Motorradkoffer im Test: Ein umfassender Vergleich

Für Motorradfahrer, die gerne auf Reisen gehen oder einfach nur zusätzlichen Stauraum für den Alltag benötigen, sind Motorradkoffer eine unverzichtbare Ausrüstung. Es gibt eine Vielzahl von Optionen auf dem Markt, von robusten Aluminiumkoffern bis hin zu leichteren Kunststoffvarianten. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Vergleich verschiedener Koffersysteme, um Ihnen bei der Auswahl des besten Produkts für Ihre Bedürfnisse zu helfen.

Touratech Koffersysteme

Touratech stellt seit über 30 Jahren Aluminiumkoffersysteme für Motorräder her. Das Angebot umfasst drei Baureihen mit mehreren Größenvarianten und unterschiedlichen Oberflächen. Die Koffer lassen sich mit modellspezifischen Trägersystemen kombinieren und sind auf den Einsatz an Reiseenduros abgestimmt.

Trägersystem aus Edelstahl

Grundlage aller Systeme ist ein Träger aus 18 × 2 mm starkem Edelstahlrohr. Dieser wird jeweils an das Motorradmodell angepasst, um eine kompakte Bauform zu erreichen. Die Edelstahlträger sind wahlweise elektropoliert oder schwarz pulverbeschichtet.

Kombinierbare Kofferbaureihen

Aktuell verfügbar sind die Baureihen ZEGA Mundo, ZEGA Pro und ZEGA Evo. Zusätzlich gibt es das Modell ZEGA Evo X mit spezieller Auspuffaussparung für bestimmte Motorradmodelle. Die Koffer sind in verschiedenen Größen und Oberflächen erhältlich. Alle Varianten lassen sich untereinander kombinieren. Für die BMW R 1300 GS existieren derzeit 36 Systemkonfigurationen. Ergänzt wird das Sortiment durch passende Topcases. Auch hierfür gibt es fahrzeugspezifische Träger.

Kofferaufbau und Funktionen

Die Koffer bestehen aus 1,5 mm starkem Aluminium. Korpus und Boden sind vernietet. Ein breites Dichtband, ein umlaufendes Aluminiumprofil sowie eine formschlüssige Dichtlippe sorgen für Staub- und Wasserdichtigkeit. Der Deckel lässt sich abnehmen oder einseitig öffnen. Verschlüsse und Beschläge bestehen aus Edelstahl.

Merkmale der einzelnen Baureihen

  • ZEGA Mundo: Basismodell mit Vollaluminiumkorpus, vernietetem Boden, umlaufendem Profil und einfacher Deckelkonstruktion. Staub- und wasserdicht.
  • ZEGA Pro: Wie Mundo, zusätzlich mit austauschbarer Schutzleiste am Korpus und Schutzecken am Deckel.
  • ZEGA Evo: Basiert auf dem ZEGA Pro, mit Einhand-Verriegelung am Träger und abschließbarem Deckel. Integrierte Tragegriffe, Haken im Deckel und Vorrüstungen für Zubehör.
  • ZEGA Evo X: Ausführung mit asymmetrischem Träger zur Reduzierung der Gesamtbreite an bestimmten Modellen.

Ausstattungsübersicht der ZEGA Baureihen

Die folgende Tabelle bietet einen Überblick über die Ausstattung der verschiedenen ZEGA Baureihen:

Koffersystem ZEGA Mundo ZEGA Pro ZEGA Evo ZEGA Evo X
Koffergrößen 31, 38, 45 Liter 31, 38, 45 Liter 31, 38, 45 Liter 38, 45 Liter
Finish Alu Natur Alu Natur, silbern eloxiert, schwarz eloxiert silbern eloxiert, schwarz eloxiert silbern eloxiert, schwarz eloxiert
Befestigung Einhängesystem mit innenliegenden Rändelmuttern Einhängesystem mit innenliegenden Rändelmuttern Verriegelungssystem mit Einhandbedienung Verriegelungssystem mit Einhandbedienung
Tragegriff nein nein ja ja
Vorbereitung für Zubehörhalter nein nein ja, 2x (beidseitig) ja, 1x (Frontseite)
Aussparung für Auspuff nein nein nein ja
Preis 949,90 Euro 1.049,90 Euro (Alu Natur)1.149,90 Euro (eloxiert) 1.249,90 Euro 1.249,90 Euro

ZEGA Topcases und Zubehör

Die Topcases basieren konstruktiv auf den Seitenkoffern der Serien ZEGA Pro und ZEGA Evo. Sie sind mit 25, 38 oder 72 Litern Volumen erhältlich. Ergänzendes Zubehör umfasst Innentaschen, Halterungen für Kanister oder Werkzeug, Deckeltaschen sowie einen klappbaren Tisch zur Mitnahme im Koffer.

