Wer beim Radfahren das Stundenmittel nach oben treiben will, der benötigt neben richtig guten Beinen vor allem eine optimierte Aerodynamik. Aerolaufräder mit hohen Carbonfelgen sind hier seit Jahren state of the art. Aber muss es wirklich immer Carbon sein? DT Swiss hat jetzt sein Aerowissen erstmals in die Entwicklung neuer Alufelgen miteingebracht.
DT Swiss AR 1600 Spline 30 im Test
Das Topmodell der neuen Laufradserie, die preislich im Einstiegssegment angesiedelt ist, ist das AR 1600 Spline 30. Wir haben die 30 mm hohen schwarzen Alu-Aero-Wheels im Dauertest genauer unter die Lupe genommen. Hier sind die wichtigsten Daten des Laufradsatzes:
- Hersteller: DT Swiss
- Modell: AR 1600 Spline 30
- empf. VK Preis in Euro: 599,00
- Gewicht Vorderrad: 808 g
- Gewicht Hinterrad: 895 g
- Felgenform: Hakenfelge, Tubeless ready
- Speichen: DT Aero Comp Straightpull, je 24 2x gekreuzt
- Freilauf: 350 Straightpull 36 T Ratchet SL System
- Felgenbreite innen (Maulweite): 20 mm
- Felgenhöhe: 30 mm (VR), 30 mm (HR)
Insgesamt vier Laufradsätze sind ab sofort erhältlich, deren Alu-Felgen DT Swiss in Kooperation mit den Aerodynamik-Experten von Swiss Side entwickelt hat. Neben den aerodynamisch optimierten Felgenprofilen mit 30 Millimeter hohem UV-Profil (oben bauchig, unten etwas spitzer zulaufend), sollen innen liegende Nippel und Messerspeichen Luftverwirbelungen reduzieren.
Die Aerodynamik-Experten von Swiss Side, mit denen DT Swiss seit Jahren bei der aerodynamischen Entwicklung von Produkten - bislang den Carbon-Laufrädern - zusammenarbeitet, waren auch bei den Aluminium-Felgen mit an Bord.
Die vier Modelle basieren auf zwei neuen Aero-Felgen aus Aluminium, die jeweils auch separat für Individual-Aufbauten erhältlich sind: die A 510-Felge mit 20 Millimetern Maulweite für Straßen-Laufräder und die E 550-Felge mit 22 Millimetern Maulweite für Endurance-, Cross- oder Gravel-Laufräder. Beide Felgen sind für je 44,90 Euro/Stück zu haben.
Die mit diesen Felgen aufgebauten Laufräder im Überblick:
- AR 1600 Spline 30 mit 20 mm Maulweite, DT Swiss 350-Nabe neuester Generation, ASTM-Klasse 1 ("nur" Straße), maximales Systemgewicht 110 kg, Gewicht: 1703 g (Herstellerangabe)/ 1765 g (ROADBIKE-Messung), Preis: 599 Euro
- A 1800 Spline 30 mit 20 mm Maulweite, DT Swiss 370-Nabe neuester Generation, ASTM-Klasse 1 ("nur" Straße), maximales Systemgewicht 110 kg, Gewicht: 1766 g (Herstellerangabe), Preis: 429 Euro
- ER 1600 Spline 30 mit 22 mm Maulweite, DT Swiss 350-Nabe neuester Generation, ASTM-Klasse 2 (Straße und unbefestigter Untergrund, leichte Sprünge bis 15 cm), maximales Systemgewicht 130 kg, Gewicht: 1803 g (Herstellerangabe), Preis: 599 Euro
- E 1800 Spline 30 mit 22 mm Maulweite, DT Swiss 370-Nabe neuester Generation, ASTM-Klasse 2 (Straße und unbefestigter Untergrund, leichte Sprünge bis 15 cm), maximales Systemgewicht 130 kg, Gewicht: 1837 g (Herstellerangabe), Preis: 429 Euro
Die günstigeren Modelle A 1800 und E 1800 kommen mit der DT Swiss 370-Nabe.
Erster Test: DT Swiss AR 1600 Spline 30
Im ersten Praxistest über knapp fünfhundert Kilometer zeigen die AR 1600 Spline 30 das Dilemma, das Aero-Laufräder mit Aluminiumfelgen systembedingt mit sich bringen: Den attraktiven Preis erkauft man sich mit Abstrichen beim Gewicht - und dieses zahlt stärker unmittelbar spürbar auf das Fahrerlebnis ein als aerodynamische Gewinne.
