Atmungsaktive Regenjacke für Radfahrer: Ein umfassender Test

Regen ist der natürliche Feind der Radfahrer. Wer möchte schon stundenlang durchnässt weiter in die Pedale treten oder nach dem Weg zur Arbeit nass im Büro sitzen? Regenjacken für Radfahrer und Radfahrerinnen haben einen anderen Schnitt als entsprechende Jacken für Wanderer. In der Regel sind sie vorne kürzer und lassen ausreichend Raum für die Beine.

Am Rücken sind sie oft länger, um auch bei leicht gebückter Haltung auf dem Rad Schutz zu bieten. Sie haben schließbare Bündchen an den Ärmeln, damit der Fahrtwind nicht hineingreift. Die sportlichen Modelle sitzen eng an und bieten dem Wind so wenig Angriffsfläche - ein nicht zu unterschätzender Aspekt auf längeren Radtouren, aber auch bei Fahrten ins Büro mit Gegenwind.

Die Herausforderung: Außen nass, innen trocken

Außen nass, innen trocken. So lautet der Marketing-Mythos der Hersteller von Regenbekleidung. Die Dampfdurchlässigkeit wird immer noch als Heilsbringer für schweißfreien Fahrspaß im Regen gepriesen. Dabei ist die Ermittlung der „Atmungsaktivität“ von Regenjacken kaum mehr als graue Theorie, und in vielen Modellen schwitzt man allein schon im Sitzen.

In der Regel wird die Dampfdurchlässigkeit anhand des MVTR-Werts gemessen, dessen vollständige Aussprache fast einen Knoten in der Zunge verursacht. Die Moisture Vapor Transmission Rate gibt an, welche Menge Wasserdampf in 24 Stunden durch einen Quadratmeter Membranfläche dringt. Je höher der MVTR-Wert, desto atmungsaktiver.

Die Bestmarken liegen hier bei etwa 40000 g/m²/24h, Protective gibt für seine Jacke sogar einen Rekordwert von 60000 g/m²/24h an. Ob dabei die blanke Membran gemessen wurde oder sich der Wasserdampf durch die zwei bis drei Schichten des Laminats arbeiten musste, ist für den Kunden nicht ersichtlich.

Schweißtransport: oft nur ein theoretischer Wert

Der harte Outdoor-Alltag hat mit den standardisierten Laborbedingungen meist nur wenig gemein. So funktioniert der Schweißtransport nur, wenn ein Temperaturgefälle zwischen Innen- und Außenseite von mindestens 15 Grad Celsius herrscht. Im Sommer schützen Gore-Tex und Co zwar vor Regen, nass wird man aber trotzdem - und zwar von innen.

Sobald die Imprägnierung nachlässt, kommt der Feuchtigkeitstransport ebenfalls ins Stocken. Dann bildet sich an der Außenseite ein geschlossener Wasserfilm - man spricht hier vom sogenannten „wetting out“ - und der Dampfdurchlass wird blockiert. Verstopfte Poren haben denselben Effekt. Regelmäßiges Waschen und Auffrischen der Imprägnierung erhalten aber die Funktion der Regenkluft. Doch selbst bei bester Pflege: Intensive Anstiege verkraftet keine der Membranen schweißfrei.

Lüftungsmöglichkeiten - essenziell für gutes Klima

Als wesentlich effektiver für ein angenehmes Klima haben sich im Test clever platzierte Lüftungsöffnungen erwiesen. Zweiwege-Reißverschlüsse an der Front verbessern die Bewegungsfreiheit und sorgen für Durchzug. Lange Zipper unter den Achseln oder große Taschen mit luftdurchlässigem Netzfutter haben in geöffnetem Zustand denselben Effekt. Und auch Ärmel, die sich bis zu den Ellbogen hochschieben lassen, tragen zu einem besseren Körperklima bei.

Dichtigkeit und Schnitt: Entscheidende Faktoren

Entscheidender aber ist die Frage: Halten die Jacken auch wirklich dicht? Laut EU-Norm muss ein Textil nur gegen 1300 Millimeter Wassersäule bestehen, um als wasserdicht zu gelten. Das schaffen alle Laminate im Test. Genauso wie die von uns deutlich höher angesetzten 3000 Millimeter. Knackpunkte sind allerdings die abgeklebten Nähte und Nahtknoten. Hier halten gleich mehrere Jacken dem Druck nicht stand.

Ob man in einer Jacke trocken bleibt oder nicht, hängt neben dem Material auch maßgeblich von ihrer Konstruktion ab. An zu kurzen, weiten Ärmelabschlüssen läuft das Wasser wie an einer Regenrinne ins Jackeninnere. Ein abstehender Kragen schickt Starkregen ebenfalls direkt nach innen weiter - brrrr. Und eine Kapuze schützt nur dann, wenn sie sich optimal an den Kopf oder Helm anpassen lässt.

Eine gute Regenjacke erkennt man also nicht an den theoretischen Versprechen der Hersteller. Das Exemplar, in dem man bei Anstrengung nicht schwitzt, gehört leider nach wie vor in den Bereich der Mythen.

