Aerodynamische Laufräder erfreuen sich großer Beliebtheit - nicht zuletzt aufgrund der sexy Optik von Hochprofilfelgen. Da oft Carbonfelgen zum Einsatz kommen, um das Gewicht zu drücken, sind Aero-Laufräder nicht selten aber auch recht teuer - Preise über 1000 Euro sind eher die Regel als die Ausnahme, nach oben ist wie immer keine Grenze.
Laufradhersteller DT Swiss verspricht nun "Aerodynamik für alle" - und bringt eine neue Kollektion an Aero-Laufrädern mit Aluminiumfelgen auf den Markt. Kostenpunkt: maximal 599 Euro.
Insgesamt vier Laufradsätze mit den neuen Aero-Felgen aus Aluminium bietet DT Swiss ab sofort an, im Bild die E 1800 Spline 30 mit 22 Millimeter Maulweite, die 429 Euro kosten. Insgesamt vier Laufradsätze sind ab sofort erhältlich, deren Alu-Felgen DT Swiss in Kooperation mit den Aerodynamik-Experten von Swiss Side entwickelt hat.
Neben den aerodynamisch optimierten Felgenprofilen mit 30 Millimeter hohem UV-Profil (oben bauchig, unten etwas spitzer zulaufend), sollen innen liegende Nippel und Messerspeichen Luftverwirbelungen reduzieren.
Die Aerodynamik-Experten von Swiss Side, mit denen DT Swiss seit Jahren bei der aerodynamischen Entwicklung von Produkten - bislang den Carbon-Laufrädern - zusammenarbeitet, waren auch bei den Aluminium-Felgen mit an Bord.
Die vier Modelle basieren auf zwei neuen Aero-Felgen aus Aluminium, die jeweils auch separat für Individual-Aufbauten erhältlich sind: die A 510-Felge mit 20 Millimetern Maulweite für Straßen-Laufräder und die E 550-Felge mit 22 Millimetern Maulweite für Endurance-, Cross- oder Gravel-Laufräder. Beide Felgen sind für je 44,90 Euro/Stück zu haben.
Die mit diesen Felgen aufgebauten Laufräder im Überblick:
- AR 1600 Spline 30 mit 20 mm Maulweite, DT Swiss 350-Nabe neuester Generation, ASTM-Klasse 1 ("nur" Straße), maximales Systemgewicht 110 kg, Gewicht: 1703 g (Herstellerangabe)/ 1765 g (ROADBIKE-Messung), Preis: 599 Euro
- A 1800 Spline 30 mit 20 mm Maulweite, DT Swiss 370-Nabe neuester Generation, ASTM-Klasse 1 ("nur" Straße), maximales Systemgewicht 110 kg, Gewicht: 1766 g (Herstellerangabe), Preis: 429 Euro
- ER 1600 Spline 30 mit 22 mm Maulweite, DT Swiss 350-Nabe neuester Generation, ASTM-Klasse 2 (Straße und unbefestigter Untergrund, leichte Sprünge bis 15 cm), maximales Systemgewicht 130 kg, Gewicht: 1803 g (Herstellerangabe), Preis: 599 Euro
- E 1800 Spline 30 mit 22 mm Maulweite, DT Swiss 370-Nabe neuester Generation, ASTM-Klasse 2 (Straße und unbefestigter Untergrund, leichte Sprünge bis 15 cm), maximales Systemgewicht 130 kg, Gewicht: 1837 g (Herstellerangabe), Preis: 429 Euro
Die günstigeren Modelle A 1800 und E 1800 kommen mit der DT Swiss 370-Nabe.
Erster Test: DT Swiss AR 1600 Spline 30
Im ersten Praxistest über knapp fünfhundert Kilometer zeigen die AR 1600 Spline 30 das Dilemma, das Aero-Laufräder mit Aluminiumfelgen systembedingt mit sich bringen: Den attraktiven Preis erkauft man sich mit Abstrichen beim Gewicht - und dieses zahlt stärker unmittelbar spürbar auf das Fahrerlebnis ein als aerodynamische Gewinne.
Doch der Reihe nach. Die AR 1600 Spline 30 sind zunächst einmal grundsolide Laufräder für viele zehntausende Kilometer. Die erst Anfang diesen Jahres runderneuerten 350-Naben machen potenziell ohne mit der Wimper zu zucken eine Weltumrundung mit - einfache, werkzeugfreie Wartung, 36-Zähne-Zahnscheibenfreilauf, blitzschnell getauschter Freilauf, bewährte, lang- und leichtlaufende Lager. Sprich: eine sehr gute Basis für haltbare Laufräder.