Doch der Reihe nach. Die AR 1600 Spline 30 sind zunächst einmal grundsolide Laufräder für viele zehntausende Kilometer. Die erst Anfang diesen Jahres runderneuerten 350-Naben machen potenziell ohne mit der Wimper zu zucken eine Weltumrundung mit - einfache, werkzeugfreie Wartung, 36-Zähne-Zahnscheibenfreilauf, blitzschnell getauschter Freilauf, bewährte, lang- und leichtlaufende Lager. Sprich: eine sehr gute Basis für haltbare Laufräder.
Gleiches gilt für die je 24 aero comp II Straightpull-Speichen sowie die in der Felge versteckten ProLock-Speichennippel, mit denen die AR 1600 aufgebaut sind.
Apropos aufgebaut: Der Aufbau des Test-Laufradsatzes ist einwandfrei ohne Seiten- und Höhenschlag, die Laufräder stehen mittig zentriert. Die Speichenspannung ist hoch, die Seitensteifigkeit ebenfalls, entsprechend präzise ist die Lenkung.
Dank der "nur" 30 Millimeter hohen Felgen ist Seitenwind, auch in Böen, überhaupt kein Problem: Anders als so manche Aero-Laufräder, bei denen Wind große Unruhe ins Fahrwerk bringt, ziehen die AR 1600 Spline 30 gänzlich unbeirrt ihre Bahn, auch im Renntempo sowie bei Abfahrten mit Geschwindigkeiten jenseits der 60 km/h bleibt das Vorderrad jederzeit stabil, die Lenkung vorhersehbar, die Fahrsicherheit hoch.
Wer hohe Aero-Laufräder bislang vor allem wegen der mitunter unangenehmen Nebeneffekte hoher Carbonfelgen gemieden hat, findet angesichts der hohen Fahrsicherheit womöglich in den AR 1600 Spline 30 die perfekten Begleiter.
Wie angedeutet ist das Gewicht die größte Bürde, die das Set trägt. Zum Vergleich: Beim Test von Alu-Laufradsätzen in ROADBIKE 09/23 riss "nur" ein Kandidat knapp die 1700-Gramm-Marke, alle anderen, obwohl mitunter sogar mit höherer Felge ausgestattet, blieben darunter und erreichten teilweise sogar Set-Gewichte um 1500 Gramm. Auch Carbon-Laufräder wiegen natürlich in der Regel weniger - allerdings zum höheren Preis.
Bergauf, aber auch bei Antritten ist es aber nun mal deutlich stärker spürbar, wenn sich Mehrgewicht an der rotierenden Masse der Laufräder versteckt, als wenn etwa der Rahmen oder die Anbauteile etwas mehr wiegen.
So ist es auch bei den AR 1600 Spline 30: Sie rollen gut, halten das Tempo und lenken, wie beschrieben, sicher und präzise - allein bei Beschleunigungen und Kletterpartien bremst das Gewicht etwas. Dessen sollte man sich bewusst sein, auch wenn man sich mit der Zeit an alles gewöhnt und/oder nicht ständig zwischen verschiedenen Laufradsätzen hin und herwechselt.
Bleibt die Frage, ob die neuen Aero-Laufräder von DT Swiss tatsächlich schneller machen. In Ermangelung eines eigenen Windkanaltests mit just diesem Produkt können wir das, Stand heute, nicht seriös beurteilen.
DT Swiss nimmt für sich in Anspruch, mit den AR 1600 Spline 30 schneller zu sein als Konkurrenzprodukte (15,2 Watt), nennt allerdings keine weiteren Messwerte.
Was Windkanal-Messwerte angeht, hält sich DT Swiss zurück und verweist "nur" darauf, dass die AR 1600 Spline 30 mit ihren 15,2 Watt aerodynamischer sein sollen als Konkurrenzprodukte (deren Werte DT nicht nennt). Wie sich unterschiedliche Maulweiten und Reifenbreiten auf die Aero-Performance im Windkanal auswirken, zeigt dieses Schaubild.
