Sicher mit dem Sozius unterwegs: Regeln und Tipps für Motorradfahrer

Der Begriff Sozius kommt aus dem Lateinischen und bedeutet „Gefährte, Genosse, Teilnehmer“. In Deutschland wird dieses Wort im Zusammenhang mit Fahrten auf dem Motorrad verwendet. Damit ist der Beifahrer gemeint. Häufig nimmt dieser hinter dem Fahrer Platz. Einige Motorräder verfügen sogar über einen Beiwagen, in welchem es sich der Sozius gemütlich machen kann.

Voraussetzungen für die Mitnahme eines Sozius

Wer einen Sozius auf dem Motorrad mitnehmen möchte, muss ein Kraftrad mit einem Sitz für den Beifahrer besitzen. Krafträder, auf denen ein Beifahrer befördert wird, müssen mit einem Sitz für den Beifahrer ausgerüstet sein. Generell gilt, dass ein Motorrad oder Motorroller über einen Soziussitz, Fußrasten und eine Haltevorrichtung verfügen müssen, damit eine zweite Person mitgenommen werden darf. Zunächst ist es entscheidend, dass die Mitnahme eines Sozius überhaupt gestattet ist. Angenommen ein Bike ist nur für eine Person ausgelegt, so erübrigt sich der Rest.

Mindestalter und körperliche Voraussetzungen für Kinder

Kinder als Beifahrer auf dem Motorrad sind prinzipiell nicht verboten. Alle relevanten Regelungen sind in der Straßenverkehrsordnung zu finden. Diese schreibt übrigens kein Mindestalter für das Mitfahren auf dem Motorrad vor. Stattdessen ist die körperliche Reife entscheidend. Konkret bedeutet dies: Das Kind muss bestimmte körperliche Anforderungen erfüllen, um eine gute Sitzposition einnehmen, die Fußrasten erreichen und sich festhalten zu können.

Im Allgemeinen gilt, dass Kinder diese Anforderungen ungefähr ab dem fortgeschrittenen Grundschulalter bzw. ab einem Alter von ca. acht Jahren erfüllen. Für kleinere Kinder gibt es Kinder-Soziussitze, die gelegentlich auch als Kindersitze für Motorräder bezeichnet werden. Sie haben eine Rückenlehne für eine bessere Stabilisation. Außerdem muss auch das Motorrad zum Mitnehmen eines Kindes geeignet sein - und das in zweierlei Hinsicht.

Darf ein Sozius mitgenommen werden, ist speziell beim Fahren mit Kindern zu beachten, dass Fußrasten und gegebenenfalls vorhandene Haltegriffe gut erreichbar sind.

Sicherheitsausrüstung für den Sozius

Ein Motorrad-Schutzhelm ist auch für den Sozius vom Gesetz vorgeschrieben. Der Helm muss perfekt passen und sollte über die aktuelle Prüfnorm verfügen, nur dann bietet er optimalen Schutz. Tragen Sie auf keinen Fall einen womöglich ausgemusterten oder zu großen Ersatz-Helm, denn der schützt nur vor einem Bußgeld, aber nicht bei einem Unfall. Selbst wenn nur wenige Runden um einen Häuserblock geplant sind, ist das Tragen eines Motorradhelmes auch für den Mitfahrer unverzichtbar. Ein Fahrradhelm genügt übrigens nicht, weil er im Ernstfall keinen ausreichenden Schutz bietet. Im Fachhandel werden geeignete Kinderhelme angeboten.

Wie Erwachsene brauchen auch Kinder unbedingt eine spezielle Schutzausrüstung. Dazu gehören eine extra verstärkte Motorradhose und -jacke sowie robuste, mindestens halbhohe Stiefel und atmungsaktive Motorradhandschuhe. Kinderhandschuhe mit entsprechendem Schutz werden in vielen Variationen angeboten und sind unbedingt zu empfehlen. Winterhandschuhe als Ersatz sind nicht ratsam. Mit ihnen findet das Kind keinen sicheren Halt, und im Falle eines Ausrutschers schützen sie nicht optimal. Eltern sollten unbedingt darauf achten, dass die Motorradbekleidung optimal passt. Ist sie zu klein oder zu groß, ist das Kind nicht ausreichend geschützt.

