Das Motorradgespann, auch bekannt als "Seitenwagen", besteht aus einem Motorrad und einem seitlich angebrachten Beiwagen. Die Seite, an der der Beiwagen montiert ist, kann variieren. In Ländern mit Linksverkehr befindet er sich links, sonst rechts.
Die Geschichte des Motorradgespanns
In den Anfangszeiten der Motorrad-Gespanne waren fast alle Motoren schwach. Vor dem Ersten Weltkrieg galt ein Gespann mit 6 PS als gut motorisiert. Seine Blütezeit erlebte das Motorrad mit Beiwagen in den fünfziger Jahren als Autoersatz.
Frühe Entwicklung
In den Pionierzeiten des Motorradgespanns wurde der Seitenwagen je nach Geschmack montiert. Bei Motorradrennen in den dreißiger Jahren gab es Rennfahrer, die den Beiwagen je nach Streckenverlauf montierten. Auf Rennstrecken mit vielen Linkskurven wurde der Beiwagen auf der rechten Seite montiert, bei mehr Rechtskurven auf der linken Seite.
Motorradgespanne im militärischen Einsatz
Im militärischen Umfeld nehmen Motorräder eine Sonderrolle ein. Sie eignen sich hervorragend, um Nachrichten persönlich zu übermitteln und kleinere Versorgungsfahrten zu unternehmen. Am häufigsten waren Militär-Motorräder für Kradmelder vorgesehen. Ebenso wurden Motorräder gerne für Aufklärungszwecke eingesetzt. Im ersten Weltkrieg spielten Motorräder eine untergeordnete Rolle. Dies sollte sich erst im zweiten Weltkrieg ändern.
Die Wehrmacht setzte vor allem das BMW R 75 Gespann ein, dessen Produktion von 1941 bis 1944 erfolgte. Insgesamt hat BMW mehr als 16.000 Einheiten für die Wehrmacht produziert. Stärken des Motorrads waren seine vergleichsweise gute Geländetauglichkeit und sein zuverlässiger Boxermotor. Auf sowjetischer Seite wurde während des zweiten Weltkriegs die „Motoziki“ M72 entwickelt, deren Fertigung von 1941 bis 1957 erfolgte. Ein vergleichsweise modern anmutender Oldtimer unter den militärischen Motorrädern ist die Hercules K 125 BW. Das Motorrad wurde während der 1970er und 1980er Jahre für die Bundeswehr gebaut. Für sämtliche Armeen war es seit jeher entscheidend, ihre Motorräder als Gespanne einsetzen zu können. Entsprechend standen immer passende Beiwagen zur Verfügung. Häufig wurden Beiwagen schlichtweg eingesetzt, um die Anzahl der Passagiere erhöhen zu können.
Bekannte Modelle
- BMW R 75: Mit 8 Gängen, Sperrdifferenzial und 100 km/h Höchstgeschwindigkeit.
- Dnepr und Ural: Basieren auf der zivilen BMW R 71 und wurden in der UdSSR gefertigt.
- Chang Jiang 750: Chinesischer Nachbau der BMW R 71, eingesetzt in der chinesischen Volksarmee.
Motorradgespanne heute
Heute sind neue Gespanne pure Luxusfahrzeuge. Der Reiz eines modernen Motorradgespanns ist unbestreitbar hoch - die Kosten sind es auch.
Ein alt eingesessener Hersteller ist die Firma Walter. Ein Beiboot für eine Harley kommt inklusive Montage auf mindestens 6.900 Euro. Das ist recht fair. Die Harley aber bitte selbst mitbringen! Ein ganz alter Markenname ist Stoye. Die Beiwagen sind in mehreren Modellen um die 6.000 Euro erhältlich, sogar ein Zweisitzer ist dabei. Wer ein neues Komplettgespann wünscht, muss bei einer BMW R 1200 RT mit über 30.000 Euro rechnen.
Rollergespanne
Seit einiger Zeit im Trend sind Rollergespanne. Theo Däschlein (www.daeschlein.de) bietet Beiwagen für die Vespa ab 2.700 Euro an plus 450 Euro für den Anbausatz. Das Rollergespann wirkt wie aus einem Guss, die Fahrleistungen sind allerdings sehr bescheiden.
