Alternativen zu Shimano Mineralöl für Fahrradbremsen

Viele Fahrradfahrer, die hydraulische Bremsen nutzen, suchen nach Alternativen zu den herstellerspezifischen Mineralölen, wie dem von Shimano. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Optionen, gibt Einblicke in die Kompatibilität und hilft dir, die richtige Wahl für deine Bremsen zu treffen.

Die Frage nach dem richtigen Öl

Die Frage, ob "Öl gleich Öl" ist, lässt sich klar verneinen. Obwohl viele Radfahrer inzwischen mehrere Räder mit Hydraulikbremsen besitzen und eine Vereinheitlichung der Öle anstreben, ist es wichtig, die Unterschiede und potenziellen Risiken zu verstehen. Das Ziel ist oft, nicht drei verschiedene Öle im Keller lagern zu müssen.

Warum überhaupt das Öl wechseln?

Es gibt verschiedene Gründe, das Öl in Hydraulikbremsen zu wechseln oder nachzufüllen:

  • Wartung: Empfehlenswert ist immer eine seriöse Entlüftung mit einhergehendem Wechsel des Öles.
  • Leistungsverlust: Wenn die Bremskolben nicht mehr mit der notwendigen Kraft gegen die Bremsscheibe drücken.
  • Beschädigung: Bei beschädigten Leitungen oder Verbindungsstellen.

Mineralöl vs. DOT-Bremsflüssigkeit

Ein wichtiger Punkt ist der Unterschied zwischen Mineralöl und DOT-Bremsflüssigkeit. Diese beiden Flüssigkeiten sind definitiv nicht kompatibel, nicht austauschbar und auch nicht mischbar. Es handelt sich um völlig unterschiedliche Produkte mit völlig unterschiedlichen Eigenschaften. Das Problem sind die Materialien der Dichtungen, die die andere Flüssigkeit nicht aushalten. Wenn man eine DOT5 Bremse mit Magura-Öl befüllt, quellen die Dichtungen auf und die Bremse funktioniert nicht mehr. Maguras sind in ihren Dichtungen auf das Öl angewiesen.

Hier eine vergleichende Übersicht:

Eigenschaft Mineralöl DOT-Bremsflüssigkeit
Hygroskopisch Nein Ja
Aggressivität Gering Hoch
Kompatibilität mit Dichtungen Spezifisch für Mineralöl Spezifisch für DOT

Mineralöl

Generell sind Mineralöle sehr haltbar und können oft jahrelang in einer Bremse ihren Dienst verrichten. Sie greifen Kunststoffe und Lacke in der Regel nicht an und auch Hautkontakt ist weniger kritisch als mit DOT. Dennoch solltest Du Hautkontakt vermeiden und das Mineralöl direkt wegwischen oder abwaschen, wenn Du etwas gekleckert hast. Mineralöl ist nicht hygroskopisch, das heißt, es vermischt sich nicht mit Wasser. Das sorgt sowohl für eine lange Haltbarkeit in der Bremse als auch in einer angefangenen Mineralöl-Flasche in der Werkstatt.

DOT

DOT sollte in Fahrradbremsen regelmäßig erneuert werden, da es hygroskopisch ist und Wasser zieht - auch durch mikroskopisch kleine Ritzen und Poren im System. DOT vermischt sich mit Wasser und dadurch sinkt der Siedepunkt des Gesamtsystems. Die Hygroskopie hat aber auch einen Vorteil: Es kann sich nirgends pures Wasser mit seinem deutlich niedrigeren Siedepunkt sammeln. Wenn Du die vom Hersteller empfohlenen Wartungsintervalle einhältst, sollte der Siedepunkt der minimal verwässerten Bremsflüssigkeit im grünen Bereich bleiben. Beim Arbeiten mit DOT solltest Du darauf achten, dass es aggressiv gegenüber Lacken, manchen Kunststoffen und der Haut ist. Beachte, dass DOT auch in einer angefangenen Flasche Feuchtigkeit aus der Umgebung zieht. Es ist also auch in der Werkstatt stehend nur begrenzt haltbar.

Alternativen und Erfahrungen

Einige Nutzer berichten von positiven Erfahrungen mit alternativen Ölen. So verwenden manche Anwender bedenkenlos das Zentralhydraulik-Öl von Liqui-Moly sowohl bei hydraulischen Felgen- als auch Scheibenbremsen. Andere nutzen billiges 100ml Nähmaschinenöl oder 5er Gabelöl ohne Ausfälle. Es gibt auch Berichte, dass das royale Magura-Blut mit dem nicht ganz so royalen Shimano-Öl gemischt wird, ohne nennenswerte Ausfallquote.

Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass dies nicht die empfohlene Vorgehensweise der jeweiligen Hersteller ist. Bei Garantiefällen sollte man das System gründlich spülen, da alle drei Ölsorten natürlich anders gefärbt sind und eine falsche Farbe ein Grund für eine Garantieverweigerung ist (sein kann).

Was passiert, wenn man verschiedene Öle mischt?

Die Meinungen darüber gehen auseinander. Einige sind der Ansicht, dass man beliebige reine Mineralöle verwenden und diese sogar vermischen kann. Andere warnen davor, da Motoröl beispielsweise Additive enthält und die Viskosität möglicherweise nicht mit der von Shimano übereinstimmt.

Empfehlungen und Vorsichtsmaßnahmen

  • Betriebsanleitung beachten: Schau dir, wenn möglich, genau die Betriebsanleitung der Bremse an.
  • Herstellerangaben beachten: Im Notfall geht ein handelsübliches Nähmaschinenöl. Aber bei einem so sicherheitsrelevanten Teil würde ich ein Öl verwenden, das der Bremsenhersteller freigegeben hat.
  • Kein Pflanzenöl verwenden: Die Dichtungen in den Kolben sind meist für Mineralöle ausgelegt und vertragen keine Bremsflüssigkeiten und auf die Dauer auch keine Pflanzenöle.
  • Viskosität beachten: Das original Scheibenbrems-Mineralöl ist fast so dünn wie Wasser, damit es beim Betätigen der Bremse keinen Reibungswiderstand erzeugt.
  • Hydrauliköl verwenden: Die meisten Hydraulikbremsen auf dem Fahrradsektor verwenden ein stinknormales, dünnflüssiges Hydrauliköl.

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