Die Diamant Fahrradwerke sind eine traditionsreiche Marke, die im Jahr 1885 von den Brüdern Friedrich und Wilhelm Nevoigt gegründet wurde. Mit stolzen 140 Jahren Erfahrung ist Diamant der älteste Fahrradhersteller in Deutschland und kann auf eine beeindruckende Geschichte zurückblicken.
Die frühen Jahre und Innovationen
Am 1. Januar 1885 wurden Friedrich Nevoigt und sein Bruder Wilhelm als "Gebrüder Nevoigt Reichenbrand/Chemnitz" in das Handelsregister der Stadt Chemnitz eingetragen. Ende 1895 begann man mit der Herstellung von Fahrrädern der Marke Diamant. Eine wegweisende Entwicklung in der Geschichte von Diamant war die Einführung des Antriebs durch eine Blockkette, insbesondere der Doppelrollenkette, im Jahr 1898. Dieses Grundprinzip bildet die Basis jeder heutigen Fahrradkette.
1906 wurde die Firma in eine Aktiengesellschaft, die "Gebrüder Nevoigt AG Reichenbrand/Chemnitz" umgewandelt. Neben Fahrrädern wurden nun auch Flachstrickmaschinen hergestellt. Wegen steigender Produktion von Fahrrädern wurde 1912 vom Aufsichtsrat beschlossen, das Unternehmen erneut umzufirmieren, die Firma hieß nun "Diamant Werke Gebrüder Nevoigt AG".
1920 erfolgte der Zusammenschluß mit der Autofabrik "Elite AG" aus Brand-Erbisdorf zur "Elite Diamant AG". 1928 verlor Diamant seine Selbstständigkeit und wurde von Opel (die bereits zu General Motors aus den USA gehörten) in der Aktienmehrheit übernommen.
Diamant in der DDR
In der Zeit der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) etablierte sich die Marke Diamant Fahrradwerke aus Hartmannsdorf, in der Nähe von Chemnitz, als einer der beiden größten Fahrradhersteller des Staates. Nach Kriegsende wurden die Elite-Diamant-Werke am 21. Januar 1946 unter staatliche Verwaltung gestellt. Am 30. November 1946 ging er in das Eigentum der UdSSR über und wurde Teil der sowjetischen Aktiengesellschaft Awtowelo, aus der er am 30. April 1952 entlassen wurde.
Am 1. Mai 1952 wurden die Diamant-Werke in Volkseigentum überführt. In den 1950er Jahren produzierte man bis zu 300.000 Fahrrädern im Jahr. Schon damals wurden weitere Innovationen eingeführt. So war man einer der Ersten, die Leichtmetall für einzelne Komponenten einsetzten. Große Teile der Fahrradproduktion wurde weltweit exportiert.
Ab dem Jahre 1946 wurde die Produktion der Modelle EH und ED weitergeführt. Diese "Einheitsräder" wurden bereits während des Krieges entwickelt. Ein Katalog des Jahres 1950 zeigt bereits eine etwas umfangreichere Modellpalette: Neu hinzugekommen war eine Damenausführung mit "Schwanenhalsrahmen", die es sowohl mit Glockentretlager als auch mit Keiltretlager gab. Zusätzlich gab es nun auch die Herrenausführung wahlweise mit dem Keiltretlager. Den Tourenrädern mit Keiltretlager war offenbar keine lange Existenz beschieden, denn schon 1955 sind sie nicht mehr im Sortiment zu finden. Die verbliebenen Modelle EH, ED und 106 wurden im Wesentlichen unverändert noch bis etwa 1960 gefertigt.
Tourensporträder
Eine Weiterentwicklung der herkömmlichen Tourenräder von Diamant stellten die Modelle 101 und 102 dar. Auch diese wurden sowohl in Damen- als auch Herrenausführung ausschließlich mit 56 cm hohem Rahmen produziert. Die Unterschiede zum Tourenrad lagen hauptsächlich im hinteren Rahmendreieck. Die Tourensporträder besaßen einen geraden Hinterbau sowie schräge Ausfallenden. Ab 1957 wurden die Tourensporträder mit 26"-Laufrädern ausgestattet. Gegenüber den klassischen Tourenrädern waren die 26"-Tourensporträder spürbar leichter und wendiger.
