Mountainbike: Vorteile und Nachteile dünner Reifen

Die Wahl der richtigen Reifen ist entscheidend für die Performance und den Komfort deines Fahrrads. Dabei spielen verschiedene Faktoren eine Rolle, darunter der Rollwiderstand, die Beschleunigung und der Fahrkomfort.

Rollwiderstand und seine Einflussfaktoren

Der Rollwiderstand entspricht der Energie, die beim Abrollen des Reifens verloren geht. Im Wesentlichen resultiert der Energieverlust aus der fortwährenden Materialverformung im Reifen. Natürlich sollte jeder Fahrradreifen möglichst leicht rollen. Anders als beim Auto steht dem Radfahrer nur seine (sehr begrenzte) Körperkraft zur Verfügung, die er natürlich möglichst effizient einsetzen möchte.

Der Rollwiderstand wird u. a. von Reifendruck, Reifendurchmesser, Reifenbreite, Reifenaufbau und vom Reifenprofil beeinflusst. Neben dem Rollwiderstand gibt es noch andere Widerstände, die man beim Radfahren überwinden muss:

  • Der Luftwiderstand steigt mit zunehmender Geschwindigkeit im Quadrat.
  • Auch für die Beschleunigung muss Energie aufgewandt werden.
  • Am Berg muss man vor allen Dingen den Steigungswiderstand überwinden.
  • Ferner gibt es noch einige Reibungswiderstände in der Kette und in anderen sich drehenden Teilen.

Reifendruck und Rollwiderstand

Bei komplett glattem Untergrund gilt: Je höher der Luftdruck, umso geringer ist die Verformung und damit der Rollwiderstand. Im Gelände ist es genau umgekehrt: Je geringer der Luftdruck umso geringer der Rollwiderstand. Das gilt für Schotterpisten genauso wie für weiche Wald- und Wiesenböden. Die Erklärung: Ein Reifen mit geringem Luftdruck kann sich Unebenheiten besser anpassen. Er sinkt weniger tief ein und das Gesamtsystem wird weniger stark durch Unebenheiten gebremst.

Reifendurchmesser und Rollwiderstand

Reifen mit kleinerem Durchmesser haben bei gleichem Luftdruck einen höheren Rollwiderstand, weil die Reifenverformung sich hier im Verhältnis stärker auswirkt. Der Reifen flacht stärker ab. Er wird unrunder.

Reifenbreite und Rollwiderstand

Breite Reifen rollen leichter als schmale! Diese Aussage trifft häufig auf Skepsis, doch bei gleichem Luftdruck federt der schmale Reifen tiefer ein und muss somit mehr Materialverformung überwinden.

Natürlich hat auch der Aufbau des Reifens Einfluss auf den Rollwiderstand. Je weniger Material verwendet wird, desto weniger Material muss sich verformen. Und je flexibler das Material ist (z. B. die Gummimischung), umso weniger Energie geht durch die Verformung verloren.

In der Regel rollen feine Profile leichter als grobe. Die Erklärung liegt im Einfederungsverhalten. Jeder Reifen flacht unter Belastung unten etwas ab. Daraus resultiert eine ebene Aufstandsfläche.

Bei gleichem Luftdruck haben der breite und der schmale Reifen eine gleich große Aufstandsfläche. Während sich der breite Reifen eher in die Breite platt drückt, hat der dünne Reifen eine schmalere aber längere Aufstandsfläche.

Das abgeflachte Stück kann man als einen Lastarm interpretieren, welcher der Rollbewegung des Reifens entgegenwirkt. Durch die stärkere Abflachung des schmalen Reifens wird das Rad „unrunder“ und muss sich beim Abrollen stärker verformen. Beim breiten Reifen wirkt sich die Abflachung weniger in Laufrichtung aus. Breite Reifen rollen nur bei gleichem Luftdruck leichter. Schmale Reifen fährt man aber mit einem höheren Luftdruck. Dann sind sie natürlich weniger komfortabel.