Gleiches gilt für die je 24 aero comp II Straightpull-Speichen sowie die in der Felge versteckten ProLock-Speichennippel, mit denen die AR 1600 aufgebaut sind.
Apropos aufgebaut: Der Aufbau des Test-Laufradsatzes ist einwandfrei ohne Seiten- und Höhenschlag, die Laufräder stehen mittig zentriert. Die Speichenspannung ist hoch, die Seitensteifigkeit ebenfalls, entsprechend präzise ist die Lenkung.
Dank der "nur" 30 Millimeter hohen Felgen ist Seitenwind, auch in Böen, überhaupt kein Problem: Anders als so manche Aero-Laufräder, bei denen Wind große Unruhe ins Fahrwerk bringt, ziehen die AR 1600 Spline 30 gänzlich unbeirrt ihre Bahn, auch im Renntempo sowie bei Abfahrten mit Geschwindigkeiten jenseits der 60 km/h bleibt das Vorderrad jederzeit stabil, die Lenkung vorhersehbar, die Fahrsicherheit hoch.
Wer hohe Aero-Laufräder bislang vor allem wegen der mitunter unangenehmen Nebeneffekte hoher Carbonfelgen gemieden hat, findet angesichts der hohen Fahrsicherheit womöglich in den AR 1600 Spline 30 die perfekten Begleiter.
Wie angedeutet ist das Gewicht die größte Bürde, die das Set trägt. Zum Vergleich: Beim Test von Alu-Laufradsätzen in ROADBIKE 09/23 riss "nur" ein Kandidat knapp die 1700-Gramm-Marke, alle anderen, obwohl mitunter sogar mit höherer Felge ausgestattet, blieben darunter und erreichten teilweise sogar Set-Gewichte um 1500 Gramm.
Auch Carbon-Laufräder wiegen natürlich in der Regel weniger - allerdings zum höheren Preis.
Bergauf, aber auch bei Antritten ist es aber nun mal deutlich stärker spürbar, wenn sich Mehrgewicht an der rotierenden Masse der Laufräder versteckt, als wenn etwa der Rahmen oder die Anbauteile etwas mehr wiegen.
So ist es auch bei den AR 1600 Spline 30: Sie rollen gut, halten das Tempo und lenken, wie beschrieben, sicher und präzise - allein bei Beschleunigungen und Kletterpartien bremst das Gewicht etwas. Dessen sollte man sich bewusst sein, auch wenn man sich mit der Zeit an alles gewöhnt und/oder nicht ständig zwischen verschiedenen Laufradsätzen hin und herwechselt.
Bleibt die Frage, ob die neuen Aero-Laufräder von DT Swiss tatsächlich schneller machen. In Ermangelung eines eigenen Windkanaltests mit just diesem Produkt können wir das, Stand heute, nicht seriös beurteilen.
DT Swiss nimmt für sich in Anspruch, mit den AR 1600 Spline 30 schneller zu sein als Konkurrenzprodukte (15,2 Watt), nennt allerdings keine weiteren Messwerte.
Was Windkanal-Messwerte angeht, hält sich DT Swiss zurück und verweist "nur" darauf, dass die AR 1600 Spline 30 mit ihren 15,2 Watt aerodynamischer sein sollen als Konkurrenzprodukte (deren Werte DT nicht nennt). Wie sich unterschiedliche Maulweiten und Reifenbreiten auf die Aero-Performance im Windkanal auswirken, zeigt dieses Schaubild.
Um den Impact von Aero-Laufrädern dennoch einzuordnen: In früheren Windkanaltests von ROADBIKE war eine 21-mm-Felge bei 45 km/h fünf Watt langsamer als eine 40-mm-Felge beziehungsweise elf Watt langsamer als ein 62-mm-Aero-Laufrad (vergleiche ROADBIKE 07/20).
Wohlwissend, dass es sich nur um eine grobe Orientierung handelt, dürfte die 30-mm-Alu-Felge der neuen AR 1600 Spline 30 dementsprechend gegenüber einer flachen Standard-Felge zwischen zwei und vier Watt Ersparnis bringen, aber um die sieben Watt langsamer sein als ein reinrassiges Aero-Laufrad.
Zur Orientierung: Sieben Watt bedeuten auf einer 100 Kilometer langen Strecke mit 1500 Höhenmeter bei 200 Watt Durchschnittsleistung einen Zeitunterschied von 56 Sekunden.