Modelländerungen und Anpassungen
1959 wechselte im Rahmen der Sortimentsbereinigung wiederum die Typenbezeichnung: Nun gab es die Modelle 35 102 und 35 154. 1964 kamen noch die besser ausgestatteten Modelle 35 105 und 35 156 hinzu. Ab Ende 1975 wurden die Damenausführungen mit einer neuen Rahmenform angeboten. Die bisherigen Modelle 35 154 und 35 156 wurden durch die neuen Modelle 35 157 und 35 160 ersetzt. Seit 1980 gab es die Modelle 35 109 bzw. 35 164 mit einer Dreigang-Kettenschaltung von Favorit sowie hinterer Felgenbremse. Die sehr einfach ausgestatteten Modelle wurden in der zweiten Hälfte der 80er Jahre offenbar kaum noch produziert. In einer Modellübersicht des Jahres 1988 fehlen sie bereits. Hinzu kamen in der zweiten Hälfte der 1980er Jahre noch Modelle mit 28"-Laufrädern. Unklar ist, ob diese regulär in der DDR angeboten wurden, oder dem Export vorbehalten waren.
Diamant Modell 35 162 - Sportliches Damen-Tourenrad 28" (ca. 1986 - mind.
Diamant Modell 35 104 - Sportliches Herren-Tourenrad 28" (ca. 1986 - mind.
Sporträder
Die Sporträder von Diamant besaßen stets 28"-Laufräder und 56 cm hohe Rahmen. Im Jahre 1954 begann die Produktion der völlig neu entwickelten Fahrräder. Sie besaßen einen sehr leichten Rahmen sowie die fortan für Diamant typische Rundscheidengabel. Es erschienen zunächst die Modelle 108 und 109. 1956 kamen die Luxus-Sporträder hinzu, die bereits ab Werk eine Viergang-Kettenschaltung besaßen.
Von der Vereinheitlichung der Typenbezeichnungen im DDR-Fahrradbau waren auch die Sporträder betroffen. Die bisherigen Modelle 108 und 109 trugen jetzt - in Abhängigkeit der Hinterradbremse - die Nummern 35 201 oder 35 202 (Herrenausführung) bzw. 35 251 oder 35 252 (Damenausführung). Bei den Luxus-Sporträdern geschah dies analog. Nur kurzzeitig wurde das Wandersportrad angeboten.
Im Zusammenhang mit der Vergrößerung der Kapazitäten zur Produktion von Flachstrickmaschinen wurde die Fertigung der Sporträder 1969 an das Mifa-Werk abgegeben. Somit verblieben bei Diamant nur noch die Tourensporträder und die Rennräder.
Die in Sangerhausen produzierten Sporträder wurden zunächst überwiegend mit dem Diamant-Rahmendekor ausgeliefert, sie können jedoch anhand der Rahmennummer zielsicher von den “echten“ Diamant Sporträdern unterschieden werden. Während man bei Diamant immer 7-stellige Rahmennummern vergab, so hatten die mit "Diamant" dekorierten Sporträder aus Sangerhausen maximal 6-stellige Rahmennummern.
Rennräder
Auf der Basis der Diamant Rennräder wurden ab 1988 die Modelle 35 721 und 35 771 angeboten. Diese Fahrräder wurden als Rennsporträder bezeichnet und waren voll straßentauglich. Die Rennsporträder waren mit verschiedenen Rahmenhöhen erhältlich.
Erst neun Jahre nach dem Ende des zweiten Weltkrieges wurde bei Diamant ein neues Rennrad entwickelt. Bis 1954 wurde das aus den 30er Jahren bekannte Modell 67 in kleiner Stückzahl produziert. 1954 begann die Serienfertigung des Modells 167. Es gab Ausführungen ohne Gangschaltung, mit Viergang-Kettenschaltung oder Achtgang-Kettenschaltung und Rahmen mit 52, 55, 58 und 61 cm Höhe.
Speziell für die Friedensfahrt und ähnliche Radsportveranstaltungen entstanden ab 1955 in sehr geringer Stückzahl die "Friedensfahrtrahmen". Nach der Sortimentsbereinigung im Jahre 1959 wurden die Modellbezeichnungen der Rennräder zweimal kurz hintereinander geändert.
So bekamen die drei verschiedenen Varianten des Modells 167 nun eigene Bezeichnungen, die von der bisherigen Modellnummerierung von Diamant grundlegend abwichen, aber zunächst nur geringfügige technische Veränderungen / Verbesserungen mit sich brachten.
Im Zuge der Neuordnung der DDR-Fahrradindustrie wurde RENAK mit der Entwicklung eines 5-fach-Schaltwerks beauftragt. Erstmals 1974 wird das Modell 35 705 K in einem Katalog erwähnt. Dieses für den Nachwuchs konzipierte Rennrad besaß den Rahmen der üblichen Modelle, jedoch mit niedrigeren Rahmenhöhen und einfachen Sportrad-Ausfallenden. Um 1982 wechselte die Bezeichnung zu Modell 35 709. In einer Typenübersicht des Jahres 1988 wird erstmals ein Modell 35 710 erwähnt. Dabei handelt es sich um ein Kinder-Rennrad mit 44 cm Rahmenhöhe. Das früheste bekannte Exemplar dieses Modells stammt aus dem Jahr 1985.