Auch wenn es zuerst etwas unsinnig klingt: Breite Fahrradreifen rollen leichter als vergleichbare schmalere Modelle. Das Stichwort für die Erklärung lautet: Einfederungsverhalten. Jeder Fahrradreifen verformt sich aufgrund des Gewichts des Fahrrades und des Fahrer durch die Schwerkraft im Kontaktbereich zum Boden. Er flacht also ab. Nehmen wir jetzt einen breiten und einen schmalen Reifen, die einen exakt gleichen Reifendruck haben. Die sogenannte Aufstandsfläche ist, egal wie breit der Reifen ist, immer gleich groß. Der breitere Fahrradreifen drückt sich dafür mehr in die Breite, der schmalere Reifen dafür weniger breit, dafür ergibt sich beim schmalen Reifen eine längere Aufstandsfläche. Das abgeflachte Reifenstück wirkt als Widerstand der Rollbewegung entgegen. Dieses bezeichnet man als Rollwiderstand. Je mehr Rollwiderstand, umso mehr Energie wird praktisch nutzlos verbraucht. Dadurch, dass der schmalere Fahrradreifen eine stärke Abflachung in der Laufrichtung verursacht, wird der Reifen in sich „unrunder“. Dadurch verformt er sich beim Rollen deutlich mehr, welches Energie „schluckt“. Bei dem breiteren Reifen ergibt sich eine geringere Abflachung in der Laufrichtung. Er bleibt in sich runder, also in Form, welches beim Fahren bzw. Rollen weniger Energie verbraucht. Der breite Fahrradreifen rollt also leichter, auch wenn er "massiger" und "plumper" aussieht.

Vorteile schmaler Reifen

Zudem haben schmale Reifen Vorteile bei hohen Geschwindigkeiten, weil der Luftwiderstand geringer ist. Vor allem lässt sich ein Fahrrad mit schmalen Reifen deutlich besser beschleunigen, weil die rotierende Masse an den Laufrädern geringer ist. So ist das Rad wesentlich agiler. Wie wichtig dieser Aspekt ist, merkt man sehr eindrücklich, wenn man in einer schnellen Radgruppe mitfährt und nach einer scharfen Kurve dann schnell wieder von 20 auf 40 km/h beschleunigen muss um nicht den Anschluss zu verlieren.

Vorteile breiter Reifen

Bei eher gleichmäßigen Geschwindigkeiten um die 20 km/h fährt man aber mit breiteren Reifen besser. In der Praxis ist die Kraftersparnis dabei noch größer als in der Theorie: Der Federungseffekt der breiten Reifen hält Erschütterungen vom Fahrer fern und spart so Energie. Und auch bei den Radprofis werden die Reifen tendenziell immer breiter.

Reifenbreite in verschiedenen Disziplinen

Je nach Fahrradtyp werden unterschiedliche Reifenbreiten gefahren. Den größten Einfluss auf die Reifenbreite wirst du beim Rennrad und Cyclocross feststellen. Dort ist eine Abweichung von mehr als 5 Millimeter erheblich. Bei einem MTB steht die Bodenhaftung und Traktion im Vordergrund. Die MTB-Reifen erhalten daher ein stollenähnliches Profil. Der Rollwiderstand wird nicht so stark in den Fokus gerückt.

  • Bei einem Cross Country und Marathon Mountainbike wird 51 Millimeter bis 54 Millimeter (2,1 Zoll bis 2,3 Zoll) empfoheln.
  • Bei einem All Mountain geht die Tendenz zu 54 Millimeter bis 61 Millimeter.

Die Fahrradreifen für die Citybikes und Trekkingbikes sind schmaler als beim MTB, und breiter als beim Rennrad. Ein Kompromiss von Rollwiderstand und Pannenschutz muss her. Ein mäßiges Profil, für guten Grip auf Wald- und Schotterböden und gleichzeitig nicht zu viel davon, um einen hohen Rollwiderstand auf Asphalt vorzubeugen. Die Reifenbreite geht einher mit dem Anforderungsbereich. 37 Millimeter bis 52 Millimeter Reifenbreite gelten als Referenz. Je nachdem, welche Art von E-Bike du fährst, kannst du dich an die vorherigen Fahrradtypen halten.

Traditionell wurden Rennräder mit sehr schmalen Reifen von 18 bis 20 mm Breite gefahren. Bis in die 2010er Jahre waren 23 mm breite Reifen der Standard. Heutzutage liegt die gängige Reifenbreite bei 28 mm, mit einem Trend zu noch breiteren Reifen bis 32 mm. Diese Entwicklung resultiert aus dem Wunsch nach erhöhtem Fahrkomfort, besserer Traktion und erhöhtem Pannenschutz.