Die Regenjacken im Test: Eine Übersicht

Im Folgenden werden einige der getesteten Regenjacken detaillierter vorgestellt:

  • Gore Endure Jacket: Leichte, sportlich geschnittene Jacke mit idealer Passform und tadelloser Verarbeitung.
  • Jack Wolfskin Morobbia 3L JKT: Robuste Jacke mit recycelter Membran und guter Ausstattung, aber schneller nachlassender Imprägnierung.
  • Löffler Bike Jacket with Hood CF WPM Pocket: Ultraleichte Notfalljacke mit hoher Dampfdurchlässigkeit, aber schnell schwitzigem Gefühl.
  • Norrona Fjora: Teure, aber robuste Jacke mit Gores Top-Membran, guter Belüftung und sauber einstellbarer Kapuze.
  • Poc Motion Rain Jacket: Angenehmes Tragegefühl und gute Dampfdurchlässigkeit, aber kurze Ärmel und einfacher Ausstattung.
  • Protective P-New Age CB: Sauber verarbeitete Jacke mit angenehmem Tragegefühl und guter Dampfdurchlässigkeit, aber ohne Lüftungs-Zipper.
  • Scott Explorair Light Dryo 3L: Dichte und anhaltend imprägnierte Jacke mit sportlichem Schnitt, aber wenig flexibel und ohne Belüftungsfunktion.
  • Specialized Trail Neoshell Rain: Stretchiges Material mit gutem Klima, aber kurzen Ärmeln und wenig Schutz durch Kragen und Kapuze.
  • Vaude Moab Regenjacke: Radspezifische Passform und gute Bedienbarkeit, aber nur mittelmäßiger Dampfdurchlass.

Weitere getestete Modelle

Neben den oben genannten Jacken wurden auch folgende Modelle getestet:

  • AGU und Elkline Mäntel
  • Gorewear Jacken
  • Endura GV 500
  • GripGrab EXPLR Waterproof Lightweight
  • Gonso Save Jacket Essential
  • BTWIN City 540

Details der Regenbekleidung im Einzelnen

Hier sind einige Details zu den getesteten Regenjacken und -hosen, zusammen mit den Bewertungen von MYBIKE:

  • Bergans Y Lightline Air 3L Shell Jacket Men
    • Preis: 300 Euro
    • Gewicht: 270 Gramm (Größe S)
    • Material: 100 % recyceltes Polyamid
    • Fazit: Leichte, sehr atmungsaktive Multifunktionsregenjacke mit mehrfach einstellbarer Kapuze.
    • MYBIKE-Urteil: SEHR GUT
  • Bergans Letto LongZip Pants
    • Preis: 220 Euro
    • Gewicht: 305 Gramm (Größe S)
    • Material: Polyamid, Polyester
    • Fazit: Eine robuste Hightech-Outdoor-Regenhose mit vielen praktischen Details.
    • MYBIKE-Urteil: SEHR GUT
  • Canyon Fahrrad-Regenjacke
    • Preis: 229,95 Euro
    • Gewicht: 380 Gramm (Größe M)
    • Material: Polyamid (außen), Polyester (innen)
    • Fazit: Regenjacke mit Softshell-Haptik, überzeugt mit hohem Tragekomfort.
    • MYBIKE-Urteil: GUT
  • Canyon Fahrrad-Regenhose
    • Preis: 179,95 Euro
    • Gewicht: 305 Gramm (Größe M)
    • Material: Polyamid (außen), Polyester (innen)
    • Fazit: Eine ungewöhnlich bequeme, gut sitzende Regenhose mit dehnbarem Material.
    • MYBIKE-Urteil: SEHR GUT (MYBIKE-Tipp: Tragekomfort)
  • Decathlon Triban Regenjacke Fahrrad Gravel rot
    • Preis: 79,99 Euro
    • Gewicht: 430 Gramm (Größe M)
    • Material: Polyester, PU-Membran
    • Fazit: Wert auf wichtige Details gelegt, wie verdeckte Lüftungsöffnungen und bequeme Kapuze.
    • MYBIKE-Urteil: SEHR GUT (MYBIKE-Tipp: Preis/Leistung)

Diese Tabelle fasst einige der getesteten Jacken und ihre Bewertungen zusammen:

Jacke Gewicht (Größe) Material MYBIKE-Urteil
Bergans Y Lightline Air 3L Shell Jacket Men 270 Gramm (S) 100 % recyceltes Polyamid SEHR GUT
Canyon Fahrrad-Regenjacke 380 Gramm (M) Polyamid (außen), Polyester (innen) GUT
Decathlon Triban Regenjacke Fahrrad Gravel rot 430 Gramm (M) Polyester, PU-Membran SEHR GUT (MYBIKE-Tipp: Preis/Leistung)

Worauf man beim Kauf achten sollte

Beim Kauf von Regenkleidung sollte man auf folgende Details achten:

  • Gute Atmungsaktivität
  • Gute Sichtbarkeit durch Reflektoren
  • Verlängerte Ärmel und Rücken
  • Ausreichend lange Reißverschlüsse an den Hosenbeinen
  • Dehnbarer Hüftbund
  • Weitenanpassung am Unterschenkel
  • Verstärkter Sitzbereich
  • Vorgeformte Knie

Fazit

Die Wahl der richtigen Regenjacke hängt von den individuellen Bedürfnissen und Einsatzbereichen ab. Es gibt viele sehr gute Jacken mit unterschiedlichen Stärken und Schwächen. Wichtig ist, auf eine gute Passform, ausreichende Wasserdichtigkeit und Atmungsaktivität sowie praktische Details wie Lüftungsöffnungen und verstellbare Kapuzen zu achten.

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