Alternative zur Fahrradkette: Vor- und Nachteile des Riemenantriebs

Der Klassiker unter den Fahrradantrieben war und ist der Kettenantrieb. Während die Kette schon Jahrzehnte als Antrieb verbaut wurde, kam der Riemenantrieb erst zu Beginn des 21. Jahrhunderts auf den Markt. Aber wo liegen die Vor- und Nachteile der verschiedenen Antriebe? Und für welche Einsatzgebiete sollte ein Ketten- und wo ein Riemenantrieb in Betracht gezogen werden?

Was ist ein Riemenantrieb und wie funktioniert er?

Bei einem Fahrrad mit Riemenantrieb wird ein geschlossener elastischer Zahnriemen verwendet, der aus synthetischen Materialien wie Nylon besteht, das mit Kohlefasern verstärkt wird. Der Riemen treibt in gerader Linie zwei Riemenscheiben mit Zähnen an, in die die Zähne des Riemens greifen. Beide Scheiben bestehen normalerweise aus Edelstahl, was die Haltbarkeit erhöht. Im Gegensatz zu einem herkömmlichen Kettenantrieb mit mehreren Kettenblättern und Ritzeln werden Fahrräder mit Riemen durch eine Naben- oder Tretlagerschaltung angetrieben.

Mit einem Riemen kommt auch immer eine Nabenschaltung einher, da der Riemen ja nicht flexibel wie eine Kette ist und nicht von einem Zahnkranz auf den nächsten springen kann. Er läuft also immer exakt parallel auf seinen Riemenscheiben. Der Riemen selbst ist aus Polymer/Carbonfasern. Ihm machen Nässe, Schnee und Salz so schnell nichts aus. Die vordere Riemenscheibe ist bei meinem Rad aus Kunststoff, die hintere aus Edelstahl. Also auch dort besteht nicht in nächster Zeit Gefahr, dass es zu Verschleiß kommen könnte.

Nabenschaltungen: Vorteile

Der Vorteil bei der Nabenschaltung ist eindeutig, dass es keine außenliegenden Teile gibt. Alles spielt sich im Innern der Nabe ab und ist somit von den Wettereinflüssen geschützt. Nabenschaltungen haben zwei entscheidende Vorteile. Der erste besteht darin, dass sie viel weniger Wartungen benötigen, da die beweglichen Teile im Inneren der Nabe vor äußeren Einflüssen geschützt sind. Der zweite Vorteil ist, dass die Schaltung das Wechseln zwischen den Gängen während eines Stopps ermöglicht.

Vor- und Nachteile im Überblick

Vor oben genanntem Hintergrund sind die Vor- und Nachteile von Riemenantrieben gründlich zu bedenken. Mit diesem Wissen kannst du dann entscheiden, ob du ein neues Fahrrad mit Riemenantrieb anschaffen möchtest. Fahrräder mit Kettenschaltung stehen für sportliches und schnelles Fahren mit einer großen Übersetzungsbandbreite. Hier kann mit bis zu 3 Kettenblättern in Kombination mit 10 Ritzeln gefahren werden. Somit stehen bis zu 30 Gänge zur Verfügung.

Vorteile des Riemenantriebs

  • Längere Lebensdauer: Im Durchschnitt halten Riemengetriebe viermal länger als Kettenantriebe, bevor sie ausgetauscht werden müssen (30.000 gegenüber 8.000 Kilometer).
  • Weniger Wartung: Riemenantriebe benötigen kein Schmiermittel und müssen nicht eingestellt werden. Dadurch wird die Schmutzanhaftung verringert, wodurch eine regelmäßige Reinigung im Wesentlichen entfällt. Ein kurzes Abwischen von Schmutz und Staub genügt, um eine einwandfreie Funktion zu gewährleisten.
  • Sauberkeit: Da beim Riemenantrieb kein Öl verwendet wird, ist er sauberer als ein Kettenantrieb. Das bedeutet auch weniger Ölflecken an Händen und Beinen oder an der Kleidung.
  • Laufruhe: Riemen sind bedeutend leiser als Ketten, da keine Metallteile aufeinander reiben. Zudem knarzen und quietschen Riemenantriebe nicht aufgrund mangelnder Wartung.
  • Schalten im Stillstand: Innenliegende Nabenschaltungen ermöglichen es Ihnen, zwischen den Gängen zu wechseln, ohne in die Pedale zu treten wie bei einem herkömmlichen Kettenantrieb.
  • Geringes Gewicht: Riemen sind sehr leicht, weil sie aus synthetischen Materialien mit superleichten und haltbaren Kohlefasern verstärkt sind. Darüber hinaus werden nur zwei Riemenscheiben eingesetzt, die auch bedeutend leichter sind.