Um den Impact von Aero-Laufrädern dennoch einzuordnen: In früheren Windkanaltests von ROADBIKE war eine 21-mm-Felge bei 45 km/h fünf Watt langsamer als eine 40-mm-Felge beziehungsweise elf Watt langsamer als ein 62-mm-Aero-Laufrad (vergleiche ROADBIKE 07/20).
Wohlwissend, dass es sich nur um eine grobe Orientierung handelt, dürfte die 30-mm-Alu-Felge der neuen AR 1600 Spline 30 dementsprechend gegenüber einer flachen Standard-Felge zwischen zwei und vier Watt Ersparnis bringen, aber um die sieben Watt langsamer sein als ein reinrassiges Aero-Laufrad.
Zur Orientierung: Sieben Watt bedeuten auf einer 100 Kilometer langen Strecke mit 1500 Höhenmeter bei 200 Watt Durchschnittsleistung einen Zeitunterschied von 56 Sekunden.
Lange Rede, kurzer Sinn: Da Aero-Laufräder mit hohen Carbonfelgen zwar leichter und aerodynamischer, oft aber auch deutlich teurer sind, verschieben die preislich attraktiven AR 1600 Spline 30 den Faktor investierter-Euro-pro-gesparte-Watt in die richtige Richtung.
Insgesamt bieten sie einen guten Kompromiss aus bestmöglicher Aerodynamik, vertretbarem Gewicht und attraktivem Preis-Leistungs-Verhältnis und sind auch losgelöst vom Aero-Aspekt sehr gut gebaute, solide Laufräder. Den größten Impact in punkto Aerodynamik machen jedoch grundsätzlich nicht die Laufräder, sondern andere Faktoren.
Aluminium als Material für Rennrad-Laufräder
Aluminium, ein ikonisches und bewährtes Material in der Welt des Radsports, hat zu Generationen von leistungsstarken, zuverlässigen und erschwinglichen Bikes beigetragen. Rennrad-Laufräder aus Aluminium haben sich bei einer Vielzahl von Radsportlern bewährt.
Häufige Fragen betreffen die Langlebigkeit und Robustheit von Aluminium, den Vergleich mit Carbon, das relative Gewicht, die Brems-Performance und die Kompatibilität mit verschiedenen Reifentypen.
Laufräder aus Aluminium haben das Vertrauen von Radsportlern in aller Welt durch ihre Robustheit und Stossunempfindlichkeit gewonnen. Abgesehen von ihrer Langlebigkeit sind sie für ihre hervorragende Brems-Performance bei Felgenbremsen bekannt.
Sie bieten eine gleichmässigere und berechenbarere Bremswirkung als Carbon-Laufräder, besonders bei nassen Bedingungen. Die Pflege von Aluminium-Laufrädern ist ziemlich einfach, aber für die Langlebigkeit unerlässlich.
Nach jeder Fahrt, besonders bei Regen oder auf salzigen Strassen, hilft eine kurze Wäsche, Korrosion zu vermeiden. Wir empfehlen, die Laufräder mit warmem Wasser und einem milden Reinigungsmittel zu säubern und einen nicht scheuernden Schwamm oder Lappen zu verwenden, um Kratzer auf der Oberfläche zu vermeiden.
Im Allgemeinen ist Aluminium schwerer als Carbon. Dank technologischer Innovationen gibt es mittlerweile aber auch sehr leichte Laufräder aus Aluminium.
Dabei ist zu beachten, dass das Gewicht nur ein Aspekt der Performance eines Laufrads ist. Ein gut konzipiertes Aluminium-Laufrad kann ein sehr angenehmes Fahrerlebnis bieten, mit robuster Fahrstabilität und hervorragender Kraftübertragung.
Der Einfluss von Hochprofil-Laufrädern im Gelände
Neben der Physis der Fahrer ist das „Material“ schon längst ein Sieg-Faktor bei den großen Gravel-Rennen. Schneller Radfahren mit der gleichen Leistung - das ist das, was die meisten Radprofis und Hobbysportler wollen. Mit die beliebtesten „Tuningteile“ sind in diesem Zusammenhang: die Laufräder.
Es kann sich aus mehreren Gründen lohnen, ein serienmäßig ausgestattetes Gravel-Bike mit einem neuen Laufradsatz auszurüsten und in den meisten Fällen aufzuwerten. Noch vor einigen Jahren waren an den ersten Gravel-Rädern in der Regel stabile Rennrad-Laufradsätze mit Innenmaulweiten von 19 bis 21 Millimetern verbaut.