Lange Rede, kurzer Sinn: Da Aero-Laufräder mit hohen Carbonfelgen zwar leichter und aerodynamischer, oft aber auch deutlich teurer sind, verschieben die preislich attraktiven AR 1600 Spline 30 den Faktor investierter-Euro-pro-gesparte-Watt in die richtige Richtung.
Insgesamt bieten sie einen guten Kompromiss aus bestmöglicher Aerodynamik, vertretbarem Gewicht und attraktivem Preis-Leistungs-Verhältnis und sind auch losgelöst vom Aero-Aspekt sehr gut gebaute, solide Laufräder. Den größten Impact in punkto Aerodynamik machen jedoch grundsätzlich nicht die Laufräder, sondern andere Faktoren.
Weitere getestete Laufräder
Neben den DT Swiss AR 1600 Spline 30 wurden auch andere Laufräder getestet, darunter:
- Campagnolo Shamal C23 (Carbon-Hochprofil-Laufräder für Allround- und Gravel-Einsatz)
- Aerycs GCX Terra 50 (Aerodynamische Gravel-Race-Disc-Laufräder)
- Leeze CC58 Disc Evo Waso (Leichte Allround-Laufräder mit Top-Werten beim Luftwiderstand)
- Fulcrum Sharq (Leichter Allroad-Laufradsatz mit Wellen-Design)
- Leeze CH 30 Allroad Basic (Gravel-Laufradsatz mit Aerodynamik-Werten und geringem Gewicht)
Günstige Modelle im Test
Kopfsteinpflaster, kaputter Asphalt, Schotterstraßen, Waldwege: Für viele Rennradfahrerinnen und -fahrer ist es neuerdings eine Wonne, über scheinbar ungeeigneten Untergrund zu poltern. In der Marketingsprache der Fahrradbranche heißt das “Allroad”, in der Praxis ist es wohl schlicht die Flucht vor nervendem Straßenverkehr.
Abseits gut geteerter Hauptstraßen sind Autos rar und das Naturerlebnis nah, das bringt vielen Freizeitsportlern mehr Lebensqualität als stoisches Training auf möglichst glattem Asphalt.
Dass sich immer mehr Rennradler auch ins Gelände trauen, liegt nicht nur an der massenhaften Verbreitung von Gravelbikes, die sich auch - oder vor allem - im Gelände wohlfühlen. Komfortspendende Rahmen, immer breitere und tubeless, also ohne Schlauch, montierte Reifen machen es auch mit Straßenrädern möglich, den festen Boden öfter mal zu verlassen, ohne gleich eine Panne oder einen Bandscheibenvorfall zu riskieren.
Wer wenigstens die Hälfte Asphalt unter die Räder nimmt, bewertet die oft stark profilierten Gravelreifen eventuell als zu breit und zu langsam. Für gelegentliche Ausflüge in die Botanik reichen 30- oder 32-Millimeter-Reifen, was schon an vielen Endurance-Rädern üblich ist und sich auf der Straße noch nach Rennrad anfühlt.
Breite Felgen als Alleskönner
Wer sich an den Empfehlungen der Reifenhersteller zur passenden Felgenbreite orientiert, landet mit diesem Anspruch bei gut 20 Millimetern Innenmaß. Auch wer am Gravelbike je nach Einsatz oder Saison zwischen Straßen- und Geländereifen wechseln will, findet hierin den idealen Kompromiss.
Denn darauf passen schnelle 28-Millimeter-Straßenreifen ohne Einschränkungen, und auch für einen 50er-Stollenreifen ist das nicht zu schmal.
Das Problem: Während viele neue Carbonfelgen längst dieses Innenmaß aufweisen oder sogar noch breiter sind, kommen preiswerte Alu-Laufräder fürs Rennrad häufig noch mit nicht mehr zeitgemäßen 17 Millimeter Breite - optimiert für 25er-Rennradpneus.
Dezidierte Gelände-Laufräder sind mit 24 Millimetern oder mehr dagegen meist zu breit für Straßenreifen.
TOUR hat den Markt abgesucht nach passenden und preiswerten Laufrädern um 500 Euro.