Nachteile des Riemenantriebs

  • Anfangs teuer: Riemengetriebe sind immer noch ein Nischenprodukt und benötigen aufwendigere und teurere Komponenten.
  • Begrenzte Kompatibilität: Riemen eignen sich nicht für Kettenschaltungen. Sie können nur für eine Nabenschaltung und Single-Speed-Bikes verwendet werden.
  • Spezielle Rahmen erforderlich: Fahrradhersteller müssen spezielle Rahmen konstruieren, die sich für Riemengetriebe eignen.
  • Teure Ersatzteile: Ein neuer Riemen kann teurer sein als eine Kette.
  • Schwer zu findende Ersatzteile: Die meisten kleineren Fahrradgeschäfte bieten keinen Service für Riemengetriebe an und führen keine entsprechenden Ersatzteile.
  • Begrenzte Übersetzung: Kettenantriebe bieten größere Übersetzungsbereiche als Riemenantriebe.

Kettenantrieb: Vor- und Nachteile

Der Schaltvorgang einer Kettenschaltung ist "offen" - das heißt Wetter und Schmutzpartikel können direkten Einfluss auf die Komponenten und das Schaltverhalten nehmen. Im Winter gestreute Salze können der Kette sämtliche Fette entziehen. Verschmutzte Ketten und Schaltungsteile sollten mit einer (Zahn-)Bürste oder einem Pinsel und einem Lappen gereinigt werden. Nach der gründlichen Reinigung der Kette sollte entsprechendes Pflegemittel für Fahrradketten aufgetragen werden. Hierbei sollte von der Nutzung unmittelbar nach dem Reinigen und Fetten der Kette abgesehen werden. Die im Schmiermittel enthaltenen Lösungsmittel benötigen eine Einwirkzeit von ca. 30 Minuten.

Der Verschleiß einer Kette hängt sehr stark vom Einsatzgebiet, der Pflege, der Nutzung und der Qualität der Kette ab. Fehlende Pflege der Kette kann dazu führen, dass diese schon nach 1000 km gewechselt werden muss. Bei einer verschlissenen Kette kommt es häufiger zum Überspringen einzelner Gänge. Sollte dies der Fall sein, empfiehlt sich ein Besuch einer Fahrradfachwerkstatt. Alternativ dazu kann auch selbst Hand angelegt werden. Zusätzlich sollte bei einem Kettentausch darauf geachtet werden, ob die Ritzel und Kettenblätter auch erneuert werden müssen.

Riemenantrieb vs. Kettenschaltung: Ein Vergleich

Welche Antriebsvariante effizienter ist, macht sich beim direkten Vergleich für den Fahrer kaum bemerkbar. Messungen haben gezeigt, dass die Kette für den Antrieb weniger Muskelkraft benötigt. Eine regelmäßige Pflege fällt beim Riemenantrieb größtenteils weg. Der Riemen besteht aus Carbonfasern und benötigt keine Pflege durch herkömmlichen Fahrradpflegeprodukte. Da der Riemen weder gefettet noch geölt werden muss, bleiben dementsprechend auch die Hosenbeine während jeder Fahrt sauber. Lediglich steckengebliebene Steine oder ähnliches sollten regelmäßig entfernt werden. Riemen laufen leiser als Ketten, da der Riemen weder über Ritzel noch Kettenblätter läuft. Dadurch entsteht weniger Verschleiß, was die Laufleistung des Riemens erhöht.

Merkmal Kettenantrieb Riemenantrieb
Lebensdauer Geringer (ca. 3.000 - 10.000 km) Höher (ca. 30.000 km)
Wartung Regelmäßig ölen und reinigen Kaum Wartung notwendig
Sauberkeit Verschmutzungen möglich Sauber, kein Öl
Geräuschentwicklung Lauter Leiser
Schaltbarkeit Kettenschaltung möglich Nur Nabenschaltung/Tretlagerschaltung
Kosten Günstiger in der Anschaffung Teurer in der Anschaffung

Für wen ist welcher Antrieb geeignet?

Die Antwort auf die Frage, ob Riemenantriebe wirklich sinnvoll sind, hängt von deinen individuellen Bedürfnissen ab. Was für den einen Radfahrer eine hervorragende Sache darstellt, kann für einen anderen Biker keinen Nutzen bringen.

  • Riemenantrieb: Für alle, die viel, lange und sorgenfrei fahren möchten, besonders im Alltag und in der Stadt. Selbst bei hoher Beanspruchung und wenig Pflege dürfte ein Riemen über Jahre keine Probleme verursachen.
  • Kettenantrieb: Grundsätzlich sind Kettenantriebe immer da im Einsatz, wo es sportlich wird. Mountainbiker, Rennradfahrer oder auch performance orientierte Gravelbiker fahren mit Kette.

Ich schwöre beim Alltagsrad auf den Riemen. Nach Abwägung aller Argumente - pro wie contra Riemen - ist das Carbonband für mich die bessere Wahl.

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