Damit harmonieren sie besonders gut mit 40 Millimeter breiten profilierten Reifen oder 30er Slicks. Der Grund: Breitere Felgen erhöhen die effektive Breite der auf ihnen montierten Reifen und damit auch das Volumen.
Gravelbikes im Preisbereich von 2500 bis 4000 Euro sind meist mit einem Carbon-Rahmen und einer hochwertigen mechanischen oder sogar elektronischen Schaltung ausgestattet. Serien-Laufräder wiegen oftmals zwischen 1900 bis 2100 Gramm - sie sind damit vergleichsweise schwer.
Die beiden leichtesten Test-Laufradätze von Specialized und Leeze wiegen 1263 beziehungsweise 1363 Gamm. Aktuelle Modelle weisen oft höhere Felgen im Bereich von 40 bis 45 Millimetern auf.
Einige Hersteller wie DT Swiss und Scope haben inzwischen Laufräder mit 50 Millimetern Felgenhöhe und mehr im Portfolio. Als „aerodynamisch“ erachten wir Felgen ab 30 Millimetern Höhe. Die zehn Laufräder in diesem Vergleich weisen Felgenhöhen zwischen 18 und 42 Millimeter auf.
Im GST-Windkanal in Immenstaad am Bodensee prüften wir den Luftwiderstand der zehn Gravel-Laufräder, genauer: die benötigte Leistung bei 35 km/h. Bei einer alleinigen Betrachtung der beiden Laufräder macht das Vorderrad rund 80 Prozent des gesamten Luftwiderstands aus, das Hinterrad dagegen nur 20 Prozent, da es sich im Windschatten des Sitzrohres dreht.
So ist es für aussagekräftige Ergebnisse ausreichend, nur die Vorderräder im Windkanal zu messen - dies entspricht auch den üblichen Testverfahren. Alle Messungen wurden mit einer Windgeschwindigkeit von 35 Kilometern pro Stunde durchgeführt.
Während der Messungen dreht sich der Prüfstand von plus nach minus 20 Grad - damit fließen auch Seitenwindverhältnisse, wie sie in der Realität vorkommen, in das Gesamtergebnis ein. Straßen-Laufräder werden mit 45 km/h gemessen, die Werte sind somit nicht direkt vergleichbar.
Weitere Testergebnisse und Erkenntnisse
Im Laufrad-Test sind alle großen und wichtigen Hersteller vertreten. Von Carbon-Pionieren wie Lightweight, absoluten Klassikern wie Mavic und DT Swiss über etablierte Hausmarken der großen Bike-Hersteller zu den neuesten Playern in der Laufradwelt. Laufräder bestimmen das Fahrgefühl und Feeling des Bikes wie kein anderes Bauteil am Rad.
Um die Unterschiede im Handling und Fahrgefühl bestimmen zu können, haben wir unter einer Vielzahl an Bedingungen getestet, waren in Südschweden auf der Suche nach den windigsten Crosswind-Passagen, haben in der Provence den Mont Ventoux erklommen und um unser Office herum den heimischen Schwarzwald unsicher gemacht.
Im Back-to-back-Testing haben wir innerhalb kurzer Zeit alle Laufräder mit gleicher Bereifung, auf gleicher Strecke und mit vergleichbaren Wetterbedingungen getestet. Dabei waren alle Laufräder mit Contis GP5000 S TR in 28C und tubeless ausgestattet. Die Compliance der Räder entscheidet viel über den tatsächlichen Einsatzbereich.
Ein steifes Laufrad bedeutet vor allem ein reaktives und agiles Rad, das auf Lenkimpulse und Antritte flink reagiert und den Input direkt umsetzt. Eine Kombination aus Compliance und Steifigkeit, die aber auch stark von individuellen Präferenzen abhängt.
Denn je steifer ein Rad desto präziser, aber eben auch unverzeihender fährt sich das Bike. Je tiefer die Felgen werden, desto höher ist die Anfälligkeit bei Seitenwind? So zumindest die Faustformel, doch einige Laufräder haben spezielle Features, um dem entgegenzuwirken.
