Motorradkoffer selber bauen: Eine umfassende Anleitung

Sparfüchse und (Hobby)handwerker kommen oft auf den Gedanken, einen Motorradkoffer selber zu bauen. Im Handel erhältliche Systeme kosten in der Regel etliche hundert Euro, daher liegt der Grund für den Eigenbau auf der Hand: Geld sparen! Zudem kann man sich genau den Maßen einen Koffer selber bauen, in denen man ihn benötigt.

Warum Motorradfahrer ihre Koffer selber bauen

  • Kosteneinsparungen: Handelsübliche Systeme sind teuer.
  • Individuelle Anpassung: Koffer können an spezifische Bedürfnisse und Ausrüstung angepasst werden.
  • Beweis des Geschickes: Für Handwerker ist es eine Möglichkeit, ihr Können zu zeigen und eine bessere Version eines vorhandenen Modells herzustellen.

Rechtliche Aspekte in Deutschland

Der Eigenbau von Seitenkoffern für Motorräder ist in Deutschland erlaubt. Koffer, die ohne Werkzeug demontierbar sind, gelten als Gepäckstück und sind damit zulassungsfrei. Ein fest mit dem Fahrzeug verbundenes Gepäcksystem wäre dagegen zulassungspflichtig. Der Unterschied liegt in der Art der verwendeten Muttern: Flügelmutter = Gepäckstück, Sechskantmuttern = Fahrzeugteil. Die notwendigen Träger werden zwar fest verschraubt, sind jedoch eintragungsfrei, solange ihre Kanten nicht spitz sondern abgerundet sind.

Materialliste für einen Aluminiumkoffer

Hier ist eine beispielhafte Materialliste für den „allgemeinen“ Aluminiumkoffer, bzw. die Aluminiumbox:

  • Diverse Aluminiumbleche / Aluminiumplatten
  • Blindnieten
  • Vier lfm. Aluminiumwinkel
  • Acht Kofferecken
  • Vier Kofferverschlüsse
  • Vier Inbusschrauben 8×30
  • Zwei Inbusschrauben 6×16
  • Acht Unterlegscheiben
  • Vier M6 Flachmuttern
  • Vierzig kurze M4-Schrauben mit Muttern
  • Vier Meter selbstklebende Fensterdichtung / Silikon
  • Eine Kartusche Industriekleber mit Pistole

Anleitung zum Bau eines Aluminiumkoffers

  1. Zuschnitt und Abkanten: Die passend zugeschnittenen und abgekanteten Aluminiumteile werden aufeinander geschoben. Ein Teil ist wie ein breites U geformt, das andere wie ein L.
  2. Bohrungen: Nehmen Sie die Koffer wieder auseinander und setzen Sie die Bohrungen für die Nieten und Schrauben.
  3. Schraubverbindungen: Bohren Sie die Löcher für die Schraubverbindungen. Lassen Sie einen Helfer ein Stück Holz von Innen gegenhalten, bohren Sie und versehen sie die Öffnung direkt mit einer Schraube.
  4. Verkleben: Tragen Sie den Kleber an den benötigten Stellen auf und stecken Sie die Teile wieder zusammen.
  5. Deckelbau: Der Deckel wird ebenso wie der restliche Koffer gebaut und ist zum Auflegen.
  6. Montage der Schlösser: Nachdem alles ausgehärtet ist und passt, setzen Sie den Deckel auf und montieren die Schlösser „auf Zug“. Das heißt, sie montieren geschlossen, da Verschluss und Beschlag logischerweise auf einer Ebene sitzen müssen, damit man ein Vorhängeschloss einsetzen kann.

Alternativen zum Aluminiumkoffer

Anstatt der Aluminiumbleche kann man Bretter oder passende Holzplatten verwenden. Hier kommen dann z.B. Kreis-, oder Stichsäge zum Einsatz. Was die Kanten und Winkel angeht, sollten Sie schon auf Metall setzen, wobei man dann aber wohl eher schraubt, als nietet. Auch empfiehlt es sich, mit Leim zu arbeiten und ggf. Steckverbindungen aus Holz zu verwenden.

Weitere Tipps und Überlegungen

  • Materialbeschaffung: Günstige Alukoffer gibt es oft bei der Bundeswehr oder auf Schrottplätzen.
  • Oberflächenbehandlung: Die Bleche sollten auf der Oberfläche harteloxiert sein, um schwarzen Abrieb zu vermeiden.
  • Abdichtung: Blindnieten sind oft undicht, daher sollte man sie mit Silikon abdichten.
  • Alternative Befestigung: Anstatt teurer Koffersysteme kann man auch Softbags oder Rucksäcke verwenden, die ähnlich wie Fahrradtaschen am Motorrad befestigt werden.

Anpassung und Verbesserung bestehender Koffer

Wer bereits gebrauchte Alukoffer besitzt, kann diese mit wenigen Handgriffen anpassen und verbessern. So lassen sich beispielsweise DÄRR-Boxen mit Schlössern und Haltevorrichtungen für wenig Geld erwerben und mit PVC-Boden auslegen. Auch das Bekleben mit Folie in der Werbetechnik ist eine gute Möglichkeit, die Koffer optisch aufzuwerten.

Einige Benutzer haben auch erfolgreich kostengünstige Baumarktboxen als Topcase verwendet, wobei sie darauf achten, die Boxen von innen mit Teppich auszulegen und die Nähte abzudichten, um Aluabrieb und Undichtigkeiten zu vermeiden.

Beispiel für eine einfache Kofferträger-Konstruktion

Eine einfache Kofferträger-Konstruktion kann aus Wasserleitungsrohren oder zwei zurechtgebogenen Leisten vom Schrottplatz bestehen. Aus beiden Leisten einfach jeweils ein U biegen. Das schwarze U reicht von der linken Sozius Fussraste hinterm Schutzblech vorbei zur rechten Fussraste. Das rote U wird mit Winkelhaltern am Heckrahmen befestigt und hält dann das schwarze U. Bohrt man nun links und rechts jeweils drei Löcher in die Leisten, so erhält man die zur Befestigung der Koffer notwendigen 3 Punkte. Einfach Schraube durch, Seitenkoffer dran, grosse Unterlegscheibe und Flügelmutter drüber.

Kostenübersicht

Komponente Geschätzte Kosten Anmerkungen
Aluminiumbleche Variabel Abhängig von Größe und Stärke
Befestigungsmaterial 20-50 € Nieten, Schrauben, Muttern, Unterlegscheiben
Kofferecken und Verschlüsse 30-60 € Qualität und Ausführung
Dichtmaterial 10-20 € Silikon, Fensterdichtung
Werkzeug (falls nicht vorhanden) Variabel Bohrmaschine, Nietzange, etc.
Gesamtkosten (geschätzt) Ab 60 € aufwärts Je nach Materialwahl und vorhandenem Werkzeug

Es ist wichtig zu beachten, dass diese Kosten nur Schätzungen sind und je nach Materialwahl, Bezugsquelle und vorhandenem Werkzeug variieren können.

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