Sieben Kandidaten konnten unserer Einladung trotz der weiterhin angespannten Liefersituation folgen, darunter große Hersteller wie DT Swiss, Mavic oder Shimano, aber auch kleinere Anbieter wie Aerycs und Leeze. Im Kurztest geht es um Gewicht, Steifigkeit und Beschleunigung; der Rundlauf nach einem Überlastungstest ist außerdem ein Indiz dafür, ob die Laufräder robust bleiben oder bei hartem Einsatz ständig nachzentriert werden müssen.
Tubeless-taugliche Rennrad-Laufräder
Die Laufräder im Testfeld sind allesamt Tubeless-tauglich und auch fürs Gelände ausgelegt - so zumindest das Versprechen der Hersteller. Mavic und Fulcrum weisen einen geschlossenen Felgenboden auf, was im Hinblick auf Tubeless-Reifen ein Vorteil ist: Das Felgenband, mit dem die anderen Hersteller ihre Felgen abdichten, ist ein zusätzlicher Quell für Defekte.
Die Innenbreite der Felgen liegt mit einer Ausnahme bei 22 Millimetern; nur Fulcrum stellt ein Straßen-Laufrad mit 19 Millimeter Innenmaß, weil das Gravel-Pendant mit 24 Millimeter für unseren Anspruch grenzwertig breit ausfällt.
Konzeptionell lässt das Budget den Herstellern sichtbar wenig Spielraum. Flache Alu-Felgen und meist 24 klassische Messer-Stahlspeichen prägen das Bild; nur Fulcrum und Leeze kommen mit je drei Speichen weniger aus. So vergleichbar die Konzepte, so ähnlich Gewichte - mit wenigen Ausnahmen. Überraschend leicht ist das Leeze, das etwa 200 Gramm pro Satz gegenüber dem Durchschnitt und gar 400 Gramm gegenüber dem schwersten Modell von Ritchey spart.
Schaut man sich die anderen mechanischen Werte an, wird aber klar, dass auch das ein Kompromiss ist; die Laufräder sind nicht sehr seitensteif, für schwere Fahrer daher nicht zu empfehlen.
Umgekehrt können die schwersten Laufräder hier punkten: Die relativ schweren Räder von Mavic und Ritchey erweisen sich als die stabilsten. Den besten Kompromiss aus beiden Disziplinen schafft DT Swiss. Auch die Rundlaufmessung nach dem Überlastversuch zeigt, dass die Schweizer Spezialisten ihr Handwerk verstehen.
Es wird damit knapper, aber verdienter Testsieger vor dem ausgewogenen Aerycs und dem robusten Ritchey. Das DT-Swiss-Laufrad ist auch das mit dem höchsten zulässigen Systemgewicht, also auch für Radreisende mit Gepäck eine Option - selbst wenn es hin und wieder über Stock und Stein gehen sollte.
Testmethoden
Mechanische Eigenschaften: Gewichte und Steifigkeiten werden im TOUR-Labor erfasst. Die Laufräder werden ohne Zubehör (z.B. Tubeless-Ventile), jedoch mit Felgenband gewogen, falls benötigt. Die Steifigkeitsprüfung erfolgt mit 100 Newton seitlicher Last am Außendurchmesser. Steife Laufräder lenken präziser und machen in der Regel weniger Ärger, sie sind höher belastbar.
Rundlauf: Wird nach einer Überlastprüfung mit 300 Newton Seitenlast gemessen. Höhen- und Seitenschlag von Vorder- und Hinterrad gehen zu gleichen Teilen in die Note ein.
Beschleunigung: Die Massenverteilung der Laufräder wird mit einem Trägheitsmessgerät bestimmt und mit dem Gewicht verrechnet zur notwendigen Energie, um beide Laufräder von 0 auf 30 km/h zu beschleunigen.