Aerodynamik im Windkanal
Alle Laufräder im Test funktionieren hinsichtlich der Aerodynamik. Doch auch unter den Laufrädern gibt es klare Unterschiede. Räder mit geringer Felgentiefe wie Mavic und Lightweight schneiden tendenziell am schlechtesten ab.
Laufräder mit gemischten Tiefen liegen knapp darüber. Roval und Reserve setzen an Front und Heck auf verschieden profilierte Felgen mit unterschiedlicher Tiefe. Dabei ist der Gedanke, die Anfälligkeit für Seitenwind an der sensiblen Front zu minimieren und mit einem tiefen Hinterrad für gesteigerte Effizienz und einen höheren Segeleffekt zu sorgen.
Beachtet man den Verzicht auf tiefe Messerspeichen, wird das Ergebnis umso beachtlicher. Vermutlich erkauft sich das Bontrager-Entwicklungsteam durch eine vergleichsweise schmale Felge und eine daraus resultierende kleinere Stirnfläche, also durch schmalere Felgen und Reifen, viel Performance bei niedrigen Gierwinkeln.
Ein ungebohrtes Felgenbett, wie es Syncros, Lightweight und Mavic bieten, macht selbst den größten Tubeless-Skeptikern richtig Spaß. Ventil rein und schon ist die Felge ready, kein Tape und keine schleichenden Platten. Ja, den Segeleffekt, den gibt’s auch im Radsport, und dieser macht richtig was aus. Je tiefer die Felge und je mehr Fläche durch breite Speichen, desto mehr Angriffsfläche für den Wind.
Breitere Reifen bieten dank geringerem Druck mehr Grip und Compliance, das schont auf der großen Fahrt und macht einfach mehr Spaß. Keramiklager versprechen maximale Effizienz und eine bessere Haltbarkeit, in unserem Fahrtest haben wir davon allerdings nichts gemerkt.
Aero-Laufräder im Windkanal: Messwerte und Ergebnisse
Die Aerodynamik-Messungen nahmen wir im GST-Windkanal in Friedrichshafen vor. Die beiden Parameter, die im Mittelpunkt standen: Luftwiderstand und Seitenwind-Empfindlichkeit. Deshalb verglichen wir die Test-Modelle auch mit einem „normalen“ Referenzlaufradsatz: den DT Swiss E 1800 Spline mit 23 Millimeter hohen Alufelgen und einem Gewicht von 1697 Gramm.
Der Fahrer nahm dabei die Position „Unterarme gestreckt im Unterlenker“ ein. Bei allen Windkanal-Tests nutzten wir einen 25 Millimeter breiten Continental-GP-5000-Reifen.
Bei der alleinigen Betrachtung der beiden Laufräder macht das Vorderrad rund 80 Prozent des gesamten Luftwiderstands aus - das Hinterrad dagegen nur 20 Prozent, da es sich im Windschatten des Sitzrohres dreht.
Somit ist es für aussagekräftige Ergebnisse ausreichend, nur die Vorderräder im Windkanal zu messen, was auch den üblichen Testverfahren entspricht. Die Messungen wurden mit einer Windgeschwindigkeit von 45 Kilometern pro Stunde durchgeführt.
Damit auch Seitenwindverhältnisse beurteilt werden können, dreht sich der Prüfstand während der Messung von plus nach minus 20 Grad.
Das Auswertungs-Programm von GST weist zunächst die benötigte Leistung aus, die bei einer reinen Frontal-Anströmung nötig ist, um den Luftwiderstand bei 45 km/h zu überwinden. Die Messwerte lagen hier zwischen 11,5 und 15,7 Watt. Je kleiner die benötigte Leistung ist, desto besser.
Die 11,5 Watt wurden von dem „Aero-Sieger“-Modell dieses Tests erzielt, den Swiss Side Hadron² Ultimate 625 Disc. Folgend berechnet das Programm die „gewichtete Leistung“ in Abhängigkeit vom Anströmwinkel.
Dabei wird jeder einzelne Winkel mit der dazugehörigen Leistung in dem Maße prozentual gewichtet, wie er in Realität draußen auf der Straße vorkommt. Der Referenzlaufradsatz erzielte hier 19,4 Watt, der „Aero-Sieger“ Swiss Side 10,4 Watt - damit zeigte sich ein Leistungsgewinn von ganzen neun Watt bei 45 Kilometern pro Stunde.
