Carbon, Carbon, Carbon - wer den Kampagnen der Hersteller und den Diskussionen vieler Strava-Enthusiasten Glauben schenkt, kann ohne das schwarze Gold keine Höchstleistung erbringen. Doch gerade in günstigeren Preisregionen wird das Alu-Rennrad absolut unterschätzt. Grund genug für einen Vergleichstest der populärsten Aluräder für den Race-Einsatz.
„Rennräder aus Aluminium sind nur etwas für Einsteiger.“ Man kommt nur schwer umhin, diese Pauschalisierung das eine oder andere Mal mitzuerleben. Klar: Alu-Racebikes bieten aufgrund ihres attraktiven Preis-Leistungs-Verhältnisses für viele Neuankömmlinge in der Rennradwelt eine spannende Möglichkeit. Doch sie sind viel mehr als das. Ambitionierte Rennfahrer schätzen die Alu-Boliden für ihre Unverwüstlichkeit. Das Alu-Rennrad als zuverlässiges und pfeilschnelles Arbeitstier. In beiden potenziellen Zielgruppen wird eines deutlich: Der Preis spielt immer eine Rolle. Doch sind günstige Carbonbikes eventuell gar die schlechtere Option für viele Fahrer?
Die aktuellen Bike-Neuvorstellungen zeigen es: Im Vorfeld der Tour wurden hauptsächlich aerodynamisch optimierte Racebikes vorgestellt, die z. T. erheblich über dem UCI-Gewichtslimit liegen. Für Carbon- gilt hier das Gleiche wie für Alubikes: Gewicht spielt eine untergeordnete Rolle, wenn es um Speed geht.
Um dieses Gefühl ungefiltert wahrnehmen zu können, musst du dein Bike vergessen können. Mit allen Sinnen im Hier und Jetzt sein.
Handling und Sicherheit
Auch Ex-Profi David Millar hat es im Rahmen unseres Racebike-Vergleichstests 2018 bestätigt: „Ein Rad, das sich nicht gut manövrieren lässt, ist scheiße.“ Während sich die Geometrien der verschiedenen Bikes auf dem Papier häufig nur marginal unterscheiden, sieht es auf der Straße nur allzu oft ganz anders aus. Liegt das Bike auf der Straße wie ein Drag-Racer oder lässt es sich verspielt durch jedes noch so enge Nadelöhr zirkeln?
Wer dem Gipfel entgegensprintet, der will auf der Jagd nach der Bestzeit auch bergab attackieren. Im Idealfall sollte dabei zusätzlich im Downhill Kraft gespart werden können. Vermittelt das Rad ein hohes Maß an Sicherheit, so fällt es uns leichter, unverkrampft in den Carving-Modus zu schalten und zügig und sicher ins Tal zu racen. Ein Rad, das auch bei hohen Geschwindigkeiten genügend Vertrauen vermittelt, inspiriert uns, eigene Limits zu überschreiten, ohne sich panisch an den Lenker zu krallen.
Komfort und Speed
Dabei geht es einerseits darum, wie schnell sich das Bike auf Hochtouren bringen lässt und wie gut es die Geschwindigkeit halten kann. So manches leichtfüßige Bike lässt sich zwar super beschleunigen, schafft es aber nicht, die Geschwindigkeit mitzunehmen. Andererseits geht es um den Komfort und die Sitzposition des Fahrers auf dem Rad. Wer sich wohl im Sattel fühlt, kann eine aerodynamischere Sitzposition länger halten, mehr Power generieren und damit härter am Gas sein.
Design und Qualität
Wo Performance drauf steht, sollte auch Performance drin sein - aber doch bitte im ansprechenden Gewand. In preisaggressiveren Regionen muss man zwangsläufig irgendwann Kompromisse eingehen. Wie viel sinnvolle Integration bietet das Bike? Sind die Übergänge der Rahmenteile lieblos aneinander gebrutzelt oder schön miteinander verbunden? Klappern die Züge? Wie ist die Verarbeitungsqualität? Ein stylishes Rad ist nicht nur schön anzusehen, sondern motiviert auch dazu, mehr zu fahren.