Ohne die passende Schutzkleidung sollte Ihr Soziusfahrer keinesfalls aufsteigen.

Bußgelder bei Verstößen

Wer auf dem Motorrad ein Kind ohne Helm mitfahren lässt, riskiert 60 Euro Bußgeld und einen Punkt in Flensburg. Trägt der oder die Erwachsene selbst keinen Schutzhelm, sind 15 Euro Verwarnungsgeld fällig.

Das richtige Verhalten während der Fahrt

Wichtig ist, dass Sie sich als Motorrad-Beifahrer am Fahrer festhalten. So bilden Sie mit diesem eine Einheit. Während der Fahrt umfasst der Sozius am besten die Taille des Fahrers, um besonders bei der Beschleunigung der Maschine zusätzlichen Halt zu bekommen. Beim Bremsvorgang sollten Sie sich mit Ihren Händen, sofern möglich, am Tank abstützen.

Der Blick des Mitfahrenden über die Schulter des Fahrers verhindert das Zusammenschlagen der Helme und führt automatisch zur richtigen Haltung bei der Kurvenfahrt in Schräglage. Dabei muss der Sozius immer über die Fahrerschulter blicken, die sich zur Innenseite der Kurve neigt. Wichtigste Regel für Mitfahrer: Bei Schräglage nie dagegen legen, das kann bis zum Sturz führen.

Als Beifahrer ist man keineswegs passiv. Sowohl für Fahrer als auch für Beifahrer gilt: Motorradkleidung, passender Helm, eigener Sitz mit Fußrasten und Haltevorrichtung. Wenn es keine Helmsprechanlage gibt, verständigen Sie sich am besten auf Zeichen wie Schulterklopfen.

  • Sitzen Sie aufrecht und locker auf dem Motorrad.
  • Agieren Sie als Mitfahrer oder Mitfahrerin gemeinsam mit dem Fahrer und der Fahrerin.
  • Vermeiden Sie abrupte Bewegungen. Diese können den Fahrer oder die Fahrerin verunsichern.
  • Halten Sie sich außerdem an der Taille fest und nicht am Gepäckträger.

Überraschen Sie den Fahrer deshalb nicht mit plötzlichen Bewegungen oder einer ruckartigen Gewichtsverlagerung. Sie verändern als Motorrad-Beifahrer das Fahrverhalten bereits mit Ihrem bloßen Gewicht maßgeblich, plötzliche Bewegungen bedeuten eine erhöhte Unfallgefahr.

Es bietet sich natürlich an, die Verkehrssituation über die Schulter der fahrenden Person zu beobachten. Reagieren Sie jedoch erst mit dem Motorradfahrer und nicht vor ihm. Soll heißen: Selbst, wenn Sie eine Kurve vor sich sehen, legen Sie sich nicht bereits hinein, bevor der Fahrer es tut.

Anpassung des Fahrverhaltens und der Motorradeinstellungen

Wenn Sie mit einem Sozius auf dem Motorrad unterwegs sind, ändert sich das Fahrverhalten des Bikes. Durch das zusätzliche Gewicht wird die Achslastverteilung beeinflusst. Das fällt insbesondere dann auf, wenn Sie sich in einer Kurve befinden. Diese können Sie nicht so eng befahren wie ohne Mitfahrer auf dem Motorrad. Damit ein erhöhter Abrieb vermieden wird, sollten Sie den Reifendruck um jeweils 0,2 bar erhöhen. Wichtig: Sind Sie zum ersten Mal mit einem Sozius auf dem Motorrad unterwegs, sollten Sie nicht gleiche eine große Strecke zurücklegen.

Mit einem Sozius ändert sich das Fahrverhalten der Maschine je nach Gewicht sogar deutlich. Die Auswirkungen auf die Achslastverteilung und damit die Fahrphysik: Das Vorderrad wird entlastet und überträgt die Lenkbefehle weniger genau. Das Heck pumpt wegen des Mehrgewichts stärker und kann die Fahrlinie beeinflussen. Deshalb müssen vor einer Fahrt mit zwei Personen die Federelemente der Mehrbelastung angepasst werden. Vor allem im Heck müssen Federvorspannung und - sofern einstellbar - die Dämpfung erhöht werden.