Cyclocross-Räder sind für den Einsatz im Gelände konzipiert und benötigen daher Reifen, die sowohl Traktion als auch Stabilität bieten. Die Reifenbreite liegt typischerweise zwischen 32 mm und 35 mm. Gravelbikes zeichnen sich durch ihre Vielseitigkeit aus und sind für unterschiedliche Untergründe geeignet.

  • 40-42 mm: Diese Breite ist der Standard für Gravelbikes und bietet einen ausgewogenen Kompromiss zwischen Rollwiderstand und Geländetauglichkeit.

Reifendruck Empfehlungen

Ein Rennrad mit Drahtreifen sollte mit 7 bis 9 bar gefahren werden. Verschiebst du dein eigenes Körpergewicht um eine Kommastelle nach links, gilt dies als guter Richtwert. Bei 80kg Körpergewicht wären das 8 bar. Das Mountainbike mit Drahtreifen / Faltreifen sollte einen Luftdruck von 2 bis 3,5 bar besitzen. Die Stabilität, Fahrtkomfort und Bodenhaftung steht im Mittelpunkt beim MTB, daher neigt man beim Mountainbike zu einem etwas niedrigen Reifendruck. Das Trekkingbike und Citybike sollten mindestens 4 bar Luftdruck haben. Besser etwas zu viel Luft im Reifen, als zu wenig. Der Rollwiderstand ist dabei geringer und es wird weniger Körperkraft benötigt.

Empfehlung: Pump den Reifen lieber mit etwas mehr Luft (an der oberen Grenze der auf dem Reifen angegeben ist). Beachte: Wir können nur eine allgemeine Empfehlung aussprechen, der Reifendruck ist von den äußeren Bedingungen (Hitze, Kälte), dem Terrain (Gelände, Straße) und dem Körpergewicht des Fahrers abhängig.

Auswahl der richtigen Reifen für verschiedene MTB-Typen

Es ist schwer, für jede Disziplin eine konkrete Empfehlung auszusprechen, da zu viele individuelle Faktoren des Fahrers die tatsächliche Reifenwahl beeinflussen sollten. Dennoch haben wir für dich grobe Richtlinien für die gängigsten Bike-Typen zusammengestellt, um die Orientierung etwas zu erleichtern.

XC-Fully und Hardtail MTBs

Cross-Country-Fahrern geht es um Bestzeiten. Leicht profilierte Faltreifen mit rennspezifischer Gummimischung (z.B. Continental Race King) bewähren sich daher bereits seit vielen Jahren im World Cup. Die Breite sollte dabei zwischen 2 und 2,2 Zoll liegen, wobei man an der Front gerne zum dickeren Pneu greifen kann. Vor allem, wenn man sich auch in knifflige Trails stürzt. Der Luftdruck muss dabei selbstverständlich an die Bedingungen, die Strecke und das verwendete System angepasst werden. Für Reifen mit Schlauch kann man 2,4 Bar als groben Richtwert nehmen, für Tubeless-Reifen in etwa 2,2 Bar.

Touren Fully MTBs

Da unterschiedlichstes Gelände auf solchen Routen wartet, muss ein Reifen an einem Touren Fully vor allem Allround-Qualitäten bieten. Das Profil darf hier daher ruhig etwas gröber sein als bei XC-Bikes, wobei ein Kompromiss zwischen Traktion und Rollwiderstand gefunden werden muss. Eine gute Breite für Touren-Reifen liegt um die 2,2-2,4 Zoll. Aufgepumpt auf ca. 2,3 Bar bei Reifen mit Schlauch bzw. 2,1 Bar bei schlauchlosen Reifen, kommt man Steigungen effizient hinauf, während in der Abfahrt genügend Grip geboten wird. Egal auf welches System Du setzt - einlagige, stabile Karkassen mit einem Wert um die 60 TPI passen sehr gut zum Einsatzgebiet von Tourenrädern.