Preis-Leistungs-Verhältnis
Alubikes kauft man häufig aus rationalen Gründen - deshalb ist auch das Preis-Leistungs-Verhältnis ein wichtiges Kriterium in diesem Test. Wie viel Performance bietet das Bike fürs Geld? Wie viel Rennrad bekommt man am Ende wirklich? Alles Fragen, auf die ihr hier Antworten findet.
Stattdessen haben wir die populärsten und spannendsten Alu-Rennräder des Jahres gegeneinander antreten lassen. Aus diesem Grund begrenzt sich das Testfeld auf das Specialized Allez Sprint Comp, das Cannondale CAAD12 105, das Trek Émonda ALR 6 und das ROSE XEON RS Ultegra Di2. Darüber hinaus wollten wir auch das Canyon Ultimate AL mit in den Test einbeziehen. Leider hatte der Koblenzer Bikeversender derzeit kein entsprechendes Testrad verfügbar.
Oftmals sind es die Details, die den Unterschied machen: gelungene Integration, erstklassige Ergonomie und mit bedacht gewählte Komponenten. Früher war nicht alles besser - ein Aluminiumbike ist 2018 nicht mehr das, was es vor 10 Jahren einmal war. Die Alurenner sind viel mehr echte, preisgünstige Alternativen, die sich nicht nur in den Garagen der Billigheimer finden. Performance ja, aber nicht um jeden Preis - ein Supersportler muss nicht teuer sein!
Auch wenn die Unterschiede zwischen unseren Testrädern groß waren, ist deutlich geworden, dass sich die Top-Bikes des Testfeldes absolut nicht hinter deutlich teureren Carbonrennern verstecken müssen. Aluminium ist nicht gleich Aluminium - und Kreativität lässt sich auch aus Aluminium formen.
Die Erde ist keine Scheibe und Rohre sind nicht rund: An unseren Testbikes finden sich mitunter komplexe Rohrformen, die durch innovative Herstellungsprozesse verwirklicht werden können. Während das ROSE mit seiner klassischen Formsprache eher zurückhaltend ist und der filigrane Hinterbau dem Rahmen ein relativ hohes Maß an Compliance verleiht, schreit das Specialized mit seinen Smartweld-Schweißnähten geradezu nach Steifigkeit. Somit spiegelt unser Test wider: Auch auf dem Markt für Alubikes habt ihr die Möglichkeit, euren Favoriten aus unterschiedlichen Konzepten zu wählen.
Bremsen und Komfort
Im Testfeld findet sich kein Bike mit Scheibenbremsen. Der Grund? Hydraulische Bremsen mit Scheibe würden nicht nur den Preispunkt, sondern auch das Gewicht deutlich in die Höhe treiben. Während der Testfahrten wurden große Unterschiede in Sachen Bremsperformance deutlich. So verzögerten die Shimano 105- und die Shimano Ultegra-Stopper am Cannondale und Trek sehr gut, während die Bremsen am ROSE nicht mit den Bremsflanken der RS-1400-Laufräder harmonieren wollten. Auch die Tektro-Bremsen am Specialized können nicht überzeugen.
ROSE und Trek machen mit ihren Boliden eines klar: Wer den Komfort eines Carbonrenners liebt, wird mit den beiden Bikes nur ein Problem haben - sie sind nicht aus Carbon. Beide Hersteller kombinieren filigrane Sitzstreben mit Sattelstützen aus Carbon und liefern so ein Konzept, dass sowohl bei Jedermann-Rennen als auch bei der sportiven Tour auf rauen Straßen bestehen kann.
Preisunterschiede und Schaltgruppen
Im speziellen Fall konnte die elektrische Schaltung am ROSE nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Cannondale unterm Strich das bessere Bike ist und die Schaltperformance des 105er-Antriebes nicht signifikant hinter der Ultegra herhinkt. Gleichzeitig macht dieser Vergleich klar, dass sich elektronische Schaltgruppen ihren Weg in das Preis-Leistungs-Segment gebahnt haben. Die Ultegra Di2 ist quasi eine kleine Dura-Ace Di2 für kleines Geld.