Vergleich von 7 Koffersystemen für die BMW R 1250 GS

Ein Test von sieben Koffersets aus Alu und Kunststoff zeigt die Vielfalt der verfügbaren Optionen. Neben dem Schutz vor äußeren Einflüssen spielen Stauraum, Breite und Schwerpunkt eine wichtige Rolle.

Testkriterien

Wichtige Kriterien bei der Auswahl eines Koffersystems sind:

  • Stauraum: Ausreichend Platz für das gesamte Gepäck.
  • Breite: Nicht unnötig breit bauen, um die Manövrierfähigkeit nicht einzuschränken.
  • Schwerpunkt: Der Schwerpunkt sollte mit maximal beladenen Seitenkoffern und Topcase nicht zu hoch liegen.
  • Zuladung: Das maximale Beladungsgewicht der Koffer.
  • Erlaubte Geschwindigkeit: Die mit montiertem Gepäck erlaubte Reisegeschwindigkeit.

Testergebnisse im Überblick

  1. SW-Motech Trax ADV: Testsieger mit riesigem Stauraum, einfacher Bedienung und hoher Robustheit.
  2. BMW Variokoffer: Sehr gute und durchdachte Lösung mit unauffälligem Trägersystem und geringer Fahrzeugbreite.
  3. Hepco & Becker Xceed: Tolles Aussehen und gute Leistung, aber nicht für den ganz harten Abenteuer-Einsatz.
  4. Touratech Zega Evo: Voll fernreisetauglich mit extrem stabilen Koffern, aber ein Plastikteil am Verschluss brach im Test.
  5. Wunderlich Extreme: Sehr stabil und widerstandsfähig, aber nicht besonders komfortabel.
  6. Givi Trekker: Stabile Kunststoffkonstruktion mit viel Volumen im Topcase, aber die Seitenkoffer bieten wenig Stauraum.
  7. Shad SH36: Viel Stauraum und Komfort, aber nicht für die Abenteuerreise geeignet.

Details zu den getesteten Koffersystemen

1. SW-Motech Trax ADV

  • Material: Aluminium (Koffer), Stahl (Trägersystem)
  • Volumen: 45 Liter (Koffer links), 37 Liter (Koffer rechts), 38 Liter (Topcase)
  • Zuladung: 10/10/10 kg
  • Erlaubte Höchstgeschwindigkeit: 130 km/h
  • Fahrzeugbreite mit zwei Koffern: 103 cm
  • Gesamtpreis: 1560 Euro
  • Vorteile: Riesiger Stauraum, einfache Bedienung, sehr stabil und robust
  • Nachteile: Etwas hoher Schwerpunkt, minimal undicht

2. BMW Variokoffer

  • Material: Kunststoff (Koffer), Edelstahl (Trägersystem)
  • Volumen: 30-39 Liter (Koffer links), 20-29 Liter (Koffer rechts), 25-35 Liter (Topcase)
  • Zuladung: 5/10/10 kg
  • Erlaubte Höchstgeschwindigkeit: 180 km/h
  • Fahrzeugbreite mit zwei Koffern: 84-95 cm
  • Gesamtpreis: 1.528 Euro
  • Vorteile: Unauffälliges Trägersystem, sehr stabil, geringe Fahrzeugbreite, erweiterbares Volumen
  • Nachteile: Hohes Gewicht, Beladen etwas umständlich

3. Hepco & Becker Xceed

  • Material: Aluminium (Koffer), Stahl (Trägersystem)
  • Volumen: 38 Liter (Koffer links/rechts), 45 Liter (Topcase)
  • Zuladung: 5/10/10 kg
  • Erlaubte Höchstgeschwindigkeit: 130 km/h
  • Fahrzeugbreite mit zwei Koffern: 102 cm
  • Gesamtpreis: 1632 Euro
  • Vorteile: Gepäcknetze in allen Kofferdeckeln, relativ leicht, feste Verbindungen, praktische Griffe, Kofferträger mit Schnellverschluss-System
  • Nachteile: Motorradheck auf der rechten Seite breiter, Seitenwände und Deckel der Koffer könnten stabiler sein

4. Touratech Zega Evo

  • Material: Aluminium (Koffer), Edelstahl (Trägersystem)
  • Volumen: 38 Liter (Koffer links), 31 Liter (Koffer rechts), 38 Liter (Topcase)
  • Zuladung: 5/15/15 kg
  • Erlaubte Höchstgeschwindigkeit: 130 km/h
  • Fahrzeugbreite mit zwei Koffern: 98 cm
  • Gesamtpreis: 1.578 Euro
  • Vorteile: Leichtes Trägersystem, extrem stabile Koffer, wertige Verarbeitung, angenehme Tragegriffe, Einhandbedienung, wasserdicht
  • Nachteile: Plastikteil am Verschluss brach im Test, kein Gepäcknetz im Deckel

