André Greipel: Vom Radprofi zum Bundestrainer

André Greipel, einer der erfolgreichsten deutschen Radprofis, hat seine Karriere beendet und eine neue Herausforderung als Bundestrainer angenommen. Dieser Artikel beleuchtet seine beeindruckende Laufbahn, seine Beweggründe für den Trainerjob und seine Visionen für die Zukunft des deutschen Radsports.

Die aktive Karriere

André Greipel beendete Ende 2021 seine Karriere als Radprofi und kann auf 158 Siege zurückblicken. Damit ist er einer der Erfolgreichsten im internationalen Peloton. Seine Profikarriere begann beim U-23-Team der Telekom, danach fuhr er für die Rennställe Wiesenhof, T-Mobile und Columbia/HTC. Seine erfolgreichste Zeit hatte er in der belgischen Equipe Lotto.

Der Sprintspezialist feierte zahlreiche Etappensiege bei der Tour de France (11), dem Giro d’Italia (7) und der Vuelta a Espana (4). Zudem gewann er zweimal die Gesamtwertung der Tour Down Under in Australien sowie das Eintagesrennen Cyclassics in Hamburg. Bei der Straßen-WM 2011 in Kopenhagen holte er hinter Mark Cavendish und dem Australier Matt Goss Bronze.

Schlüsselmomente in Greipels Karriere

  • Tour Down Under 2008: Vier Etappensiege und Gewinn der Gesamtwertung.
  • Tour de France 2011: Erster Etappensieg im direkten Duell mit Mark Cavendish.

Greipel war bekannt für seine Sprintstärke und seinen Kampfgeist. Seine muskulöse Statur brachte ihm den Spitznamen "Gorilla" ein. Trotz seiner Erfolge blieb er bescheiden und schickte bei Interviews oft seinen Teamkollegen Marcel Sieberg vor.

Der Übergang zum Bundestrainer

Ende April gab der Bund Deutscher Radfahrer bekannt, dass Greipel als sportlicher Leiter für die Profis im Straßenradsport bei Europa- und Weltmeisterschaften sowie Olympischen Spielen verantwortlich sein soll. Er folgt in dieser Position auf Jens Zemke. Mit dem ehemaligen Weltklasse-Profi konnte der BDR einen absoluten Fachmann für dieses wichtige Amt gewinnen.

Greipel selbst sagt zu seiner neuen Aufgabe: „Als ich gefragt wurde, habe ich mir erst einmal Bedenkzeit erbeten, bevor ich zusagte. Das ist für mich völlig neu, eine große Herausforderung. Ich freue mich sehr auf die Zusammenarbeit mit den Sportlern, möchte das Beste aus ihnen herausholen. Die jetzige Generation ist stark.“

Gründe für die Übernahme des Amtes

  • Wunsch, den Sportlern etwas zurückzugeben.
  • Möglichkeit, positive Veränderungen im deutschen Radsport zu bewirken.
  • Zusammenarbeit mit Marcus Burghardt im BDR-Präsidium.

Greipels Visionen als Bundestrainer

André Greipel möchte die Fehler der Vergangenheit vermeiden und eine offene Kommunikation mit den Sportlern pflegen. Es geht um offene Kommunikation mit den Sportlern, was man bei WM, EM oder Olympia umsetzen möchte. Wenn man vernünftig und respektvoll miteinander redet, einen klaren Plan vernünftig formuliert, was man im Rennen vorhat, dann kann man immer noch ein Nein von einem Sportler bekommen. Und das ist dann auch okay.

Er setzt auf klare Strukturen im Team und eine eindeutige Rollenverteilung. Ich möchte einen klaren Plan verfolgen und die besten deutschen Radprofis an den Start bei der WM stellen. Alle Sportler, die wir kontaktiert haben, sind bereit!

Ziele für die Zukunft

  • Erfolgreiche Teilnahme an Weltmeisterschaften, Europameisterschaften und Olympischen Spielen.
  • Förderung des Nachwuchses im deutschen Radsport.
  • Verbesserung der Kommunikation zwischen BDR und Sportlern.

Die Rad-WM in Glasgow

Greipels erster Auftritt als Nationalcoach war bei der Super-WM in Glasgow. Den Kurs gab es ja schon in abgewandelter Form bei der Europameisterschaft 2018 (damals siegte Matteo Trentin vor Mathieu van der Poel und Wout van Aert; Anm. d. Red.). Es wird ein ähnliches Rennen werden. Wenn es regnet, dann wird es ein Ausscheidungsfahren. Es wird ganz wichtig sein, eine starke Mannschaft zu haben, die das Rennen in die Hand nimmt und den Kapitän vorne platziert.

Er vergleicht die Strecke mit der WM-Strecke in Leuven 2021 und erwartet ein Klassiker-Rennen. Es wird in meinen Augen ein Klassiker-Rennen - gerade auch von der Länge her (271 Kilo­meter mit rund 3500 Höhenmetern; Anm. d. Red.). Ein Rennfahrer muss hier explosiv sein.

Sorgen um den Nachwuchs

André Greipel sorgt sich um den Nachwuchs im deutschen Radsport. «Dort sieht man einen großen Rückgang der Starterfelder», sagte der neue Straßenrad-Bundestrainer der Deutschen Presse-Agentur. «Corona ist mit Sicherheit auch ausschlaggebend gewesen. Aber ein Problem kann auch die Zentralisierung der Olympia-Stützpunkte sein.»

Er sieht ein grundsätzliches Problem darin, dass Kinder durch Ganztagsschulen stark gefordert sind und weniger Zeit für Hobbys haben. Man kann ganz gut sehen, dass gerade in den Ganztagsschulen sehr viel von den Kindern gefordert wird und viele Kinder keine Lust mehr haben, einem Hobby nachzugehen.

Trotzdem blickt Greipel optimistisch in die Zukunft und sieht Potenzial im deutschen Radsport. Aktuell sieht Greipel den deutschen Radsport aber nicht so schlecht aufgestellt, auch wenn bei der Tour de France zum zweiten Mal in Folge kein Etappensieg heraussprang und dieses Mal nur sieben deutsche Fahrer am Start standen.

Verwandte Beiträge:

Kommentar schreiben

Kommentare: 0