Fazit
Dieser Vergleichstest hat es bewiesen: Die Aluminati sind echt und kein mysteriöses Gespenst! Aktuelle Alubikes müssen sich in Sachen Performance oftmals nicht hinter ihren Carbon-Pendants verstecken. Insbesondere wenn es um den Preis geht, kann ein Alu-Rennrad mit besseren Komponenten die deutlich schlauere Option sein als ein Carbonbike mit billigen Anbauteilen. Spannend war es auch zu sehen, wie viel Hightech in den aktuellen Alubikes steckt und wie unterschiedlich die Race-Konzepte der großen Player sind.
Alle, die auf der Suche nach einem Alu-Allrounder sind, werden mit der eher bequemen Sitzposition des Trek Émonda ALR 6 auf ihre Kosten kommen. Wer hingegen beim Berge Hinauffliegen elektrisch schalten, sein Bike individuell konfigurieren und trotzdem kein Vermögen ausgeben will, der sollte sich das leichtfüßige ROSE XEON RS Ultegra Di2 genauer anschauen. Am Ende des Tests hat es uns vor allem das Cannondale CAAD12 105 für gerade einmal 1.599 € angetan: überragendes Handling, exzellente Optik und ein stimmiges Ausstattungspaket - draufsetzen und losfahren. Ready to Race!
Materialvergleich: Carbon, Alu, Stahl oder Titan
Die Wahl des passenden Rennrad-Rahmens ist ein großer Schritt in Richtung "Perfektes Rennrad". Anbauteile können ausgetauscht werden, doch dem Rennrad-Rahmen bleibt man am längsten treu.
Carbon, Alu, Stahl oder Titan haben als Rennrad-Rahmen-Materialien unterschiedliche vor und Nachteile.
Rennrad-Rahmen aus Carbon
Pro
- Gewicht: Optimal konstruiert sind Rennrad-Rahmen aus Carbon in der Regel leichter als Alu-Rahmen und viel leichter als Rennrad-Rahmen aus Stahl oder Titan.
- Steifigkeit: Aus Carbon kann man nicht nur leichte, sondern auch sehr steife Rennrad-Rahmen bauen.
- Komfort: Ein gut gemachter Carbon-Rahmen federt grobe Schläge gut ab und dämpft zusätzlich unangenehme Vibrationen. Ein klarer Vorteil gegenüber anderen Rahmen-Materialien.
Contra
- Preis: Für den Preis eines Rennrades mit Carbon-Rahmen bekommen Sie in den allermeisten Fällen ein Rennrad mit Alu-Rahmen und besseren Rennrad-Komponeten.
Rennrad-Rahmen aus Alu
Pro
- Preis: Rennräder mit Alu-Rahmen haben, was den Preis angeht, die Nase gegenüber Carbon-Rennradrädern immer noch etwas vorn.
- Federung: Hochwertige Alu-Rahmen können grobe Schläge gut abfedern.
- Steifigkeit: Auch gut gemachte Alu-Rennräder überzeugen durch hohe Steifigkeitswerte an Tretlager und Steuerrohr.
Contra
- Dämpfung: Auch wenn hochwertige Alu-Rahmen gut federn, bei der Vibrationsdämpfung haben Rennrad-Rahmen aus Carbon die Nase vorn.
- Gewicht: Gut konstruierte Rennrad-Rahmen aus Alu sind zwar leicht. An die Gewichte der Top-carbon-Rahmen kommen sie jedoch nicht heran.
Rennrad-Rahmen aus Titan
Pro
- Komfort: Sowohl grobe Schläge als auch schnelle Vibrationen dämpfen hochwertige Titan-Rahmen gut.
- Haltbarkeit: Titan als Rahmenmaterial für Rennräder besticht durch seine lange Haltbarkeit. Titan ist korrosionsbeständig, Rost hat bei Titan-Rennrädern keine Chance.
Contra
- Preis: Rennrad-Rahmen aus Titan sind eher selten. Dabei spielt sicher auch der Preis eine Rolle. Titan-Rahmen sind in der Regel teurer als Rennrad-Rahmen aus Alu.
- Steifigkeit: Die Werte von Top-Rahmen aus Carbon oder Alu erreichen Rennrad-Rahmen aus Titan allerdings nicht.
- Aussehen: Aufgrund der Materialeigenschaften lassen sich Titan-Rahmen nur sehr schwer, bzw. gar nicht lackieren.