Eine Erhöhung des Reifendrucks ist ebenfalls nötig. Mindestens 0,2 bar mehr als im Solobetrieb sind angebracht, der maximale Reifenluftdruck (siehe Betriebsanleitung) ist allerdings zu beachten. Bei Fahrten mit Sozius gewinnt die Hinterradbremse stark an Bedeutung. Die Bremslastverteilung verändert sich je nach Maschinentyp - von einem Verhältnis von Vorderrad zu Hinterrad von rund 80:20 bis hin zu 50:50.

Auch ein Trockenkurs auf einem Parkplatz kann hilfreich sein, beispielsweise was das richtige Auf- und Absteigen betrifft, vor allem aber die richtige Sitzposition des Mitfahrenden.

Vertrauen und Kommunikation

Zwischen Fahrer und Sozius muss ein großes Vertrauen herrschen. Der Beifahrer darf sich zum Beispiel niemals dagegenlegen, wenn sich das Bike in Schräglage befindet. Zudem sollte er den Fahrer an der Taille umfassen. Vertrauen ist wichtig - nicht nur in einer Partnerschaft, sondern auch bei der Beifahrer-Beziehung. Ihr Motorrad-Sozius verlässt sich darauf, dass Sie das Motorrad unter Kontrolle haben und keine riskanten Manöver fahren. Vermeiden Sie zudem ruckartige Beschleunigungs- und Bremsaktionen.

Vor der ersten Ausfahrt sollten Eltern und Kind gemeinsam das richtige Verhalten besprechen und einüben. Dabei ist es wichtig, dem kleinen Mitfahrer bzw. der kleinen Mitfahrerin zu erklären, mit welchen Fahrmanövern sie rechnen müssen, und wie sie sich beispielsweise in Kurven richtig verhalten. Sinnvoll ist es auch, vor der Fahrt Klopfzeichen zu vereinbaren, damit das Kind signalisieren kann, wenn es anhalten möchte. Absolut empfehlenswert: eine Gegensprechanlage, damit der Fahrer bzw. die Fahrerin mit dem Nachwuchs während des Trips stets in Kontakt bleiben kann.

Der Fahrer sollte niemals das Vertrauen seines Sozius enttäuschen. Wilde Ritte und Kurvenkratzen auf der Fußraste sind tabu, sie führen zu Angst und Verkrampfung. Grundsätzlich sollte der Fahrer defensiv und vorausschauend fahren.

Vor allem bei längeren Touren sollten Sie nicht nur die Etappenlänge vor Fahrtbeginn absprechen. Wer keine Helmsprechanlage besitzt, kann auch mit zuvor vereinbarten Zeichen (z.B. Schulterklopfen) kommunizieren.

Motorradfahren mit Kindern im Ausland

Wer im Auslandsurlaub sein Kind auf dem Bike mitfahren lassen will, sollte bedenken: Dort gelten zum Teil andere Regelungen und Bestimmungen im Straßenverkehr, die teilweise auch den Beifahrer bzw. die Beifahrerin betreffen. In manchen Ländern ist die Mitnahme von ganz jungen Kindern ausdrücklich verboten.

Zusammenfassung der wichtigsten Punkte

Hier ist eine Zusammenfassung der wichtigsten Punkte in tabellarischer Form:

Aspekt Regel/Empfehlung
Motorrad Soziussitz, Fußrasten, Haltevorrichtung erforderlich
Helm Pflicht für Fahrer und Sozius, passgenau und geprüft
Kleidung Schutzkleidung für Fahrer und Sozius empfohlen
Fahrverhalten Anpassen an das zusätzliche Gewicht, vorausschauend fahren
Kommunikation Klare Absprachen und Zeichen vereinbaren
Kinder Körperliche Reife beachten, spezielle Sitze und Ausrüstung verwenden

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