Enduro MTBs

Hier liegt der Fokus auf der Abfahrt, wobei noch selbst hochgetreten wird. Der Rollwiderstand spielt also definitiv eine Rolle, wobei er nicht ganz so wichtig ist, da keine Uphill-Rekorde aufgestellt werden sollen. Beim Enduro hat sich dabei eine Reifenbreite um die 2,4 Zoll etabliert. Bis 2,4 Zoll Breite kann man mit Schlauch in etwa ein Druck von 2,0 Bar, bei Tubeless-Systemen von 1,8 Bar empfehlen. Bei Verwendung eines Procore-Systems kann man den Luftdruck nämlich auf bis zu 0,8 Bar absenken, was natürlich enormen Grip ermöglicht. Zweilagige Karkassen mit jeweils ca. 60 TPI bieten guten Pannenschutz und super Dämpfung.

Downhill und Freeride MTBs

Dämpfung, Pannenschutz und Traktion sind daher entscheidend. Der Rollwiderstand tritt in den Hintergrund, vor allem für Freizeitsportler. An den meisten Downhill-Bikes wird man Reifenbreiten um die 2,5 Zoll finden. Mit Schlauch ist ein Luftdruck von ca. 2,0 Bar zu empfehlen, ohne Schlauch in etwa 1,8 Bar. Mehrlagige Karkassen (um die 60 TPI) wie Schwalbe Super Gravity oder Maxxis Double Down sorgen für ordentlich Dämpfung und guten Pannenschutz. Entweder man verwendet sehr dicke Downhill-Schläuche oder man setzt direkt auf ein Tubeless-System. Zusätzliche Pannenschutzsysteme wie Procore oder Huck Norris sind beim Downhill sinnvoll.

Warum rollen dicke Reifen besser als schmale?

Die Erklärung liegt im Einfederungsverhalten. Jeder Reifen flacht unter Belastung unten etwas ab. Daraus resultiert eine ebene Aufstandsfläche. Bei gleichem Luftdruck haben der breite und der schmale Reifen eine gleich große Aufstandsfläche. Während sich der breite Reifen eher in die Breite platt drückt, hat der dünne Reifen eine schmalere aber längere Aufstandsfläche. Das abgeflachte Stück kann man als einen Lastarm interpretieren, welcher der Rollbewegung entgegenwirkt. Durch die stärkere Abflachung des schmalen Reifens wird das Rad „unrunder“ und muss sich beim Abrollen stärker verformen. Beim breiten Reifen wirkt sich die Abflachung weniger in Laufrichtung aus. Daher bleibt er „runder“ und rollt leichter.

Bereits bei 2bar rollt ein 60 mm breiter Reifen so leicht wie ein 37 mm bei 4bar.

Die Vorteile auf einen Blick:

  • er rollt besser
  • deine Fahrtechnik verbessert sich enorm im schwierigen Gelände. Der fette Schlappen steckt viel mehr weg. Ausprobieren!
  • der Fahrkomfort ist um Welten besser. Ein dicker Reifen mit dem richtigen Luftdruck wirkt wie eine zweite Federgabel.

Entscheidend ist, dass der Luftdruck stimmt.

Technische Einschränkungen

Je „fetter“ der Reifen wird, desto schwerer wird er - was sich wiederum bei der Beschleunigung auswirken kann (Trägheitsmoment). Achte darauf, dass du am Hinterrad keinen zu breiten Reifen montierst! An vielen Bikes gibt es wegen den Kettenstreben konstruktiv bedingte Einschränkungen: Hat der Reifen zu wenig Durchlauf, dann wird er beim nächsten kleinen Achter derart am Rahmenrohr anstehen, dass sich nichts mehr bewegt.

Empfehlungen für Tourenbiker

Tourenbiker, die überwiegend auf Forstwegen unterwegs sind, empfehlen wir den Schwalbe Nobby Nic oder den Schwalbe Racing Ralph. Vorne und hinten in der Breite 2.25 - bei wenig Durchlauf hinten den 2.10er Reifen. Für Singletrail-Cracks ist der Schwalbe Fat Albert 2.40 (oder auch 2,25) in puncto Grip nicht zu toppen. Wer seine Fahrtechnik bis Ultimo steigern möchte, sollte unbedingt die UST Schlauchlos Version probieren.

Verwandte Beiträge:

Kommentar schreiben

Kommentare: 0