Rennrad-Rahmen aus Stahl
Pro
- Komfort: Rennrad-Rahmen aus Stahl punkten beim Komfort. Stahl ist elastisch, federt Schläge gut ab und Dämpft unangenehme Vibrationen des Rennrad-Rahmens.
Contra
- Gewicht: In der Regel sind aber Rennrad-Rahmen aus Titan, Alu oder Carbon leichter als Stahl-Rahmen.
- Preis: Stahl-Rennräder sind seltener geworden. Damit steigt leider auch der Preis.
Canyon Endurace 7: Ein Beispiel für Komfort aus Koblenz
Preis plus Leistung = Canyon: Die speziell unter deutschsprachigen Rennradlern und Rennradlerinnen weit verbreitete Formel erfüllt das Endurace 7 fast vollständig. Denn mehr Rad für weniger Geld gibt es derzeit kaum. Der Marathonklassiker hebt sich vor allem durch den sehr guten Federkomfort von den vergleichbaren Alu-Konkurrenten ab und ist dabei um bis zu 1000 Euro günstiger als das teuerste Rad im Test.
Vorteil durch Carbonstütze
Was ein kleines Teil bewirken kann: Als einziger Hersteller in diesem Vergleich spendieren die Koblenzer ihrem Alu-Renner eine Sattelstütze aus Carbon, prompt bügelt das Endurace am besten über Unebenheiten im Straßenbelag hinweg. Dass sich das Canyon beim Federkomfort nicht deutlicher von der Konkurrenz absetzt, liegt an der unnachgiebigen Carbongabel.
| Hersteller | Modell | Preis | Gewicht |
|---|---|---|---|
| Canyon | Endurace 7 | 1499 Euro | 9,3 Kilo |
Die betont aufrechte Sitzposition unterstreicht den langstreckentauglichen Charakter des Bikes, an dessen Oberrohr sich eine kleine Tasche für Mini-Tool oder Smartphone montieren lässt.
Details und Bewertung des Canyon Endurace 7
- Gewicht Rahmen/Gabel/Steuerlager: 1573/486/36 Gramm
- Rahmengrößen: 3XS, 2XS, XS, S, M, L, XL, 2XL
- Sitz-/Ober-/Steuerrohr: 530/555/165 Millimeter
- Stack/Reach/STR: 605/373 Millimeter/1,62
- Radstand/Nachlauf: 990/55 Millimeter
- Antrieb/Schaltung: Shimano 105 (2x11; 52/36, 11-34 Z.)
- Bremsen: Shimano 105 (160/160 Millimeter)
- Laufräder/Reifen: Fulcrum Racing 900/Schwalbe One 30/32 Millimeter (v./h.: 1495/2056 Gramm)
Stärken: sehr gute Heckfederung, große Reifenfreiheit, acht Größen
Schwächen: “klebriger” Sattel
TOUR-Gesamtnote: 2,3
Die Bestenliste der günstigen Rennräder
Unkomplizierte Technik, langlebige Komponenten, komfortable Geometrien und kleine Preise: Die Attribute günstiger Rennräder wandern stetig zum Gravelbike ab, das in schneller Folge und hohen Stückzahlen in den Markt rollt und auf hohe Nachfrage trifft.
“Das Gravelbike ist eine Einstiegsdroge”, sagte Geschäftsführer Thorsten Heckrath-Rose in einem Interview der Wochenzeitung Die Zeit. Es überrascht daher nicht, dass es vom Blend auch eine geländegängige Variante mit breiten Stollenreifen gibt.
Die Konkurrenz verfolgt einen etwas gemäßigteren Ansatz, die Idee dahinter ist aber identisch. Dank viel Platz für breite Reifen sollen die Alu-Renner die Möglichkeit eröffnen, im Gravelbike-Terrain zu wildern.
Mit den Testrädern muss man zwar keine Rennen gewinnen, das durchweg hohe Gewicht ist aber dennoch ein spürbarer Dämpfer für den Fahrspaß - zumindest wenn man schon mal ein richtig leichtes Rennrad fahren durfte. Die Alu-Rahmen mit dickwandigen Rohren machen die Räder zwar robust, treiben aber auch das Gewicht nach oben. Zusammen mit soliden Anbauteilen und Laufrädern pendelt sich die TOUR-Waage bei allen Rädern um die 10-Kilo-Marke ein, womit sich zahlreiche Tuning-Tipps ergeben.
