honda mit der CB 750 Four eine neue Ära in der Motorradgeschichte ein. Die im selben Jahr präsentierte Triumph T150 Trident 750 brachte es gerade Mal auf 58 PS und kostete auch noch mehr als die Honda.
Weitere legendäre Marken
- Vincent Motorcycles: Bekannt für die Vincent Black Shadow, das schnellste Serienmotorrad der Welt im Jahr 1948.
- Norton Motorcycle Company: Produzierte über 100.000 Motorräder für das Militär während des Zweiten Weltkriegs und war vor allem für die 750ccm Norton Commando bekannt.
- Royal Enfield: Das erste Royal Enfield-Motorrad wurde 1901 gebaut. Die Enfield Cycle Company war verantwortlich für die Entwicklung und anfängliche Produktion der Royal Enfield Bullet, des langlebigsten Motorrads der Geschichte.
- BSA (Birmingham Small Arms): Ihr erstes Modell, ein 3,5-PS-Motorrad (BSA 3½), wurde von 1910 bis 1913 verkauft und während des Ersten Weltkriegs als Kuriermaschine in Großbritannien eingesetzt.
Royal Enfield: Eine Marke mit Geschichte
Im Jahr 1851 gründet Mr. George Townsend Jr. im Örtchen Hunt End bei Redditch (UK) eine Mühle namens "Givry Works". 20 Jahre später bringt Georges Stiefsohn Foster einen der ersten "Boneshaker" mit zur Arbeit in die Mühle.
Nachdem die Herren Albert Eadie und Robert Walker Smith 1891 die "Townsend cycle company" von George Townsend Jr. übernommen haben, benennen sie sie 1892 in "Eadie Manufacturing Company" um. Die Firma geht einen Vertrag mit der "Royal Small Arms Factory" (später BSA) in Enfield, Middlesex ein.
Im Jahr 1901 produziert "Royal Enfield" das erste Motorrad. An der Lenkstange eines konventionell konstruierten Fahrradrahmens wird ein Minerva-Motor montiert, der über einen gekreuzt verlaufenden Riemen das Hinterrad antreibt. Mit Spritzvergaser und Batteriezündung bringt der Motor 1,5 PS auf den Prüfstand.
Bei Ausbruch des 1. Weltkrieges liefert Royal Enfield der Britischen Krone ihre 6 PS Gespanne mit Lastenbeiwagen. Am Seitenwagen ist ein Vickers Maschinengewehr montiert, mit dem auch auf tief fliegende Flugzeuge gefeuert werden kann. Das Modell erhält den Namen "WWI" und wird auch als Sanitätsfahrzeug eingesetzt, dann ausgestattet mit einem Lastenbeiwagen zum Verwundetentransport.
Neben einer Vielzahl anderer Modelle wird im Jahr 1936 ein Modell bei Royal Enfield vorgestellt, das sich zu einer Legende entwickeln wird.
Anders als in den vorherigen Kriegen setzt man im II. Weltkrieg nicht mehr auf große Maschinen zum Bewegen eines Seitenwagen im Gelände, sondern auf kleine Maschinen für das Meldewesen, die auch aus Flugzeugen absetzbar sind. Royal Enfield hat die Antwort. Ein Nachbau der DKW RT 100 mit 125ccm und dem Namen "The Flying Flee". Außerdem wird das Modell WD/C bzw. WD/CO für das Militär produziert.
In den 50er Jahren entsteht in Redditch ein Neues Modell. Direkt aus dem "Konstrukteurshimmel" scheint die 700er "Meteor" zu stammen. Die Palette der verschiedenen Bullet - Varianten nimmt ebenfalls weiter zu. In Amerika werden die Maschinen von Royal Enfield unter dem Namen der dort bekanteren Marke "Indian" verkauft. Die "Bullet" wird zur "Fire Arrow", die "Meteor" zur "Chief".
Unter Beteiligung der Auszubildenden bei Royal Enfield wird 1966 ein Bike gebaut, das genau den Geschmack der jungen Käufer treffen soll: die "Continental GT" mit 250ccm und starken 20 PS.
Mit dem Einstellen der Produktion beendet "Royal Enfield" 1970 die Britische Version einer grossen Motorradlegende in England.
Kaum jemand erinnert sich daran, dass im fernen Madras noch immer die Bullets gebaut werden. In Indien allerdings steigen für die Bullet die Verkaufszahlen von ca. 10.000 Maschinen Anfang der 70er auf über fast 23.000 Maschinen 1982.
Im Jahr 2000 übernimmt der junge Manager Siddhartha Lal den Chefsessel bei "Royal Enfield". Er führt durch seine Ideen und seinen Führungsstil den alten Geist des Unternehmens wieder ein.
Im Jahr 2015 kündigt Royal Enfield den Bau von zwei neuen Technologie Zentren an, von denen eines in Leicestershire, Großbritannien, gegründet wird und Ende 2015 in Betrieb geht. Siddhartha Lal siedelt für ein Jahr von Deli nach London um damit er den Aufbau persöhnlich begleiten kann.
Das Jahr 2018 markiert die Rückkehr der "Interceptor" und der "Continental GT". Wie in den 1960er Jahren werden beide von einem luftgekühlten 650er Paralleltwin angetrieben, der vom Aussehen stark an den Motor aus den 60er Jahren erinnert, im inneren jedoch komplett neu konstruiert wurde.
Nach über 80 Jahren wird es keine Bullet mehr geben. Aber eine neue Meteor gibt es ab 2021. Das Herzstück der Meteor ist der brandneue luftölgekühlte 349-cm3-SOHC-Motor mit charakteristischem Langhub und elektronischem Kraftstoffeinspritzsystem, der viel Leistung und viel Drehmoment am unteren Ende erzeugen soll.
| Marke | Bekanntestes Modell | Gründungsjahr |
|---|---|---|
| Triumph | Bonneville | 1902 |
| Norton | Commando | 1898 |
| Vincent | Black Shadow | 1928 |
| Royal Enfield | Bullet | 1901 |
| BSA | Gold Star | 1861 |
Verwandte Beiträge:
- Alte Zündapp Mopeds: Restauration & Sammlerwert
- Radweg Alte Bahntrasse Auer: Streckenführung, Infos & Tipps
- Elektro Roller für Senioren: Mobilität & Sicherheit im Alter
- Führerschein für Moped 50ccm: Alle Voraussetzungen & unverzichtbare Tipps!
- Der große Fahrradkettenöl Test: Entdecke das beste Öl für maximalen Schutz und Performance!
Kommentar schreiben