Testergebnisse im Überblick
Hier ist eine Zusammenfassung der getesteten Laufräder mit ihren wichtigsten Eigenschaften und Testergebnissen:
| Laufrad | Preis pro Satz | Gewicht v. / h. | Seitensteifigkeit v. / h. | Fahrergewichtslimit | Gesamtnote | Fazit |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Aerycs Alutrek | 579 Euro | 761 / 893 Gramm | 51 / 46 N/mm | 120 Kilogramm | 2,9 | Sauber aufgebauter Satz mit Naben und Messerspeichen von DT Swiss. Breite Felge für Reifen ab 30 Millimeter. |
| DT Swiss CR 1600 Spline | 559 Euro | 795 / 945 Gramm | 53 / 47 N/mm | 130 Kilogramm Systemgewicht | 2,8 | Stabiler Laufräder mit hohem zulässigem Fahrergewicht. Hochwertige Naben, breite Felge für Gravel- und Crossbereifung. |
| Fulcrum Racing 3 | 642 Euro | 776 / 883 Gramm | 49 / 44 N/mm | 109 Kilogramm | 3,1 | Straßenlaufrad mit relativ schmaler Felge, die sich noch für Gravelreifen um 40 Millimeter eignet. |
| Leeze AC 25 Allroad | 599 Euro | 667 / 775 Gramm | 38 / 32 N/mm | 110 Kilogramm | 3,2 | Sehr leichter Laufradsatz mit hochwertigen Sapim-CX-Ray-Speichen und breiter, leichter Felge. Eher was für leichte Fahrer. |
| Mavic Allroad S | 490 Euro | 836 / 981 Gramm | 56 / 42 N/mm | 120 Kilogramm | 3,1 | Schwerer, aber fahrstabiler Laufradsatz mit hoher Gewichtsfreigabe. Geschlossene Tubeless-Felge ohne Felgenband. |
| Ritchey Comp Zeta Disc | 426 Euro | 847 / 1000 Gramm | 55 / 48 N/mm | 110 Kilogramm | 2,9 | Preiswert, aber kein Leichtgewicht. Hohe Nabenflansche und stabile Speichen bringen Steifigkeit. |
| Shimano GRX WH-RX570 | 610 Euro | 786 / 956 Gramm | 48 / 41 N/mm | k. A. | 3,1 | Einfaches Laufrad aus Shimanos Gravel-Gruppe mit durchschnittlichen Werten. |
Felgenbremsen-Laufräder im Test
Sind Felgenbrems-Laufräder eine aussterbende Spezies? ROADBIKE geht dieser Frage nach - und liefert die Testergebnisse von 20 aktuellen Modellen aus drei Preiskategorien.
"Innovation und Fortschritt", jubeln die einen, "Teufelszeug und Kulturbruch", wettern die anderen. Salomonische Urteile à la "Jedem Tierchen sein Pläsierchen" mögen zwar manches hochgeschaukelte Streitgespräch wieder beruhigen, die Frage lautet allerdings: Wie lange noch?
Denn die Tage der guten alten Felgenbremse scheinen gezählt. Im aktuellen Angebot der Radhersteller und, wichtiger noch, bei der Produktentwicklung übernimmt die Scheibenbremse immer häufiger die tragende Rolle - Räder und Komponenten, die exklusiv auf das Zusammenspiel mit Felgenbremsen ausgerichtet sind, werden seltener.
Noch bieten viele Hersteller ihre Produkte zwar für Scheiben- und Felgenbremsen an, bei kompletten Neuentwicklungen heißt es indes immer häufiger: disc only.
"Im Nachrüstmarkt sind Felgenbrems-Laufräder immer noch ein großes Thema", betont jedoch Christian Brumen, Category Manager Dropbar bei Rose. Und Freunde der klassischen Radverzögerung müssen nicht verzagen: Wer dem eigenen Felgenbrems-Renner mit neuen Laufrädern frischen Schwung verleihen will, findet derzeit noch eine große Auswahl an Produkten.
20 Modelle hat ROADBIKE für diesen Artikel in Labor und Praxis getestet - in drei Preiskategorien: um 600 Euro, um 1000 Euro und um 2000 Euro.
Das Testfeld
Das Testfeld setzt sich aus alten Bekannten und Newcomern zusammen, wobei eins auffällt: Neu entwickelte Felgenbrems-Laufräder in den beiden günstigeren Preiskategorien waren nicht zu kriegen - hier findet offenbar keine Entwicklung mehr statt.
Also wurden für die Preisbereiche um 600 und um 1000 Euro bekannte und teils schon länger am Markt befindliche Modelle getestet.
Wenn überhaupt noch wirklich neue Laufradmodelle für Felgenbremsen auf den Markt kommen, geschieht dies offenbar "nur" noch im im hochpreisigen Sektor. Und selbst da wird nicht alles komplett neu entwickelt, sondern adaptiert: "Felgenbrems-Laufräder profitieren von den technischen Erkenntnissen und Fortschritten aus der Disc-Laufradentwicklung", erklärt Alex Gebert, Produktmanager bei Giant.
Aero-Optimierung, Carbon-Speichen, Hookless-Felgen - all das übernimmt zum Beispiel der getestete Cadex-Laufradsatz von seinem Schwesterprodukt für Scheibenbremsen.