Das beste Gesamtpaket und damit ein wirklich gutes, günstiges Straßenrennrad stellt Canyon. Qualitativ am nächsten kommt dem Endurace das Giant, das eine bessere TOUR-Note nur aufgrund etwas geringerer Steifigkeitswerte verpasst.
In diesem Jahr konnten wir dieses selbst gesetzte Limit noch einmal halten, auch wenn wir von gleich mehreren Herstellern Absagen auf unsere Testanfragen erhielten.
Gleich drei Carbon-Räder - das Radon Spire 8.0, das Cube Attain C:62 SLX und das Van Rysel Allroad NCR Apex - sind mit elektronischen Shimano-105- beziehungsweise Sram-Apex-AXS-Gruppen ausgestattet.
Im RoadBIKE-Test: 7 hochwertige Alu-Rennräder für die Saison 2014
Rennräder mit Aluminium-Rahmen erleben derzeit eine echte Renaissance - RoadBIKE hat die leichtesten Alu-Rennräder getestet.
Die Ausstattung der Räder überließ RoadBIKE dabei den Herstellern - auch um die Bandbreite abzubilden, die der Markt hier bietet. Die meisten schickten auf Shimano Ultegra-Niveau bestückte Räder um 2000 Euro in den Test - sicher die interessanteste Preisklasse für so hochwertige Alu-Renner.
Für die Rennräder von Cannondale und Stevens muss der Käufer deutlich tiefer in die Tasche greifen - beide Rahmen sind allerdings in günstigerem Aufbau zu haben.
Technologischer Fortschritt bei Alu-Rennrädern
Doch sind Alu-Rennradrahmen wirklich ein Rückschritt im Vergleich zum angesagten Carbon? Im Gespräch mit den Entwicklern der getesteten Alu-Rahmen scheint es fast, als wäre dieses Material der 90er noch einmal neu erfunden worden.
Doch jetzt ist wieder Bewegung ins Segment der Leichtmetall-Rahmen gekommen: "Vor allem durch die Weiterentwicklung von Legierungen und Verbesserungen in den thermischen Prozessen konnten wir Gewichtseinsparungen von 80 bis 100 Gramm realisieren", erklärt Jan Ehrhard von Canyon den Gewichtssprung. Adrian Zahnd von BMC konkretisiert: "Optimierte Schweißverfahren erlauben es, dünnere Rohre miteinander zu verbinden. Tretlager und Steuerrohr konnten dadurch in der Wandstärke reduziert werden und wurden so leichter."
Die neuen Fertigungsverfahren sieht man den bildhübschen Alu-Rahmen auch an: Ebenmäßige Schweißnähte, durch Hydroforming (mit Hochdruck eingepresstes heißes Öl) organisch geformte Rohre und vielfach mechanisch verformte Sitz- und Kettenstreben sind die klar erkennbaren Merkmale moderner Alu-Baukunst.
Alu-Rennradrahmen mit Rennradrahmen aus Carbon im Vergleich
Die Fliegengewichte von Cannondale, Canyon, Specialized und Stevens wiegen, teils deutlich, unter 1200 Gramm.
Vergleicht man die Messwerte aus dem RB-Labor mit von der Geometrie identischen Carbon-Rahmen der jeweiligen Hersteller, so liegen die Rahmensteifigkeiten meist auf ähnlichem Niveau.
Allein das Stevens verfehlt im Lenkkopf die von RB geforderte Mindeststeifigkeit, um jedem Fahrertyp zu genügen. Die Hamburger verwenden, anders als die anderen Hersteller im Testfeld, statt einer herkömmlichen Alu-Legierung einen Scandium-Rohrsatz.
Komfortables Alu - teures Carbon?
Hier zeigen die Leichtmetall-Rahmen der neuesten Generation die wohl erstaunlichsten Fortschritte.