Das Friedensfahrt-Modell
Unabhängig von den Serienmodellen für den Massenmarkt entwickelte man das Diamant "Friedensfahrt-Modell" weiter. Mitte der 80er Jahre entstand dabei das Übergangsmodell Modell 35 711, das bereits in wesentlichen Punkten an westliche Standards angepasst war. Mit dem Modell 35 715 folgte ab 1988 das höchstentwickelte Diamant-Rennrad aus DDR-Produktion, das technisch unverändert auch noch in den ersten Diamant-Katalogen nach der politischen Wende zu finden war.
Im Mai 1955 gewann Täve Schur auf einem Diamant Fahrrad die 8. Internationale Friedensfahrt.
Die Zeit nach der Wiedervereinigung
Am 1.Januar 1992 erfolgte die Privatisierung der Erzeugnislinie Fahrrad. Erst beteiligte sich die Schweizer Villiger-Gruppe an der neuen DIAMANT Fahrradwerke AG, die dann 1997 zu 100% übernommen wurde. Am 29. November 1997 zog die neue Firma in ein neues Gebäude nach Hartmannsdorf in Chemnitzer Nähe. Pikanterweise wurde das Gebäude für die in Konkurs gegangene Strickmaschinen-Linie des alten Konzerns Elite Diamant errichtet.
Im Jahr 2002 erfolgte die Übernahme der Marke Diamant Fahrradwerke durch die Trek Bicycle Corporation, den größten Fahrradhersteller in den USA.
Heute ist Diamant die älteste noch bestehende Fahrradfabrik in Deutschland.
Diamant heute
Die Räder von Diamant zeichnen sich durch ihre Qualität und Langlebigkeit aus. Rahmen und starre Gabeln werden mit stolzen 40 Jahren Garantie angeboten, was das Vertrauen in die Langlebigkeit der Produkte unterstreicht. Neben modernen Modellen hat sich Diamant Fahrradwerke auch als Spezialist für Nostalgie-Design und Retro-Räder etabliert, die eine Brücke zwischen der Vergangenheit und der Gegenwart schlagen.
Modell 167
Wenn wir nur ein Rad nennen wollen, das aus den früheren Diamantzeiten heraussticht, dann ist es das legendäre Diamant Modell 167. Früher Straßenrennrad, heute Kultobjekt und Museumsstück. Seine Geschichte und sein Design inspirieren bis heute viele Fahrradliebhaber und Enthusiasten.
Das Diamant 167 wurde in vier verschiedenen Rahmengrößen produziert. Erstmals entwickelten und verbauten wir eine Rundscheidengabel. Der geringe Durchmesser und die kreisrunde Form der Gabelscheiden auf der gesamten Länge punkteten mit mehr Federungskomfort. Die Straßenverhältnisse waren seinerzeit oft sehr schlecht. Nicht jede Straße war asphaltiert und insbesondere in Ortsdurchfahrten dominierten noch Pflastersteine. Stöße auf solchen Oberflächen konnten damit ausgeglichen werden. Im Ergebnis behielten Diamant-Fahrer mehr Kontrolle über ihre Räder und ermüdeten weniger schnell. Als die Gabel sich bewährte, setzten wir sie später auch an den Diamant-Sporträdern ein. Das waren sportlich definierte Räder mit Ausstattung für den Alltag, also die Vorgänger unseres heutigen Sortiments.
Diamant Modell 167: Ausstattung- Chrommolybdän-Stahlrohr-Rahmen
- Rahmengrößen: 52, 55, 58 und 61
- Rundscheidengabel
- Keiltretlager mit hohlgebohrter Welle
- 27-Zoll Aluminiumfelgen mit Schlauchreifen
- 3-Arm-Keilgetriebe
- Hinterradnabe mit Leerlaufzahnkranz
- 4- oder 8-Gang-Kettenschaltung
- Felgenbremsen
- Aluminium-Rennlenker mit Prägung «Diamant Modell 167»
- Aluminium-Vorbau
- Aluminium-Sattelstütze
- Aluminium-Luftpumpe
- Gewicht: 11 kg
Im Zeitraum von 1954 bis Ende 1963 verließen total 42.686 Diamant 167 die Werkshallen. Im Jahr 1956 wurde das Modell mit 4-Gangschaltung für 776.50 Mark angeboten. Für das Modell mit 8-Gangschaltung musste man rund 40 Mark mehr investieren.
Heute begegnet man dem Diamant 167 auf den Straßen nur noch selten. Einige wenige haben die Zeiten im Originalzustand überdauert, während viele andere mit modernen Anbauteilen aufgewertet wurden.
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