Spezialanfertigungen
Die Firma EZS liefert Spezialitäten wie etwa eine hydraulische Lenkung. Die erleichtert das Lenken, schont die Muskeln, dafür muss man dann doch wieder ins Fitness-Studio. Wenn dann noch Geld übrig ist, denn die EZS-Preise sind heftig. Mit dem luxuriösen Summit-Beiwagen kostet ein Umbausatz für eine BMW K 1300 LT gruselige 18.850 Euro. Die BMW geht dann noch extra - macht noch einmal mindestens 20.000 Euro. Wer sich beim Motorrad Gespann nicht für ein bestimmtes Modell entscheiden kann, der fragt bei Löw (www.seitenwagen.cc) an. Löw baut nach eigenen Angaben alles. Das Zweizylinder Diesel-Gespann für 25.000 Euro ist nur ein Beispiel. Machbar ist alles - genügend Kleingeld vorausgesetzt.
Worauf man beim Kauf eines gebrauchten Gespanns achten sollte
Ein Motorrad als Gespann gebraucht kaufen ist mit sehr hohen Risiken verbunden. Zum einen werden alle Teile, die beim Solomotorrad über Jahrzehnte klaglos ihren Dienst tun, beim Gespann übermäßig beansprucht. Dazu gehören Rahmen, Radlager, Felgen, Steuerköpfe und mehr. Auch die Motoren haben kein so leichtes Leben wie in der Solomaschine.
Wer ein - meist sehr teures - Gespann gebraucht kauft, sollte zur Besichtigung unbedingt einen Experten mitnehmen.
Oldtimer Militär-Motorräder in der Filmproduktion
Im Feld der Film- und Fernsehproduktion sind Oldtimer Militär-Motorräder sehr gefragt. Sie versprechen vor allem Abwechslung im Szenenbild und sind eine gute Wahl, wenn Aufnahmen entstehen sollen, die nicht unmittelbar an der Front spielen.
Chang Jiang 750: Ein Relikt aus dem Kalten Krieg
Eine Chang Jiang 750 mieten bedeutet nicht nur ein Fahrzeug zu fahren, sondern ein Stück Mobilitätsgeschichte wiederzubeleben. Diese Motorräder mit Beiwagen wurden von 1957 bis 1961 für die chinesische Volksbefreiungsarmee als direkte Nachbauten der BMW R71 bzw. Da die Technik der Chang Jiang 750 den Maschinen von alten russischen Motorradherstellern wie Dnjepr und Ural ähnelte, konnten hier einfach Baugruppen und Teile verwendet werden.
Später arbeitete der chinesische Motorradhersteller auch mit deutschen Importeuren zusammen und wollte seine Motorräder in Deutschland etablieren. Dieser Versuch scheiterte jedoch an europäischen Normen in Sachen Bremsen und Abgasverbrennung. Letztendlich handelt es sich bei diesem Fahrzeug ja auch um ein Relikt aus dem kalten Krieg, als der Kommunismus noch im geteilten Deutschland präsent war und Russland mit China gemeinsame Sache machte.
Die Chang Jiang 750 mieten bedeutet auch Motorrad mit Beiwagen zu fahren wie man es früher getan hat - ohne Schnickschnack und übermäßige Leistung. Wer einen solchen Oldtimer mieten möchte sollte sich darüber bewusst sein, dass hier alles mechanisch funktioniert. Nicht umsonst hat dieses Motorrad so lange überlebt. Die robuste Technik lässt sich darüber hinaus auch noch von Hand reparieren und arbeitet auch bei Wind und Wetter ohne Probleme, ganz im Gegensatz zu aktuellen Fahrzeugen.
Während in Westdeutschland Design und technischer Fortschritt vorangetrieben wurde und man Fahrzeuge wie die BMW Isetta, den VW Käfer und den VW Bulli immer weiter verbesserte, setzte man im kommunistischen Russland und China auf bewährte Technik.
Chang Jiang 750 mieten heißt jedoch auch auf jeglichen Komfort, im Vergleich zu heutigen Fahrzeugen, zu verzichten. Der Zweizylinder Viertaktmotor mit 748 Kubikzentimetern leistet 28 echte PS ohne Turbolader oder Kompressor. Anders als heute hat sie vorne, wie auch hinten Trommelbremsen und ist mit einem Leergewicht von 380 Kilogramm nicht viel schwerer als heutige Gespanne.
Wer eine Chang Jiang 750 mieten möchte sollte sich also vorher ein wenig mit der Technik vertraut machen und erstmal langsam starten, um Bremswege, Ansprechverhalten und Fahrwerk einschätzen zu können, bevor es zu einer Gefahrensituation kommen könnte. Chang Jiang 750 mieten heißt, wie bei allen Gespannen, auch keine Angst vor Kurvendurchfahren und Schräglage zu haben. Ja Sie haben richtig gelesen - Schräglage. Eine Chang Jiang 750 fahren ist ein tolles Erlebnis, welches sich von einer gemütlichen Fahrt im behüteten Oldtimer unterscheidet.
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