Mit 262 N/mm an der Gabel und 170 N/mm am Heck erreicht das BMC absolut herausragende Federungswerte, die so nur wenige Carbon-Rahmen erreichen. Spürbare "Härte" gibt es nur bei Cannondale und Storck zu kritisieren - was sich in beiden Fällen leicht mit einer besser federnden Sattelstütze beheben lässt.
Kaum noch Unterschied zwischen Rennradrahmen aus Alu oder Carbon
Doch auch die Alu-Rahmen selbst sind nicht mehr die harten Knochen vergangener Tage. "Die verbesserten Schweißverbindungen erlauben uns, den Rahmen an anderen Stellen flexibler zu gestalten. So erreichen wir ein besseres Fahrgefühl", erklärt Specialized-Entwickler Teixeira diesen Fortschritt der neuen Alu-Generation.
Vorsicht im Umgang mit hochwertigen Alu-Rennradrahmen
Wie bei hochwertigem Carbon reagieren sie empfindlich auf falsche Handhabung.
Alu-Leichtbau
Bei allen Fortschritten bleiben die Leichtmetaller weiterhin relativ bezahlbar: Die Rahmen-Gabel-Sets sind weit unter 1000 Euro zu haben, für hochwertig bestückte Kompletträder auf Ultegra-Niveau verlangen selbst große Marken wie Specialized unter 2000 Euro.
Bei der Frage "Alu oder Carbon?" haben die Alu-Rahmen also starke Argumente zu bieten.
Die ausführlichen Testberichte der leichten Rennräder lesen Sie in der RennRad-Ausgabe 8/2019.
Aluminium hat eine geringere Dichte als Stahl, es ist also leichter - aber es hat auch eine geringere Elastizität, weshalb die Rahmen in der Regel größere Rohrdurchmesser haben, um auf ähnliche Festigkeitswerte zu kommen. Der Schweißprozess ist ebenfalls aufwendiger.
Doch gerade beim Thema Komfort hat sich bei den Rädern unseres Testfeldes viel getan. Schon 2012 begann das kleine Comeback des Aluminiums: Neue Legierungen wie etwa die 6069 machten es möglich. Cannondale setzte dieses Material für den heute bereits legendären CAAD-10-Rahmen ein - und erreichte so Rahmengewichte von teils deutlich unter 1200 Gramm.
Im RennRad-Test
Das getestete Specialized Allez erfüllte die hohen Erwartungen. Von der Steifigkeit und der Fahrperformance her sind keine Unterschiede zu vergleichbaren Carbonrahmen festzustellen. Das Allez ist extrem agil und voll renntauglich.
Kurz & Knapp
Sie gelten als robust, kommen mit wartungsfreundlicher Technik und sind bereits für relativ kleines Geld erhältlich: Rennräder mit Alu-Rahmen.
Der größte Kritikpunkt inmitten des Carbon-Zeitalters ist das höhere Gewicht.
Das stärkste Argument für die Räder aus dem Leichtmetall ist dafür der Preis: Keines kostet mehr als 2500 Euro.
Alu-Rennräder im Test
Mehr als 20 Jahre nach dem Beginn der großen Carbonwelle und angesichts der heutigen Dominanz der Räder mit Kohlefaserrahmen steht allerdings eine zentrale Frage im Raum: Auf welchem technischen Stand sind die aus dem Leichtmetall verschweißten Konstruktionen - und können sie mit den immer günstiger werdenden Rahmen aus Carbon konkurrieren?
Stillstand im Alu-Rahmenbau
Zudem ist das „schwarze Gold“ inzwischen in der Anschaffung wesentlich günstiger als zu den Anfängen des Carbonrahmenbaus. Allein aus wirtschaftlicher Sicht lohnte es sich bis vor rund zehn Jahren für Fahrradhersteller, hochentwickelte Alu-Räder auf den Markt zu bringen.
Die US-Marke konnte unserer Test-Anfrage nicht nachkommen und das CAAD 13 als aktuellsten Spross der Baureihe nicht liefern, weil die Testflotte für den deutschen Markt nur noch aus Carbonrädern besteht.
Die Investitionen fließen aber hauptsächlich in die Entwicklung leichter, aerodynamisch optimierter Kohlefaserrahmen.
