Fahrradanhänger in der DDR: Modelle, Hersteller und Besonderheiten

In der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) erfreuten sich Fahrradanhänger großer Beliebtheit, sowohl für den privaten Gebrauch als auch für den Transport in Landwirtschaft und Gewerbe. Verschiedene Modelle wurden entwickelt und produziert, die sich in Konstruktion, Ausstattung und Verwendungszweck unterschieden.

Bekannte Hersteller und Modelle

VEB Metallwarenkombinat Heldrungen (MKH)

Fahrradanhänger vom Typ MKH/F wurden nach Übernahme der Produktion aus dem VEB Wagonbau Dessau serienmäßig vom VEB Metallwarenkombinat Heldrungen gefertigt. Alle Modelle bestanden aus einer kastenförmigen verzinkten Wanne, um die mit Flachstahl die Laufradhalterung angeschweißt war. Die Deichsel bestand aus einem gebogenen Rohr, an dessen oberen Ende die Anhängerkupplung befestigt war. Die 20"-Laufräder waren aus verstärkten Naben, 2,5"-Speichen und Stahlfelgen aufgebaut. Die Unterschiede finden sich im verwendeten Kupplungssystem, der Beleuchtungsanlage und der ABE. Mit ca. 25 kg war ein MKH recht schwer.

Die damaligen Preise betrugen 175 Mark für einen MKH/F und bis zu 226 (241) Mark für ein MKH/M3. Die Nutzlast als Anhänger beträgt 33 kg, als Handwagen genutzt 100 kg.

Paul Bellmann, Zethau ("Belli")

Paul Bellmann, Schmiede und Fahrzeuge, Zethau üb., war ebenfalls ein bedeutender Hersteller von Fahrradanhängern. Der erste Anhänger wurde für die sogenannte "Eierwally" gebaut, die auf dem Dorf Eier aufkaufte und für die ein schüttelfreier Transport auf luftgefüllter Bereifung von Vorteil war. Der Anhänger stieß auf das Interesse von Bauern und wurde daraufhin von Bellmann modifiziert, so daß sechs oder acht Milchkannen transportiert werden konnten.

Anfangs baute Bellmann circa 25 bis 30 Anhänher pro Jahr, später wurden bis zu 200 Stück jährlich gefertigt. Auch am Moped konnte der Anhänger (in Verbindung mit einer Kugelkopfkupplung) verwendet werden. Verkauft wurde der "Belli" hauptsächlich im Bereich Chemnitz, Freiberg, Annaberg und Dresden. Der Preis betrug bis Ende 1989 unverändert 167,- Mark. Im Laufe der Zeit wurde der "Belli" ein bekannter Markenname (auch andere zweirädrige Karren wurden und werden bis heute "Belli" genannt). 1989/90 wurde die Produktion des Anhängers eingestellt.

Weitere Hersteller und Eigenentwicklungen

Neben den genannten Herstellern gab es auch andere Betriebe, die Fahrradanhänger produzierten oder entwickelten. LIW stand für Landtechnisches Instandsetzungswerk. In der Zeitschrift Neues Leben wurde 1960 über einen Fahrradanhänger berichtet, der von "jungen Technikern" des VEB Buchungsmaschinenwerk Karl-Marx-Stadt entwickelt worden war.

Ein weiteres Beispiel ist der "Fahrradanhänger FA IV in solider Ausführung. Stahlrohrkonstruktion, luftbereifte Scheibenräder 12 1/2", kugelgelagert, gesicherte Kupplung, stabiler Holzboden.

Anhängerkupplungen

Bei Kupplungen für den Anhänger KMH/F gab es zwei Varianten. So ließ sich z.B. ein MKH/M mittels 18mm-Kugelkopf-Kupplung auch am Fahrrad befestigen. Universale DDR-Anhängerkupplung: Speziell konzipiert für die legendären Simson Modelle wie DUO 4, DUO 4/1, DUO 4/2, KR50, SR1, SR2 und SR2E. Perfekte Passform: Mit einem Kugeldurchmesser von 18mm bietet die Anhängerkupplung eine solide und zuverlässige Befestigung. Vielseitige Kompatibilität: Neben den speziellen Simson Modellen auch für viele andere DDR-Fahrzeuge geeignet - maximale Flexibilität für Ihre Bedürfnisse.

Preise und Nutzlasten ausgewählter DDR-Fahrradanhänger
Modell Preis (Mark) Nutzlast als Anhänger (kg) Nutzlast als Handwagen (kg)
MKH/F 175 33 100
MKH/M3 226-241 33 100
Belli 167 (bis Ende 1989) k.A. k.A.

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