Zwar wird manchem überzeugten Felgenbrems-Fan das Herz bluten angesichts der Tatsache, dass Felgenbrems-Laufräder den Herstellern nur noch in Ausnahmefällen die Entwicklungskosten wert sind, hervorragende Produkte findet er/sie trotzdem noch.
Interessanter Nebeneffekt der vorliegenden, 20 Produkte umfassenden Leistungsschau verschiedener Preisklassen: Auf einen Blick lässt sich erkennen, wie und wo sich höhere Preise bemerkbar machen.
Die Erkenntnisse: Die vier getesteten High-End-Laufradsätze um 2000 Euro kommen ausschließlich mit Carbon-Felgen, überzeugen mit top Steifigkeitswerten und liefern mehrheitlich Spitzenwerte, was Gewicht und Trägheitsmessungen angeht - also jenen Aspekten, die auf das Fahrerlebnis einzahlen, etwa durch leichtfüßige Beschleunigung.
Teurer bedeutet hier also tatsächlich auch besser.
Gleichzeitig gilt aber auch: Die besten Vertreter der Preisklasse um 1000 Euro bleiben auf Schlagdistanz - egal, ob sie mit Carbon- oder Alu-Felgen aufgebaut sind. Und selbst die Modelle um 600 Euro, die ausschließlich auf Alu-Felgen setzen, schlagen sich wacker.
Das heißt: Freunde von Felgenbrems-Laufrädern finden aktuell noch viele überzeugende Produkte - selbst wenn es die letzten ihrer Art sein sollten.
Erstes Fazit
Von den vier neu entwickelten Laufrädern der Preisklasse um 2000 Euro überzeugen besonders das teure 42 Tubeless von Cadex und das deutlich günstigere RC Fifty Carbon von Rose. In der Preisklasse um 1000 Euro gefällt besonders das EA90 SL von Easton. Ein Allzeit-Preis-Leistungs-Tipp ist und bleibt Campagnolos Zonda für unter 500 Euro, der eindrücklich zeigt: Hervorragende Laufräder für Felgenbrems-Renner gibt’s auch für kleineres Geld.
Testmethoden
Messwerte von eigenen Prüfständen, dazu ausgiebige Fahrtests: ROADBIKE treibt großen Aufwand, um Laufräder zu testen. Im Mittelpunkt stehen dabei die Faktoren Gewicht (25 %), Seitensteifigkeit (25 %), Torsionssteifigkeit (5 %), Trägheit (10 %), Aufbau (10 %) und Fahreindruck (25 %). Detaillierte Informationen zum Test-Prozedere finden Sie hier.
HINWEIS: Die Noten in den Testbriefen ergeben sich aus dem Testfeld der jeweiligen Preiskategorie. 95 Punkte und Note überragend im Testfeld "Laufräder um 1000 Euro" beziehen sich also nur auf die in dieser Testkategorie getesteten Produkte und sind nicht vergleichbar mit 88 Punkten und Note sehr gut aus dem Testfeld "Laufräder um 600 Euro"!
Testergebnisse zusammengefasst
Hier eine Zusammenfassung der Testergebnisse der 20 Laufräder, aufgeteilt nach Preiskategorien:
Laufräder um 2000 Euro
- Cadex 42 Tubeless (Testsieger): Begeisternde Laborwerte, Messerspeichen aus Carbon, teuer, eingeschränkte Reifenwahl.
- Rose RC Fifty Carbon (Preis-Leistungs-Tipp): Toller Fahreindruck, sehr viel Leistung fürs Geld, Garantie- und Crash-Replacement-Bestimmungen.
- Campagnolo Bora WTO 33: Leicht, steif, schnell, tolle Bremsleistung, aber lautes Pfeifen beim Bremsen.
- DT Swiss PRC 1400 Spline 35: Toller Fahreindruck, Garantie- und Crash-Replacement-Bestimmungen, niedrigstes Gewichtslimit im Vergleich.
Laufräder um 1000 Euro
- Easton EA90 SL (Testsieger): Leicht, steif, komfortabel, tolles Bremsverhalten, kein Gewichtslimit, Garantie nur ohne Rennen.
- Mavic Ksyrium Pro UST (Preis-Leistungs-Tipp): Sehr leicht und sportlich, großer Lieferumfang mit Tubeless-Vollausstattung, geringste Torsionssteifgkeit.
- DT Swiss PR 1400 Dicut Oxic 21: Leicht, steif, schnell, dauerhaft schwarze Bremsflanke, etwas schwächere Bremsleistung bei Nässe.
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