Die starke Fokussierung auf Carbonrennräder auch in der Mittelklasse (siehe Grafik) führte letztlich zum Stillstand im Alu-Rahmenbau. Weil Aluminium zunehmend nur noch für sehr preiswerte Räder infrage kam, wurden die Rohre - auch wegen des technischen Wechsels von Felgen- zu Scheibenbremsen - eher dickwandiger und schwerer, wodurch Rahmengewichte um 1200 Gramm heute eher selten sind.
In den vergangenen 15 Jahren rollten immer weniger Alu-Straßenräder ins TOUR-Testlabor.
Für Alu-Straßenräder ermittelten wir in den vergangenen 15 Jahren durchschnittlich 1551 Gramm für den Rahmen, Kompletträder bewegten sich bei rund 8,9 Kilo, Tendenz steigend.
Der Disc-Rahmen des ALR 5 wiegt 1278 Gramm, nur das Chassis des Cannondale CAAD 12 war in unserer Testhistorie bei gleicher Rahmengröße noch etwas leichter. Die US-Amerikaner kommen an den Rekordwert unter anderem dank des sogenannten Hydroforming-Verfahrens heran: Dabei werden die Alu-Rohre unter hohem Druck und mithilfe einer Flüssigkeit in Form gedrückt, womit sich dünnere Wandstärken realisieren lassen und Gewicht gespart wird.
Während die Hersteller ihre Modelle zur Hochphase des Alu-Rahmenbaus mit hochwertigen Schaltgruppen sowie Carbonlaufrädern ausstatteten und so Gewichte auf dem Niveau moderner Profiräder erzielen konnten, sind aktuell meist einfache und schwere Komponenten verbaut.
Ein „Exot“ ist das Stevens Aspin, das als einziges Rad im Test mit Felgenbremsen verzögert, dank dieser Bremsen 8,1 Kilogramm wiegt und das mit Abstand leichteste Rad ist.
Das neue Allez Sport von Specialized hat zwar nach dem Émonda den zweitleichtesten Disc-Rahmen, der einfache Laufradsatz ist aber um bis zu 600 Gramm schwerer als die der Konkurrenz. Gegenbeispiel ist das Reveal AL, das Rose kurz vor Redaktionsschluss als Nachfolger des beliebten Pro SL präsentierte. Mit 1900 Gramm erreicht der Rahmen das Niveau robuster Gravelbikes, dafür sind die Laufräder erstaunlich leicht.
Am Fuji SL-A zeigen sich außerdem die Unterschiede bei der Gabel, die, obwohl sie wie bei alle anderen Testmodellen aus Carbon ist, um bis zu 100 Gramm mehr auf die Waage bringt.
Hohes Gewicht als Hypothek
Bis auf Stevens und Trek fahren sich die Räder vergleichsweise träge.
Für mehr Fahrspaß empfiehlt es sich bei fast allen Modellen, in bessere Laufräder zu investieren.
Die 32- Millimeter-Pneus von Schwalbe (und besonders die Carbonsattelstütze) machen das Marathonrad aus Koblenz zum komfortabelsten Rad im Test - und geben letztlich den Ausschlag dafür, dass es sich in unserem Vergleich zusammen mit dem Stevens die Bestnote sichert. Ein weiterer Tuning-Tipp liegt damit auf der Hand: Einfache Rundstützen aus Carbon sind schon für weniger als 100 Euro erhältlich.
Die robusten Rahmen sind fast ausnahmslos fahrstabil, einzig das Specialized offenbart Schwächen an der Gabel. Fans des Bowdenzugs werden sich über die Ausstattungen mit mechanischen Shimano-Gruppen freuen: Tiagra, 105 und Ultegra arbeiten tadellos, sind wartungsfreundlich und unterscheiden sich hauptsächlich in Gewicht und Gangspektrum von teureren Elektroversionen.
Chancenlos gegen Carbon?
Durch Aufnahmen für Schutzbleche eignen sich einige Modelle zudem als Trainings- oder Winterrad oder dank ihrer unverwüstlichen Konstruktion als vielversprechende Basis zum Selbstaufbau.
Alu-Rennräder im Test - Die Ergebnisse im Überblick | Grafik: TOUR Magazin
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