5. Wunderlich Extreme

  • Material: Aluminium (Koffer), Stahl (Trägersystem)
  • Volumen: 45 Liter (Koffer links), 40 Liter (Koffer rechts), 40 Liter (Topcase)
  • Zuladung: 5/10/10 kg
  • Erlaubte Höchstgeschwindigkeit: 130 km/h
  • Fahrzeugbreite mit zwei Koffern: 101 cm
  • Gesamtpreis: 1451 Euro
  • Vorteile: Gepäcknetze in allen Kofferdeckeln, stabiles Drahtseil hält Deckel gekippt, extrem widerstandsfähig, Verzurrösen
  • Nachteile: Koffer über Rändelrad befestigt, Topcase steht uneben auf dem Boden, Verschluss am Topcase fluchtet nicht richtig, schlecht tragbar, relativ schwer, (De-)Montage des Topcases kraftaufwendig, Topcase-Halter scharfkantig

6. Givi Trekker

  • Material: Kunststoff (Koffer), Stahl (Trägersystem)
  • Volumen: 33 Liter (Koffer links/rechts), 52 Liter (Topcase)
  • Zuladung: 10/10/10 kg
  • Erlaubte Höchstgeschwindigkeit: 120 km/h
  • Fahrzeugbreite mit zwei Koffern: 92 cm
  • Gesamtpreis: 1304 Euro
  • Vorteile: Stabile Kunststoffkonstruktion, Seitenkoffer komplett oder nur im oberen Drittel zu öffnen, integrierte Spanngummis, Topcase fasst zwei Helme, praktischer Griff, Topcase lässt sich unkompliziert abnehmen
  • Nachteile: Blinker müssen zur Montage des Trägersystems versetzt werden, Dichtungsgummi in Seitenkoffern rutscht aus Halterung, Koffer dadurch leicht undicht, überstehende Griffe erschweren das Anbringen von zusätzlichem Gepäck, mangelnde Widerstandsfähigkeit, Dellen in den Aluminiumblenden, asymmetrisches Heck, Koffer dreifach verriegelt

7. Shad SH36

  • Material: Kunststoff (Koffer), Stahl (Trägersystem)
  • Volumen: 40 Liter (Koffer links/rechts), 46-58 Liter (Topcase)
  • Zuladung: 10/10/10 kg
  • Erlaubte Höchstgeschwindigkeit: 120 km/h
  • Fahrzeugbreite mit zwei Koffern: 114 cm
  • Gesamtpreis: 901 Euro
  • Vorteile: Dreistufige Volumenverstellung im Topcase, sehr stabil trotz Kunststoffkonstruktion, Topcase sehr einfach zu (de-)montieren, Koffer halten sehr stabil an Kofferträgern, Integralhelm passt in Seitenkoffer
  • Nachteile: Seitenkoffer minimal undicht, Koffer lassen sich mit Handschuhen nur schwer öffnen, das Volumen in den Seitenkoffern reicht nicht für das Testgepäck, Beladen der Seitenkoffer umständlich durch unebene Seiten, Seitenkoffermontage kraftaufwendig, asymmetrisches Heck

Breite der Koffersets

Die Breite der Koffersets ist ein wichtiger Faktor bei der Auswahl. Die Koffer von Shad sind mit 114 Zentimetern am breitesten, bieten aber auch das größte Stauvolumen. Die BMW Variokoffer lassen sich auf eine Breite von 84 Zentimetern verkleinern.

Alukoffer vs. Kunststoffkoffer

Alukoffer haben ein robustes Image, während Kunststoffkoffer oft mehr Komfort bieten. Motorrad-Abenteurer, die in entlegenen Gegenden stürzen könnten, sind mit Alukoffern besser bedient. Kleinere Umfaller auf Sand oder Gras stecken auch Plastikkisten gut weg. Bei Stürzen auf Stein oder Asphalt ist Kunststoff allerdings bruchgefährdet und lässt sich schwierig reparieren. Käufer sollten also nicht nur auf das Aussehen achten, sondern auch auf Komfort und Preis/Leistung.

Tipps für das Fahren mit Gepäck

Auch wenn ihr das nicht ausreizt und euch an die vom Hersteller vorgegebenen Beladungsgrenzen haltet, kommt schnell einiges an Mehrgewicht zusammen. Dieses wirkt vor allem auf das Hinterrad und hat Auswirkungen auf das Fahrverhalten. Das müsst ihr beim Fahren berücksichtigen.

Empfohlene Maßnahmen:

  • Die Federvorspannung erhöhen (Heck wird dadurch angehoben) und - falls es das Federbein erlaubt - auch Druck- und Zugstufe straffer einstellen.
  • Außerdem möglichst den Reifendruck anpassen (Werte sollten im Fahrerhandbuch des jeweiligen Motorrades aufgeführt sein). Vorne reichen meist plus 0,2 bis 0,3 bar aus, hinten sind rund 3 bar angemessen.
  • Danach Durchhang der Antriebskette prüfen und gegebenenfalls justieren. Eine zu straffe Kette stresst den Getriebeausgang.

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