Da der Leistungsbedarf in dritter Potenz mit der Geschwindigkeit zunimmt, halbiert sich bei 35 km/h der Leistungsbedarf gegenüber 45 km/h ungefähr.
Seitenwind-Empfindlichkeit
Mit der Höhe der Felgen nimmt die Seitenwind-Empfindlichkeit zu - auch dies kann gemessen werden.
Er wurde entwickelt, um Flugobjekte und Tragflügel zu messen. Die GST-Auswertung weist hier noch einen „Lenkmoment-Beiwert“ für die Vorderräder aus: Je größer dieser Wert ist, desto stärker beeinflusst der Seitenwind das Lenkverhalten.
In der nebenstehenden Grafik finden Sie die entsprechenden Kurven. Aufgetragen wurde das Lenkmoment in Abhängigkeit vom Winkel des Seitenwindes von -20 bis +20 Grad.
In der Grafik „Lenkmomentbeiwert“ ist deutlich zu sehen, dass die höheren Felgen empfindlicher auf Seitenwind reagieren. Ein wichtiges Ergebnis: Die 65-Mililimeter-Modelle weisen gegenüber den flacheren Felgen mit 50 bis 55 Millimetern Höhe einen rund doppelt so großen Lenkmomentbeiwert auf, was auf der Straße bei böigem Seitenwind sehr deutlich spürbar und bei Stürmen teils kaum noch beherrschbar ist.
Die DT-Swiss- und die Swiss-Side-Modelle erreichten jedoch mit ihren 62,5 Millimeter hohen Felgen in dieser Disziplin auffallend gute Werte, die sich kaum von den 55er-Felgen unterscheiden.
Gewicht und Seitensteifigkeit
Klar ist: Hohe Felgen belasten die Waage mehr als flache. Leichte Laufräder beschleunigen besser und haben bei höhenmeterreichen Touren und Radmarathons Vorteile. Das Gewicht aller Laufräder wurde einschließlich der aufgezogenen Felgenbänder ermittelt - dies erklärt teilweise die Differenzen zu den Herstellerangaben.
Testsieger beim Gewicht wurden die Aero-Laufräder von Newmen mit 1429 Gramm - gefolgt von den Engage-, 1487, und den Specialized-Roval-Modellen, 1503 Gramm. Die Lösung ist plausibel und smart zugleich: In beiden Laufrädern befinden sich jeweils 21 Carbon-Speichen. Newmen spricht in diesem Zusammenhang von 140 Gramm Gewichtsersparnis. Speichen aus Carbon sind aktuell ein neuer Trend im Laufradbau.
Wir belasteten die Laufräder seitlich mit einem Gewicht von fünf Kilogramm beziehungsweise 50 Newton, maßen dabei die Nachgiebigkeit ergo Elastizität der Felge und verrechneten dies zur Seitensteifigkeit. Sie gibt an, welche Kraft in Newton nötig ist, um die Felge seitlich um einen Millimeter zu bewegen.
Gute Werte liegen zwischen 30 und 35 Newton pro Millimeter, sehr gute Werte darüber. Bis 40 Newton pro Millimeter gilt: je mehr, desto besser. Darüber ergibt es wenig Sinn. Wir belasteten die Laufräder zur rechten und linken Seite und bildeten das arithmetische Mittel daraus.
Maximale Gewichtsangaben
Fast alle Hersteller geben für ihre Laufräder je ein maximal zugelassenes Gewicht an. Das Fahrergewicht ist selbsterklärend, das Systemgewicht beinhaltet Fahrer, Rennrad, Trinkflaschen und etwaiges Gepäck. Fahrer- und Systemgewicht liegen somit in der Regel um rund zehn Kilogramm auseinander.
Reifenbreite und Aerodynamik
Breitere Reifen erhöhen die angeströmte Stirnfläche, folglich nimmt der Luftwiderstand beziehungsweise die erforderliche Leistung für die gefahrene Geschwindigkeit zu. Zumindest bei einer reinen Frontalanströmung relativieren sich die etwas höheren Leistungen der breiteren Reifen, da sie dem Unterrohr einen größeren Windschatten bieten.
Zudem ergeben die 28 und 30 Millimeter breiten Reifen mit ihrem erhöhten Volumen ein Plus an Komfort. Aus rein aerodynamischer Sicht ist ein 25 Millimeter-Modell die beste Wahl.
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